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Zumeist blieb für Bahoya nur ein Bankplatz in Leeds. Foto: IMAGO / Pro Sports Images

Eintracht brachte Bahoya bei Leeds ins Spiel: So lief der Last Minute Transfer

Es war ein Transfer auf den allerletzten Drücker. Jean-Matteo Bahoya verließ Eintracht Frankfurt am Deadline Day und schloss sich Leeds United an. Die SGE vermeldete in der Nacht am 2. September um 1:45 Uhr eine Leihe bis Saisonende mit anschließender Kaufverpflichtung. Wie hektisch es hinter den Kulissen zuging und welche Rolle die Eintracht selbst bei der Entstehung des Transfers spielte, hat Leeds United nun in einem ausführlichen Rückblick auf den 1. September auf ihrer Homepage offengelegt.

Eigentlich hatte Leeds überhaupt nicht vor, seine Transferaktivitäten bis zum letzten Tag hinauszuzögern. Im Laufe des Deadline Days standen für die Offensive dann aber drei Kandidaten zur Diskussion. Zwei davon wurden aussortiert. Bei einem Spieler gab es unter anderem Zweifel an dessen Pressingqualitäten. Übrig blieb Bahoya. Der Franzose war den Verantwortlichen dabei keineswegs unbekannt. Trainer Daniel Farke und sein Team kannten den schnellen Außenbahnspieler bereits, Leeds hatte seine Entwicklung über einen längeren Zeitraum verfolgt, wie der Klub bekanntgab. Geschäftsführer Robbie Evans spricht von herausragenden Werten und positiven Referenzen. Bahoya sei als Spieler eingeschätzt worden, den Leeds weiterentwickeln könne.

Eintracht hatte Bahoya bereits angeboten

Entscheidend für die Frankfurter Perspektive ist allerdings eine Aussage von Leeds Sportdirektor Adam Underwood. Zwischen beiden Klubs bestand bereits seit längerer Zeit ein guter Draht. Underwoods erster Transfer als Sportdirektor hatte Rasmus Kristensen von Leeds nach Frankfurt geführt. Zudem verhandelten die Verantwortlichen bereits Wochen vorher erneut miteinander, diesmal über Michael Zetterers Wechsel nach England.

Genau bei diesen Gesprächen brachte die Eintracht offenbar auch Bahoya ins Spiel. Underwood berichtet, dass Frankfurt Leeds im Zuge des Zetterer Deals immer wieder auf den Franzosen hingewiesen habe. Für die Engländer sei zudem erkennbar gewesen, dass Bahoya offen für einen Wechsel war. Das ist durchaus bemerkenswert, dass der Wechsel nach Leeds demnach nicht erst dadurch entstand, dass der Premier League Klub am letzten Transfertag plötzlich in Frankfurt anrief. Die Eintracht hatte bereits zuvor signalisiert, dass bei Bahoya etwas möglich sein könnte. Trotzdem begannen die konkreten Verhandlungen laut dem Bericht erst nach 13 Uhr am Deadline Day. Von da an musste alles schnell gehen.

Deadline Day stärkte die Verhandlungsposition von Leeds

Spannend sind auch Underwoods Aussagen über die Konditionen. Leeds wusste, dass mit jeder Stunde der Druck auf die Eintracht größer wurde. Diese Situation habe man genutzt, um ein Modell auszuhandeln, mit dem die Engländer kurzfristig sehr zufrieden waren.
Underwood macht keinen Hehl daraus, dass ein solcher Deal einige Wochen zuvor wohl nicht möglich gewesen wäre. Selbst eine Woche vor Transferschluss hätte Frankfurt nach seiner Darstellung noch auf einen festgelegten Betrag bestanden. Erst die besondere Situation am Deadline Day öffnete offenbar die Tür für eine Leihe mit anschließender Kaufregelung. Interessant hierzu: Eintracht Frankfurt teilte offiziell mit, dass nach der Leihe eine Kaufverpflichtung greife. Leeds bezeichnete den Transfer bei der Bekanntgabe dagegen zunächst als Leihe mit einer Option auf einen permanenten Wechsel. Die „Bild“ berichtete kürzlich dazu, dass nach insgesamt 10 Pflichtspieleinsätzen die Kaufpflicht greift.

Am späten Nachmittag waren sich die Vereine und Bahoyas Berater schließlich einig. Nun musste nur noch der Spieler überzeugt werden.
Bahoya befand sich an diesem Tag noch im Training. Anschließend präsentierte Leeds ihm in verkürzter Form das sportliche Projekt.

Medizincheck aus der Ferne

Danach begann der organisatorische Kraftakt. Für einen regulären Medizincheck in England blieb schlicht keine Zeit mehr. Leeds musste sich deshalb auf medizinische Daten aus Frankfurt verlassen. Der eigentliche Medizincheck wurde deshalb auf den Tag nach dem Deadline Day verschoben. Und selbst abseits des Platzes musste improvisiert werden. Bahoya wollte gemeinsam mit seiner Familie nach England reisen und seinen Hund mitbringen. Bei Leeds beschäftigte man sich deshalb am Abend des Deadline Days neben Transferdokumenten plötzlich auch mit Einreisebestimmungen, Impfstatus und Hundepässen.

Sechs Minuten vor Schluss ging der Deal durch

Währenddessen lief Leeds die Zeit davon. Parallel hing auch der bereits zuvor vereinbarte Transfer von Melvin Bard aus Nizza in der Warteschleife. Erst gegen 22.13 Uhr war dieser Deal abgeschlossen. Für Bahoya musste Leeds schließlich ein sogenanntes Deal Sheet einreichen. Damit wurde dokumentiert, dass grundsätzlich eine Einigung erzielt worden war, wodurch der Klub zusätzliche Zeit für die Formalitäten erhielt. Diese zusätzliche Stunde wurde beinahe vollständig benötigt. Erst sechs Minuten vor Ablauf der Frist für internationale Transfers waren sämtliche notwendigen Schritte erledigt. Bahoya war Leeds Spieler.

Der ehemalige Frankfurter erklärte dazu: „Ich habe es am Nachmittag erfahren. Es ging alles so schnell. Ich hatte nicht viel Zeit zum Nachdenken, aber für mich war es ein gutes Projekt. Für mich war es kein Druck. Es war einfach eine großartige Chance und ich habe sie gerne ergriffen. Wenn die Transferfrist abläuft, überlegt man sich, welche Möglichkeiten man hat. In Frankfurt zu bleiben, war für mich ebenfalls eine Möglichkeit, aber nicht die beste. Als ich dann das Telefonat mit dem Trainer in Leeds hatte, war das meine erste Wahl.“

Bislang nur ein Kurzeinsatz

Sportlich hat sich der Last Minute Wechsel für Bahoya bislang noch nicht in viel Spielzeit niedergeschlagen. Sein Premier League Debüt feierte der Franzose am 20. September gegen Crystal Palace. Farke brachte ihn erst in der 91. Minute. Bei der französischen U21 erhielt er zuletzt dagegen deutlich mehr Spielpraxis und stand gegen Island und Estland über je 67 und 78 Minuten auf dem Platz.

Ein Kommentar

Fallback Avatar 1. mainesge 01. Oktober 26, 11:02 Uhr

Zweifellos talentiert. Ich habe ihn ihm aber nie das enorme Potential gesehen wie andere, hab aber auch nicht viel Ahnung 😊 ich hätte ihn schon vor einem Jahr für 30M€ ziehen lassen. Ich befürchte er kann sich in England nicht durchsetzen. Würde mich nicht wundern, wenn er keine 10 Spiele macht. Aber vielleicht straft er mich auch Lügen, darf er gerne machen.

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