Aufgrund unerlaubter Pyrotechnik wurden drei Personen vor dem Bundesliga-Spiel zwischen Eintracht Frankfurt und dem VfB Stuttgart (2:2) verletzt. Neben Bengalos zündeten einige Zuschauer auf den Rängen auch Raketen, Böller und Leuchtspuren. Die Opfer erlitten daraufhin Brandverletzungen, weshalb die Staatsanwaltschaft bereits ermittelt. Auch die Frankfurter Eintracht prüft derweil, wie sie solche Ausschreitungen in Zukunft verhindern kann. Klar ist: So etwas soll sich nicht noch einmal wiederholen.
Dazu äußerte sich nun Eintracht-Ehrenaufsichtsrat Wolfgang Steubing in der „Bild-Zeitung“: „Wer Raketen und Böller zündet, nimmt sich wichtiger als den Fußball. Denen langt es nicht mehr, Pyros anzuzünden und sich an dem Leuchten zu erfreuen. Nein, es muss knallen, und zwar so, dass anderen die Ohren wegfliegen“, positionierte sich der 76-Jährige klar gegen Sprengkörper im Fußballstadion.
„Vielleicht musst du es so machen wie in England – keine Stehplätze mehr“
Auf der Suche nach Lösungen müsse der Verein nun drastischere Maßnahmen in Betracht ziehen: „Das ist eine wahnsinnig schwierige und falsche Entwicklung. Da passieren Dinge, die kriminell sind, und das gehört unterbunden. Vielleicht musst du es so machen wie in England – keine Stehplätze mehr“, sagte Steubing. Erst kürzlich wurden in England sogenannte Safe-Standing-Bereiche eingeführt, in denen Fußballfans stehen dürfen. Vergleichbar mit den klassischen Stehblöcken aus deutschen Stadien sind diese aber nicht. Zuvor herrschte im englischen Profifußball tatsächlich ein jahrzehntelanges Stehplatzverbot. In Deutschland galt eine solche Regelung lange als undenkbar. Für Steubing unterstreiche diese Überlegung daher die Dringlichkeit der Sache.
Gleichzeitig führt Eintracht Frankfurt derzeit Gespräche mit Fangruppen, dem Fanbeirat sowie Polizei und Feuerwehr. Bestenfalls soll also eine gemeinschaftliche Lösung gefunden werden. Laut der „Bild“ prüfe der Verein momentan, ob sich zusätzliche Kontrollen vor einzelnen Blöcken in der Nordwestkurve als sinnvoll erweisen könnten. Auch Steubing führte Gespräche: „Ich habe mit vielen aus dieser Szene geredet, alle sagen: Eine kleine Gruppe ist nicht bereit, sich so zu verhalten, wie man es tun muss. Dass es dadurch sogar Verletzte gegeben hat, ist fürchterlich“, berichtete er.
„Dann können wir solche Auswüchse einfach nicht verhindern“
Mit Vizepräsident Benjamin von Loefen hat die SGE sogar jemanden in ihren Reihen, der hervorragend als Vermittler agieren könne. Der 40-Jährige ist selbst führender Ultra. Obwohl von Loefen bereits einen guten Job mache, könne auch er nicht jede Ausschreitung verhindern, so Steubing: „Er hat einen sehr schwierigen Job, denn sie haben intern natürlich ein Regularium. Doch das wird nicht eingehalten. Wenn das intern schon nicht eingehalten wird – und es gibt einfach überall Idioten – dann können wir solche Auswüchse einfach nicht verhindern.“ Ein Stehplatzverbot könnte dann als letzte Konsequenz in Betracht gezogen werden.




6 Kommentare
Es ist sehr gut, dass hier was passiert, aber Stehplätze abschaffen halte ich für jeden friedlichen Fan für völlig verkehrt. Das wird die Stimmung komplett runterziehen. Ich stehe super gerne, weil man mit Freunden entspannt sich unterhalten kann, die Plätze im Block immer mal wechseln kann und es einfach Spaß macht. Im Sitzen ist das was ganz anderes. Ich habe nichts gegen stärkere Kontrollen am Blockeingang, besonders in entsprechenden Blöcken, vielleicht sogar mit Sprengstoffhunden und Scannern. Gewisse Leute/Gruppierungen dürfen erst gar nicht ins Stadion gelangen, genauso bestimmte Banner und Schriftzüge. Man muss im Dialog bleiben, aber es müssen auch klarere Regeln erstellt werden! Und vielleicht muss es da wie im Kindergarten klare Vereinbarungen geben. Wenn Pyro gezündet wird, dann wird es im entsprechenden Block ab dem kommenden Spiel Sitzplätze geben! Wenn Pyro die Hand verlässt wird der Block für die nächsten drei Spiele gesperrt. Wenn die Verursacher der Polizei übergeben werden, kann es ja zu Bewährungen kommen. Nur spontane Gedankenspiele...
Sitzplatz kann ich mir nicht leisten, schon gar nicht für die ganze Familie. Damit wären sehr viele vom Stadionbesuch ausgeschlossen!
Vielleicht sollte man dann auch zeitgleich die VIP Tribüne wegreißen und dafür normale Sitzplätze hinmachen. Weil wenn man ein Champagnerglas in der Hand hat, kann man schlecht Stimmung machen und klatschen.
Ist natürlich bewusst überspitzt von mir formuliert. Weil es wieder ein dummer Spruch von Herrn Steubing ist. Da kann man nur mit einem dummen Spruch Entgegenkommen.
Sind wir wieder bei Kollektivstrafen weil man eine Hand voll Idioten nicht in den Griff bekommt bzw. nicht in den Griff bekommen will. Bei heutigen Kameraaufnahmen ist das ja wohl easy möglich.
Ich habe spontan keinen Lösungsvorschlag, lediglich den Hinweis, dass man sich die Räumlichkeiten für das Choreo-Material genauer und regelmäßiger anschauen sollte.
Die meisten Sorgen macht mir die „Übernahme“ von relevanten Funktionen in der Vereinsführung durch die Ultras.
Auf der letzten Mitgliederversammlung hat sich, lt. FAZ (?), dies durch die Mehrheit der anwesenden Ultra Mitglieder schon abgezeichnet.
In einigen italienischen Clubs scheint das schon der Fall zu sein.
Überspitzte Formulierungen halte ich bei diesem Thema für obsolet. In einem bin ich 100 Pro bei Dir: " ... nicht in den Griff bekommen will."
Für mich ist es schwer zu verstehen, dass Fan-Beauftragte, Fan-Gruppen und Polizei zu einem Plauderstündchen kommen.
Das sind KEINE FANS, die im Stadion zündeln!!! Ergo werden sie nicht von irgendwem vertreten.
Ich erinnere mich daran, dass in den europäischen Wettbewerben keine Stehplätze zugelassen waren und auch im Pokalendspiel gab es feste Sitzplätze. Hat das jemanden dazu bewogen, auf seinem Platz zu sitzen? Nein!Und so wird das auch wieder sein, es war ja sogar Werkzeug im Block und die Sitzreihen wurden inkl. Stahlträger abgeschraubt und nach unten gereicht. Völlig sinnloser Vorschlag, der pure Aktionismus und es wird sich nichts am Pyroproblem ändern.
Gruß SCOPE
Du beschreibst gut, was Stehplatz ausmacht, im Sitzen fehlt halt die Bewegung, Intensität und geteilte Euphorie, es wird vom sozialen Kollektiverlebnis zur sterilen individuellen Ding, man erinnere sich gerne an die Lockdowns.
Also müsste es eigentlich wieder zum reinen Stehplatz, statt Sitzplatz-Stadion gehen anstatt umgekehrt, wenn man das wollen würde.
Das steht aber komplett der Kommerzialisierung entgegen, ein personalisiertes Ticket verknüpft mit Mitgliedsstatus (siehe gerade Köln) ermöglicht mehr zugeschnittene Werbung und somit mehr Profit.
Und hier komme ich zum Thema - diesen Trend umzukehren und mehr Leuten das Gefühl "Kurve" zu ermöglichen, da sind wir einer der wenigen Klubs, die da auf dem richtigen Weg sind. Und diese Fortschritte (nein, es wird nicht wieder wie in den 70ern, 80ern) sind hart erkämpft und werden eben gerade wieder gefährdet und dann geht es halt wieder rückwärts. Und da das offenbar einigen völlig egal ist, müssen die halt raus, die persönliche Freiheit endet da, wo die eines anderen beginnt, basta. Wer keinen Respekt hat, bekommt auch keinen.
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