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Lilian Brassier wechselte Ende August zur SGE. Foto: IMAGO / Kessler-Sportfotografie

Brassier stellt sich vor: „Ich gebe nicht auf. Ich bin ein Kämpfer!“

Seit dem 31. August ist Lilian Brassier Spieler von Eintracht Frankfurt. Der Franzose kam von Stade Rennes und feierte am vergangenen Sonntag direkt sein Startelfdebüt. Der Abwehrmann stand gegen den FC Augsburg von Beginn an auf dem Platz und zeigte vor allem in der ersten Halbzeit, dass er eine echte Verstärkung für die SGE sein kann. Allerdings konnte auch er das 1:4-Debakel in der zweiten Halbzeit nicht verhindern und wirkte wie viele Eintracht-Spieler nach dem Seitenwechsel zunehmend planlos. Am heutigen Mittwoch stellte sich der 26-Jährige nun bei einer Pressekonferenz vor.

Trotz des sportlich missglückten Einstands fällt Brassiers erstes persönliches Fazit positiv aus. Der Innenverteidiger fühlt sich nach wenigen Tagen bereits wohl bei seinem neuen Arbeitgeber. „Die ersten Tage sind super verlaufen. Ich fühle mich sehr gut“, erklärte der Franzose. Viel Zeit zum Eingewöhnen bleibt allerdings nicht. Nach der Augsburg-Pleite wartet am Wochenende bereits das Rhein-Main-Duell beim 1. FSV Mainz 05. Entsprechend intensiv wurde die deutliche Heimniederlage zu Wochenbeginn aufgearbeitet. Mithilfe von Videoanalysen habe sich die Mannschaft angesehen, wo die Probleme lagen und was sie künftig besser machen müsse. Ein Schwerpunkt lag für Brassier dabei auf der Aggressivität. „Ein Spiel dauert 90 Minuten und nicht nur 45“, stellte der Neuzugang klar. Im Training habe die Mannschaft anschließend gut gearbeitet und bereits einen Schritt in die richtige Richtung gemacht.

Brassier: Keine Frage des Systems

Die Frage, ob Trainer Adi Hütter nach dem Einbruch gegen Augsburg möglicherweise auch taktisch etwas verändern müsse, wollte Brassier gar nicht erst aufkommen lassen. Über eine mögliche Systemumstellung müsse der Trainer entscheiden. Die Spieler seien dafür verantwortlich, dessen Vorgaben auf dem Platz bestmöglich umzusetzen. Für den 26-Jährigen lag die Ursache für die vier Gegentreffer nach der Pause ohnehin an anderer Stelle: „Wir müssen uns hier an die eigene Nase fassen, denn am Sonntag war es keine Frage des Systems. Es war eine Frage der Mentalität.“ Schließlich habe Frankfurt die Begegnung in den ersten 45 Minuten kontrolliert, ehe nach Wiederanpfiff die Stabilität vollständig verloren ging und die Gegentore zu einfach fielen.

Gerade deshalb will Brassier die Niederlage nicht ausschließlich negativ betrachten. Sie habe der neu formierten Mannschaft deutlich aufgezeigt, woran sie noch arbeiten müsse. Persönlich zieht der Innenverteidiger daraus sogar zusätzliche Motivation: „Ich gebe nicht auf. Ich bin ein Kämpfer.“ Die Eintracht sei ein ambitionierter Verein, weshalb Rückschläge nicht für Angst sorgen dürften. Vielmehr müsse die Mannschaft daraus den Antrieb entwickeln, ihre gesteckten Ziele zu erreichen.

„Man muss auch einmal gemein sein“

Brassiers Selbstverständnis als Fußballer passt dazu. Schon bei seiner Verpflichtung war der Franzose als robuster und zweikampfstarker Verteidiger beschrieben worden. Genau diese Eigenschaften möchte er nun in Frankfurt einbringen. Besonders wichtig ist ihm die direkte Auseinandersetzung mit dem Gegenspieler: „Ich liebe Zweikämpfe und diese zu gewinnen.“

Diese Haltung möchte Brassier auch auf seine Mitspieler übertragen. Gerade angesichts des jungen Frankfurter Kaders sieht der 26-Jährige darin eine seiner Aufgaben. Es brauche Spieler, die in schwierigen Situationen vorangehen und körperlich dagegenhalten. „Man muss auch einmal gemein sein“, sagte der Linksfuß. Gleichzeitig will er keineswegs auf die Rolle des reinen Abräumers reduziert werden. Auch im Spielaufbau sieht Brassier seine Stärken und traut sich zu, aus der letzten Linie heraus konstruktive Lösungen zu finden.

Ob ihn seine Art automatisch zu einem Führungsspieler macht, möchte er selbst nicht entscheiden. Ihm gehe es in erster Linie darum, seine individuellen Qualitäten in den Dienst der Mannschaft zu stellen. „Wenn ich damit dann Leader bin, dann umso besser, wenn es der Mannschaft hilft.“ Ein Kämpfer sei er schon sein gesamtes Leben gewesen – und genau diese Eigenschaft wolle er nun bei der Eintracht einbringen.

Dass seine aggressive Spielweise bislang nicht zu einem Platzverweis geführt hat, sieht Brassier dabei durchaus als Qualität. Er versuche, seine Intensität zu kontrollieren. Schließlich würde er mit einer Roten Karte nicht nur sich selbst, sondern die gesamte Mannschaft bestrafen. Die Lust auf direkte Duelle soll darunter jedoch keineswegs leiden.

Keine Zweifel an Kochs Führungsqualitäten

Mit seiner Mentalität könnte Brassier gerade in der Frankfurter Defensive schnell eine wichtige Rolle einnehmen. Die Führungsrolle von Kapitän Robin Koch möchte er dadurch allerdings keinesfalls infrage stellen. Nach den sieben Gegentoren aus den ersten beiden Bundesligaspielen war auch die neu zusammengestellte Hintermannschaft der SGE verstärkt in den Fokus geraten.

Brassier nahm seinen Nebenmann ausdrücklich in Schutz: „Ich glaube nicht, dass es eine Frage der Qualität ist. Wir sollten ihn und seine Führungsqualitäten nicht infrage stellen.“ Koch bringe seine Stärken ein, Brassier wiederum andere. Entscheidend sei ohnehin nicht ein einzelner Spieler. Die Eintracht müsse als Kollektiv funktionieren und jeder seinen Teil zum Erfolg beitragen.

Dass Brassier dabei hauptsächlich im Abwehrzentrum eingeplant ist, machte er ebenfalls deutlich. Zwar hat der Linksfuß in seiner Karriere auch schon als linker Verteidiger ausgeholfen, seine bevorzugte Position bleibt jedoch die Innenverteidigung. Sollte Hütter ihn an anderer Stelle benötigen, werde er sich den Anforderungen anpassen.

Bundesliga erinnert Brassier an Premier League

Der Wechsel nach Frankfurt ist für Brassier zugleich der Beginn eines völlig neuen Kapitels. Bislang verbrachte der 26-Jährige seine gesamte Profikarriere in Frankreich. Nun wollte er bewusst ein neues Land und eine andere Liga kennenlernen. Möglichkeiten für einen Wechsel ins Ausland habe es bereits früher gegeben, jetzt sei für ihn aber der richtige Zeitpunkt gekommen.

Schon nach seinem ersten Bundesliga-Einsatz hat Brassier Unterschiede zur Ligue 1 festgestellt. Der deutsche Fußball sei offensiver ausgerichtet und erinnere ihn in seiner Spielweise teilweise an die Premier League. Besonders aufgefallen sei ihm, dass Angriffe konsequenter ausgespielt würden: „Mein Eindruck ist, dass es hier weniger Pässe nach hinten gibt als in Frankreich.“ Werde eine Offensivaktion gestartet, werde diese häufig auch bis zum Ende durchgezogen. Insgesamt gehe es dadurch schneller in Richtung gegnerisches Tor.

Genau diesen Fußball wollte Brassier kennenlernen. Die Eintracht selbst war ihm schon vor seinem Wechsel ein Begriff. Auch die zahlreichen französischen Profis, die in der Vergangenheit das Frankfurter Trikot getragen haben, hätten dazu beigetragen. Einen direkten Austausch mit ehemaligen französischen Adlerträgern habe es vor seiner Entscheidung allerdings nicht gegeben. Brassier möchte seine eigenen Erfahrungen sammeln und seinen eigenen Weg in Frankfurt gehen.

Seine Ziele formuliert er dabei ambitioniert. Die vergangenen Jahre mit regelmäßigen internationalen Auftritten der Eintracht hat der Verteidiger durchaus wahrgenommen. Dorthin möchte er mit seinem neuen Klub zurückkehren: „Ich werde alles dafür tun, dass wir Eintracht wieder dahin bringen, wo wir hingehören.“

Ein bekanntes Gesicht traf Brassier in Frankfurt dennoch wieder: Adi Hütter. Beide kennen sich aus der Zeit des Österreichers bei der AS Monaco, gegen die Brassier mit Rennes spielte. Der Eintracht-Trainer hatte bereits vor Brassiers Verpflichtung Interesse am Verteidiger gezeigt und wollte ihn einst nach Monaco holen. Nun kreuzen sich ihre Wege in Frankfurt. „Adi Hütter und ich pflegen ein gutes Verhältnis. Wir kennen uns schon eine ganze Zeit lang“, erklärte Brassier. Eine besondere sportliche Vorgeschichte, die Hütters Interesse ausgelöst haben könnte, gebe es nicht. Gegen Monaco habe er schließlich kein entscheidendes Tor erzielt, scherzte der Franzose. Warum es ausgerechnet jetzt mit der Zusammenarbeit geklappt habe? „Was genau den Ausschlag gegeben hat, weiß ich nicht, daher nenne ich es Schicksal.“

Auch Timothy Chandler kümmerte sich bereits um den Neuzugang. Der Frankfurter Routinier ist dafür bekannt, neue Spieler schnell in die Mannschaft zu integrieren. Brassier berichtete von ersten Gesprächen mit dem 36-Jährigen. Vor allem von der Atmosphäre im Stadion und den Eintracht-Fans habe Chandler ihm vorgeschwärmt.

Brassier heiß auf Mainz: „Bereit, unsere Farben zu verteidigen“

Nach dem enttäuschenden ersten Auftritt bietet sich Brassier und seinen neuen Teamkollegen am Wochenende bereits die nächste Gelegenheit zur Wiedergutmachung. Beim 1. FSV Mainz 05 wartet zudem direkt ein emotionales Duell. Dass Frankfurt und Mainz nur wenige Kilometer voneinander entfernt liegen, hat der Franzose bereits mitbekommen. Ob die Begegnung nun tatsächlich als Derby bezeichnet werden müsse oder nicht, sei für ihn zweitrangig. Er erwartet in jedem Fall eine intensive Partie – und genau darauf hat er Lust.

„Das sind genau die Spiele, auf die ich mich freue“, betonte Brassier. Entsprechend groß sei die Vorfreude auf seinen ersten Bundesliga-Auswärtsauftritt im Eintracht-Trikot. Seine Marschroute fällt dabei passend zu seinem gesamten Auftritt auf der Pressekonferenz kämpferisch aus: „Ich bin bereit, unsere Farben zu verteidigen.“

Nach nur einem Punkt aus den ersten beiden Bundesligaspielen steht für Brassier ohnehin fest, was in Mainz das Ziel sein muss: „Wir wollen das Spiel gewinnen und gehen mit der Mentalität in das Spiel, die drei Punkte mitzunehmen.“ Nach dem 1:4 gegen Augsburg dürfte der Franzose dabei genau jene Eigenschaften einfordern, die er selbst verkörpern möchte: Zweikampfstärke, Aggressivität und eine Mentalität, die nicht nur für 45, sondern für die kompletten 90 Minuten reicht.

2 Kommentare

Fallback Avatar Der User ist ein Dauersupporter und drückt seine Wertschätzung gegenüber SGE4EVER.de durch einen monatlichen oder jährlichen Betrag aus - der Bembel ist also stets gefüllt - Prost! 1. geyeradler75 09. September 26, 19:24 Uhr

Machen wir uns mal nichts vor, an denen die erst kurz vor Schluss kamen kann es wohl wirklich nicht liegen, erinnere mich aber auch an die erste Saison mit Hütter das hat gedauert. Neue Spieler, neue Systeme kaum Einspielzeit hoffe nur die gebliebenen Spieler ziehen die neuen nicht mit runter. Und zum Transferüberschuss hoffe mal das der Vostand das Geld für ein neues Stadion anspart von dem sie Vollmundig sprechen und nicht für ein grosses Umfeld bzw. Mitarbeiter oder Investoren jedes Jahr vollständig aufgefressen wird. Wenn ich Krösche wäre würde ich auch gehen wenn ich im Verein keine Rückendeckung mehr hätte. Was könnte der mit viel Geld zur Verfügung woanders anstellen. Hoffe aber es kommt anders.

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Fallback Avatar 2. sge66 09. September 26, 20:03 Uhr

Gut zusammengefasst. Finger weg von MK.

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