Sportvorstand Markus Krösche hat im Interview mit „transfermarkt.de“ tiefe Einblicke in die Transferstrategie von Eintracht Frankfurt gegeben. Dabei sprach der 45-Jährige nicht nur über modernes Scouting, den Einfluss der Weltmeisterschaft auf den Transfermarkt und die Entwicklung junger Talente, sondern übte auch bemerkenswerte Selbstkritik bei der Trainerwahl von Albert Riera.
Mit einem Satz räumte Krösche zunächst den wohl größten Fehler der vergangenen Monate ein. Auf die Verpflichtung des inzwischen wieder entlassenen Spaniers angesprochen, sagte der Sportvorstand offen: „Das war eine Fehleinschätzung meinerseits.“ Ein bemerkenswert selbstkritisches Eingeständnis des Architekten der Frankfurter Kaderplanung, der in den vergangenen Jahren vor allem für seine zahlreichen Transfererfolge gelobt worden war.
Deutlich ausführlicher äußerte sich Krösche anschließend über die Auswirkungen einer Weltmeisterschaft auf den Transfermarkt. Anders als noch vor einigen Jahren misst der Eintracht-Boss einem großen Turnier inzwischen deutlich weniger Bedeutung bei. „Früher war das viel mehr“, erklärte Krösche. Damals hätten Vereine einzelne WM-Auftritte genauer beobachtet: „Früher haben wir diesen wenigen Spielen viel mehr Gewicht beigemessen. Aber ich glaube, der Fußball hat dazugelernt.“ Der Grund dafür liegt vor allem in den heutigen Möglichkeiten der Datenanalyse. „Heute ist das Scouting viel strategischer“, sagte Krösche. Moderne Technologien hätten die Arbeit der Scouts grundlegend verändert. „Heute haben wir so viel mehr Hilfsmittel, um Spieler zu beurteilen, darunter auch KI, die dabei helfen kann, eine langfristigere Entscheidung über einen Spieler zu treffen.“ Deshalb habe eine Weltmeisterschaft heute „fast keinen Einfluss mehr auf die Entscheidung, ob ein Spieler verpflichtet wird oder nicht.“ Zwar könne ein erfolgreiches Turnier die öffentliche Wahrnehmung verändern, intern werde die Leistung jedoch deutlich differenzierter bewertet. „Natürlich kann eine Weltmeisterschaft den Marktwert in der Öffentlichkeit beeinflussen; es ist schließlich das größte Ereignis der Welt“, erklärte Krösche. Für die Klubs selbst seien jedoch andere Wettbewerbe entscheidender: „Der Marktwert entwickelt sich durch den Ligabetrieb und die internationalen Klubwettbewerbe; bei einem Turnier geht es eher darum, einen hohen Marktwert zu bestätigen.“
Entsprechend lehnt Krösche Schnellschüsse nach wenigen starken WM-Spielen ab. „Wenn man die Wahrscheinlichkeit eines erfolgreichen Scoutings erhöhen und sicherstellen will, dass der Spieler sich bewährt und das Potenzial hat, muss man eine ganze Reihe von Spielen beobachten“, sagte der Sportvorstand. Für die Eintracht sei deshalb klar: „Bevor wir entscheiden, ob wir einen Spieler verpflichten oder nicht, muss er bei uns ein paar Spiele mehr bestreiten, als es bei einem Turnier üblicherweise der Fall ist.“ Sein Fazit fällt eindeutig aus: „Ich halte es einfach für sehr schwierig, eine Entscheidung über einen Spieler anhand von ein paar WM-Spielen zu treffen.“
Trotzdem liefert eine Weltmeisterschaft aus seiner Sicht wertvolle Erkenntnisse. Weniger über einzelne Spieler als vielmehr über die Entwicklung des internationalen Fußballs. „Man bekommt einen guten Überblick über das allgemeine Niveau des Fußballs weltweit“, erklärte Krösche. Besonders spannend sei für ihn der Vergleich verschiedener Fußballnationen: „Ich finde es immer interessant, die Entwicklung zu beobachten – wie nah kleinere Länder an Europa oder die Südamerikaner herangekommen sind.“ Als aktuelles Beispiel nannte er die Nationalmannschaft Marokkos: „Sie sind mit europäischen Top-Teams vergleichbar. Sie sind schon sehr nah herangekommen.“
Ein weiteres großes Thema war die wirtschaftliche Situation vieler Vereine. Krösche machte deutlich, dass Eintracht Frankfurt mit seinem Geschäftsmodell längst keine Ausnahme mehr ist. „Ich würde sagen, dass 90 Prozent der Vereine finanziell davon abhängig sind, auf dem Transfermarkt Geld zu verdienen“, sagte er. Lediglich eine kleine Gruppe absoluter Spitzenvereine könne auf Transfererlöse verzichten: „Es gibt vielleicht eine Handvoll Mannschaften, die immer um die Champions League mitspielen und nicht darauf angewiesen sind, auf dem Transfermarkt Geld zu verdienen. Aber diese Mannschaften haben Zugang zu mehr externem Kapital.“
Dass die Eintracht regelmäßig Spieler günstig verpflichtet, entwickelt und später mit hohem Gewinn verkauft, sei deshalb kein Zufall. „Das ist jedes Jahr eine neue Herausforderung“, erklärte Krösche. „Ein Teil unserer Kaderplanung besteht darin, Spieler mit Potenzial zu verpflichten und sie weiterzuentwickeln.“ Dabei sieht der Sportvorstand den Schlüssel längst nicht nur in der Arbeit auf dem Trainingsplatz. „Ein großer Teil davon ist, ein gutes Team rund um die Mannschaft zu haben“, sagte Krösche. Spielerentwicklung sei „ein ganzheitlicher Prozess“. Angefangen bei der Auswahl geeigneter Talente bis hin zur täglichen Arbeit mit ihnen. Besonders wichtig sei dabei Geduld: „Man muss ihnen vertrauen, auch wenn sie Fehler machen.“ Nur in einem passenden Umfeld könnten sich junge Spieler nachhaltig entwickeln: „Die jungen Spieler befinden sich in einem Umfeld, in dem sie sich wohlfühlen und wachsen können. Das ist unsere Aufgabe.“
Dass dieser Weg zunehmend schwieriger wird, verschweigt Krösche allerdings nicht. Der Erfolg der vergangenen Jahre habe auch die Ansprüche erhöht. „Wir müssen neue Märkte erschließen und effizienter werden“, forderte der Sportvorstand. Genau darin sieht er die Zukunft der Eintracht. „Das wird immer unser Weg sein: effizienter und schneller zu werden und gute Entscheidungen zu treffen.“ Gleichzeitig müsse der Verein die richtige Balance finden. „Letztendlich müssen wir die Balance finden zwischen der Förderung von Spielern und einem gewissen Qualitätsniveau in unserem Kader, um unsere Ziele zu erreichen“, erklärte Krösche. Potenzial sieht der Frankfurter Sportvorstand dabei insbesondere außerhalb der klassischen europäischen Märkte. Vor allem Nordamerika rückt immer stärker in den Fokus. Die Verpflichtung von Paxten Aaronson sei dafür ein gutes Beispiel gewesen. „Aaronson war ein gutes Beispiel dafür, dass wir den nordamerikanischen Markt im Blick haben“, sagte Krösche. Neben den USA beobachte die Eintracht auch Kanada sowie den japanischen Markt intensiv. „Die Zahl der Spieler mit Potenzial in Nordamerika ist enorm“, erklärte er. Die Entwicklung der MLS, der USL und der Nachwuchsakademien werde den Markt künftig noch interessanter machen. „Das Gleiche gilt für Kanada. Dieser Markt ist genauso interessant und ist in den letzten Jahren erheblich gewachsen.“
Die Aussagen zeigen einmal mehr, worauf Eintracht Frankfurt unter Markus Krösche seinen Erfolg aufbaut: langfristiges Scouting statt kurzfristiger Hypes, Geduld bei der Entwicklung junger Spieler und die Bereitschaft, ständig neue Wege auf dem internationalen Transfermarkt zu gehen.






12 Kommentare
Gerade kommen so viele Abgangsmeldungen und Gerüchte, das klingt nicht nach Strategie, sondern eher nach: Alles muss raus, wir schließen, Totalräumungsverkauf wegen Geschäftsaufgabe!
Gruß SCOPE
Die Brille steht ihm nicht und den obersten Knopf sollte man besser offen lassen.
Während der letzten Saison mit dem Blick auf so manchen Spieler habe ich häufig auf den Räumungsverkauf gewartet. Gut, Rasmus und Baum waren bei mir nicht im Schaufenster.
@1 und @2
Eigentlich lese ich von Euch meist vernünftige Posts. Aber Krösche jetzt plötzlich jegliche Strategie abzusprechen und ihn an Hand eines subjektiven Modegeschmacks sonstwie zu diskreditieren bzw. daraus subtil mangelnde Expertise zu suggerieren, ist nun wirklich "der ist doch nur Gebrauchtwagenverkäufer"-Niveau.
Dieses Jahr wahr schlecht. Riera war eine schlechte Entscheidung. Es wird immer gefordert, die Leute sollen zu ihren Fehlern stehen. Und hier wurde nach dieser Saison auch nicht selten gefordert, die ganze Mannschaft könne gehen, da wäre ja keine DNA, kein Wille, kein Kampf und insgesamt alles Eintracht-unwürdig. Nun äußert Krösche mehrfach klare Selbstkritik und es steht ein großer Umbruch an - auch nicht ok. Dann schießt man lieber aus persönlichen Befindlichkeiten unsachlich gegen handelnde Personen.
Das ist dann. insgesamt doch ein bisschen wenig.
Als Dauerkarteninhaber stellt man sich die Frage welche Spieler werden wir in der neuen Saison in Frankfurt sehen - Brown, Christensen, Amenda sind wohl schon weg. Uzun will wohl gehen und die Leihspieler die zurückkommen sollen auch alle gehen. Die Zugänge haben bisher keine Erstligaerfahrung oder kommen aus einer weniger starken Liga.
Die Frage muss erlaubt sein wo gehen eigentlich die Millionen hin, die aus Transfers eingenommen werden. Sicherlich sind insbesondere die Vorstandsgehälter bei der SGE viel zu hoch. So wie es sich jetzt zeigt wird Adi Hütter viel Arbeit haben um eine schlagkräftige Mannschaft aufs Feld zu bringen.
Amenda nach Coventry, Ablöse bis zu 20 Mio (incl. Boni)...
Ein bisschen wie Mr. Orange von Reservoir Dogs. Sehr smart.
Gruß SCOPE
Ich denke nicht das es so schlimm wird das der Busfahrer auflaufen muss :)
Wobei ich jeden verstehe der jetzt unerwartete Abgänge wie Amenda ( hat sich gerade echt gut entwickelt ) oder Rasmus ( ist halt ein Gesicht der Eintracht geworden )
bissel kritisch sieht .
Ich vermute halt das um eine schlagkräftige Truppe zu formen viele Sachen verschoben werden müssen ... Auch weil sich Dinge ändern
Die Wahi Ablöse zum Beispiel - seit den Korruptionvorwürfen sind da halt bestimmt keine dicken Investoren gekommen die anfragen . Das sah nach der Nizza Zeit ja deutlich positiver aus ....
Skihiri wird auch schwer zu vermitteln sein nach der Nichtleistung mit Tunesien ...
Ich vermute Chaibi , Theate und Bayoya werden noch transferiert werden .
Und dann braucht man ja auch noch Kohle für Spieler wie Klimuendo usw .
An Uzun scheiden sich die Geister - wenn er mitziehen will dann würde ich mit ihm sprechen ...sonst ist er auch ein Abgangskandidat
Ja, es ist schon gravierend, wie die Kontinuität dem harten Schnitt zum Opfer gefallen ist. Die bisherige Personalkonzeption, mit dem Ziel, sich stetig weiter zu entwickeln, dauerhaft in Europa mitzuspielen, scheiterte an einer durchwachsenen Saison. Das zeigt, wie fragil das Konstrukt ist. Die exorbitant gestiegenen Personalkosten führten nicht zu den erhofften Ergebnissen.
Natürlich hat Adi Hütter das Ziel, Eintracht deutlich besser zu machen, klar. Da wird er nicht nur im Fitnessbereich, in der Taktik, sondern natürlich auch im personellen Bereich
seine Möglichkeiten sehen.
Das ist jetzt meine Einschätzung wer bleibt und wer gehen wird.
Es gehen Brown,Theate, Amenda Christensen, Zetterer, Bahoya, Larsson, Shkiri, Dahoud, Mitchy und alle Leihspieler.
Es bleiben Kaua, Collins,Koch, Baum, Hojlund ,Arrhov, Jupp, Doan, Ansgar,Uzun, Younes, Jonny sowie Götze und Chandler.
Geholt werden BenFerhat ( Offensives Mittelfeld KSC, zukünftiger Ersatz für Can Uzun), Pimpong ( Linksaussen, Mittelstürmer, Typ Hugo Ekitike),Zetterstörm ( Torhüter, für Schweden bei der WM), Noel Aseko
( Defensives Mittelfeld Bayern München), Victor Valdapeñas
( Innenverteidiger Real Madrid Jugend)
Was fehlt dann noch?
Noch mindestens ein Innenverteidiger, ein erfahrener 6er, ein Rechtsverteidiger. Ein Linksverteidiger. Ob Koshugi so weit ist um in der Bundesliga zu liefern weiß Ich nicht. Gibt keine Infos darüber.
Kalimuendo wird wahrscheinlich kommen, aber nur wenn wir genug Transferüberschuss erwirtschaften. Generell hätten wir
MS - Jonny und Younes, Pimpong
RA - Doan,Ansgar und Jupp
LA - Ansgar, Jupp und Pimpong
( was ein Name)
OM - Uzun und Ben Ferhat
ZM - Chaibi, Hojlund und Arrhov
DM - Hojlund , Aseko und der grosse Unbekannte
RV - Baum und Collins
IV - Koch, Collins und Valdapeñas
LV - Koshugi und ???
TW Kaua und Zetterstörm
Mario Götze und Timothy Chandler sehe Ich eher als Werbe und Sympathieträger.
In wieweit Mario noch liefern kann werden wir sehen. Wäre schön wenn er an die Leistung der vorletzten Saison herankommt.
Wie Ihr selbst seht, muss vorallem Defensiv noch viel passieren.
Schauen wir mal.
Echt gut, was du ausgearbeitet hast.
Für die Defensive wäre ein Typ wie Vadder Abraham, oder Hinti natürlich absolut wünschenswert, wäre traumhaft, aber wohl nicht zu realisieren.
Ansonsten wird Adi hoffentlich Spieler wieder auf ihr potentielles Niveau bringen können. Z.B. muss auch Jonny bedeutend besser und öfter bedient werden (ein Manko, das schon Matanovic schadete). Adi hat schon seine Baustellen, aber endlich wieder ein Trainer bei uns, dem man viel zutrauen kann.
Stimmt, das ist wenig aber ich habe ihn nicht auf "Gebrauchtwagenverkäufer" oder sonst etwas reduziert, geschweige denn diskreditiert. Von subtiler Expertise bin ich sicher weit entfernt, aber den Rest hast du jetzt reininterpretiert, ist das mehr?
Wenig, weil wenig neues, für mich war sein Fashion Style neu. Würde ich auch zu jedem anderen sagen unabhängig von allem.
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