Schoss 16 Tore für die Eintracht: Martin Fenin
Schoss 16 Tore für die Eintracht: Martin Fenin

Wenn sich Eintracht-Fans heute über Martin Fenin unterhalten, dann kommen sie unweigerlich auf sein erstes Spiel im SGE-Trikot zu sprechen: Beim 3:0-Auswärtssieg in Berlin zum Rückrundenauftakt der Saison 2007/08 machte der erst in der Winterpause verpflichtete Stürmer alle drei Tore. Doch er will nicht auf diese drei Tore reduziert werden. Er verbindet nämlich viel mehr als dieses eine Spiel mit seiner Zeit in Frankfurt.

Im Interview mit SGE4EVER.de erzählte der Tscheche, warum er als junger Spieler damals unbedingt zur Eintracht wollte und welches seiner Tore für ihn bis heute ein ganz besonderes ist.

SGE4EVER.de: Hallo Martin, du kamst sehr jung zur Eintracht. Was hat dich damals dazu bewogen, deine Heimat zu verlassen und nach Frankfurt zu wechseln?
Martin Fenin:
Ja, ich war erst 20 Jahre, als ich nach Frankfurt kam. Das mit dem Wechsel war damals alles etwas kompliziert, weil ich auch noch andere Angebote hatte. Unter anderem hatte ich auch eine Offerte von Juventus Turin. Aber ich bin dann zur Eintracht gewechselt, weil ich mir damals die Vereine, zu denen ich hätte gehen können, angeschaut habe und Frankfurt mich am meisten gereizt hat. Ich habe in YouTube-Filmen gesehen, wie viele Leute bei der Eintracht zu einem Spiel kommen. Als ich die ganzen Videos der Fans gesehen habe, habe ich mich entschieden, nach Frankfurt zu gehen, weil es der Traum jedes jungen Spielers ist, vor solchen Fans spielen zu dürfen.

Aber ein Angebot von Juventus Turin war doch sicherlich auch sehr reizvoll?
Ich hatte damals das Ziel, dass ich für Tschechien mit zur Europameisterschaft nach Österreich und in die Schweiz fahren kann. Um das zu erreichen, musste ich regelmäßig spielen. Und mir war klar, dass ich in Turin kein Stammspieler werde und wahrscheinlich direkt weiter verliehen worden wäre. Ich wollte nach Frankfurt kommen und mir einen Namen machen. Bei Juventus hätte ich das wohl nicht geschafft und wäre einer von vielen geblieben.

Nach deinem Dreierpack im ersten Spiel in Berlin wurdest du in Frankfurt Tage lang gefeiert. War das im Endeffekt alles vielleicht sogar zu viel des Guten, weil die Erwartungen danach an dich immens hoch waren?
Mich nervt es bis heute, dass ich von vielen rückblickend auf diese drei Tore reduziert werde. Es heißt immer: „Er hat diesen Hattrick gemacht und danach kam dann nichts mehr.“ Aber das stimmt nicht. Denn es war nicht so, dass ich danach schlechter war. Im nächsten halben Jahr habe ich zwar nicht mehr so viele Tore geschossen. Aber die folgende Saison war die beste Spielzeit meiner Karriere. Das sehen leider viele heute nicht mehr. Natürlich war das super mit den drei Toren. Ich hatte die Fans direkt auf meiner Seite und hatte mich super gefühlt. Ich hatte daher nicht das Gefühl, dass das zu viel oder zu schnell war.

In 96 Spielen hast du für die Eintracht 16 Tore erzielt. An welches erinnerst du dich besonders gerne zurück?
Wie gesagt, waren die drei Tore in Berlin für mich sehr wichtig. Aber mein erstes Tor zu Hause vor den eigenen Fans im direkt folgenden ersten Heimspiel damals gegen Bielefeld, war auch etwas ganz Besonderes. Da habe ich das erste Mal gemerkt, wie toll es sich anfühlt, vor den eigenen Fans ein Tor zu schießen und alle jubeln dir zu. Meine Eltern waren damals auch im Stadion dabei. Das war für mich viel schöner als die drei Tore in Berlin, weil die Stimmung dort natürlich nicht so gut war, wie zu Hause. Ich werde mich immer viel intensiver an das erste Heimtor erinnern.

Und dann gab es auch noch ein Siegtor von dir gegen Bayern München kurz vor Abpfiff…
Ja! Das war das 2:1 gegen die Bayern im März 2010. Wir haben innerhalb von vier Minuten das ganze Spiel gedreht. So etwas vergisst man natürlich nicht. Ich glaube, seitdem hat die Eintracht nicht mehr gegen München gewinnen können. Da bekomme ich heute noch Gänsehaut, wenn ich an die Stimmung im Stadion nach diesem Sieg zurückdenke.
Aber wenn man davon spricht, welches das optisch schönste Tor war, was ich für die SGE geschossen habe, dann war es mein 2:1 im Heimspiel gegen Köln 2009. Das Spiel ging zwar noch 2:2 aus. Aber mein Fallrückzieher, der von der Latte ins Tor ging, war schon schön (lacht).

Dann war der Sieg gegen die Bayern aber bestimmt das Spiel, das dein absolutes Highlight bei der Eintracht war?
Das kann man so sagen. Ich war in der Saison 2009/10 lange verletzt. Vorher war ich Leistungsträger und Stammspieler, hatte nun aber leider lange mit Leistenproblemen zu kämpfen. Gegen München wurde ich dann in der 74. Minute erst eingewechselt. Es ist ja häufig nach langen Verletzungen so, dass man dann direkt besondere Momente erlebt. Und das war bei diesem Spiel definitiv so.

Wie bewertest du rückblickend deine komplette Zeit in Frankfurt?
Frankfurt war für mich die schönste Zeit meines Lebens. Ich habe hier ganz viele Freunde gefunden. Ich habe mich hier schnell heimisch und wie ein richtiger Frankfurter gefühlt. Ich muss ganz ehrlich sagen, dass der Abstieg 2011 für mich das Schlimmste war, was mir in meiner Karriere passiert ist. Das kann man auch heute noch nicht erklären, was da damals schiefgelaufen ist. Wären wir nicht abgestiegen, wäre ich wohl heute noch bei der Eintracht. Ich wollte verlängern, mein Vertrag lief aus. Aber ich war nach dem Abstieg nicht mehr glücklich.

Hat die Eintracht dir keinen Vertrag für die Zweite Liga angeboten?
Es war am Ende schon so, dass ich gehen wollte. Ich hatte mit dem neuen Trainer Armin Veh damals gesprochen und er hat mir gesagt, dass ich bleiben kann, aber unter ihm wohl kein Stammspieler werde. Veh wollte eher einen bulligen Stoßstürmer. Ich wollte auch zu diesem Zeitpunkt im nächsten Jahr mit der Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft dabei sein. Und das ging nur, wenn ich bei meinem Verein auch regelmäßig spielte. Daher habe ich mich unter diesem Druck dazu entschieden, nach Cottbus zu wechseln. Ich wollte nie gehen. Ich habe nicht das gemacht, was mein Herz mir gesagt hat.

Du hast Armin Veh zumindest ein bisschen kennengelernt. Die Eintracht ist unter ihm in den letzten Monaten in eine ähnlich schwere Krise geraten, wie du sie von 2011 auch noch kennst. War es richtig, ihn als Trainer zu entlassen?
In der Situation, in der die Eintracht steckt, musste nun irgendwas geändert werden. Ich würde es aber nicht mit 2011 vergleichen. Wir haben damals sieben Punkte aus 17 spielen geholt. Das lässt sich wirklich nicht erklären, was da damals ablief. Aber natürlich ist es schlimm, dass Frankfurt nun wieder so tief im Abstiegskampf steckt.

Bekommt die SGE mit den Kovac-Brüdern noch die Kurve?
Ich wünsche mir natürlich, dass sie nicht absteigen. Das wäre ganz, ganz schlimm. Der Abstieg 2011 ging noch einigermaßen gut aus: Man ist direkt wieder aufgestiegen und im nächsten Jahr in den Europapokal eingezogen. Das war wie ein Märchen. Das würde heute bei einem Abstieg nicht mehr so einfach werden. Und für Heribert Bruchhagen wäre es besonders schade und würde mir persönlich auch sehr leid tun, wenn er sich mit einem Abstieg verabschieden müsste, nach all dem, was er für den Verein geleistet hat.

Hast du noch Kontakte zu ehemaligen Mitspielern aus Frankfurter Zeiten?
Ja, ich bin auch ab und an bei Spielen im Waldstadion. In dieser Saison war ich beispielsweise gegen Berlin da. Ich habe noch regelmäßig Kontakt zu Oka Nikolov, Maik Franz, Christoph Spycher und Ümit Kormaz.

Was machst du zurzeit und was sind deine Pläne für die Zukunft?
Mit meinem alten Verein, dem Chemnitzer FC, bin ich leider in Unfrieden auseinandergegangen. Jetzt warte ich auf die Sommertransferperiode, um einen neuen Verein zu finden. Aber mir geht es ansonsten gut und ich bin privat sehr glücklich.

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5 Kommentare

  1. Irgendwie komisch, meiner Meinung nach sicher ein guter 2. Liga Spieler. Wünsche Ihm alles Gute für die Zukunft. Vielleicht hat er noch mal die Chance in einem Team Fuß zu fassen.

  2. Und mögen alle hier den Kopf schütteln: Ich bin fest der Überzeugung, dass es unter anderen Umständen einen überdurchschnittlichen Bundesligaspieler namens Martin Fenin hätte geben können.

  3. @sge1899
    über deine Aussage gibt es überhaupt kein Grund den Kopf zu schütteln!
    Fenin hätte es definitiv packen können!
    Aber Skibbe, Abstieg usw war der Anfang vom Ende und natürlich hat er
    auch selber seinen Teil dazu beigetragen!

  4. Fenin ist ein weiteres Beispiel, wie dünn die Linie zwischen Bundesliga und Absturz ist. Er hatte in der Tat die Veranlagung aber leider Pech und Probleme mit sich selbst

  5. Wenn er mit Maik Franz noch ständig Kontakt hat, vielleicht wechselt er nach Magdeburg. Das würde passen. Die spielen vermutlich nächstes Jahr wieder um den Aufstieg in Liga 2 mit, und haben eine tolle Stimmung und nach Dresden glaube ich den besten Zuschauerschnitt in Liga 3.

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