Sie gehören zu den prägendsten Gesichtern der jüngeren Eintracht-Geschichte. Der eine ist der „Fußballgott“, der andere ein echtes Eintracht-Urgestein. Vier Jahre lang standen Alex Meier und Timothy Chandler gemeinsam für die Hessen auf dem Platz, feierten Siege, erlebten Rückschläge und wurden enge Freunde. Heute begegnen sie sich in einer neuen Konstellation: Meier gehört seit dieser Saison als Co-Trainer zum Trainerteam von Adi Hütter, Chandler geht als dienstältester Profi vermutlich in seine letzte Spielzeit im Trikot der SGE. Im Trainingslager in Grassau sprachen die beiden im Doppelinterview mit der „Bild“ über ihre besondere Freundschaft, den neuen Trainer und ihre Zukunft bei der Eintracht.
Vom Mitspieler zum Trainer
Dass sich ihre Rollen einmal so verändern würden, hätten beide während ihrer gemeinsamen Zeit als Profis kaum für möglich gehalten. „Damals hätte ich nie gedacht, dass ich mal Co-Trainer von Timmy werde“, sagte Meier lachend. Damals habe man schließlich „andere Sachen zu besprechen“ gehabt. Auch Chandler musste zunächst schmunzeln, als er hörte, dass sein langjähriger Weggefährte den Trainerweg einschlagen würde. Weil Meier und die heutige Spielergeneration aus „unterschiedlichen Zeiten“ kämen, sei er zunächst skeptisch gewesen. Nach mehreren Besuchen im Nachwuchstraining und Meiers kurzer Zeit als Interimstrainer Anfang des Jahres habe sich dieses Bild jedoch komplett verändert. Der 36-Jährige zeigte sich beeindruckt, wie schnell sein Freund „einen Draht mit den Jungs bekommen hat“, und lobte dessen Entwicklung: „Die Entwicklung, die Meier jetzt hingelegt hat – echt krass. Er hat mich voll überzeugt.“ Dass Meier heute einer seiner Trainer ist, ändere an ihrem Verhältnis wenig. „Meier ist jetzt mein Trainer. Wenn er sagt, was ich machen soll, dann mache ich das“, erklärte Chandler schmunzelnd. Ganz neu sei das allerdings nicht. Schon als Mitspieler habe er seinem Freund jeden Wunsch erfüllt: „Wenn er nach dem Training wollte, dass ich ihm hundert Flanken schlage, habe ich das getan.“
„Weil er mein Meier ist“
Eine der sympathischsten Szenen des Interviews entstand, als Chandler gefragt wurde, warum er seinen langjährigen Freund konsequent nur „Meier“ nennt. „Ganz einfach: Weil er mein Meier ist“, antwortete der Rechtsverteidiger. Manchmal sei er auch „mein Alex und ein bisschen mein Vorbild“. Auf die Frage nach ihrem schönsten gemeinsamen Erlebnis mussten beide nicht lange überlegen. Chandler erinnerte sich lachend an einen gemeinsamen Urlaub in Miami mit seiner Frau und Meier, der damals von seinem Hund Alf begleitet wurde. Während seine Frau und Meier vorne im Auto saßen, habe er hinten „mit Alf rumgekuschelt“. Insgesamt hätten sie aber „viele tolle Momente“ miteinander erlebt.
Dass beide auch abseits des Platzes eng befreundet sind, sieht Meier inzwischen sogar als Vorteil für seine neue Aufgabe. „Auf jeden Fall“, antwortete der frühere Torjäger auf die Frage, ob sie echte Freunde seien. Gerade deshalb falle ihm die neue Rollenverteilung leichter. Wenn er Chandler heute einmal kritisieren oder ihm eine Ansage machen müsse, wisse dieser genau, „dass es nie böse oder persönlich gemeint ist, sondern dass es um die Sache geht“. Dieses gegenseitige Vertrauen helfe ihm auch im Umgang mit den übrigen Spielern.
Warum beide für viele Fans Legenden sind
Anschließend sprachen beide darüber, warum sie bis heute einen besonderen Stellenwert bei den Eintracht-Anhängern genießen. Chandler glaubt, dass gerade ihre Bodenständigkeit entscheidend sei. Weder er noch Meier hätten sich jemals selbst zu Legenden erklärt. „Wir haben alles immer für die Sache, für Eintracht Frankfurt gemacht. Nie für unseren Namen“, betonte der Publikumsliebling. Natürlich sei Meier „ein Fußballgott – übrigens der einzige, den ich kennenlernen durfte“, fügte er mit einem Lächeln hinzu. Gleichzeitig habe dieser den Kultstatus nie nach außen getragen.
Meier sieht die Gründe ähnlich. Die Fans hätten erlebt, dass beide den Verein nicht nur in erfolgreichen Zeiten begleitet hätten. „Wenn du so lange bei einem Verein bist, nimmst du alles mit: Höhen und Tiefen, Erfolge und Abstiege.“ Trotzdem hätten sie immer „alles für diesen Klub gegeben“ und seien dabei stets authentisch geblieben. Mit einem Augenzwinkern ergänzte der 43-Jährige: „Ich der Normale, Timmy der Durchgeknallte.“
Hütter sorgt für neuen Schwung
Auch über Cheftrainer Adi Hütter verloren beide viele positive Worte. Chandler kennt den Österreicher bereits aus dessen erster Amtszeit und bescheinigte ihm eine deutliche Weiterentwicklung. Schon nach dem ersten Telefonat habe er „ein tolles Gefühl“ gehabt. Besonders imponiere ihm, dass Hütter sich „auch menschlich nochmal weiterentwickelt“ habe. Gleichzeitig bleibe der Trainer seiner Linie treu: Er lasse den Spielern viele Freiheiten, setze seine Regeln aber konsequent durch. „Läuft es da nicht, dann knallt es“, erklärte Chandler. Er betonte aber zugleich, dass Hütter „ein offener und guter Mensch“ sei, mit dem man jederzeit sprechen könne. Auch sportlich spüre die Mannschaft bereits Veränderungen. Im Training herrsche „ein Drive, eine ganz andere Intensität“, während es abseits des Platzes bewusst weniger Meetings gebe. „Der Mix passt perfekt.“
Für Meier ist die Zusammenarbeit mit Hütter und den beiden weiteren Co-Trainern Christian Peintinger und Klaus Schmidt vor allem eine große Lernchance. Er höre in den Besprechungen aufmerksam zu, beobachte die Inhalte und Trainingsformen genau und versuche, möglichst viel mitzunehmen. Momentan arbeite er den erfahrenen Kollegen „sehr viel zu“ und „sauge ganz viel auf“.
Die Zukunft bei der Eintracht
Während Meier seine Trainerlaufbahn gerade erst begonnen hat, neigt sich Chandlers aktive Profi-Karriere langsam dem Ende entgegen. Der 36-Jährige verriet, dass seine Aufgabe inzwischen weit über die eines Spielers hinausgehe. Bereits seit einigen Jahren kümmere er sich um viele Themen neben dem Platz. In der kommenden Saison werde er zusätzlich umfangreiche Einblicke in verschiedene Bereiche des Vereins erhalten. Welche Funktion er danach übernehmen könnte, ist noch offen. Vorstellen könne er sich beispielsweise eine verbindende Rolle „zwischen Profis und Vorstand“. Er glaube, „mit jedem“ umgehen zu können und lege großen Wert auf Menschlichkeit und gegenseitigen Respekt. Sein langjähriger Freund hat dafür einen einfachen Rat. Für Meier ist die Zeit als aktiver Fußballer „einfach die schönste Zeit“. Deshalb solle Chandler „das Jahr total genießen und richtig viel Spaß haben“, bevor für die nächste Eintracht-Legende ein neues Kapitel bei seinem Herzensverein beginnt.






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