Die letzten Wochen bei Eintracht Frankfurt liefen sportlich wieder deutlich besser. Die Mannschaft scheint sich unter Neu-Trainer Albert Riera wieder gefunden zu haben, vor allem die Defensive steht wieder deutlich sicherer. Zuletzt gab es beim 2:0 gegen den SC Freiburg und das gestrige 0:0 beim FC St. Pauli sogar zwei Spiele ohne Gegentor. Einer der Gewinner dieser Phase ist ohne Frage Aurèle Amenda. Der Innenverteidiger hat sich zuletzt in die Stammelf gespielt und überzeugte mit starken Leistungen in der Abwehrzentrale neben Kapitän Robin Koch. Der Schweizer sprach im Interview mit „Absolut Fußball“ offen über schwierige Monate, seine Entwicklung unter Trainer Albert Riera und seine wachsende Rolle im Team.
Nach zuletzt mehr Einsatzzeit wirkt Amenda deutlich gefestigter. „Wenn man im Rhythmus ist, dann fühlt man sich immer gut. Ich fühle mich extrem wohl in diesem Team, es macht auch sehr viel Spaß“, so der 22-Jährige, der auch die Stimmung lobte: „Ob im Training oder auf dem Platz in diesem Stadion – die Atmosphäre ist immer sehr geil. Ich fühle mich physisch wie mental hervorragend.“ Doch der Weg dahin war alles andere als einfach für den Abwehrmann, der lange nicht zum Stammpersonal zählte. Auch der gesamte Klub machte eine schwierige Zeit durch, wei er betonte: „Wir hatten kollektiv keine einfache Zeit. Es ist auch nicht leicht zu sagen, woran das lag.“ Ein Faktor seien die zahlreichen Verletzungen gewesen, die die Mannschaft „außergewöhnlich hart getroffen“ hätten. Gleichzeitig sieht Amenda auch sportliche Gründe: „Wir haben zu viele Gegentore bekommen und zu viele Fehler gemacht.“ Die Folge war eine belastete Stimmung innerhalb der Mannschaft: „Wenn man ständig Nackenschläge kassiert, leidet natürlich auch die Atmosphäre darunter.“ Inzwischen habe sich das jedoch verändert: „Jetzt sind alle wieder positiv – und das sieht man auch auf dem Platz.“
In die Zeit, in der die SGE nicht performte wie gewohnt, fiel auch das frühe Aus in der Champions League. „Das tat uns weh, auch wenn wir natürlich wussten, dass wir auf einige internationale Top-Mannschaften treffen“, erklärte der Schweizer, der auch ein Beispiel eines oben beschriebenen Nackenschlags anbrachte: „Wir haben gegen Liverpool 1:0 geführt und sind dennoch mit einem 1:3 in die Pause gegangen.“ Er hoffe nun, dass die Mannschaft daraus lerne: „Uns haben in wichtigen Szenen die nötige Erfahrung und Abgezocktheit gefehlt. Aber das nehme ich für die Zukunft mit, um mich persönlich weiter zu verbessern.“
Auch individuell erlebte Amenda eine komplizierte Phase. Nach der Vorbereitung war er plötzlich außen vor, spielte kaum. „Ich hatte mir meine persönliche Situation auch anders vorgestellt, bin aber immer positiv und mental stark geblieben“, blickt er auf die Zeit zurück: „Ich habe weiterhin hart trainiert und auf meine Chance gewartet. Das vergangene Halbjahr war nicht einfach, aber es hat mich stärker gemacht.“ Besonders dankbar ist er für die Unterstützung im Team – etwa von Urgestein Timothy Chandler: „Vor allem Timothy Chandler war sehr eng mit mir. Dafür bin ich ihm sehr dankbar.“ Zur sportlichen Situation kamen immer wieder Verletzungen hinzu: „In Frankfurt kam ich verletzt an und hatte kurze Zeit wieder einen Rückschlag. Das war mental nicht einfach für mich“, so der Rechtsfuß, der auch hier positive Lehren gezogen habe: „Ich konnte an mir arbeiten und mental stärker werden. Diese Erfahrungen haben mich besser gemacht.“
Wechselgedanken im Winter
Nachdem er kaum spielte, stand im Winter sogar ein Wechsel im Raum, wie er verriet: „Ich bin 22 Jahre alt und hatte wenig Spielzeit. Das war natürlich unbefriedigend für meine Entwicklung.“ Anfragen anderer Vereine gab es tatsächlich. Letztlich blieb er – auch wegen eines Gesprächs mit Sportvorstand Markus Krösche: „Markus Krösche hat viel mit mir gesprochen und gesagt, dass mein Weg in Frankfurt weitergeht. Ich habe ihm vertraut, bin geblieben und habe weiter gekämpft.“ Spätestens seit der Ankunft von Neu-Trainer Albert Riera und einigen Verletzungen von anderen Abwehrspielern wie Rasmus Kristensen oder Arthur Theate hat sich die Situation verändert. „Albert Riera sagt, dass man mit viel Mut spielen muss. Er gibt uns Spielern viele praktische Dinge an die Hand und jeder weiß ganz genau, was er zu tun hat“, erklärte er und betonte, dass er auch individuell viel gelernt habe: „Er hat mir erklärt, wie ich nach vorn verteidigen und nach vorn spielen muss. Genau das probiere ich umzusetzen.“ Vor allem das Vertrauen des Trainers sei entscheidend: „Der Trainer schenkt der gesamten Mannschaft und mir sehr viel Vertrauen. Das hilft allen.“
Neben dem Spanier hat er in Kapitän Robin Koch aber auch einen Spieler, von dem er sehr profitiert: „Robin hat sehr viel Erfahrung. Ich bin generell ein lernwilliger Spieler und von Robin kann ich sehr viel lernen.“ Die Kommunikation zwischen beiden funktioniere immer besser: „Er redet viel mit mir, ob im Training oder im Spiel. Davon profitiere ich. Wir harmonieren gut miteinander.“ Außerdem habe sich unter Riera auch taktisch einiges verändert: „Albert Riera legt viel Wert auf eine mannorientierte Verteidigung und weniger auf eine Zonenverteidigung.“ Die Aufgabe seien daher klar verteilt: „Wenn ein Spieler seinen Mann hat, ist er für ihn zuständig“, so Amenda, der die Mannschaft auf einem guten Weg sieht: „Wir versuchen das auf den Platz zu bringen und uns ständig zu verbessern.“ Neben der Art und Weise, wie die Mannschaft verteidige, habe Riera auch weitere Änderungen in den Alltag der Profis gebracht. „Teilweise haben wir anderthalb bis zwei Stunden Videoanalyse. Das ist normalerweise viel“, so Amenda, der aber betonte, dass es geholfen habe, da die Mannschaft die „Prinzipien immer besser“ verstehe.
Langfristig hat Amenda große Ziele – persönlich als auch mit der Eintracht. Mit den Frankfurtern will er unbedingt international spielen, sein persönlicher Traum ist zudem die Teilnahme an der Weltmeisterschaft im Sommer mit der Schweiz. „Die Teilnahme an der Weltmeisterschaft wäre eine große Ehre. Meine Familie wäre sicherlich stolz auf mich“, träumt er. Nachdem er zuletzt öffentlich Lob bekam – nicht nur in Frankfurt, sondern auch von Stars wie Breel Embolo – motiviere ihn das: „Wenn du so etwas liest, verlangst du noch mehr von dir selbst.“
Nach schwierigen Monaten scheint Aurèle Amenda nun endgültig in Frankfurt angekommen zu sein – und will den nächsten Schritt gehen, mit der Eintracht und vielleicht sogar auf der ganz großen Bühne.






3 Kommentare
Amenda ist zur Zeit unser bester Abwehrspieler.
Mich ärgert immer noch, dass er so lange keine vernünftige Chance
bekam.
Sorgen mache ich mir um Collins, ehemals einer meiner Lieblingsspieler.
Aber fast jeder zweite Pass ist irgendwie mit Risiko behaftet.
Er überlegt auch manchmal zu lange und kommt dann in Probleme.
Er würde uns mehr helfen, wenn er weiter nach vorne marschieren
dürfte.
Die zwei Lichtblicke gegen Freiburg kaschieren das wirkliche Vermögen
von Chaibi. Er ist einfach zu behäbig, macht das Spiel langsam oder
verliert den Ball. Keine neuen Situationen, keine Tiefenläufe, immer der
gleiche Trab.
Warum er immer wieder die Standards übernehmen darf, ist für mich
ein Rätsel.
Was der Bub für ein 'Füßchen' hat. Aus dem Stand, geschlenzt oder gechipt, diagonal oder vertikal: perfekt getimet und präzise... leider wurden viel zu viele davon von unseren Jungs vorne suboptimal oder gar nicht verarbeitet. Wobei es gg. Blessins Catenaccio gestern auch echt kein Vergnügen war.
Aurele zeigt mittlerweile wieder die Skills, mit denen er bei YBB so überragend aufgespielt hat und weshalb ich so zuversichtlich war, dass er bei uns genauso einschlägt. Tatsächlich ist er auf seine Weise ein Spielmacher, der gerne das komplette Feld vor sich hat, um mit seinen Pässen unmittelbar die Offensive zu initiieren. [Erinnert an Hase oder auch Mats Hummels... beide nicht sehr schnell, aber eben super Stellungsspieler in Liberomanier]
Ich bin heilfroh, dass er noch hier ist - und das vermutlich auch nur, weil es jeweils keine wirklich passende Option gegeben hat. Ich gehe davon aus, dass Albert [eher als Dino] seine Qualitäten voll erkennt und auch unser Spiel noch mehr danach lenkt. Das gestrige jedenfalls war wohl eher kein ausgemachter Coaching-Coup.
Ich frage mich auch, warum Amenda unter Dino Toppmöller fast kein Chancen bekommen hat. Das verstehe ich besonders deshalb nicht, weil Collins damals eine sehr schwache Phase hatte und trotzdem immer wieder bevorzugt wurde. Und Amenda war ja nicht der einzige Spieler, der unter Toppmöller kaum Möglichkeiten bekommen hat.
Zurzeit macht Amenda seine Sache wirklich gut. Ich habe Collins unter Toppmöller oft kritisiert, und auch am Wochenende war seine Leistung nicht perfekt. Trotzdem muss ich sagen, dass er aktuell deutlich besser spielt als noch unter Toppmöller.
Meiner Meinung nach hätte der Trainerwechsel ruhig etwas früher kommen könnn. Wenn Riera die komplette Wintervorbereitung mit der Mannschaft gehabt hätte, würden wir meiner Ansicht nach wahrscheinlich ein oder zwei Plätze höher in der Tabelle stehen. Insgesamt finde ich, dass er seine Aufgabe bisher wirklich sher gut macht.
Eine Sache möchte ich dennoch kritisieren: Mir gefällt es persönlich nicht so sehr, dass Nathaniel Brown auf der rechten Seite spielt. Wahrscheinlich hat das taktische Gründe, zum Beispiel damit Kali defensiv weniger arbeiten muss. Trotzdem finde ich, dass Brown auf der linken Seite besser aufgehoben ist. In bestimmten Spielen kann ich die Entscheidung verstehen, aber grundsätzlich sollte links seine Stammposition sein.
Dort hat er gezeigt, wie stark er spielen kann. Auch bei seinen letzten Toren ist er meist von links gekommen, und im Zusammenspiel mit Jean‑Matteo Bahoya funktioniert das meiner Meinung nach ebenfalls sehr gut.
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