Zum Jahreswechsel ist es Zeit, zurückzublicken – aber vor allem nach vorne. Für Eintracht Frankfurt gibt es zum Start ins neue Jahr einige Stellschrauben, an denen gedreht werden sollte. Grund genug für unsere beiden Redakteure Emre Erdem und Florian Bauer, drei persönliche Wünsche für die SGE vorzustellen.
Das sind die Wünsche von Florian Bauer:
1. Eine stabilere Defensive
Der wohl offensichtlichste Wunsch betrifft die Abwehr. In der Hinrunde präsentierte sich die Eintracht defensiv zu anfällig. Zu viele einfache Gegentore, zu wenig Konsequenz im Zweikampf und immer wieder Abstimmungsprobleme – all das sorgte dafür, dass unnötig Punkte liegen gelassen wurden. Gerade gegen Teams auf Augenhöhe oder sogar aus dem unteren Tabellendrittel fehlte es oft an der letzten Stabilität. Eine bessere defensive Organisation wäre die Basis, um insgesamt konstanter aufzutreten und Spiele auch mal „dreckig“ über die Zeit zu bringen. Eine weitere Schwäche in der Abwehr der Hessen waren die immer wiederkehrenden eklatanten Fehler, die zu direkten Gegentoren führten. Wenn die SGE diese abstellen kann, vermeidet man immer wieder ins Hintertreffen zu geraten und kann die Spiele öfter ruhiger angehen.
2. Weniger Verletzungspech
Ein weiterer großer Faktor war das enorme Verletzungspech. In den vergangenen Wochen musste die SGE immer wieder schmerzhafte Ausfälle verkraften. Spieler wie Jonathan Burkardt, Hugo Larsson, Ellyes Skhiri oder Michy Batshuayi fehlten oder fielen zeitweise aus – teils mit schweren Verletzungen. Vor allem im Sturm war die SGE zuletzt sehr stark geschwächt und ging auf dem Zahnfleisch. Das schwächt nicht nur die Qualität auf dem Platz, sondern erschwert auch jede Form von Kontinuität. Ein fitter Kader würde automatisch mehr Optionen eröffnen und für mehr Stabilität im Spiel sorgen.
3. Weniger überzogene Erwartungen, mehr Ruhe
Mein vielleicht wichtigster Wunsch: eine realistischere Erwartungshaltung rund um den Verein. Manchmal entsteht das Gefühl, die SGE sei ein europäischer Topklub und müsse – egal in welchem Wettbewerb – jedes Spiel gewinnen und dauerhaft um die Champions-League-Plätze mitspielen. Dabei wird oft vergessen, wo der Klub herkommt und wie rasant die Entwicklung in den letzten Jahren war. Die SGE ist stetig gewachsen und befindet sich weiterhin auf einem sehr guten Weg. In diesem Jahr steht man sogar in der Champions League, wo natürlich andere Kaliber warten, als die Hessen in den letzten Jahren gewohnt war. Dass die Mannschaft nicht durch diese Saison spazieren wird, war klar. Es war auch klar, dass es kleinere Dellen geben wird. Trotzdem geht es nach fast jedem Spiel los und die Mannschaft, vor allem aber Cheftrainer Dino Toppmöller, der in den letzten Jahren bereits extrem gute Arbeit bei der SGE gemacht hat, wird heftig kritisiert, teilweise sogar als „Floppmöller“ oder „Praktikant“ beleidigt. Das ist nicht nur ein Unding, sondern auch in keinem Fall zielführend. Weniger übertriebene öffentliche Kritik und mehr Ruhe würden helfen, damit die Verantwortlichen ihre Arbeit konzentrierter und langfristiger ausführen können. Daher mein Wunsch: Weniger überzogene Kritik, mehr Realismus.
Das sind die Wünsche von Emre Erdem:
1. Weniger Angst, mehr Leidenschaft
Mein erster Wunsch betrifft das, was Michael Zetterer nach dem Wolfsburg-Spiel in der Mixed Zone und ich in einem Beitrag monierten: Die fehlende Leidenschaft und Wehrhaftigkeit. In vielen Spielen agierte die Mannschaft zu zaghaft, zu brav, zu naiv und zu groß war immer die Angst vor dem Gegner. Zu oft waren die Aufstellungen an den Gegner angepasst, mir fehlten die Courage und das Selbstbewusstsein, die die SGE normalerweise vor allem in den Europa-Cup-Nächten ausstrahlt. Das belegt die Fairness-Tabelle, in der sie führend ist. Ja, ist einerseits lobenswert, wenn man zu den fairsten Mannschaften gehört, andererseits ist es nicht verboten, den Gegenspieler per taktischem Foul zu stoppen, und wenn es dafür die gelbe Karte gibt. „Frankfurt makes trouble“ war der Leitsatz, mit der Dino Toppmöller eine Ära prägen möchte, doch bisher liegen Theorie und Praxis weit voneinander entfernt. Respekt vor dem Gegner sollte stets gegeben sein, darf aber nicht in Angst münden. Es ist oft ein schmaler Grad und doch muss klar differenziert werden. Die Eintracht muss zudem dafür sorgen, dass auch ihr Kontrahent Respekt vor ihr hat. Respekt ist keine Einbahnstraße, sondern beruht auf Gegenseitigkeit. Das gelingt ihr durch mehr Leidenschaft und Wehrhaftigkeit und weniger Angst.
2. Winter-Transfers
Welch eine Erleichterung. Mit dem Frankfurter „Bubb“ Younes Ebnoutalib konnte Eintracht-Macher Markus Krösche einen Spieler fürs Angriffszentrum verpflichten und tütete nach Love Arrhov und Keita Kosugi den dritten Winter-Neuzugang ein. Aufgrund der dünnen Personaldecke sollte sich die SGE aber nicht darauf ausruhen. Nicht nur ein weiterer Stürmer muss noch her, sondern positionsübergreifend fehlen Dino Toppmöller noch Spieler, um die nötige Kaderbreite und -tiefe zu haben. Auf der Sechs ist seine Mannschaft ebenfalls auf Kante genäht, zudem fehlen mit Fares Chaibi und Ellyes Skhiri aufgrund des Afrika-Cups zwei Stammspieler. Vitaly Janelt, Sergi Altimira und zuletzt Anthony Dennis wurden zuletzt gehandelt. Egal wer, die SGE braucht dringend Verstärkung, damit sie die gegnerischen Konter besser abwehren kann. Zu oft ließen sich Toppmöllers Mannen auskontern, weil die Absicherung im defensiven Mittelfeld fehlte. Auch in der Innenverteidigung herrscht Handlungsbedarf. Mehrmals betonte der Coach, dass seine Spieler auf der letzten Rille laufen. Bestes Beispiel ist Robin Koch, der jedes Spiel durchspielen musste und im letzten Heimspiel gegen Augsburg an seine Grenzen kam. Zu wenig wurde er und Arthur Theate entlastet. Aurèle Amenda ist zudem die einzige Alternative, kam aber auch kaum zum Zug, weshalb er mit einem Abgang in Verbindung gebracht wird. Bei all der durchaus berechtigten Kritik an Toppmöller und der teils einfallslosen Spielweise muss man dem Fußballlehrer auch die faire Chance geben und Spieler zur Verfügung stellen, damit er auch erfolgreich arbeiten kann. Transfers sind die Lösung. Mit Ebnoutalib, Arrhov und Kosugi ist schon mal eine gute Basis geschaffen.
3. Versöhnlicher Abschied aus der Champions League
Dass die Frankfurter Eintracht eine Saison absolviert ohne an einem internationalen Wettbewerb teilzunehmen, ist inzwischen unvorstellbar. Doch das Erreichen der Champions League über die Liga war ein weiterer Meilenstein in der erfolgreichen Entwicklung von Eintracht Frankfurt. Letztendlich ist die Königsklasse jedoch eine Nummer zu groß für den Europa League-Sieger 2022, wie sich während der Ligaphase herausstellte. Klar, die Adler hatten auch etwas Pech mit der Auslosung. Dennoch wurde klar, dass es die SGE noch nicht mit der absoluten Elite aufnehmen kann, es ist deswegen auch keine Schande, sollten die Hessen am Ende komplett ausscheiden. Mein Wunsch lautet deshalb, in den letzten beiden Spielen bei Qarabag Agdam, auch ohne Fans, und zuhause gegen Tottenham Hotspur sich zu teuer zu verkaufen und für einen versöhnlichen Abschied zu sorgen, sollte der Einzug in die Playoffs verpasst werden, was ziemlich wahrscheinlich ist. Klar mit zwei Siegen wäre sicherlich noch alles möglich, sag niemals nie, aber in erster Linie geht es für mich darum, nochmal zwei (womöglich) letzte magische Nächte in Europa zu erleben. Außer bei der magischen 5:1-Gala gegen Gala zum Auftakt war bisher davon nichts zu sehen. Das ist die Eintracht den Fans definitiv schuldig.
Wenn diese drei Wünsche im neuen Jahr zumindest teilweise in Erfüllung gehen, stehen die Chancen gut, dass Eintracht Frankfurt wieder konstanter, erfolgreicher – und vor allem ruhiger – auftreten kann. Manchmal ist Geduld eben genauso wichtig wie Ehrgeiz.






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