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Namdi Collins erlebte eine Saison der Extreme - im Positiven wie im Negativen. Foto: IMAGO / Sven Simon

Collins: „Ab sofort gilt: Weniger reden, mehr Taten sprechen lassen.“

Für Nnamdi Collins war die abgelaufene Saison ähnlich wie für die gesamte Mannschaft der Frankfurter Eintracht eine Spielzeit der Extreme. Der Verteidiger der Hessen erlebte sportliche Höhen wie sein Debüt in der deutschen Nationalmannschaft und die ersten Einsätze in der Champions League, musste aber auch Rückschläge, Kritik und seine erste schwere Verletzung verkraften. Im Interview auf der Vereinshomepage blickte der 22-Jährige nun selbstkritisch auf die vergangenen Monate zurück – und richtete den Blick gleichzeitig nach vorne.

Dabei griff Collins zunächst einen Satz auf, den er bereits vor einem Jahr geprägt hatte: „Der Weg zum Profi ist ein Marathon, kein Sprint.“ Rückblickend passe dieser Vergleich auch auf die Saison der Eintracht. „Als Mannschaft haben wir sicher keine einfache Saison mit vielen Ups and Downs hinter uns“, erklärte der Rechtsverteidiger. Die sportlichen Ziele seien verfehlt worden, weshalb die Hessen in der kommenden Saison nicht international vertreten sein werden. Umso klarer formulierte Collins die Marschroute für die Zukunft: „Dafür können und möchten wir es 2026/27 wieder viel, viel besser machen.“ Der Fokus müsse nun voll auf Bundesliga und DFB-Pokal liegen. Seine Botschaft an Mannschaft und Umfeld: „Ab sofort gilt: Weniger reden, mehr Taten sprechen lassen.“

Gerade der DFB-Pokal gewinnt für Collins nach dem Verpassen des internationalen Geschäfts noch einmal an Bedeutung. Das unglückliche Ausscheiden im Elfmeterschießen gegen Borussia Dortmund schmerzt den Abwehrspieler weiterhin. „100-prozentig!“, antwortete er auf die Frage, ob der Wettbewerb nun noch wichtiger werde. „Zum einen genießt dieser Wettbewerb in Frankfurt ohnehin einen besonderen Stellenwert.“ Zudem habe ein Großteil des aktuellen Kaders noch keine große Trophäe gewonnen. „Wir sind alle hochmotiviert“, betonte Collins und ergänzte: „Wer möchte nicht gerne irgendwann eine Trophäe in den Händen halten?“

Persönlich blickt der Nationalspieler auf ein Jahr voller Lernprozesse zurück. Vor seiner Verletzung gehörte Collins zu den unumstrittenen Stammspielern der Eintracht, dennoch spricht er von einer Saison mit „Höhen und Tiefen“. Besonders wertvoll sei die Entwicklung gewesen, die er durchlaufen habe. „Alles in allem kann ich dem viel Gutes abgewinnen, weil die Lernkurve sehr steil war“, sagte der 22-Jährige. Sein erstes Profijahr sei noch „ein bisschen wie im Märchen“ gewesen. Die zweite Saison hingegen habe ihn mit den Realitäten des Profifußballs konfrontiert. Besonders deutlich wurde das rund um sein Debüt in der deutschen Nationalmannschaft. „Das Debüt war im ersten Moment mein schönster Tag als Fußballer, ein Traum, der sich erfüllt hat“, erzählte Collins. Doch die Euphorie hielt nicht lange an. Nach einer schwachen Leistung folgten Kritik und Gegenwind. „Ich habe mit 21 Jahren erstmals wirklich Gegenwind gespürt – nach einem zugegeben schlechten Spiel.“ Diese Erfahrung habe ihn zunächst beschäftigt: „Danach habe ich erstmal viel nachgedacht und einen Moment gebraucht, um mich zu finden.“ Heute blickt er deutlich gelassener darauf. „Wenn mir das nochmal passieren würde, würde ich mir denken: Gar kein Problem, dann mache ich das nächstes Mal besser.“ Großen Rückhalt erhielt Collins in dieser Phase vom Verein. „Besser hätte ich es mir nicht vorstellen können“, sagte er über den Umgang der Eintracht mit seiner Situation. Besonders die Gespräche mit Verantwortlichen hätten ihm geholfen: „Der Verein hat mir viel Zeit gegeben und mir den Rücken gestärkt.“ Auch Ex-Trainer Dino Toppmöller hob Collins hervor. „Unser damaliger Trainer Dino Toppmöller hat weiter auf mich gesetzt“, erklärte er. Dieses Vertrauen habe ihm „unglaublich viel bedeutet“.

Zu den besonderen Momenten der Saison gehörten für Collins auch die ersten Schritte auf der größten europäischen Bühne. Die Teilnahme an der Champions League bezeichnete er als „krasses Erlebnis“. Vor allem das Auftaktspiel gegen Galatasaray bleibt ihm in Erinnerung. „Direkt das 5:1 zum Auftakt gegen Galatasaray – einer der größten Klubs in der Türkei“, sagte Collins. Gleichzeitig überwiegt aber auch eine gewisse Enttäuschung: „Dass wir nach diesem Statement nur einen weiteren Punkt geholt haben, ist enttäuschend und hat ein bisschen zur Saison gepasst.“ Einen bleibenden Eindruck hinterließen zudem die Duelle mit Europas Topklubs. Besonders die Niederlage gegen Atlético Madrid sieht Collins im Nachhinein als wichtige Lektion. „Das war Anschauungsunterricht auf höchstem Niveau“, erklärte er. Während bei der Eintracht wenig zusammenlief, habe Atlético eindrucksvoll gezeigt, was internationale Spitzenklasse ausmacht. Als stärksten Gegenspieler seiner bisherigen Karriere bezeichnete Collins deshalb Ademola Lookman.

Auch die Trennung von Dino Toppmöller beschäftigte den Verteidiger. Das 3:3 in Bremen, bei dem Collins sein erstes Saisontor erzielte, sei rückblickend ein Sinnbild der gesamten Spielzeit gewesen: „Es hat sich oft angefühlt wie in einem Zwischenraum: Nicht unterirdisch, aber auch selten wirklich überzeugend.“ Den Trainerwechsel erlebte er als schwierige Situation. „Der Trainer ist irgendwann der Leidtragende dessen, dass wir Spieler nicht überzeugt haben“, sagte Collins offen. Deshalb habe er sich sogar „mitschuldig gefühlt“.

Als Verteidiger schmerzten ihn vor allem die vielen Gegentore. „Je länger die Saison dauerte, spielte zwangsläufig der Kopf mit, wenn du Woche für Woche eine Drei hinten stehen hast“, erklärte er. Gleichzeitig wehrte er sich gegen einfache Schuldzuweisungen. „Wir verteidigen im Kollektiv und greifen an im Kollektiv.“ Es sei weder fair, die Defensive allein für Gegentore verantwortlich zu machen, noch die Offensive allein für erzielte Treffer zu loben.

Ende März folgte schließlich der nächste Rückschlag. Eine Sprunggelenksverletzung zwang Collins zu einer längeren Pause und beendete seine Saison vorzeitig. Mittlerweile ist die Reha jedoch abgeschlossen. „Die Reha liegt seit Kurzem hinter mir“, berichtete der Verteidiger. Er habe den Prozess ohne unnötigen Druck durchlaufen und sich darauf konzentriert, „kerngesund zurückzukehren“. Selbst der Verletzung konnte Collins positive Seiten abgewinnen. „Ich hatte an den Wochenenden viel Zeit“, sagte er lachend. Die freie Zeit habe er genutzt, um mehr mit Familie und Freunden zu unternehmen. Zudem half ihm seine grundsätzlich positive Einstellung. „Verletzungen gehören dazu; sich deswegen Druck zu machen, hilft nicht.“ Einen besonderen Anteil an seiner guten Laune hatten dabei offenbar auch seine Haustiere: „Zumal ich noch meine Hauskatzen habe, die für mich immer ein schöner Ruhepol sind.“

Mit Blick auf die neue Saison zeigt sich Collins optimistisch. Nach seiner eigenen Einschätzung befindet er sich bereits wieder bei „90 bis 95 Prozent“. Deshalb rechnet er fest damit, pünktlich zum Trainingsauftakt wieder voll angreifen zu können. Und nach den Erfahrungen der vergangenen Monate scheint klar: Der nächste Marathon hat für Nnamdi Collins bereits begonnen.

2 Kommentare

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Ich muss immer schmunzeln, wenn ich so ein Zitat in der Überschrift lese und dann ein langes Interview mit vielen Worten folgen. Ich hoffe Collins findet wieder in die Spur und hilft die Abwehr zu stabilisieren.

Super fand ich gestern Brown in der Nationalmannschaft. Er war hinten und vorne sehr präsent und hat gute Chancen bei der Weltmeisterschaft eine Rolle zu spielen. Mit unseren schwierigen Saison hatte er nur wenig Möglichkeiten sich richtig zu zeigen.

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Fallback Avatar 2. deraldesack 01. Juni 26, 12:23 Uhr

Collins ist von den körperlichen Vorrausetzungen ein Top Innenverteidiger, der dank seiner Schnelligkeit auch rechts verteidigen kann. Er ist kein Edeltechniker, aber das muss er auch nicht sein. Er muss noch an seiner Positionierung arbeiten
(kommt zwangsläufig mit der Erfahrung), dann wird es auch wieder Berufungen in die Nationalmannschaft geben.

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