Ritsu Doan blickt trotz einer enttäuschenden ersten Saison bei Eintracht Frankfurt optimistisch nach vorne. Der japanische Nationalspieler sieht unter Adi Hütter einen spürbaren Neuanfang und glaubt, dass die Mannschaft mit mehr Intensität und einer veränderten Mentalität wieder zu alter Stärke zurückfinden kann. Im Interview mit dem „Kicker“ spricht der 28-Jährige offen über die Ursachen der vergangenen Spielzeit, seine eigene Verantwortung und den Neustart unter dem neuen Trainer.
Schon nach den ersten Trainingseinheiten hat Doan das Gefühl, dass sich bei der Eintracht etwas verändert hat. Besonders der neue Trainer hinterlasse sofort Eindruck: „Man merkt bei ihm sofort, dass er der Boss ist, mit einer natürlichen Autorität.“ Hütter vermittle klare Vorstellungen, denen die Mannschaft geschlossen folge: „Jeder in der Mannschaft ist sehr positiv gestimmt.“ Vor allem ein Aspekt unterscheide die aktuelle Vorbereitung von der vergangenen Saison. „Schon im Training spürt man die Intensität, die wir in der vergangenen Saison nicht auf den Platz gebracht haben“, erklärt der Japaner, der auch schon am eigenen Leib einige Unterschiede spüre: „Auch mein Körper merkt das. Intensität ist extrem wichtig im Fußball.“ Dass die ersten Testspiele bereits einen Vorgeschmack auf Hütters Spielidee geliefert haben, sieht Doan genauso. Das aggressive Pressing gegen Trabzonspor sei kein Zufall gewesen: „Ja, wir versuchen, die Ideen des Trainers bestmöglich umzusetzen.“ Entscheidend sei dabei, dass die gesamte Mannschaft geschlossen arbeite und „alle anderen folgen“, wenn ein Spieler hoch presst. Natürlich funktioniere noch nicht alles perfekt. Entscheidend sei zunächst die richtige Haltung: „Für unser Mindset ist es sehr wichtig, diese Einstellung zu zeigen und die Vorgaben zu verinnerlichen.“
Unzufriedenheit auch mit eigener Saison
Mit bemerkenswerter Offenheit blickt Doan gleichzeitig auf seine erste Saison im Frankfurter Trikot zurück. „Ich bin mit meiner Performance nicht zufrieden“, resümiert er. Nach einem gelungenen Saisonstart habe die Mannschaft Schritt für Schritt ihr Selbstvertrauen verloren, vor allem durch schmerzhafte Niederlagen. Aus Sicht des Japaners hatte das gravierende Auswirkungen auf die Spielweise: „Wir haben praktisch aufgehört, Fußball zu spielen.“ Besonders die fehlende Intensität sei für ihn rückblickend einer der Hauptgründe gewesen. Ob Müdigkeit oder mangelndes Selbstvertrauen ausschlaggebend gewesen seien, könne er nicht eindeutig beantworten. Das Ergebnis sei jedoch sichtbar gewesen: „Von außen sah es so aus, als hätten wir keine Energie gehabt.“ Genau dort setze die Mannschaft nun an. „Das ist der erste Schritt, an dem wir momentan arbeiten.“ Die Zielsetzung beschreibt Doan klar: „Wir wollen unsere Haltung und unsere Spielweise verändern.“ Trotz aller Schwierigkeiten bereute der Offensivspieler seinen Wechsel nach Frankfurt jedoch nie. „Ehrlich gesagt war die letzte Saison für mich sehr hart. Ich bereute den Wechsel zu keinem Zeitpunkt. Das ist ein großer Klub mit riesigem Potenzial, tollen Fans und einem großartigen Stadion. Ich fühle mich bei diesem Verein und in der Stadt Frankfurt wohl.“
Einen wesentlichen Knackpunkt sieht Doan auch in den Erlebnissen der Champions League. Nach den deutlichen Niederlagen gegen Atlético Madrid, Liverpool und Bergamo sei die anfängliche Euphorie schnell verflogen: „Wir konnten die Spiele nicht mehr richtig genießen.“ Statt Vorfreude sei zunehmend Angst entstanden: „Wir hatten plötzlich Angst, in die Spiele zu gehen. Angst davor, erneut zu verlieren.“ Gerade auf höchstem Niveau sei das fatal. Hinzu kamen zahlreiche Verletzungen und taktische Umstellungen, die der Mannschaft zusätzlich zusetzten.
Dass er in der vergangenen Saison auf unterschiedlichen Positionen eingesetzt wurde, möchte Doan dabei ausdrücklich nicht als Ausrede gelten lassen. Sowohl unter Dino Toppmöller als Schienenspieler als auch später unter Albert Riera auf einer ungewohnten Position habe er versucht, der Mannschaft zu helfen. „Es liegt also in meiner Verantwortung, bessere Leistungen zu zeigen. Das kann und will ich nicht auf die Mannschaft oder das System schieben“, erklärt er. Auch über Riera verliert Doan trotz schwieriger Monate keine schlechten Worte: „Ich möchte nicht negativ zurückschauen. Es gab durchaus auch einige positive Punkte, die er eingebracht hatte.“
Nach der WM mit Vollgas zur SGE
Die Weltmeisterschaft mit Japan half Doan anschließend, einen Schlussstrich unter die vergangene Saison zu ziehen. Zwar endete das Turnier für die „Samurai Blue“ mit einer bitteren Niederlage gegen Brasilien im Sechzehntelfinale, dennoch blickt der 28-Jährige positiv auf die vergangenen Wochen zurück. Den anschließenden Urlaub habe er bewusst genutzt, um neue Kraft zu sammeln: „Mit der Rückkehr zur Eintracht war die Enttäuschung verflogen und ich schaue wieder positiv nach vorne.“
Optimistisch blickt Doan auch auf die Entwicklung seiner japanischen Teamkollegen bei der Eintracht. Besonders Keita Kosugi traut er den Durchbruch zu: „Keita ist ein guter Spieler mit der richtigen Einstellung.“ Dessen Intensität passe hervorragend zur Bundesliga: „Ich denke, diese harte Arbeit schätzt auch unser Trainer Adi Hütter. Er kann für die Eintracht in Zukunft ein sehr bedeutender Spieler werden.“ Auch über Stürmer Keito Kumashiro äußerte sich Doan positiv und sieht in beiden Landsleuten viel Potenzial – sowohl für die japanische Nationalmannschaft als auch für die Eintracht.
Die Aussagen des Offensivspielers zeigen vor allem eines: Doan will seine Premierensaison bei der Eintracht hinter sich lassen und übernimmt Verantwortung für seine eigenen Leistungen. Gleichzeitig spürt er unter Adi Hütter einen spürbaren Neuanfang mit mehr Intensität, mehr Selbstvertrauen und einer veränderten Mentalität. Es scheint, als ob sein Blick in Frankfurt nur eine Richtung kennt: nach vorn.






2 Kommentare
Führungsspieler ! Qualität ! Mentalität! Ich freu mich auf die kommende Saison!
Kann eigentlich nur bergauf gehen.
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