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Aurèle Amenda und Nene Brown profitieren vom Trainerwechsel. Foto: Imago / HMB-Media

Neue Dynamik unter Riera: Diese Spieler gehören zu den Gewinnern und Verlierern

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Ein Trainerwechsel bringt fast immer Bewegung in eine Mannschaft. Neue Ideen, veränderte Rollenverteilungen und ein anderer Blick auf die individuellen Stärken einzelner Spieler sorgen für Veränderungen. Auch bei Eintracht Frankfurt ist das seit dem Amtsantritt von Albert Riera am 2. Februar deutlich zu beobachten. Nach den ersten Partien unter dem neuen Trainer haben sich bereits Spieler herauskristallisiert, die von der neuen Linie profitierten oder an Einfluss verloren.

Gewinner:

Aurèle Amenda

Noch vor wenigen Monaten schien die Zukunft von Aurèle Amenda in Frankfurt alles andere als gesichert. In seiner ersten Saison bei Eintracht Frankfurt kam der Schweizer Innenverteidiger unter Dino Toppmöller verletzungsbedingt nur auf 13 Pflichtspieleinsätze. Auch in der Hinrunde der aktuellen Spielzeit blieb seine Rolle überschaubar, denn er war meist Ergänzungsspieler und sammelte nur sporadisch Minuten. Im Winter dachte der 22-Jährige sogar über einen Wechsel nach, um mehr Spielpraxis zu bekommen. Der FC Turin galt als möglicher Interessent. Doch Sportvorstand Markus Krösche legte hier sein Veto ein und wollte den Defensivspieler unbedingt halten. Seit dem Trainerwechsel hat sich die Situation jedoch komplett verändert. Unter Albert Riera gehört der Schweizer plötzlich zu den konstantesten Spielern im Team. Der Innenverteidiger steht inzwischen regelmäßig in der Startelf und hat sich zu einem wichtigen Stabilitätsfaktor entwickelt. Amenda konnte das Vertrauen des neuen Trainers nutzen und sich durch einen ruhigen Spielaufbau, eine hohe Passsicherheit und einer starken Zweikampfführung auszeichnen. Am Ball agiert Amenda unaufgeregt und konnte dazu beitragen, dass sich die Frankfurter Defensive im Vergleich zu den vergangenen Monaten stabilisiert hat. In mehreren Spielen unter Riera kassierte Frankfurt daher nur wenige Gegentore und konnte mehrfach zu Null spielen. Amenda ist dabei oft der zentrale Baustein in der Organisation der Abwehr. Besonders bezeichnend für seine gewachsene Bedeutung war das Spiel beim FC St. Pauli. Beim torlosen Remis war er mit 168 Ballkontakten der mit Abstand aktivste Frankfurter auf dem Platz und setzte seit Beginn der Datenerfassung einen neuen Vereinsrekord.

Jean-Mattéo Bahoya

Der Zwanzigjährige startete vielversprechend in die Saison. Mit einem Doppelpack am ersten und einer Vorlage am zweiten Spieltag sorgte der Offensivspieler für Aufsehen. Doch anschließend folgte eine lange Phase ohne nennenswerte Torbeteiligung. Unter Dino Toppmöller verlor Bahoya seinen festen Platz in der Startelf und kam meist nur zu Kurzeinsätzen. Wie bei Amenda, stand auch bei Bahoya ein Abgang im Raum. Im Winter soll Gerüchten zufolge der saudi-arabische Verein Al-Hilal ein Angebot von 25 Millionen Euro bei der SGE hinterlegt haben, was der Verein jedoch abgelehnt hat. Mit dem Trainerwechsel kam dann die Wende. Mehrere Startelfeinsätze in Serie und komplette Spiele über 90 Minuten zeigen, welchen Stellenwert er inzwischen besitzt. Dabei überzeugt Bahoya durch sein Tempo und Dribbling nicht nur mit dem Ball. Im System des neuen Trainers arbeitet Bahoya auch intensiver gegen den Ball, schließt Räume und beteiligt sich stärker am Pressing. Gleichzeitig bleibt er offensiv gefährlich: Zwei Vorlagen beim 3:0 gegen Borussia Mönchengladbach und ein sehenswertes Tor beim 2:0 gegen den SC Freiburg sprechen eine klare Sprache. Die Formkurve zeigt bei ihm klar nach oben.

Nathaniel Brown

Der 22-Jährige war bereits unter Toppmöller ein absoluter Leistungsträger und doch kann er als ein klarer Gewinner gesehen werden. In der Regel agiert er als offensiv ausgerichteter Linksverteidiger, aber seine Rolle hat sich seit dem Trainerwechsel deutlich erweitert. Der Linksfuß rückt unter Riera deutlich häufiger ins Zentrum. Dort beteiligt er sich am Spielaufbau, übernimmt teilweise Aufgaben eines zentralen Mittelfeldspielers und sorgt dafür, dass die Eintracht im Aufbau eine zusätzliche Anspielstation hat. So kann der zweifache deutsche Nationalspieler seine technischen Fähigkeiten stärker in das Spiel einbringen. Sobald Frankfurt den Ball verliert, verschiebt sich die Struktur wieder. Brown rückt zurück auf seine gewohnte Position und bildet gemeinsam mit den Innenverteidigern eine Viererkette. Diese Flexibilität macht das Frankfurter Spiel für die Gegner variabler und schwerer ausrechenbar, was sich in den vergangenen Spielen zeigte. So konnte er in den ersten beiden Partien unter dem neuen Trainer jeweils durch ein Tor gegen Union Berlin und Borussia Mönchengladbach glänzen. Hohe Passquoten, viele Ballkontakte und mehrere entscheidende Aktionen in den vergangenen Spielen unterstreichen seinen Einfluss auf das Spiel. Auch intern genießt Brown enormes Vertrauen. Dass er gegen Bayern München sogar als Mannschaftskapitän auflief, verdeutlicht seine angesehene Position in der Mannschaft und beim neuen Trainerstab.

Verlierer:

Ritsu Doan

Die Zeit von Ritsu Doan bei Eintracht Frankfurt ist einerseits bis dato nicht wie erwartet von Erfolg gekrönt. Andererseits ist der Zugang vom SC Freiburg meilenweit davon entfernt, als Flop in die Eintracht-Geschichtsbücher einzugehen. Seine bisherigen Leistungen waren weder Fisch noch Fleisch. Soloaktionen wie gegen Augsburg und Mainz, die zu jeweils drei Punkten führten, zeigte er zu selten. In der Summe stehen vier Tore und fünf Vorlagen in der Liga zu Buche. Solide. Unter Dino Toppmöller war Doan immer gesetzt, wobei der Ex-Coach nie so richtig seine perfekte Rolle und Position identifizieren konnte. Häufig agierte der japanische Nationalspieler als verkappter Rechtsverteidiger in einer Dreier-/Fünferkette, wodurch er in der Luft hing. Unter Neu-Trainer Albert Riera sollte sich eigentlich die Situation des Linksfußes ändern. Der spanische Fußballlehrer machte bei seiner Vorstellung deutlich, dass er dafür sorgen wird, dass seine Spieler wissen werden, was sie auf dem Platz zu tun haben. Bei Doan scheint der Funken aber noch nicht übergesprungen zu sein. In den ersten sechs Spielen unter Toppmöllers Nachfolger hat der Flügeltechniker noch keinen Scorerpunkt sammeln können und hatte auch sonst keinen entscheidenden Impact aufs Spiel. Zudem entschied sich Riera, Doan auf der Zehn auszuprobieren, doch auch dieser Schritt trug bisher keine Früchte. Vor allem bei der knappen 3:2-Pleite in München zeigte der 27-Jährige in der ersten Halbzeit eine extrem schwache Leistung. Im Anschluss machte Doan seinem Ärger über die ständigen Positionswechsel gegenüber japanischen Journalisten Luft. „Mir raucht der Kopf. Ich habe noch nie zuvor auf dieser Position gespielt.“ Die Konsequenz: Doan verlor seinen Stammplatz, gegen Freiburg und St. Pauli wurde der Angreifer für die letzten ca. 25 Minuten eingewechselt. Beim gestrigen Sieg über Heidenheim kehrte er zwar wieder in die Startelf zurück und war auch  grundsätzlich bemüht, aber über weite Strecken blieb er glücklos und verpasste zudem in einer Situation aus aussichtsreicher Position die große Chance zum 2:0. Vom Trainerwechsel hat Doan bisher nicht profitiert.

Ellyes Skhiri

„Stop playing back!“: Ein Satz, den Albert Riera bei seiner ersten Trainingseinheit sagte und der sich jetzt schon in den Köpfen vieler Journalisten und Fans eingeprägt haben dürfte. Der Neu-Coach möchte offensiven, dynamischen und dominanten Fußball sehen. Ein Spieler, der diesem Credo zum Opfer fällt, ist Ellyes Skhiri. Der Tunesier weist als klassischer gelernter defensiver zentraler Mittelfeldspieler eine grundsolide Stabilität, Passsicherheit und ein grundsolides Stellungsspiel auf. Aber er verlangsamt auch das Spiel seiner Mannschaft, indem er sich für den Sicherheitspass zum Nebenmann oder nach hinten entscheidet. Riera setzt auf der Sechs lieber auf den agilen, flinken Hugo Larsson. Seit seinem Amtsantritt kommt Skhiri deutlich seltener zum Einsatz. In den ersten sechs Spielen stand er nur einmal in der Startformation. Gegen den FC Bayern rückte der 30-Jährige notgedrungen in die Innenverteidigung aufgrund der sehr dünnen Personaldecke und machte seinen Job ordentlich. Aber gegen Gladbach, Freiburg und zuletzt Heidenheim wurde der tunesische Nationalspieler für die Schlussphase eingewechselt. Gegen St. Pauli blieb Skhiri sogar eine Kadernominierung verwehrt, beim Riera-Debüt musste er eine Gelbrot-Sperre aus der Leverkusen-Pleite aussitzen. Skhiri könnte aufgrund des Platzverweises von Robin Koch am kommenden Wochenende in Mainz wieder gefragt sein, langfristig mit Blick auf die baldige Rückkehr von Arthur Theate und den guten Leistung von Larsson dürften sich die Aussichten auf regelmäßige Spielzeiten aber weiter verschlechtern.

Mo Dahoud

Mo Dahoud ist vielleicht kein Verlierer im klassischen Sinne, hatte der Routinier bereits unter Vorgänger Dino Toppmöller einen schweren Stand. Im Zuge des Afrika Cups (Skhiri und Chaibi fehlten) wurde Dahoud plötzlich wieder wichtig, kam wieder bis zur Trainerentlassung deutlich regelmäßiger zum Einsatz und erhielt entsprechende Lobeshymnen von seinem damaligen Coach. Beim 3:3-Spektakel gegen den BVB und der bitteren Pleite in Stuttgart kam der Deutsch-Syrer von der Bank und sammelte jeweils eine Torbeteiligung. Statt den Schwung mitzunehmen, muss sich Dahoud unter der Regie von Albert Riera wieder hinten anstellen. Beim Debüt gegen Union Berlin wurde er nur für die letzten acht Minuten eingewechselt. Beim 3:0-Erfolg gegen Gladbach musste Dahoud überraschenderweise Arnaud Kalimuendo nach dessen Verletzung als falsche Neun ersetzen. Dass sich der 30-Jährige damit nicht anfreunden konnte, ist keine Überraschung. Doch Riera sah das anders, gegen den FC Bayern bekam Dahoud die zweite Bewährungsprobe als Mittelstürmer. Dass aber der gelernte zentrale Mittelfeldspieler langfristig nicht als Torjäger infrage kommt, lag auf der Hand, gerade im Hinblick auf die Rückkehr von Kalimuendo und Jonny Burkardt sowie auf das anstehende Comeback von Younes Ebnoutalib. Auch auf seiner angestammten Position schenkt Riera lieber Hugo Larsson, Oscar Højlund und Fares Chaibi das Vertrauen. Dahoud blieb infolgedessen in den letzten drei Ligaspielen nur das Zugucken auf der Bank. Nachdem sich der ehemalige Nationalspieler Syriens und Deutschlands Zeitlang vor Rieras Amtsantritt zurückgekämpft hat, bahnt sich mehr denn je ein ablösefreier Abgang im Sommer an.

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2 Kommentare

Fallback Avatar 1. Muetzelchen 15. März 26, 16:17 Uhr

Mir fehlen doch die Worte, Dynamik oder Bewegung, davon sah ich gestern und auch bei St Pauli nicht allzu viel! Wir haben im Kader viele Baustellen und unser Trainer versucht vieles zu verändern, doch wenn zu wenig an Substanz vorhanden ist, sah man dies am Wochenende. Über die Punkte bin ich froh, doch es täuscht ein wenig über das eigentliche Problem. Laufbereitschaft, Einsatz, Spielfreude, das sind nun mal Elemente die zum Fußball gehören. Kritik ist hier selten gewünscht, doch als Fan muß man auch unbequeme Themen ansprechen.

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Fallback Avatar 2. PeKa 15. März 26, 19:31 Uhr Zitat - Muetzelchen Mir fehlen doch die Worte, Dynamik oder Bewegung, davon sah ich gestern und auch bei St Pauli nicht allzu viel! Wir haben im Kader viele Baustellen und unser Trainer versucht vieles zu verändern, doch wenn zu wenig an Substanz vorhanden ist, sah man dies am Wochenende. Über die Punkte bin ich froh, doch es täuscht ein wenig über das eigentliche Problem. Laufbereitschaft, Einsatz, Spielfreude, das sind nun mal Elemente die zum Fußball gehören. Kritik ist hier selten gewünscht, doch als Fan muß man auch unbequeme Themen ansprechen. Path

Das ist keine Kritik, sondern eine Tatsachenbeschreibung. Finde ich in Ordnung.
Bis die Dinge ineinandergreifen, wird es noch dauern. Wir sollten unser Casting neu ausrichten. Es muss nach Spielern gesucht werden, die robust und einsatzfreudig sind und Spielfreude zeigen und nicht schauen, welchem Spieler man schnell ein hohes Preisschild umhängen kann.

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