Auch einige Tage nach der Partie gegen Augsburg kreisen bei der Frankfurter Eintracht die Gedanken um den misslungenen Heimauftakt. Dementsprechend hatte Cheftrainer Adi Hütter unter der Woche einiges an mentaler Arbeit zu verrichten. „Wir müssen das Mindset schärfen“, erklärte der Österreicher auf der heutigen Pressekonferenz. „In beiden bisherigen Spielen haben wir zur Pause geführt und haben es nicht über die Zeit bringen können. Das haben wir ganz klar mit der Mannschaft angesprochen.“
Gegen Augsburg habe er zwei verschiedene Hälften gesehen. „In der ersten Halbzeit hat jedes Rad ins andere gegriffen. Ich finde, dass wir viel gut gemacht haben. Dann haben wir das in zwei Minuten hergeschenkt. Jetzt geht es natürlich darum, dass wir uns im Kopf schärfen.“ Die Mannschaft lasse sich zu schnell aus der Bahn werfen. „In der zweiten Halbzeit habe ich Einzelkämpfer auf dem Platz gesehen, die alle für sich versucht haben das Ergebnis umzubiegen. So geht das einfach nicht.“ Dabei nimmt der 56-Jährige die gesamte Mannschaft in die Pflicht. Angesprochen auf die Leistung von Elias Baum nahm er den Youngster in Schutz. „Wir gewinnen und verlieren immer als Team. Trotz allem muss man die ein oder andere Situation besser lösen. Ich möchte betonen, dass er ein Spieler aus dem eigenen Nachwuchs ist. Er hat alles hier durchlaufen. Während seiner Leihe haben alle gefragt, warum man diesem Spieler keine Chance gibt. Ich versuche alle Spieler zu unterstützen. Das ist meine Aufgabe. Deswegen lasse ich einen ehrlichen Spieler nach zwei Spielen, die nicht schlecht waren, nicht einfach fallen. Ich habe noch nie einen jungen Spieler gesehen, der direkt zum Star wurde.“ Nichtsdestotrotz spricht Hütter offen an, dass er von seinen Führungsspielern mehr erwartet. „Sie müssen auf dem Platz Verantwortung übernehmen, speziell in schwierigen Phasen. Wir brauchen klare Köpfe nach Gegentoren und müssen weiterhin unsere Rituale durchziehen. Da müssen wir anders agieren. Das erwarte ich natürlich.“
Dreier- oder Viererkette? SGE will Flexibilität
Einer dieser Führungsspieler ist Kapitän Robin Koch. Sollte die SGE tatsächlich das System umstellen, könnte er die wichtige Rolle in der Zentrale einnehmen. „Ich bin ein Fan von der Viererkette. Aber schon damals haben wir mit Makoto Hasebe auf eine Dreierkette umgestellt und waren damit sehr erfolgreich“, erinnert sich Hütter. Von seinem Kapitän fordert er auf dem Platz vor allem Kommunikation. „Er muss vorangehen. Das entspricht natürlich dem Aufgabenprofil des zentralen Innenverteidigers in der Dreierkette. Trotzdem wird aus meiner Sicht der Unterschied zwischen Dreier- und Viererkette ein bisschen überbewertet.“ Am Ende gehe es in der Abwehr um Luft- und Bodenzweikämpfe sowie den Spielaufbau. So seien die letzten beiden Ergebnisse kein Ergebnis des Spielsystems. „Grundsätzlich gehen sieben Gegentore in zwei Spielen nicht. Aber das ist keine Systemfrage. Die beiden Tore nach der Pause am Sonntag hatten nichts mit Vierer- oder Dreierkette zu tun. Man muss die Zweikämpfe in den gefährlichen Positionen führen und das haben wir vermissen lassen.“ Dennoch will der Frankfurter Trainer mit seinem Team flexibel sein. „Wir haben das 4-2-2-2 häufig trainiert. Ich hatte die Mannschaft in der Vorbereitung noch nicht so zusammen wie jetzt. Ob und wann wir irgendwann mal umstellen werden, das wird die Zeit zeigen.“
So ist dem Österreicher auch wichtig zu betonen, dass in den ersten beiden Saisonspielen nicht alles schlecht lief. „Wenn wir Spiele abliefern würden, in denen wir klar unterlegen sind oder wir nicht wüssten, wo wir ansetzen können, dann hätte ich mehr Bedenken. Die Jungs haben gezeigt, wozu sie in der Lage sind, aber auch was sie nicht so gut können. Daher funktioniert das nur über Kommunikation und knallharte Ehrlichkeit. Wir müssen einfach diesen Bock umstoßen. Im Training bin ich sehr zufrieden. Aber Training und Spiel sind zwei verschiedene Dinge. Man muss auch in Drucksituationen abliefern können.“ Übrigens gibt es auf der Verletztenseite leichten Anlass zur Freude. So hat Nnamdi Collins am gestrigen Mittwoch wieder das Mannschaftstraining aufgenommen. Auch Ansgar Knauff befindet sich auf dem Weg zum Comeback. „Ob es schon für Mainz reichen könnte, das lasse ich mal so dahingestellt.“
Mit Selbstvertrauen ins Derby
Gegen Mainz 05 ruhen in der Offensive natürlich große Hoffnungen auf Jonathan Burkardt, der zu seinem Ausbildungsverein zurückkehrt. „Da kann ich mich selbst hineinversetzen. Das ist einfach etwas Besonderes, das kann man nicht leugnen. Ich habe mit ihm darüber gesprochen. Er freut sich auf dieses Spiel. Aber er ist klar Eintracht Frankfurt-Spieler. Mit ganzem Herzen. Daher will er natürlich Tore schießen und das Spiel gewinnen.“ Ein weiterer Spieler, auf den es in der Offensive ankommen wird, ist Can Uzun. Mit dem defensiven Einsatz des türkischen Nationalspielers in der ersten Halbzeit gegen Augsburg war Hütter zufrieden. Er weiß aber auch, dass hier noch mehr gehen könnte. „Er hadert natürlich auch ein bisschen. Im letzten Jahr ist er direkt mit Toren top gestartet. Er ist ein absoluter Kopfmensch und ein junger Spieler. Man muss Geduld haben und positiv mit ihm kommunizieren. Dann wird der Knopf eines Tages aufgehen. Er hat immer seine Beine im Spiel, wenn es nach vorne geht. Auf der anderen Seite arbeitet er auch sehr intensiv daran, sich in der Defensive noch mehr einzubinden.“
Den letzten Auswärtssieg in Mainz feierte die Eintracht 2021. Damals unter Trainer Hütter. An den Sieg in der Pandemie kann er sich noch gut erinnern. „Im Derby gibt es eigene Gesetze. Wir fahren am Samstag nach Mainz und wollen gewinnen. Resultate kommen nur mit Leistung zustande. Darauf lege ich viel Wert.“ Dennoch weiß der Österreicher um die Qualität der 05er. „Mainz hat einen sehr guten Saisonstart hingelegt. Urs Fischer hat eine eingespielte Mannschaft dort. Typischer Urs Fischer-Fußball. Sie können gut verteidigen und haben auch in der Offensive ihre Qualitäten. Speziell Tietz und Becker finde ich ein sehr starkes Duo. Auch Sano, Lee und Amiri sind eine gute Achse im Mittelfeld.“ Verstecken müsse sich seine Mannschaft dennoch nicht. „Wenn wir so auftreten, wie gegen Augsburg in der ersten Halbzeit, dann werden wir ein gutes Spiel machen. Wir haben Qualität. Das ist mir ganz wichtig zu betonen. Das ist ein Derby und da kommt es auf die Intensität an. Wir müssen das Spiel annehmen und von der ersten Minute an in die Zweikämpfe kommen und mit Energie Fußball spielen.“ Am kommenden Samstag will Eintracht Frankfurt endlich den ersten Dreier der Saison einfahren. Cheftrainer Adi Hütter bittet um Geduld für seine Mannschaft, die in ihrer jetzigen Form erst seit zehn Tagen komplett ist. Dennoch will der Österreicher in Mainz Ergebnisse sehen und vor allem ein Team, das auch als Mannschaft auftritt. „Wie die 70 Minuten in Berlin oder eine Halbzeit gegen Augsburg. Das sind die positiven Dinge. Natürlich muss ich das andere aber auch kritisch bewerten. Das ist ein Prozess, den wir gehen müssen. Daher braucht mich die Mannschaft als Unterstützer. Deswegen bin ich Trainer. Aber auch ich will schnellstmöglich mit der Mannschaft Punkte und Siege einfahren. Aber das geht nicht von heute auf morgen.“






3 Kommentare
Hoffentlich rotiert R.Koch zumindest erst mal raus auf die Bank, dann könnte es was werden. Die Binde tut im absolut nicht gut.
Ich bin weiterhin absolut davon überzeugt, dass wir mit Adi, nach OG, endlich wieder eine kompetente Trainerpersönlichkeit bei Eintracht Frankfurt haben. Er analysiert, spricht, fordert und korrigiert.
Wenn unsere SGE in Mainz ähnlich stark auftritt, wie lange Zeit gegen Union und den FCA, dann sind wir fähig, auch in Mainz zu punkten. Die offensichtlichen und faktischen Fitnessdefizite werden jedoch nicht durch einen Schalterklick zu beseitigen sein. Ein kurzfristiges Instrument sind die gut getimtem Wechsel, wenn die Akkus bei Spielern leer sind. Dann ist natürlich die Qualität der Bank gefragt.
Die außergewöhnlichen Defizite im Fitnessbereich sind jedoch schon seit der letzten Saison bekannt, die Auswirkungen haben sich in Leistung und Tabelle wiedergefunden.
Dass der verantwortliche Athletiktrainer Bigdeli erst jetzt gefeuert wurde, ist nicht nachvollziehbar.
Ich fand Baum ehrlicherweise auch nicht gut aber Adi macht genau das Richtige. Was bleibt ihm denn auch anderes übrig. Wer soll denn anstatt ihm spielen? Das selbe gilt für Koch.
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