Die Weltmeisterschaft ist in vollem Gange. Die Gruppenphase ist nun beendet und seit gestern finden die ersten K.o.-Spiele statt. Das diesjährige Turnier brachte auch einige Neuerungen mit sich: Mit 48 Teilnehmern und 104 Spielen ist es die größte WM in der Geschichte der FIFA. Darüber hinaus setzte FIFA-Präsident Gianni Infantino mehrere umstrittene Neuerungen durch, darunter eine dreiminütige Trinkpause in jeder Halbzeit, die in den Stadien teils mit lautstarken Pfeifkonzerten quittiert wird.
Auch zahlreiche Adlerträger sind weiterhin im Turnier vertreten. Doch die Eintracht ist nicht nur auf dem Fußballplatz präsent, sondern auch hinter den Kulissen arbeiten die Verantwortlichen der Hessen auf Hochtouren auf dem nordamerikanischen Kontinent. Wie SGE4EVER.de bereits berichtete, befindet sich die Führungsetage der Eintracht seit Mitte Juni auf einer Tour durch Kanada und die USA, um zahlreiche PR-Termine wahrzunehmen, Kontakte zu knüpfen, Eintracht Frankfurt international noch sichtbarer zu machen und sich Inspiration aus den verschiedenen US-Sportarten zu holen.
Die Reise endet am kommenden Dienstag, ehe die Delegation die Rückreise nach Deutschland antritt und sich wieder voll auf die Vorbereitung zur neuen Saison konzentriert. Doch der Aufenthalt dient nicht nur geschäftlichen Zwecken: Die Verantwortlichen nutzten die Gelegenheit auch, um sich einige Partien der Weltmeisterschaft vor Ort anzusehen. Gerade Vorstandssprecher Axel Hellmann zeigte sich vor wenigen Tagen in bester WM-Stimmung, als er beim Duell zwischen Norwegen und Senegal mitten unter norwegischen Fans mit Wikingerhelm gesichtet wurde.
Der 54-Jährige äußerte sich nun im Interview mit „Absolut Fußball“ ausführlich zur diesjährigen Weltmeisterschaft. Dabei findet Hellmann für einige Aspekte viel Lob, sieht andere Entwicklungen jedoch äußerst kritisch.
Hellmann lobt Organisation und verteidigt 48er-WM
Trotz aller Kritikpunkte zog Axel Hellmann zunächst ein positives Zwischenfazit zur Organisation der Weltmeisterschaft in Nordamerika. Diese hinterließ beim Eintracht-Vorstand einen starken Eindruck. Im Gespräch betonte er, dass die USA im Bereich großer Sportveranstaltungen weiterhin als Maßstab gelten. Besonders an den Spielorten wie New York, Toronto oder Miami habe die WM aus seiner Sicht „auf allen Ebenen ziemlich gut funktioniert“. Hellmann hob dabei vor allem die Organisation in und um die Stadien sowie die Atmosphäre an den Austragungsorten hervor. Zwar relativierte er, dass das Turnier nicht das gesamte Land erfasst habe und nicht überall in den USA ein flächendeckendes WM-Fieber zu spüren sei. An den Austragungsorten selbst sei die Begeisterung jedoch deutlich wahrnehmbar gewesen. Sein Gesamtfazit fiel deshalb „sehr, sehr positiv“ aus.
Überraschend klar positionierte sich der 54-Jährige zudem bei einem der kontroversesten Themen rund um das Turnier: der Aufstockung auf 48 Nationen. Während diese Reform vor allem in Europa immer wieder kritisch gesehen wird, verteidigt Hellmann die Erweiterung ausdrücklich. Deutschland neige dazu, „an einem eurozentrischen Fußballbild der Vergangenheit festzuhalten“, erklärte der Eintracht-Boss. Aus seiner Sicht zeigt das laufende Turnier vielmehr, dass sich das Leistungsniveau weltweit angenähert hat. Begegnungen zwischen vermeintlich kleineren Nationen und etablierten Fußballgrößen seien längst keine einseitigen Duelle mehr. Gerade die größere Vielfalt im Teilnehmerfeld empfindet Hellmann als Bereicherung für den Weltfußball. Es gehe dabei nicht nur um sportliche Qualität, sondern auch um Teilhabe und Identifikation.
Besonders eindrücklich machte Hellmann diesen Gedanken am Beispiel eines Fans aus Haiti fest, dem er während der Reise begegnete. Für Länder, die politisch oder wirtschaftlich oft kaum im globalen Fokus stehen, könne eine WM-Teilnahme weit über den Sport hinaus Bedeutung haben. Zwar ignoriert Hellmann die wirtschaftlichen Interessen hinter der Aufstockung des Turniers nicht, zugleich hebt er aber die gesellschaftliche Dimension hervor: Fußball könne Zugehörigkeit schaffen, nationalen Stolz stärken und Ländern auf der größten Bühne des Weltfußballs Sichtbarkeit verleihen.
Klare Kritik an Trinkpausen und Show-Elementen
Neben seinem Lob äußerte Hellmann jedoch auch deutliche Kritik an mehreren Entwicklungen des Turniers. Besonders kritisch sieht er die von FIFA-Präsident Gianni Infantino eingeführten Trinkpausen, die sogenannten „Hydration Breaks“, die bei dieser Weltmeisterschaft für viel Diskussion sorgen. Die dreiminütigen Unterbrechungen pro Halbzeit stoßen bei vielen Fans auf wenig Verständnis und auch Hellmann kann dieser Neuerung wenig abgewinnen. Zwar erkennt er an, dass solche Maßnahmen bei einem Sommerturnier in Nordamerika aufgrund der klimatischen Bedingungen nachvollziehbar sein können. Für den deutschen Profifußball sieht er dafür jedoch keinen Anlass. „Ich bin kein großer Freund von diesen Unterbrechungen“, stellte Hellmann unmissverständlich klar. Für die Bundesliga seien solche Eingriffe in den Spielfluss angesichts der klimatischen Bedingungen schlicht nicht notwendig.
Noch deutlicher fiel seine Meinung zur zunehmenden Show-Inszenierung rund um die Partien aus. Countdown-Shows, Entertainment-Elemente und die stark amerikanisierte Spieltagsinszenierung passen für Hellmann nicht zur europäischen Fußballkultur: „Ich habe vieles gesehen, was ich nicht unbedingt haben möchte oder mir nicht wünschen würde.“ Solche Formate seien Teil des US-Sports, im deutschen Fußball hätten sie aus seiner Sicht jedoch keinen Platz.
Hellmann über Infrastruktur: Deutschland in vielen Punkten überlegen
Spannend fiel auch Hellmanns Blick auf das Stadionerlebnis abseits des Rasens aus. Während in Deutschland häufig über Verkehr, Einlass oder Organisation diskutiert wird, sieht der Eintracht-Vorstand die Bundesliga hier überraschend klar im Vorteil. Gerade die Anreise zu den Stadien bezeichnete Hellmann in Nordamerika als problematisch. Anders als in Deutschland fehlt an vielen Standorten ein leistungsfähiger öffentlicher Nahverkehr rund um die Arenen. Statt S- und U-Bahn dominieren Busse und vor allem der Autoverkehr. Das führe regelmäßig zu langen Wartezeiten und teils chaotischen Zuständen rund um die Stadien. Hinzu kommen deutlich höhere Preise für Verpflegung und Infrastruktur vor Ort. Essen und Getränke seien vielerorts doppelt oder sogar dreimal so teuer wie in Deutschland. Hellmann zog daher ein bemerkenswertes Fazit: Trotz aller Kritik an deutschen Stadionbesuchen stehe man hierzulande in Sachen Infrastruktur und Preisgestaltung „eher auf der Sonnenseite“.
Darum war die Eintracht in Nordamerika unterwegs
Neben den Eindrücken rund um die WM wurde im Interview auch deutlich, welche strategischen Ziele Eintracht Frankfurt mit der Nordamerika-Reise verfolgt. Die Delegation reiste keineswegs nur als Beobachter des Turniers durch Kanada und die USA. Vielmehr nutzte die Eintracht die WM als Plattform, um ihr internationales Netzwerk weiter auszubauen. Im Fokus standen Gespräche mit führenden US-Sportligen, Medienunternehmen und potenziellen Partnern. Dabei ging es nicht nur um Imagepflege, sondern Hellmann machte deutlich, dass die SGE strategisch längst deutlich größer denkt als nur im klassischen Fußballkontext. Themen wie Stadionausbau, Arena-Projekte und internationale Sportevents der NFL oder NBA spielen eine immer größere Rolle. Um in diesem internationalen Markt mitspielen zu können, ist der Austausch mit amerikanischen Ligen und Partnern von zentraler Bedeutung.
Zwischen Inspiration und Warnsignal
Der Eintracht-Boss zeichnet im Interview ein differenziertes Bild der Weltmeisterschaft in Nordamerika. Einerseits lobt er die starke Organisation, die globale Ausrichtung des Turniers und die Öffnung des Weltfußballs für kleinere Nationen. Andererseits sieht er Entwicklungen, die aus seiner Sicht problematisch sind. Vor allem die zunehmende Eventisierung des Fußballs, zusätzliche Unterbrechungen und Elemente aus dem amerikanischen Show-Sport betrachtet der Vorstandssprecher kritisch. Seine Haltung ist klar: Offenheit für Innovation ja, aber nicht um jeden Preis. Die WM lieferte Hellmann damit nicht nur Impulse für die Zukunft, sondern auch klare Beispiele dafür, was der deutsche Fußball besser nicht übernehmen sollte.






Ein Kommentar
Für das Image der Eintracht wäre es besser gewesen, man hätte den einzigen deutschen Nationalspieler behalten.
Dann hätte man sich den teuren Betriebsausflug sparen können.
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