Nach einer desolaten zweiten Hälfte muss sich Eintracht Frankfurt im ersten Heimspiel der Saison mit 1:4 gegen den FC Augsburg geschlagen geben. Dabei erwischte die SGE eigentlich einen Top-Start: Jonathan Burkardt brachte die Adlerträger früh in Führung, die bis zum Halbzeitpfiff Bestand haben sollte. Ein Doppelschlag des FCA direkt nach dem Seitenwechsel läutete dann aus Frankfurter Sicht eine zweite Halbzeit zum Vergessen ein.
„Die Enttäuschung ist riesig“, sagte Eintracht-Trainer Adi Hütter auf der anschließenden Pressekonferenz. Im ersten Durchgang habe seine Mannschaft noch den Fußball gezeigt, den er sich vorstellt. Aber wie der Österreicher selber feststellte: „Ein Fußballspiel dauert halt 90 Minuten und nicht nur 45. Dass aus keiner Torchance zwei Tore fallen, ist selten. Aber wir haben dann überhaupt nicht zurück ins Spiel gefunden. Augsburg hat in einem sehr tiefen Block verteidigt und richtig gut umgeschaltet.“
Spielerisch wusste die Eintracht in der ersten Halbzeit durchaus zu überzeugen. Was sie sich aber ankreiden lassen muss, ist, nicht mit einer höheren Führung in die Pause gegangen zu sein. „Wir müssen lernen, aus den Situationen, die wir uns erspielen, Tore zu schießen“, betonte Hütter.
„Wir hatten nicht mehr die richtigen Lösungen“
Nachdem die Augsburger dann innerhalb von zwei Minuten die Partie drehten, war von der Kreativität und Torgefahr aus dem ersten Durchgang kaum noch was zu sehen. „Ich erwarte da eine Reaktion, aber wir hatten einfach nicht mehr die richtigen Lösungen, wie man Augsburg bespielen kann“, kritisierte der Trainer. „Wir hatten zu wenige Abschlüsse, waren zu unsauber und bei vielen Kontern zu anfällig, weil wir keine gute Restverteidigung hatten. Die Organisation hat bei weitem nicht mehr so gestimmt wie in der ersten Halbzeit.“
Was sind mögliche Ursachen für den erneuten Leistungsabfall in den zweiten 45 Minuten? „Damit man über einen längeren Zeitraum so wie im ersten Durchgang spielen kann, muss man physisch noch besser sein. Da sind wir immer noch nicht dort, wo ich mir das vorstelle“, nannte Hütter einen nach den letzten beiden Auftritten plausibel klingenden Grund. „Wir sind in einem Prozess, der momentan sehr unangenehm ist.“
Das leidige Thema mit der Defensive, das die Eintracht durch das vergangene Jahr und nun auch durch den Beginn dieser Saison begleitete, wird nach der Niederlage gegen Augsburg wohl vorerst nicht verschwinden. „Du kannst einfach nicht sieben Tore in zwei Spielen kriegen“, monierte der Coach. „Wir geben in Berlin eine Führung aus der Hand, wir geben heute wieder eine Führung aus der Hand. Das ist etwas, das wir schnellstmöglich abstellen müssen.“
„Ich wollte einen kleineren Kader“
Der Frankfurter Kader hat einen großen Umbruch hinter sich und wurde im Vergleich zur Vorsaison deutlich verkleinert. Unter anderem in der Abwehr hat die SGE mit Nathaniel Brown, Arthur Theate, Aurele Amenda und Rasmus Kristensen vier potenzielle Stammspieler verloren. Dazu kam mit Hütter ein neuer Trainer mit einer neuen Spielphilosophie, der die Herausforderung dieses Prozesses nach der Partie gegen den FCA verdeutlichte: „Ich habe von Anfang an gewusst, dass wir in eine Saison gehen, in der wir einen Umbruch starten. Es war für alle Verantwortlichen nicht einfach, weil wir einen Kader mit bis zu 35 Spielern hatten. Viele Leihspieler sind zurückgekommen“, beschrieb er. „Ich wollte ja auch einen kleineren Kader haben, weil wir für die Bundesliga und den Pokal nicht 30 Spieler brauchen. Ich habe keine Lust, mit so vielen Spielern zu trainieren.“
Auf den Außenverteidigerpositionen ist die SGE mit Keita Kosugi und Elias Baum mit zwei jungen und in der Bundesliga noch unerfahrenen Akteuren in die Saison gegangen. „Wir gehen diesen Weg auch mit Elias Baum, wir gehen diesen Weg auch mit Keita Kosugi“, stellte Hütter klar. Der Österreicher betont, dass er auch für die kommenden Wochen mit den beiden Youngstern plant: „Ich muss mir darüber Gedanken machen, wie wir die Grundordnung vielleicht verändern können, damit wir stabiler werden. Aber ich stehe trotzdem zu den jungen Spielern, die noch Fehler machen und die diese Entwicklung auch mitgehen werden.“
Hütter über Aseko: „Noch nicht so weit ist, dass er von Anfang an spielen kann“
Neuverpflichtung Noel Aseko durfte wie schon bei Union Berlin über 90 Minuten nur von der Bank aus zugucken. „Ich sehe im Training, dass Noel noch nicht so weit ist, dass er von Anfang an spielen kann“, erklärte Hütter seine Entscheidung. „Ich finde, dass Mario Götze und Raphael Onyedika im Zentrum das lange sehr gut gemacht haben. Die beiden waren das Herzstück. Wir waren in der Mitte klar besser. Noel wird auf alle Fälle noch zum Zug kommen.“
In der Innenverteidigung feierte mit Lilian Brassier ein Neuzugang gegen den FCA sein Comeback. „Robin Koch und Lilian haben in der ersten Halbzeit souverän gespielt und nichts anbrennen lassen. In der zweiten Halbzeit haben wir mit der Restverteidigung nicht mehr gut agiert“, sagte der Trainer. „Man hat auch gesehen, dass die Abstimmung noch nicht zu 100 % passt. Aber auch das müssen wir in den Griff bekommen.“






4 Kommentare
"wir"? Was heißt da "wir"?
So früh in der Saison schon so eine Wehrlosigkeit macht mich sehr nachdenklich. Die erste Halbzeit war wirklich gut und schön anzusehen, was dann in Hälfte 2 passiert kann man sich doch gar nicht erklären. Ich war von Anfang an gegen eine Hütter Rückkehr und werde auch wegen seiner Argumentation darin nur noch bestätigt.
Gemäß dem Motto „Im Erfolg macht man die größten Fehler“ wurden ab Sommer 2025 fast nur nur noch Fehlentscheidungen getroffen. Statt Burkhardt oder Doan wurden Doan und Burkhardt geholt und somit ein zu hohes finanzielles Risiko eingegangen. Koch stattete man mit einem Monstergehalt bis 2030 aus, obwohl man bei genauerem Blick bereits hätte erkennen können, dass er zwar ein ordentlicher IV in einer funktionierenden Mannschaft sein kann, mehr aber auch nicht. Er ist eben kein Hasebe, Abraham oder Rode. Nun haben wir ihn, ohne Europaeinnahmen, bis 2030 auf der Payroll. Batshuayi, Skhiri, Dahoud, Wahi verdienten auch zu viel ohne Leistungsnachweis. Durch solche Verträge sind andere Traditionsvereine untergangen.
Ein echter Führungsspieler wie Trapp wurde verjagt, Santos, der gerade aus einer schweren Verletzung kam, überschätzt. Zetterer war schon in Bremen maximal Mittelmaß.
Nachdem man dann vor Weihnachten den richtigen Zeitpunkt verpasst hatte, den Trainer dieser gerüst- und führungslosen Truppe freizustellen, war man wenige Wochen später auf die Trennung nicht vorbereitet. Bitte erinnert euch an die Auflösungserscheinungen beim 0:6 in Leipzig und die desaströsen Leistungen davor und danach – selbst bei den glücklichen Siegen gegen Mainz und Augsburg.
Vier wichtige Spiele wurden anschließend mit dem (zu) jungen Interimstrainer aus der Regionalliga verloren, ehe Albert Riera kam. Ein Mensch, der – unabhängig von seinen möglichen Fähigkeiten – allein aufgrund seiner vereinsschädlichen Außendarstellung niemals hätte kommen dürfen. Dass er die gleichen Berater hat wie Onguene, Smolcic und Jakic hat, mit denen Krösche offensichtlich auch private Geschäfte machte, ist skandalös, auch wenn das Thema medial kleingehalten wurde, um noch mehr Unruhe zu vermeiden. Die Saison wurde erwartungsgemäß nicht gerettet, die Mission scheiterte.
Danach hieß es: Alles wird sich ändern. Krösche sei keiner, der wegläuft. Drei Wochen später schwieg er jedoch zu den Milan-Gerüchten, an denen natürlich etwas dran war. Dementieren wollte er nicht, und unser Vorstandsschweiger … ähh … Sprecher ebenso wenig. Der stärkste Mann im Verein, der mal auf den Tisch hauen könnte, wenn es brennt, lässt lieber den neuen Präsidenten, den niemand kennt, reden.
Ein anderer, widerstandsfähigerer Kader sollte her. Führungsspieler sollten kommen. Geld ist aber gleichzeitig keines vorhanden. Obwohl über Jahre Rekordablösen generiert wurden. Komisch.
Den Deadline Day hat Krösche vergeigt und unfassbarerweise gab es nicht einmal B-Lösungen, um den Kader zumindest aufzufüllen, notfalls Leihen ohne Kaufoption.
Kosugi, der mir gefällt, weil er mit Herz spielt, muss nun jedes Spiel durchhalten, auch wenn er nach 70 Minuten auf dem Zahnfleisch geht. Nkounkou wurde warum auch immer verschenkt. Im Sturm kommt ein Talent aus Dänemark, ohne auch nur einen einzigen Profieinsatz in Skandinavien absolviert zu haben. Chandler ist 2026 wieder eine ernsthafte sportliche Alternative. Währenddessen bringt der FC Augsburg Claude-Maurice und Kömür. Köln und der HSV haben Spieler auf Positionen, die bei uns offen sind, ausgeliehen.
Krösche hat mal wieder zu hoch gepokert und erneut verloren. Dass ein exzentrischer Milliardär in Nottingham nicht nachgibt, hätte man ahnen können. Letztes Jahr waren es die Saudi-Scheichs, die den neuen Stürmertransfer platzen ließen, weshalb wir vor einem Jahr denselben Stürmerengpass hatten. Übrigens war es auch beim Kolo-Abgang so. Krösche hatte damals lediglich Glück, dass Dino aus Marmoush einen Top-Stürmer formte.
Nun stet er so da der neue Kader. An manchen Stellen talentiert, aber weiterhin ohne Gerüst, Führungsspieler und der angekündigten Widerstandsfähigkeit. Gegen ein desolates Union Berlin und den FC Augsburg 7 Tore kassiert, eingebrochen beim ersten Gegenwind. Keine Substanz für 90 Minuten Bundesliga. Danke, Herr Krösche!
Lasst uns hoffen bis zum Winter 3-4 Teams hinter uns zu lassen, um dann mit der Hilfe von Notleihen vielleicht eine bessere Rückrunde zu spielen und anschließend mit einem neuen Kaderplaner, der seriöser/risikoloser arbeitet, in die nächste Saison zu gehen. Krösche wurde aufgrund seiner Erfolge leider übermütig und hat wie eingangs geschrieben im Erfolg die größten Fehler gemacht, die man machen kann.
Was für eine tolle Erkenntnis, man hätte auch sagen können "der Ball ist rund" und "das Runde muss ins Eckige"
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