Kevin Trapp: Der Anker in Frankfurt
Frankfurts Nummer 1 ist schon seit einigen Jahren im Verein dabei. Unterbrochen von einem dreijährigen Ausflug nach Paris, spielt Trapp jetzt seine neunte Saison mit der SGE und gilt im Verein als einer der erfahrenen Spieler des Kaders. „Die Ruhe und Ausstrahlung, die schon immer zu meinen Stärken zählen, zumindest sagen das die Leute (lacht), kann ich an die jungen Spieler weitergeben. Mit den vielen Sprachen, die ich sprechen kann, bin ich ein gewisser Anker in der Kabine, um speziell den neuen Spielern aus dem Ausland zu helfen.“ Inzwischen hat die SGE mit den Sommertransfers neue Spieler geholt, die den Anspruch mitbringen, das Projekt der Hessen anzuführen und eine tragende Rolle in dem Verein zu spielen. Besonders die Defensive, die in der Vergangenheit häufig Kritik einstecken musste, hat mit Robin Koch sowie Ellyes Skhiri zwei Führungsspieler hinzubekommen, die nicht nur mit ihrer Qualität der Mannschaft helfen können. „Beide werden unsere Mannschaft definitiv verstärken. Robin hat in England und in der Nationalmannschaft gespielt. Er ist groß gewachsen, robust und bringt alles mit, was wir brauchen. Vor allem hat er Erfahrungen gesammelt und eine Persönlichkeit entwickelt. Das ist nötig. Denn auf dieser Position musst du Verantwortung übernehmen“, ergänzt Trapp über die Neuzugänge. Generell sei der Kader momentan in der Breite gut aufgestellt, so der Keeper weiter. Dass die Mannschaft mit einer solch hohen Anzahl an Spielern in die Saison geht, ist jedoch fraglich. „Wenn du aktuell versuchst, elf Spieler aufzustellen, wird das für den Trainer schon schwierig, wenn alle fit sind. Die vergangenen Jahre haben uns aber gezeigt, dass wir nach Verletzungen immer wieder umstellen mussten und Spieler nicht mehr auf ihrer eigentlichen Position eingesetzt wurden. Von daher brauchst du in einer langen Saison viele gute Spieler. Am Ende allerdings zählt der Mannschaftserfolg, da musst du als Team und Einheit zusammenstehen. Das hat in den vergangenen Jahren sehr gut funktioniert und ich bin davon überzeugt, dass das so bleiben wird.“
Mit der Erfahrung kommt auch die Ruhe. Das war auch bei Trapp der Fall, der die letzten beiden Saison als die „besten seiner Karriere“ einordnet, zumindest was den Teamerfolg angeht. „Ich spreche ungern über meine eigenen Leistungen. Aber ja, persönlich waren es auf jeden Fall zwei Jahre auf sehr hohem Niveau. Der Erfolg des ganzen Klubs spielt da natürlich mit rein.“ Die Erfahrung nutzt er nun, um sich noch besser auf seine Einsätze vorzubereiten. „Den Ehrgeiz habe ich auf jeden Fall nicht verloren“, ergänzt der Torwart, der im Februar seinen bestehenden Vertrag vorzeitig bis 2026 verlängerte und sich so langfristig zur SGE bekannte. „Eintracht Frankfurt ist mittlerweile ein großer Verein in Deutschland, der erfolgreich sein kann und will. In den vergangenen sechs Jahren hat der Klub in vier Endspielen gestanden und zwei bedeutende Titel gewonnen. Mein persönliches Ziel war, dass ich in Deutschland auf hohem Niveau spielen kann – und das geht hier. Darum ging es für mich.“ Im vergangenen Sommer lehnte Trapp sogar ein Angebot von Manchester United ab, die den deutschen Schlussmann unbedingt verpflichten wollten. „Wenn solch ein großer Verein anklopft, kommt man schon ins Grübeln. Für mich geht es aber darum, mich immer wieder einer Challenge zu stellen und nicht in der Komfortzone zu bleiben. Ich bin nie zufrieden mit dem, was ich habe, ich will jedes Jahr eine Schippe drauflegen. Dafür muss ich aber nicht zwangsläufig den Verein wechseln. Ich bin sehr glücklich hier und habe das Gefühl, dass wir auf einem sehr guten Weg sind, der noch nicht zu Ende ist.“ Ein Weg, der steil in die Höhe gehen kann, wenn es nach dem 33-Jährigen geht: „Wir haben ein fantastisches Stadion, das jetzt noch größer geworden ist, wir haben super Trainingsbedingungen, eine unglaubliche Unterstützung der Fans, eine hungrige Mannschaft und eine Vereinsführung, die groß denkt und erfolgreich sein will. Unser Ziel muss es sein, uns jedes Jahr zu verbessern“, zeigt er sich hoch ambitioniert.
Frankfurts Schlussmann mit hohen Ambitionen
Ambitioniert ist er nicht nur bei der SGE, sondern auch im Trikot der deutschen Nationalmannschaft. Dort hat er eine unglückliche Ära erwischt, da sich Trapp häufig hinter den Torhütern Manuel Neuer und Marc-Andre Ter Stegen einreihen muss. Normalerweise trägt ein Schlussmann mit seinen Qualitäten die Nummer 1 in der Nationalmannschaft. So sieht das auch der Nationalspieler selbst: „Ich glaube nicht, dass irgendetwas in Stein gemeißelt ist […].Mein Ziel ist es, mit meinen Leistungen und Erfolgen mit der Eintracht im kommenden Jahr die Tür zu öffnen, um als Nummer 1 im Tor zu stehen. Wenn das nicht mein Ziel wäre, bräuchte ich nicht mehr auf dem Platz zu stehen.“
Für die Heim-EM im nächsten Sommer scheint der Hype um die deutsche Elf leicht verflogen, da die Leistungen und Ergebnisse zuletzt den Fans keine Hoffnungsschimmer machten. „Uns bleibt nicht mehr viel Zeit. Das Einzige, was die Stimmung wieder besser macht, sind die Ergebnisse und die Leistungen von uns. Wir haben im Sommer viel probiert, und man kann ja offen sagen, dass es nicht so funktioniert hat wie erhofft. Ich bin mir aber sicher, dass wir uns in den nächsten Länderspielen im September besser präsentieren werden“, zeigt er sich optimistisch. Die Frauen-WM in Australien und Neuseeland sieht Trapp derweil als Möglichkeit, auch Lust auf die Heim-EM zu machen: „Die Frauen haben uns bei der Europameisterschaft vor einem Jahr schon viel Freude bereitet. Nicht nur, weil sie ins Finale eingezogen sind, sondern mit der Art und Weise, wie sie aufgetreten sind. Auch der Start in die WM – das war eine Ansage.“ Die generelle Entwicklung im Frauenfußball schätzt er als weitgehend positiv ein. Trapp: „Der Frauenfußball bekommt die Aufmerksamkeit, die er sich schon länger verdient hat. Auch bei uns im Verein; wenn ich sehe, dass bei einigen Highlight-Spielen über 20.000 Zuschauer im Stadion waren … Die Entwicklung ist wahnsinnig positiv, doch es muss sich noch viel tun. Gerade in der Bundesliga müssen an einigen Stellen noch Bedingungen geschaffen werden, die dem professionellen Sport gerecht werden.“
Um bei der Männer-EM als Nummer 1 im Tor zu stehen, muss Trapp ähnliche Leitungen abrufen wie in den vergangenen Saisons. Dazu müsste er erneut als einer der besten Torhüter der Bundesliga durch die Saison schreiten, um sein Ziel in die Realität umzusetzen. Dass er diese Leistung abrufen kann, hat er in der Vergangenheit oft unter Beweis gestellt.






5 Kommentare
Schön wärs´s. Aber Neuer hat beim DFB eine Lobby. Bei der WM 2018 war Neuer ohne Spielpraxis die Nummer Eins. Da geht es leider nicht nur um Leistung, auch wenn unser Bundestrainer da widerspricht.
fußballersich hat trapp noch sehr sehr viel luft nach oben. ich hoffe, dass sich das in dieser saison bei trapp verbesert. ebenso die tatsache, dass trapp letzte saison mit nur 61,8% (ein sehr schwacher wert für einen mann seiner klasse) gehaltener bälle auf platz 17 in dieser statistik landete (hinter bredlow, vor blaswich).
Trapp ist ein super Torhueter, ich kann mich aber nicht erinnern, dass er nur EINMAL den Ball nicht raus geschlagen hat bei einem Rückpass oder wenn ein Pass der anderen Mannschaft nicht ankam - immer immer und immer wieder drischt er die Kugel Richtung Mittellinie, das reicht bestimmt für die Dt.. Nationalmannschaft, aber das muss er einfach mal besser machen.
cCf
Er möchte doch nur im Tor stehen, dass er den Strafraum beherrschen und Bälle gezielt zum Mitspieler spielen möchte, hat er ja nicht gesagt.
Warum Trapp ein guter Torwart ist, versteht der einfache Fußballfan nicht. Peace.
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