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Die SGE konnte nach dem Sieg gegen Freiburg verdient feiern. Foto: IMAGO / HMB-Media

Reif, kontrolliert, zielstrebig – SGE siegt verdient im Europa-Duell

Eintracht Frankfurt hat den SC Freiburg am gestrigen Sonntagabend verdient mit 2:0 besiegt und dabei nicht nur drei Punkte eingefahren, sondern vor allem die eigene Entwicklung unter Cheftrainer Albert Riera eindrucksvoll unterstrichen. Es war kein spektakulärer Offensivrausch – sondern ein kontrollierter, reifer und taktisch durchdachter Auftritt. Genau das, was dieser Mannschaft in den vergangenen Monaten gefehlt hatte.

Die SGE begann im Gegensatz zu den letzten Spielen dieses Mal mit einer klaren Viererkette – allerdings mit einer interessanten Besonderheit: Neben den Innenverteidigern Aurèle Amenda und Robin Koch spielten Nathaniel Brown und Nnamdi Collins auf ungewohnten Seiten. Linksfuß Brown verteidigte rechts, Rechtsfuß Collins links. Die Idee dahinter war klar: Beide sollten im Aufbau immer wieder nach innen ziehen, um die Außenbahnen für Jean-Mattéo Bahoya und Arnaud Kalimuendo zu öffnen. Dieses Konzept funktionierte immer wieder gut, insbesondere in der zweiten Halbzeit. Im Spielaufbau ließ sich Brown zudem häufig ins Zentrum fallen und bildete mit Oscar Højlund und Hugo Larsson eine Dreier-Mittelfeldachse. Offensiv agierte Mario Götze als Zehner, während Jonathan Burkardt sein Startelf-Comeback feierte.

Geduldiger Ballbesitz – zunächst zu behäbig

Die Eintracht erspielte sich in der ersten Halbzeit ein optisches Übergewicht. Auffällig war erneut der klare Ballbesitz-Ansatz Rieras am Ende standen 63% Ballbesitz auf der Habenseite der SGE. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger setzt er bewusst auf Kontrolle, auf Dominanz über Zirkulation – mit dem Ziel, den Gegner zu ermüden und dann schnell vertikal zu werden. Allerdings agierte Frankfurt zunächst zu behäbig. Wenn Ballstaffetten funktionierten, fehlte häufig der Mut zum Risiko. Zu oft wurde der Sicherheitspass gewählt. Gefährlich wurde es dennoch: Brown zog von rechts nach innen und schloss mit links ab – Freiburgs Keeper parierte stark, ebenso beim Nachschuss von Burkardt. Auch Kalimuendo scheiterte nach einem feinen Spielzug knapp.

Mit zunehmender Spieldauer gewann Freiburg höhere Bälle, die SGE verlor etwas den Zugriff im Pressing. Kurz vor der Pause rettete der Pfosten bei einem Abschluss von Matanović. Direkt nach Wiederbeginn hielt Michael Zetterer stark – zwei Momente, in denen das Spiel hätte kippen können.

Mehr Mut, mehr Tempo – und die besseren Entscheidungen

Doch genau hier zeigte sich die neu gewonnene Reife dieser Mannschaft. Es gab kein auseinanderfallen mehr, die Spieler hatten – so zumindest der Eindruck – einen klaren Plan und befolgten diesen. Frankfurt übernahm wieder die Kontrolle – nun aber mit deutlich mehr Zug zum Tor. Die Bälle wurden direkter gespielt, die Außen konsequenter eingebunden, und auch die zentralen Spieler suchten nicht nur per Pass, sondern auch mit Läufen den Weg in die Spitze. So entstand das 1:0: Farès Chaïbi, Sekunden zuvor eingewechselt, fing einen Pass ab, suchte sofort den direkten Weg nach vorne. Collins spielte punktgenau in den Lauf des Algeriers, der sicher abschloss. Ein schnörkelloser Angriff – genau im Sinne des neuen Frankfurter Ansatzes. Auch das 2:0 folgte diesem Muster. Wieder war Chaïbi beteiligt, wieder wurde direkt kombiniert. Bahoya startete tief, bekam den perfekten Ball – und traf traumhaft ins lange Eck. Ob gewollt oder nicht: Der Treffer war die Krönung eines entschlossenen, klaren Spielzugs.

Nach dem 2:0 baute die SGE weiter Druck auf, hatte weitere Möglichkeiten – doch fast noch wichtiger war: Freiburg wurde vom eigenen Tor ferngehalten. Frankfurt kontrollierte das Spiel vollständig, verteidigte kompakt und ließ kaum noch gefährliche Aktionen zu.

Fazit: Zwar musste man sich einmal beim Pfosten und einmal bei Zetterer bedanken, insgesamt aber hatte die Eintracht das Geschehen im Griff. Was besonders auffiel: Diese Mannschaft wirkt nicht mehr vogelwild. Sie wirkt organisiert, diszipliniert, gefestigt. In der Nüchternheit, in der Abgezocktheit lag etwas Reifes – etwas, das noch vor wenigen Wochen kaum vorstellbar war. Unter Albert Riera hat sich spürbar etwas verändert. Die SGE ist ein stabiles Gebilde geworden. Die Spielidee ist klar, die Abläufe greifen besser, das Selbstverständnis wächst. Es war ohne Frage ein verdienter Sieg, ein reifer Auftritt, ein weiteres Zeichen der Entwicklung. Die Eintracht erspielte sich keine Flut an Chancen, aber genügend – und nutzte sie konsequent. Die Mannschaft wirkt stabil, strukturiert und selbstbewusst. Und genau das ist derzeit vielleicht der größte Fortschritt. Der Sieg bringt Frankfurt wieder deutlich näher an die Europapokal-Plätze. Soll die große Aufholjagd gelingen, kann dieses 2:0 ein wichtiger Startpunkt gewesen sein. Allerdings trübte die frühe Auswechslung von Kauã Santos aufgrund einer möglichen Verletzung die Stimmung. Zudem weiß auch Riera: Dieser Sieg ist nur dann wirklich wertvoll, wenn gegen die kommenden Gegner aus dem unteren Tabellendrittel nachgelegt wird.

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3 Kommentare

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Top Analyse. Da gibt es nichts hinzuzufügen. Die Saison ist noch lang und wir "jagen unsere Gegner" wie es so schön heißt... "und werden wieder Meister sein" (irgendwann) 😉

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Fallback Avatar 2. Meintracht 02. März 26, 11:52 Uhr

Lag dann vielleicht doch am Trainer, denn verletzte wichtige Spieler haben wir JETZT und es läuft auch mit denen, die vorher nicht mehr oben auf der Liste standen. Für mich überraschend, wie schnell man eine komplette Mannschaft aus dem Tiefschlaf erwecken kann. Trainerwechsel leider ein paar Wochen zu spät.

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Fallback Avatar 3. culo blanco 02. März 26, 11:58 Uhr

Defensiv wirklich kaum was zugelassen über 90 Minuten, das ist auf jeden Fall gut, wenn man bedenkt, dass man sich die Abwehr ohne AT und RK vor kurzem noch gar nicht vorstellen konnte.
Offensiv in der ersten Halbzeit noch viel zu behäbig (Larsson), fehlerhaft (Höjlund), zu oft zurück (Brown, Götze). Die Bewegung in die Räume war teilweise da (Kali, Höjlund, sogar Amenda) aber der Kopf war nicht oben. Witzig ist, dass der gefühlt erste Direktpass bei genau dieser Bewegung zum Tor geführt hat.
Und ganz wichtig - weiter offensiv gespielt nach Führung. Die Situationen müssen deutlich besser ausgespielt werden gegen die kommenden Gegner, um das Spiel zu "killen", so ein Ding wie von Bahoya geht selten rein.
Insgesamt aber absolut verdienter Sieg gegen einen sehr defensiven Gegner.

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