Die 2:3-Niederlage von Eintracht Frankfurt beim VfB Stuttgart reiht sich ein in eine Serie von Spielen, in denen weniger das System als vielmehr Haltung, Struktur und mentale Stabilität den Ausschlag geben. Gegen eine formstarke Stuttgarter Mannschaft zeigte die SGE zwar phasenweise, was möglich ist – insgesamt aber zu wenig, zu unkonsequent und vor allem zu wenig als Einheit.
Guter Beginn, frühe Führung – und dann der komplette Bruch
Dabei begann die Partie durchaus vielversprechend. Die Eintracht kam ordentlich ins Spiel, wirkte zunächst konzentriert und belohnte sich früh mit einem sehenswerten Standardtor durch Rasmus Kristensen. In dieser Phase hatte man das Gefühl, dass die Mannschaft den Matchplan verinnerlicht hatte und bereit war, Stuttgart mit Klarheit und Energie zu begegnen.
Doch nach der Führung verlor die SGE zunehmend den Zugriff, spätestens aber der Ausgleich zum 1:1 brachte den kompletten Bruch im Frankfurter Spiel. Keeper Kauã Santos unterlief ein klarer Fehler – ein weiterer Moment, der das ohnehin fragile Selbstvertrauen der Mannschaft und des Torhüters sichtbar erschütterte. Der Brasilianer wirkte erneut verunsichert, was sich unmittelbar auf die gesamte Defensive übertrug. Was dann passierte, ließ große Sorgenfalten auf den Gesichtern vieler SGE-Fans erblicken. Statt Sicherheit gewann Unsicherheit die Oberhand. Die Eintracht ließ sich den Schneid komplett abkaufen, agierte zunehmend fahrig und ohne Struktur, vor allem im Spielaufbau. Im Spiel nach vorne fanden kaum noch Bälle ihr Ziel, vor allem die zentralen Mittelfeldspieler agierten viel zu überhastet und ungenau. Zu oft wurde der Ball in der Defensive ohne Not blind nach vorne geschlagen – weniger als bewusstes Stilmittel, sondern eher als Ausdruck fehlender Lösungen.
Offensive ohne Raum, Defensive ohne Halt
Die offensiven Spieler der Eintracht standen fast permanent direkt im Zweikampf, ohne Raum, ohne Unterstützung und ohne saubere Anschlussoptionen. Stuttgart verteidigte aggressiv und gut abgestimmt, während Frankfurt es kaum schaffte, sich aus dieser Umklammerung spielerisch zu lösen. Auch beim 2:1 für Stuttgart stimmte die Zuordnung nicht. Zwar war der Treffer stark herausgespielt, doch die Frankfurter Verteidiger standen viel zu weit weg, griffen nicht entschlossen an und ließen den Stuttgartern zu viel Raum.
Das Kernproblem: Das verlorene Zentrum
Besonders erstaunlich – und zugleich alarmierend – war die totale Dominanz des VfB in der sogenannten „neutralen Zone“ vor der Frankfurter Abwehr. Ellyes Skhiri und Oscar Højlund fanden in dieser Partie praktisch nicht statt. Stuttgart kontrollierte diesen Bereich nach Belieben, gewann zweite Bälle und konnte immer wieder mit Tempo auf die ohnehin verunsicherte Abwehr zulaufen. Dass Frankfurt im Zentrum so unterlegen war, zog sich wie ein roter Faden durch das Spiel. Ohne Zugriff im Mittelfeld war die Defensive permanent in Bewegung – und damit anfällig. Die Stuttgarter Mittelfeldspieler hatten Zeit, Raum und Übersicht, während die Eintracht hinterherlief. Ein strukturelles und zugleich individuelles Versagen.
Mentales Problem statt Qualitätsfrage
Noch schwerer wiegt jedoch der mentale Eindruck, den die Eintracht hinterließ. Zu oft wirkte die Mannschaft und die Spieler mit sich selbst beschäftigt. Nach Gegentoren oder schwachen Aktionen folgten keine kollektiven Reaktionen, sondern Streitigkeiten, Gesten des Frusts, Abwinken und Anschreien auf dem Platz. Gerade von den Führungsspielern kam auffallend wenig Positives. Statt Orientierung, Ruhe und Energie zu vermitteln, dominierten negative Körpersprache und interne Reibereien. Das Bild war das einer Mannschaft aus Einzelspielern – nicht das eines Teams, das gemeinsam Widerstände überwindet. In den vergangenen Jahren konnte man sich darauf verlassen, dass die Eintracht selbst bei spielerischen Defiziten immer über Einsatz, Wille und Leidenschaft kam. Genau das fehlt derzeit. Und das sollte alarmieren!
Zweite Halbzeit: Mehr Wille, aber kaum Kontrolle
Dass es zur Pause nur 2:1 für Stuttgart stand, war alleine der schwachen Stuttgarter Chancenverwertung zu verdanken. Nach dem Seitenwechsel war zumindest ein gewisser Wille erkennbar. Die Eintracht zeigte mehr Einsatz, blieb jedoch insgesamt unterlegen. Ehrlicherweise waren es weiterhin die Stuttgarter, die dem nächsten Treffer näher waren. Die gefährlichsten Frankfurter Momente entstanden aus Einzelaktionen – etwa beim Lattenschuss von Knauff –, nicht aus klar strukturierten Angriffen. Das Offensivspiel blieb planlos. Die Bälle wurden mit viel Hoffnung nach vorne geschlagen, wo die Flügelspieler gegen die robusten und gut organisierten Stuttgarter Verteidiger meist auf verlorenem Posten standen. Besonders auffällig: Das Fehlen eines Spielers, der erst kürzlich verpflichtet wurde, machte sich nach der verletzungsbedingten Auswechslung von Younes Ebnoutalib sofort bemerkbar – ein Zeichen dafür, wie fragil das Offensivkonstrukt derzeit ist.
Ein Moment der Hoffnung – und sofort wieder vergeben
Dass die Eintracht es grundsätzlich kann, zeigte die Szene zum 2:2. Arthur Theate trieb den Ball mutig nach vorne, spielte Mahmoud Dahoud an, der wiederum den eingewechselten Debütanten Ayoube Amaimouni-Echghouyab einsetzte. Der Youngster zog nach innen und schloss überlegt ins lange Eck ab – ein starker Moment, technisch sauber und mental mutig.
Doch statt diesen Auftrieb mitzunehmen, überließ die Eintracht erneut Stuttgart das Kommando. Wieder rollten Angriff um Angriff auf die Frankfurter Defensive zu, die sich viel zu einfach auseinanderziehen ließ. In der 86. Minute fiel folgerichtig das 3:2 für den VfB – leider vollkommen verdient.
Kein Aufbäumen, keine Reaktion
Was danach folgte, war vielleicht der enttäuschendste Teil des Abends. Wer ein Aufbäumen erwartete, wurde bitter enttäuscht. Hängende Köpfe, fehlender Glaube, keine letzte Offensive. Weiterhin wurden die Bälle planlos nach vorne geschlagen, durchdachte Angriffsmuster gab es nicht mehr. Auch Mario Götze blieb über weite Strecken völlig unsichtbar und konnte dem Spiel keinerlei Struktur geben. Bemerkenswert – und bezeichnend – war, dass selbst mit Führung weiterhin die Stuttgarter Mannschaft die aktivere war und die Eintracht phasenweise einschnürte. Die einzige Möglichkeit der SGE war eine Einzelaktion von Arnaud Kalimuendo. Das sagte letztlich alles über Kräfteverhältnisse, Mentalität und Selbstverständnis an diesem Abend.
Fazit
Ja, der VfB Stuttgart ist derzeit eine Topmannschaft in hervorragender Form. Aber das allein erklärt diese Niederlage nicht. Dass sich Eintracht Frankfurt so den Schneid abkaufen lässt – spielerisch wie kämpferisch –, muss kritisch hinterfragt werden. Genauso wie eine Zweikampfquote von 35%. Das sagt zu viel aus.
Die Probleme der SGE liegen derzeit weniger im System als in Haltung, Struktur und innerer Geschlossenheit. Ohne Zugriff im Zentrum, ohne kollektive Galligkeit und ohne positive Führung auf dem Platz wird es schwer, Spiele auf diesem Niveau zu bestehen. Die Eintracht kann mehr – doch sie muss es wieder gemeinsam wollen. Das wird jetzt die Frage des gesamten Teams sein – dazu gehören nicht nur die Führungsspieler, sondern auch Cheftrainer und das Trainergespann.






57 Kommentare
Ja, der hat die sich vorne irgendwie ausdünnen lassen. Vermutlich damit besser Luft bzw. frischer Wind reinkommt. Stichwort: hellwach, gedankenschnell
Sehr versöhnlicher Kommentar, aber meiner Meinung nach hatten wir die richtungsweisenden Spiele bereits.
Leverkusen, Heidenheim, Union, Wolfsburg, Leipzig, Augsburg, HSV, Dortmund, Stuttgart ...
Entweder vom Ergebnis her furchtbar oder vom Erlebnis her. Manchmal auch beides.
Wieviel Richtungsweisung darf es denn noch sein?
Die Richtung ist vorgegeben und zwar Richtung Mittelfeld.
Respekt für deinen Kommentar
Stuttgart hat eine tolle Mannschaft und spielt seit 2 Jahren einen sehr ansehnlichen Fußball. Die Abwehr war nach starken Abgängen ein Unsicherheitsfaktor und hat sich jetzt zum Teil in das Blickfeld der Nationalmannschaft gespielt. Aber haben wir keine gute Mannschaft - gespickt mit Nationalspielern?
Aus meiner Sicht gibt es drei Thesen. a) Toppi macht eine gute Arbeit und der Kader ist einfach nicht besser. b) Der Kader hat viel Potential und der Trainer holt es nicht raus. c) Der Trainer ist Opfer der Umstände.
Meine Antwort darauf: Toppi raus!
"Die Richtung ist vorgegeben und zwar Richtung Mittelfeld."
.... und, wenn ich das ergänzen darf, Rumpelfußball.
Das ist doch eben nicht richtig.
Amenda hat Undav abgeschirmt, damit Santos den Ball fangen kann.
Undav hat das erkannt und Amenda leicht geschubst, sodass dieser in Santos reinrasselt.
Santos ist fatalerweise davon ausgegangen, dass er ungestört fangen kann und hat nicht mit einberechnet, dass Undav Amenda umkurvt oder ihn sogar (regelwidrig) in ihn rein schubst.
Leider war der Schubser so leicht und Amenda ohne jegliche Körperspannung, sodass man das nicht abpfeifen konnte.
Hätte sich Amenda theatralisch fallen gelassen wäre es zu 100% Stürmerfoul gewesen.
Ich finde es absolut nicht fair Kaua jetzt als Sündenbock und (fast) allein für die Niederlage verantwortlich zu machen! Der Junge hat ein Fehler gemacht und bei einem Torwartfehler führt das zu meist leider gleich zu einem Gegentor. Dafür hat er uns in der 2. HZ im Spiel gehalten, sonst wären wir wahrscheinlich mit 6:2 untergegangen.
Da nehme ich klipp und klar unser Mittelfeld und unsere Abwehr in die Pflicht, nach so einem Fehler einfach stabil zu bleiben und sich gegenseitig zu unterstützen. War aber leider nicht der Fall!
Zur Wahrheit gehört auch , dass wir unter DT noch nie defensiv stabil gestanden haben! Nicht mal, wenn wir mit Mann und Maus hintendrin standen. Ich kann mich an kein Spiel erinnern, bei dem man nicht bei jedem Angriff des Gegners Angst haben musste ein Tor zu kassieren.
In der letzten Saison wurde die Defensivschwäche von Hugo´s und Omar´s wahnsinns Auftritten übertünscht! In der Hinrunde übernahm das teilweise Doan mit Einzelaktionen und unsere Lebensversicherung im Sturm Jonny. Wir können vorne 6 Dinger schießen, wie gegen Gladbach oder 4 gegen Köln und man muss Angst haben trotzdem nicht zu gewinnen bzw. noch zu verlieren. Da erinnere ich auch an das Auswärtsspiel in Stuttgart letzte Saison, das wir nach einer 3:0 Führung fast noch hergeschenkt haben! Das zieht sich wie ein roter Faden durch seitdem DT Trainer ist.
Und mit der Zeit muss die kritische Frage erlaubt sein, warum DT die Defensive nicht in den Griff bekommt und wenn er es nicht kann, dann ist er der falsche Mann!
Unser Defensiv-Verhalten geht aber schon im Mittelfeld los! Da werden wir viel zu oft und zu einfach überspielt oder überlaufen. Unsere Abwehrreihe sieht sich dann dem gegenübergestellt, macht es auf den Außen dann oft auch nicht falsch, aber im Zentrum, wenn dann der Ball in die Mitte gespielt wird, herrscht dann keine Zuordnung mehr und der Gegner hat zu viel Platz! Seht euch mal die Treffer z.B. gegen den BVB an. Alle 3 Gegentore haben ihre Entstehung über Außen. Ok, Brown hatte da nicht sein besten Tag und war viel zu weit weg vom Gegenspieler 2x, aber was ich sagen will, schaut euch mal das "Nicht-Verteidigen" im Zentrum an. Beim 0:1 ist es glaub Larsson, der nicht mit Beier mitsprintet und beim 3:3 ist es Dahoud, der einfach im Zentrum stehen bleibt und den Dortmunder laufen lässt. Das sind alles Mittelfeldspieler!!! Und diese Momente haben wir bei Gegentoren total oft. Klar sieht die Abwehr dann scheiße aus, aber der Ursprung ist das Defensive-Verhalten unseres Mittelfelds. Dazu kommt dann noch das Torwartthema, das für mich hausgemacht ist und DT hat die Tage ja auch zugegeben, dass es ein Fehler war Kaua im Frühherbst schon wieder zu bringen. Gebt dem Jungen jetzt die Spiele und gesteht ihm Fehler ein. Nur so kommt er in einen Rhythmus und wird sich verbessern. Natürlich wäre das mit einem geordneten und sicherem Defensiv-Verhalten seiner Vorderleute noch einfacher!
Warum man in der Defensive (Abwehr und Mittelfeld) nicht gehandelt hat im Sommer oder jetzt im Winter, keine Ahnung, aber im Nachhinein war das definitiv ein Fehler, grad weil es schon letzte Saison immer wieder zu sehen war, wie schwach wir defensiv sind.
Wenn ich dann noch sehe wie einem Doan die Stärken genommen werden, weil er gefühlt mehr Defensivarbeit vollrichten muss als in der Offensive zu wirbeln, dann kann echt was nicht stimmen und das ist nur ein Beispiel.
Eins noch zur Krösche-Aussage von gestern, "Wir müssen an unserer Defensive arbeiten": Wann wollen wir das tun? Im Januar gewiss nicht, bei den vielen Spielen und wenn wir Pech haben ist nach dem Januar die Saison so gut wie gelaufen! Es ist verpennt worden an der Defensive zu arbeiten, nicht nur von Trainerseite aus! Wenn wir "einfach so weiter" machen und alles schön reden, dann wird das internationale Geschäft diese Saison nicht erreicht! Und dann will ich mal sehen was hier los ist...
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