Das Ergebnis liest sich am Ende deutlich, erzählt aber nur einen Teil der Geschichte dieses Abends. Mit 1:5 nach Verlängerung unterlagen die Frauen von Eintracht Frankfurt Paris Saint-Germain und verpassten nach dem 1:1 im Hinspiel den Einzug in die Champions League. Dabei kämpfte die SGE nach der Gelb-Roten Karte gegen Hayley Raso ab der 66. Minute in Unterzahl, kam durch Rebecka Blomqvist sogar zum 1:1 zurück und rettete sich in die Verlängerung. Erst dort nahm das Ergebnis deutlichere Formen an. Entsprechend schwankten Trainer Niko Arnautis, Sportdirektorin Babett Peter sowie die Spielerinnen zwischen großer Enttäuschung und Stolz auf die gezeigte Leistung.
„Die Geschichte des Spiels ist schon sehr, sehr hart“, fasste Arnautis den Abend zusammen. Der Eintracht-Coach hatte eine Mannschaft gesehen, die von Beginn an dagegenhielt. „Unsere Mannschaft hat alles reingelegt. Wir kommen eigentlich gut in die Partie, haben es aber verpasst, in die Abschlusssituation zu kommen.“ Ähnlich bewertete Kapitänin Laura Freigang die Anfangsphase. „Ich glaube, wir sind gut ins Spiel gestartet, hatten einige gute Aktionen, aber sind nicht so richtig zum Abschluss gekommen, waren da nicht gefährlich genug.“ Wie bereits beim 1:1 in Frankfurt schlug PSG dagegen früh aus einer seiner Möglichkeiten Kapital. „Die erste richtige Chance von Paris war direkt ein Tor, was natürlich bitter ist“, haderte Freigang.
Blomqvist: „Das 5:1 spiegelt nicht die Leistung wider“
Noch schwieriger wurde die Aufgabe durch Rasos Platzverweis. Doch ausgerechnet in Unterzahl zeigte die Eintracht ihre vielleicht stärkste Phase. Blomqvist vollendete einen starken Angriff zum zwischenzeitlichen 1:1 und brachte die Hessinnen zurück ins Rennen. „Ich hatte auch das Gefühl auf dem Platz, dass wir in Unterzahl besser waren“, sagte die Torschützin. Das Wissen um die numerische Unterlegenheit sei natürlich belastend gewesen, dennoch habe sie nie den Glauben verloren: „Ich hatte das Gefühl, wir kommen wieder. Auch nach dem Gegentor hatte ich das Gefühl, dass wir das schaffen und ein Tor machen.“
Arnautis hatte seiner Mannschaft in der Halbzeit genau diesen Glauben mitgegeben. „Wir haben in der Pause gesagt, dass wir voll da sind und dass wir heute treffen werden“, berichtete der Trainer. Selbst der Platzverweis änderte daran nichts: „Ich glaube, man hat heute auch nach der Gelb-Roten Karte gesehen, dass sie komplett an sich geglaubt hat, mit einem schönen Tor zurückkommt, in die Verlängerung kommt.“
Sportdirektorin Peter zeigte sich ebenfalls beeindruckt davon, wie wenig die Unterzahl zunächst zu erkennen war. „Das haben wir, glaube ich, sehr, sehr gut gemacht, auch in Unterzahl. Über weite Strecken hat man es so nicht festgestellt, bis halt das 2:1 einfach kam.“ Gerade deshalb wollte Blomqvist den deutlichen Endstand nicht als Maßstab für die Frankfurter Leistung gelten lassen: „Es hat nicht alles geklappt, aber ich bin stolz auf uns. Das 5:1 spiegelt nicht die Leistung wider.“
In der Verlängerung schwinden die Kräfte
Bis zum Ende der regulären Spielzeit hielt die dezimierte Eintracht stand. In der Verlängerung wurde die Belastung gegen die individuell stark besetzten Pariserinnen schließlich zu groß. Nach dem 2:1 folgte schnell der dritte Treffer, ehe PSG in der Schlussphase auf 5:1 erhöhte.
„Wenn du so eine Energieleistung hinlegst, ist es unheimlich schwer, hinten raus nochmal die Körner zu haben“, erklärte Arnautis. Die letzten beiden Gegentreffer ließen das Ergebnis aus seiner Sicht schließlich deutlich härter erscheinen, als es der Spielverlauf hergab: „Mit dem Vierten und Fünften, klar, sieht es blöd aus. Am Ende muss ich sagen: Es ist hart.“ Freigang wollte die letzten 30 Minuten ebenfalls nicht überbewerten: „Dafür finde ich, dass wir uns noch ganz gut geschlagen haben, aber hinten raus fallen wir dann auseinander. Die haben so viel Tempo vorne.“ Ihr Fazit fiel deshalb differenziert aus: „Ich glaube, über 90 Minuten können wir stolz drauf sein und alles, was danach passiert, ist schwer zu bewerten.“
Dass die Eintracht selbst nach dem Platzverweis weiter an das Weiterkommen glaubte, war für die Kapitänin entscheidend. „In solchen Spielen ist halt alles oder nichts und selbst wenn sowas wie die Gelb-Rote Karte passiert, muss man gucken, dass man weitermacht.“ Genau das habe die Mannschaft getan. Erst mit dem wachsenden Rückstand sei die Partie endgültig gekippt: „Wenn es halt 3:1 oder 4:1 steht, ist es schwierig, da nochmal zurückzukommen. Da ist uns das Spiel dann leider aus den Händen geglitten.“
Arnautis: „Paris sind die glücklichen Siegerinnen“
Dass nach Hin- und Rückspiel ein 6:2 für PSG steht, wollte Arnautis deshalb nicht als Abbild der Kräfteverhältnisse verstanden wissen. Über insgesamt 180 Minuten regulärer Spielzeit sah er seine Mannschaft mindestens auf Augenhöhe. „Wenn du beide Spiele nimmst, gerade die 90 Minuten zu Hause, 90 hier, kann man auch davon sprechen, dass wir es verdient gehabt hätten, mit einem Tor mehr in die nächste Runde einzuziehen“, erklärte der 46-Jährige und fügte an: „Paris sind die glücklichen Siegerinnen. Gratulation, aber auf die Leistung meiner Mannschaft bin ich sehr, sehr stolz.“ Peter hatte ebenfalls lange Zeit ein ausgeglichenes Duell gesehen. „Ich habe ein sehr gutes, attraktives Fußballspiel gesehen, das uns allen bis zu einem gewissen Punkt sehr viel Spaß gemacht hat, das sehr viel Intensität hatte.“ Beide Mannschaften hätten „auf Augenhöhe lange gekämpft“. Erst die Unterzahl habe die Kräfteverhältnisse zunehmend verschoben.
Bei Blomqvist überwog unmittelbar nach dem Abpfiff dennoch die Enttäuschung. „Gerade bin ich natürlich nur traurig“, gestand die Schwedin. Gleichzeitig blieb auch bei ihr der Stolz: „Wir waren ein paar Minuten in Unterzahl, wir sind trotzdem zurückgekommen und das nehmen wir mit. Aber gerade bin ich leer und traurig.“
„Wir kommen immer näher“
Trotz des bitteren Ausscheidens sieht Arnautis in den beiden Begegnungen einen wichtigen Beleg für die Entwicklung seiner neu zusammengestellten Mannschaft. PSG gehört schließlich zu den großen Adressen des europäischen Frauenfußballs. „Kleinigkeiten entscheiden am Ende auf dem Niveau“, analysierte der Eintracht-Coach. Gleichzeitig habe seine Mannschaft nach zahlreichen Veränderungen im Sommer gezeigt, dass sie bereits wieder konkurrenzfähig ist: „Wir haben gegen eine Mannschaft aus dem oberen Regal beide Spiele auf Augenhöhe gespielt.“ Vor allem der Auftritt in Paris machte Arnautis Mut. „Wir haben hier in Paris sehr, sehr reif und erwachsen gespielt und das zeigt mir schon, dass wir da immer näher kommen.“ Dass die Eintracht den Favoriten derart fordern würde, habe möglicherweise auch PSG nicht erwartet: „Ich glaube, das haben die selber auch nicht gedacht bei der Auslosung. Wir hätten mehr verdient.“
Freigang kann sich noch nicht über Europa Cup freuen
Die internationale Saison ist für die Eintracht trotz des Champions-League-Aus noch nicht beendet. Wie bereits in der Vorsaison geht es im Europa Cup weiter. Unmittelbar nach dem bitteren Abend in Paris wollte Freigang davon allerdings noch wenig wissen.
„Es ist gerade schwer, sich jetzt darauf zu freuen, um ehrlich zu sein“, räumte die Kapitänin ein. Grundsätzlich sei sie dennoch froh, dass die Eintracht weiterhin auf internationaler Bühne vertreten ist: „Ich bin froh, dass wir international spielen. Ich denke, da gehören wir hin. Heute war bitter. Jetzt erstmal wieder Bundesliga und alles Weitere gucken wir dann.“
Peter blickte bereits etwas weiter voraus. „Jetzt nehmen wir, glaube ich, den Abend und sind enttäuscht, dass wir nicht weitergekommen sind in der Champions League“, sagte die Sportdirektorin. Die Enttäuschung soll jedoch nicht lange nachwirken: „Morgen früh freuen wir uns dann auf einen anderen wunderbaren internationalen Wettbewerb, auf den wir uns dann auch akribisch vorbereiten werden.“
Auch Blomqvist kennt den Europa Cup bereits aus der vergangenen Saison. „Der hat auch Spaß gemacht und den gehen wir jetzt an. Aber Champions League wäre natürlich noch schöner.“
Arnautis will seiner Mannschaft ebenfalls Zeit geben, das Ausscheiden zunächst zu verarbeiten. Danach soll der Blick wieder nach vorne gehen. „Das müssen wir jetzt verdauen und dann spielen wir den Europa Cup“, sagte der Trainer. Auch dort hat die Eintracht einiges vor: „Das bringt uns nochmal weitere europäische Nächte und auch in dem Wettbewerb werden wir alles reinlegen, um sehr weit zu kommen.“
Der Champions-League-Traum ist damit vorerst geplatzt. Was aus Paris bleibt, ist jedoch nicht nur das auf dem Papier deutliche 1:5. Es bleibt auch eine Frankfurter Mannschaft, die sich in Unterzahl zurückkämpfte, einen europäischen Spitzenklub über weite Strecken forderte und erst in der Verlängerung auseinanderbrach. Genau darauf wollen Arnautis und seine Spielerinnen aufbauen – auch wenn ihnen das unmittelbar nach dem Abpfiff nur ein schwacher Trost war.






Ein Kommentar
EL passt auch besser zur SGE-DNA, ob Frauen oder Männer, dann holt Euch halt diesen Pokal...
#aufjetzt
#deutschermeisterwirdnurdiesge
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