Jetro Willems überzeugte bei seinem ersten Spiel im zentralen Mittelfeld in weiten Teilen..

Ein paar Mal hatte Jetro Willems die Position im zentralen Mittelfeld bereits im Training gespielt, verriet Adi Hütter nach dem Spiel gegen Marseille. „Er bringt Vieles mit um auf dieser Position zu spielen“, fügte der Österreicher noch an. Gemeint ist das gute Passspiel und die feine Technik, über die der Mann von den Niederländischen Antillen verfügt. Bereits am 11. Oktober 2018, bei einem Testspiel gegen den 1. Hanauer FC überraschte Hütter mit Willems auf der Zehner-Position. Auch wenn der Test 13:0 für die Frankfurter endete, zeigte sich der Trainer nicht zufrieden mit der Leistung des 24-jährigen. Dennoch deutete sich an, dass Hütter mit dem Gedanken liebäugelt, dem gelernten Linksverteidiger eine Chance im Zentrum zu geben. Der 48-jährige bewies Mut und brachte Willems am Donnerstagabend auf der Achter-Position. „Ich finde er hat, nach anfänglichen Schwierigkeiten, ein richtig gutes Spiel gemacht“, resümierte der Coach anschließend. Die Statistik gibt ihm Recht.

Brandgefährlich und passsicher

Kein Spieler konnte eine bessere Passqoute vorweisen, als der Zentrumsspieler auf Probe. Überragende 91 Prozent seiner Pässe brachte er zum Mitspieler. Zum Vergleich, sein Kollege auf der Achter-Position, Mijat Gacinovic brachte es auf eine Passquote von 70 Prozent. Damit nicht genug: In der Statistik der sogenannten Key-Passes, also Pässe die aussichtsreiche Torchancen ermöglichen, steht Willems auf Platz eins.

19. Spielminute: Willems zeigt seine Qualität im Passspiel und überspielt die französische Defensive mit einem tödlichen Pass.

Gleich fünf solcher Key-Passes gelangen ihm gegen Marseille. Zum Beispiel in der 19. Minute, als er Luka Jovic mit einem Pass auf Reise schickte, den Marco Russ später als „sensationell“ bezeichnete. Auch hier sollte man die Statistik im Vergleich betrachten: Im Schnitt spielen die besten Adler in dieser Rubrik, Jonathan De Guzman und Ante Rebic, 1,5 solcher Pässe pro Spiel. „Er ist ein genialer Fußballer und hat sehr viele Impulse nach vorne gesetzt, als hätte er nie eine andere Position gespielt“, zeigte sich auch Danny Da Costa nach dem Spiel beeindruckt von der Leistung Willems.

Gutes Positionsspiel – Mängel nach hinten

Was die Bewegung ohne Ball anging, präsentierte sich Willems ansprechend. Stehts anspielbar, dank seiner guten Technik auf auf engstem Raum, bewegte sich der Niederländer zwischen den Defensivreihen der Franzosen. Geschickt entzog er sich immer wieder dem Deckungsschatten von Luiz Gustavo um von dort Angriffe einzuleiten. Selbst unter Bedrängnis von zwei oder mehr Gegenspielern, konnte er den Ball behaupten. Nur drei Mal konnten die Franzosen den 24-jährigen vom Ball trennen.

Im Pressingverhalten ließ Willems jedoch noch zu wünschen übrig. Zwar setzte er Gustavo vor seinem Eigentor unter Druck, allerdings machte auch der Brasilianer alles andere als eine gute Figur. Ansonsten wirkte der jüngste Niederländer, der je eine Europameisterschaft spielte, etwas behäbig, beinah träge im Pressing, das aktive „Ansprinten“ eines Gegenspielers sah man selten. Allerdings war ein solch aggressives Pressing gegen Marseille kaum nötig. Defizite zeigten sich aber auch in der Rückwärtsbewegung. Hier profitierte Willems vom nimmermüden Gelson Fernandes, der ihn lauffreudig absicherte. Trainer Hütter, ein schlauer Fuchs, hatte das mit großer Wahrscheinlichkeit so geplant.

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12 Kommentare

  1. Sehr zutreffend analysiert Kai.
    Keine Frage absolut milimeter genaue Pässe gespielt. Ich saß sehr nach am Spielfeld und habe seiner Auge mehrmals bewundert.
    Eine Sache stört mich bei zwei Spieler von uns. Nur bei zwei wohl gemerkt.
    Ich finde bei sowohl Jetro als auch Carlos Salcedo fehlt immer die Leidenschaft und Bereitschaft 110% zu geben. Deren Körpersprache stört mich immer.
    Ich weiß nicht ob ihr das nachvollziehen könnt?
    Bei 91% Pass Quota sollte ich vielleicht meiner Akzeptanz bzw Toleranz überdenken?
    Jetzt noch VW aus dem Stadion hauen ☝️

  2. Ich habe Willems am Donnerstag erstmals auf dieser Position gesehen. Und kurz und bündig: der Einsatz rechtfertigt dringend eine Fortsetzung. Obwohl die Franzosen mit drei IV‘s angetreten sind, möchte ich deren Defensivqualität an jenem Abend nicht als Richtwert ansehen und somit Jetros Leistung auch nicht zu hoch hängen. Aber überraschend gut war er schon.
    Adi wird sicherlich die Gelegenheiten finden, ihn nochmals diese Position testen zu lassen. Sieht für mich am Ehesten nach einer offensiven 8 aus. Braucht sicher einen hinter sich.

  3. Offenbar braucht Adi unsere „Problemkandidaten“ einfach nur auf ungewohnte Positionen zu tun und schon werden ungeahnte Qualitäten frei gesetzt.
    Mal überlegen, wo wir Mijat am besten aufstellen. Vielleicht auf RV oder mal in die Spitze auf Lucas Position?

  4. Gibt es Morgen tatsächlich einen 45 minütigen Stimmungsboykott? Wie kann man in der momentanen Phase die Mannschaft so bestrafen?? Kritik an DFB/DFL darf nicht wichtiger sein als die eigene Truppe. Erst recht nicht wenn sie so stark spielt wie aktuell.

  5. @4 wer sagt das, oder wo wurde das angekündigt?
    Könnte ich beim besten Willen in der aktuellen Situation nicht begreifen. Erstrecht nicht, wo Hütter sogar gesagt hat, dass eben die Unterstützung und Lautstärke unserer Fans ein wichtiger Faktor in den Spielen ist. Es gibt aktuell glaube ich nicht viele Mannschaften, die derart leidenschaftlich unterstützt und gepusht werden. Stille wäre absolut kontraproduktiv und würde unter Umständen dazu führen die Mannschaft total zu verunsichern. Vor allem interessiert das den DFB oder die DFL nullkommanull, ob da Stille herrscht oder nicht. Das sollte doch inzwischen auch bei den Hardlinern mal irgendwann in den Köpfen angekommen sein.

    Es bleibt zu hoffen, das viele Tausende Fans diesen miesen Boykott boykottieren. Herr lass bitte Hirn vom Himmel regnen.

  6. Steht in einigen Medien. Ob die SGE sich beteiligt, weiß ich nicht. Hoffentlich nicht.

  7. Ja, Stimmungsboykott geht gar nicht. Das brauchen die Mannschaften Nullkommanull! Und unsere SGE hat’s doppelt nicht verdient.

    Was Fans vom Montagsspieltag halten, haben wir eindrucksvoll bereits beim Leipzig-Spiel gezeigt. Das muss reichen, da die DFL ja auch bereits beschlossen hat, dass in Zukunft das wegfallen soll.

  8. @1
    Vielen Dank, Paul.

    Verstehe was du meinst, deshalb habe ich das ganze als „behäbig“ beschrieben.
    Aber Jan Henkel hatte letztens ein schönes Interview gegeben, darüber das man in Deutschland als Fan die Spieler einfach „Gras fressen“ sehen will. Das Problem hat Willems, ganz prominent, mit Mesut Özil gemein und der ist auch nicht der schlechteste Kicker 😉

  9. Ob der Stimmungsboykott uns betrifft, kann ich nicht sagen, denke mir aber mal ja.
    Gerade die UF97 hat sich ja im Speziellen beim Heimspiel gegen Leipzig für das Thema stark gemacht.
    Wem das ganze dienen soll, erschließt sich mir allerdings nicht.

  10. Ein möglicher Stimmungsboykott ist so überflüssig wie ein Kropf. Es geht um die Montagsspiele.
    Die sind doch sowieso ab der nächsten Saison.
    Oder besser gefragt. Was ist der Unterschied zwischen Donnerstag und Montagspiele?

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