Eintracht Frankfurt hat beim 3:0-Heimsieg gegen Borussia Mönchengladbach nicht nur drei Punkte eingefahren, sondern vor allem eines zurückgewonnen: Stabilität. In einer Phase, in der defensive Unsicherheiten und mentale Fragilität das Bild bestimmten, zeigte die Mannschaft von Trainer Albert Riera eine reife, disziplinierte und zugleich effiziente Leistung.
Auf dem Spielberichtsbogen agierte die SGE in einem 4-1-4-1-System mit Hugo Larsson als alleinigem Sechser und Arnaud Kalimuendo als zentralem Stürmer. Doch wie schon in den Vorwochen zeigte sich die Eintracht im Spiel äußerst variabel.
Bei gegnerischem Ballbesitz formierte sich Frankfurt häufig in einer Fünferkette, phasenweise sogar mit sechs klar defensiv orientierten Spielern. Diese abwartende Grundhaltung sorgte dafür, dass Gladbach offensiv kaum Durchschlagskraft entwickeln konnte. Die SGE hatte meist einen Spieler mehr in letzter Linie, wodurch selbst kleinere individuelle Patzer sofort ausgebügelt werden konnten – eine klare Reaktion auf die vielen kleinen persönlichen Fehler der letzten Wochen.
Diese konservative Herangehensweise steht im Kontrast zu dem offensiven, kontrollierten Ansatz, den Riera bei seiner Vorstellung angekündigt hatte. Doch aktuell scheint genau dieser pragmatische Weg der richtige zu sein: Sicherheit vor Risiko, Stabilität vor Spektakel.
Auffällig war auch die mentale Widerstandsfähigkeit. Die verletzungsbedingten Auswechslungen von Kalimuendo und Rasmus Kristensen brachten die Mannschaft nicht aus dem Konzept. Noch vor wenigen Wochen hätten solche Einschnitte das Spiel kippen lassen können. Gegen Gladbach blieb die Struktur erhalten – ein Zeichen wachsender Stabilität. Ein besonderes Augenmerk galt an diesem Abend auch Kauã Santos. Der Brasilianer war in den vergangenen Wochen – auch auf dieser Seite – immer wieder kritisch betrachtet worden, zeigte gegen Gladbach jedoch eine abgeklärte und insgesamt sehr souveräne Leistung. Seine Strafraumbeherrschung wirkte sicherer, die Abstimmung mit der Abwehr deutlich verbessert. Besonders eine starke Parade in der zweiten Halbzeit, mit der er die Null festhielt, unterstrich seinen positiven Auftritt. Die anschließenden Abklatscher der Mitspieler waren mehr als nur eine Geste – sie wirkten wie ein sichtbares Zeichen des gewachsenen Vertrauens. Dieses Spiel, die weiße Weste und die spürbare Rückendeckung der Mannschaft dürften dem Selbstvertrauen des Keepers enorm guttun.
Tempo über die Außen als Schlüssel – Effizienz statt Chancenwucher
Offensiv profitierte die Eintracht vor allem von Tempo und Flexibilität. Die Flügelspieler Jean-Mattéo Bahoya und Ayoube Amaimouni-Echghouyab brachten permanent Schwung in die Partie. Unterstützt wurden sie situativ von weit aufrückenden Außenverteidigern.
Auch innerhalb der Formation zeigte sich große Variabilität. Ritsu Doan interpretierte seine Rolle zentraler als zuletzt auf dem Flügel, während Nathaniel Brown sich im Spielaufbau phasenweise als Achter einband, wenn er nicht weit vorschob. Diese Beweglichkeit schuf zusätzliche Anspielstationen und half, Überzahlsituationen auf den Außenbahnen zu kreieren.
Genau diese Überladungen führten zu den ersten beiden Treffern. Sowohl beim 1:0 als auch beim 2:0 stellte die SGE personell mindestens Gleichstand, oft sogar Überzahl auf einer Seite her – und spielte dann das, was man in Frankfurt zuletzt so selten sah: sauberes, schnelles Kombinationsspiel. Beim 1:0 funktionierte insbesondere das Zusammenspiel zwischen Bahoya und Brown hervorragend. Brown krönte seine starke Leistung mit einem überlegten Abschluss. Das 2:0 entstand erneut über eine dynamische Überlagerung, bei der Amaimouni-Echghouyab mit viel Selbstvertrauen abschloss – leicht abgefälscht, aber dennoch sehenswert. Bemerkenswert war dabei die Effizienz: Frankfurt brauchte dieses Mal nicht viele Chancen, um Tore zu erzielen.
Defensive Kontrolle bis zum Schluss
Auch in der zweiten Halbzeit blieb die Stabilität erhalten. Gladbach fand kaum Lösungen gegen die tief stehende, kompakte Eintracht. Die Abstände zwischen den Ketten stimmten, das Zentrum war geschlossen, und Konterabsicherung war stets vorhanden.
Das 3:0 resultierte schließlich aus einem individuellen Fehler in der Gladbacher Defensive. Ansgar Knauff setzte entschlossen nach, blieb cool und schob sicher ein. In der Folge hätte die SGE das Ergebnis sogar noch höher gestalten können, Knauff scheiterte jedoch am stark reagierenden Gladbacher Keeper.
Fazit
Der 3:0-Erfolg war weniger ein spektakuläres Offensivfeuerwerk als vielmehr ein Ausdruck neu gewonnener Balance. Die Eintracht verteidigte diszipliniert, spielte situativ schnell und zielgerichtet nach vorne und zeigte mentale Stabilität bei kleineren Rückschlägen.
Albert Riera scheint aktuell den pragmatischen Weg gewählt zu haben – und dieser zahlt sich aus. Sicherheit erzeugt Selbstvertrauen, Selbstvertrauen erzeugt Mut. Gegen Gladbach war deutlich zu erkennen: Diese Eintracht wirkt gefestigter. Und genau das war die Grundlage für einen überzeugenden Heimsieg.






8 Kommentare
Unser Kaua Santos steht in der Kicker-Elf des Spieltages ! Herzlichen Glückwunsch Kaua!
Zeit, vielleicht einmal nicht ständig an ihm herum zu nörgeln.
Das Trainer-Team braucht ihm nur noch ein paar Dinge beizubringen:
- Wann laufe ich NICHT heraus aus dem Kasten.
- Ich bin ein mega-langer Typ, die Chance den Ball unter mir durchzuschieben ist also riesengroß, da ich mehr Zeit brauche, auf die Grasnarbe zu kommen.
- Den Ball nicht abwerfen, wenn der Gegner zu nahe ist.
- Mit den Verteidigern schreien beim Herauslaufen, statt über sie zu fallen.
Das wars, alles andere passt. Der Mann wird uns noch sehr gute Dienste tun.
"Ich habe fertig."
„ Zeit, vielleicht einmal nicht ständig an ihm herum zu nörgeln.“
Ich würde die Kirche im Dorf lassen. Er hat eine Leistung gezeigt, die man von einem (guten) Bundesliga-Torwart erwarten muss. Hinzu kamen 2-3 tolle Flugeinlagen und ein Score-Punkt (der hat ihn ggf. In die 11 des Spieltags gebracht).
Genauso wie man einen Spieler allgemein nach einem Spiel nicht abschreiben sollte, sollte man auch nach einem Spiel nicht in Lobesarien verfallen. Die spektakulären Dinge waren bisher nie sein Problem, er muss, wie du auch schon geschrieben hast, eher an seinen Basics arbeiten, denn die sind im Zweifel entscheidend und fallen ihm auf die Füße. Ich glaube, man verzeiht ihm eher einen Ball den er nicht aus dem Winkel gefischt hat, als ein Tor, welches es durch einen Fehlpass eingeleitet hat.
Zur Effizienz mal eine Statistik (ist leider nicht so leicht zu lesen, weil der Editor hier Tabellen nicht kann):
Mit 44 erzielten Toren bei einem kumulierten Expected-Goals-Wert (xG) von nur ca. 29,6 übertrifft die Frankfurter Offensive die statistische Erwartung massiv.
Spieltag,Gegner,Ergebnis,Tore (SGE),xG-Wert (SGE)
1,Werder Bremen (H),4:1,4,"2,15"
2,TSG Hoffenheim (A),1:3,3,"1,85"
3,Bayer Leverkusen (A),3:1,1,"1,12"
4,Union Berlin (H),3:4,3,"2,04"
5,Bor. M'gladbach (A),4:6,6,"2,85"
6,Bayern München (H),0:3,0,"0,74"
7,SC Freiburg (A),2:2,2,"1,48"
8,FC St. Pauli (H),2:0,2,"1,92"
9,1. FC Heidenheim (A),1:1,1,"1,21"
10,1. FSV Mainz 05 (H),1:0,1,"1,56"
11,1. FC Köln (A),3:4,4,"1,78"
12,VfL Wolfsburg (H),1:1,1,"1,35"
13,RB Leipzig (A),6:0,0,"0,58"
14,FC Augsburg (H),1:0,1,"1,42"
15,Hamburger SV (A),1:1,1,"0,98"
16,Borussia Dortmund (H),3:3,3,"1,65"
17,VfB Stuttgart (A),3:2,2,"1,24"
18,Werder Bremen (A),3:3,3,"1,88"
19,TSG Hoffenheim (H),1:3,1,"1,45"
20,Bayer Leverkusen (H),1:3,1,"1,10"
21,Union Berlin (A),1:1,1,"0,14"
22,Bor. M'gladbach (H),3:0,3,"1,16"
Ich wundere mich etwas über den Satz im Artikel: "Bemerkenswert war dabei die Effizienz: Frankfurt brauchte dieses Mal nicht viele Chancen, um Tore zu erzielen." Das ist nämlich schon die ganze Saison so. Wenn man auf ganze Zahlen rundet, sind es gerade mal drei Spiele, wo wir den xG-Wert unterschritten haben (und zwei davon die Klatschen gegen Bayern und die Bullerei, wo ein Tor auch keinen Unterschied gemacht hätte). Der Eindruck des "Chancenwuchers" scheint mir doch eher subjektiv zu sein. Auch 44 Tore nach 22 Spieltagen (Platz 4 in der Liga, 2 Tore pro Spiel im Schnitt) zeigen mir, dass es offensiv die ganze Saison schon nicht schlecht läuft (was die Ausbeute angeht). Dass man auch offensiv besser spielen kann, bleibt unbenommen.
Im Kicker haben sie wohl Drogen genommen ? Aber es sind letztes WE viele Tore gefallen, da waren andere Torhüter wohl nicht so im Fokus.
Die Paraden die er gebracht hat, sind von einem Bundesligaspieler einfach zu erwarten, der Ball war immer lange genug in der Luft um sich darauf einzustellen. Auf der Linie ist er im allgemeinen auch nicht so schlecht, wobei der Elfer vorletztes WE hätte gehalten werden müssen.
Aber im rauslaufen und vor allem 5er, das muss immer sein Ball sein, das war es auch dieses mal nicht, es ging nur gut für ihn aus, da unsere Abwehr besser funktioniert hat und Gladbach einfach zu schwach war am 2. Ball.
Samstag darf er sich warscheinlich gegen die Bayern bewehren, das wird eine andere Nummer, da darf er nicht am Ball vorbei springen oder einen Ball nach vorne zum Gegner fausten, der ist dann nämlich drinnen.
Vor lauter Freude über den 3:0 Sieg wird hier diesmal gar nichts über die Frauen vermeldet, die haben 4:1 in Jena gewonnen und Geraldine hat alleine 3 Tore erzielt. Zu Santos' Leistung kann ich nur sagen, solide ohne Gegentor-dennoch halte ich mich immer die Luft an, wenn sich ihm ein Ball nähert. Es wirkt einfach tapsig und zu wenig abgeklärt. Darum hoffe ich, dass er mehr und mehr Selbstbewusstsein bekommt und die Sicherheit wächst. Ich habe mir die Wiederholung auf Eintracht TV nochmal angesehen, es sieht so als würde Rasmus getroffen, aber direkten Kontakt vom Gegenspieler sieht man nicht. Die blutende Wunde am Knie war wohl schon vorher, weil es ja das Sprunggelenk was abbekommen hat.
Gruß SCOPE
Ich könnte mir vorstellen, die Mannschaft hat die klare Anweisung bekommen, nicht mehr so oft zum Torwart zurückzuspielen.
Und der Torwart hat die Anweisung bekommen, den Ball lieber weit wegzublasen als mit einem Kurzpass ein Risiko einzugehen.
Daß dadurch sogar ein Assist entsteht, ist dann die Krönung.
Zur Wahrheit bezüglich Glück/Pech beim Abschluss gehört aber auch, dass unsere Gegner über die Saison gesehen deutlich mehr Tore gegen uns geschossen haben, als es der xG vermuten würde.
Jetzt sind wir in einer neuen Situation, aber zur Zeit unter Toppmöller lässt sich sicherlich resümieren, dass die Offensive nicht so gut war, wie es die geschossenen Tore vermuten lassen, die Defensive aber auch nicht so schlecht, wie sie immer gemacht wurde.
Sehr gute Analyse! Alles perfekt wiedergegeben.
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