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Adi Hütter fordert viel von seinem Team - vom Umfeld aber auch Geduld. Foto: IMAGO / Schüler

Hütter fordert vor Freiburg Geduld mit der SGE: „Wir sind in diesem Prozess“

Eintracht Frankfurt hat mit dem 3:1-Auswärtserfolg beim 1. FSV Mainz 05 die passende Antwort auf den durchwachsenen Saisonstart gegeben. Vor allem die Art und Weise dürfte Trainer Adi Hütter gefallen haben: Nach den defensiven Problemen gegen Union Berlin und den FC Augsburg präsentierte sich die SGE deutlich kompakter, zweikampfstärker und über die gesamte Spielzeit stabil. Vor dem Heimspiel gegen den SC Freiburg warnte der Österreicher allerdings davor, aus diesem Erfolg bereits zu große Schlüsse zu ziehen. Seine junge und stark veränderte Mannschaft befinde sich weiterhin mitten in einem Entwicklungsprozess.

Hütter sieht „taktisch sehr reife Leistung“

Drei Bundesligaspiele hat die Eintracht unter Hütter absolviert – und dabei bereits sehr unterschiedliche Gesichter gezeigt. Beim 3:3 bei Union Berlin war die SGE lange die bessere Mannschaft, brachte eine 3:1-Führung aber nicht über die Zeit. Gegen Augsburg folgte auf eine starke erste Halbzeit ein kompletter Einbruch nach der Pause und eine 1:4-Niederlage. In Mainz reagierte Hütter schließlich auch taktisch, stellte auf eine Dreierkette um und ließ seine Mannschaft etwas tiefer verteidigen. Der Trainer erkennt darin durchaus Fortschritte, will die bisherigen Auftritte aber differenziert betrachten: „Wenn ich jetzt die ersten drei Spiele hernehme, finde ich, haben wir 65 Minuten in Berlin ein sehr ordentliches Spiel gemacht, wir haben es einfach nicht geschafft, bis zum Schluss gut zu verteidigen. Die erste Halbzeit gegen Augsburg war bis jetzt die beste.“

Gegen Mainz habe seine Mannschaft dagegen einen anderen Ansatz gewählt. Die Eintracht verteidigte tiefer und kompakter, überließ dem Gegner häufiger den Ball und setzte nach eigenen Ballgewinnen auf ihr schnelles Umschaltspiel. Genau das funktionierte über weite Strecken hervorragend. „Das war über 90 Minuten eine taktisch sehr reife Leistung meiner Mannschaft“, lobte Hütter.

Trotzdem sieht der 56-Jährige die SGE noch lange nicht am Ende ihrer Entwicklung. Sieben neue Spieler müssen integriert werden, zahlreiche Rollen haben sich verändert und auch die taktischen Abläufe sollen weiter verfeinert werden. „Es geht nicht alles immer so schnell, wie wir uns das alle wünschen. Auch ich als Trainer habe nicht immer die beste Geduld“, räumte Hütter ein. Gleichzeitig müsse man den Spielern die notwendige Zeit zugestehen: „Wir sind in diesem Prozess und ich sehe viele gute Ansätze. Aber es dauert natürlich ein bisschen, bis wir dort sind, wo ich die Mannschaft sehen möchte.“

Dreierkette gegen Freiburg? Hütter will sich nicht festlegen

Eine der spannendsten Fragen vor dem Freiburg-Spiel betrifft deshalb erneut die Grundordnung. In Mainz hatte Hütter die zuvor praktizierte Viererkette aufgelöst und mit Jeremiaha Maluze, Robin Koch und Lilian Brassier drei Innenverteidiger aufgeboten. Elias Baum und Keita Kosugi agierten als Schienenspieler. Der Plan ging auf, die Eintracht wirkte defensiv deutlich stabiler. Ob Hütter deshalb auch gegen Freiburg an dieser Formation festhält, ließ er offen: „Die Systemfrage lasse ich mir bis Samstag durch den Kopf gehen.“

Ohnehin möchte der Coach den Mainz-Erfolg nicht ausschließlich auf die Dreierkette reduzieren. Viel wichtiger sei ihm die Einstellung gewesen, mit der seine Mannschaft die Partie bestritten habe: „Wenn ich jetzt das Spiel in Mainz sehe, wo wir die Leistung über 90 Minuten gebracht haben, hat mir besonders die Energie und die Mentalität gefallen.“ Entscheidend sei gewesen, dass die gesamte Mannschaft konsequent verteidigte und gleichzeitig immer wieder selbst Torgefahr entwickelte. „Wenn wir das erreichen, dann hat das mit der Dreier- oder Viererkette gar nichts zu tun.“

Allerdings muss Hütter seine erfolgreiche Mainzer Dreierkette ohnehin verändern, sollte er erneut auf dieses System setzen. Maluze wird gegen Freiburg ausfallen. Besonders bitter für den Youngster, der bei seinen Einsätzen in Berlin und Mainz nach Ansicht seines Trainers jeweils eine „tadellose Leistung“ gezeigt habe. Dafür gibt es auch positive Nachrichten aus dem Lazarett. Nnamdi Collins könnte nach seiner längeren Pause wieder eine Option werden, wenngleich Hütter bei ihm noch keine Entscheidung treffen wollte. Auch Otávio ist fit. Zudem kehren Ansgar Knauff und Ritsu Doan zurück. Fares Chaibi wurde im Training lediglich geschont.

Aséko und Onyedika überzeugen als neues Duo

Zu den auffälligsten Frankfurtern in Mainz gehörte Noël Aséko. Der Mittelfeldspieler feierte ausgerechnet im Rhein-Main-Duell sein Bundesliga-Debüt von Beginn an und rechtfertigte Hütters Vertrauen mit einer starken Vorstellung. Gemeinsam mit Raphael Onyedika verlieh er dem Zentrum viel Physis und Zweikampfstärke. „Noël Aséko hat gegen Mainz ein richtig gutes Spiel gemacht“, lobte Hütter. Der nächste Schritt bestehe nun darin, den 20-Jährigen körperlich so weit zu bringen, dass er seine Qualitäten über die komplette Spielzeit abrufen könne.

Nach seiner langen Verletzungspause möchte die Eintracht dabei weiterhin vorsichtig vorgehen. Gleichzeitig erkennt Hütter bereits eine interessante Verbindung im zentralen Mittelfeld: „Er kommt immer besser in Schwung. Das hilft uns natürlich, weil er in der Kombination mit Raphael Onyedika ein gutes Pärchen im Zentralmittelfeld bildet.“ Einen Stammplatz möchte der Trainer Aséko deshalb aber noch lange nicht garantieren. Mit Mario Götze, Oscar Højlund und Fares Chaibi stehen weitere Kandidaten bereit. Genau diesen Wettbewerb möchte Hütter sehen: „Ich befürworte diesen Konkurrenzkampf, der ist gut.“

Ebnoutalib muss sich dem Konkurrenzkampf stellen

Ähnlich stellt sich die Situation im Angriff dar. Younes Ebnoutalib hatte mit seinem Dreierpack bei Union einen Traumstart in die Bundesliga hingelegt und gegen Augsburg das Tor von Jonathan Burkardt vorbereitet. Durch Hütters Systemwechsel in Mainz fiel allerdings einer der beiden Mittelstürmer aus der Anfangsformation – und dieses Mal traf es Ebnoutalib.

Hütter hatte die Entscheidung zuvor mit beiden Angreifern besprochen. „Einer musste in den sauren Apfel beißen. In diesem Spiel war es Younes“, erklärte er. Das Ergebnis habe die Entscheidung letztlich bestätigt: Frankfurt gewann mit 3:1, Burkardt traf gegen seinen ehemaligen Verein und war zudem an einem weiteren Treffer beteiligt.

Dass ein Spieler mit Ebnoutalibs Qualitäten zunächst auf der Bank Platz nehmen muss, sei für einen Trainer nicht angenehm. Gleichzeitig sieht Hütter darin eine neue Stärke seines Kaders: „Auf der einen Seite tut es mir natürlich auch leid, wenn du solche Spieler wie Younes auf der Bank lassen musst. Auf der anderen Seite freut es mich, dass du solche Spieler dann wieder reinbringen kannst.“ Eine grundsätzliche Entscheidung für Burkardt und gegen Ebnoutalib sei daraus ohnehin nicht abzuleiten: „In der Zukunft wird es immer so sein, dass wir flexibel sein werden, dass wir manchmal mit einer Spitze und manchmal mit zwei Spitzen spielen.“ Wer letztlich beginnt, werde vom Gegner und den aktuellen Leistungen abhängen.

Hütter freut sich über drei Nationalspieler

Umso bemerkenswerter ist, dass beide Angreifer nun gemeinsam zur deutschen Nationalmannschaft reisen dürfen. Neben Burkardt wurde auch Ebnoutalib von Neu-Bundestrainer Jürgen Klopp nominiert. Komplettiert wird das Frankfurter Trio von Torhüter Noah Atubolu. „Es freut mich natürlich besonders“, sagte der Österreicher zur Berufung seiner Spieler. Für die Eintracht sei es ebenfalls eine Auszeichnung, wieder drei Akteure im DFB-Kader zu haben. Klopp hatte die SGE kürzlich besucht und sich dabei auch mit Hütter ausgetauscht.

Besonders Ebnoutalibs erstmalige Berufung hebt der Trainer hervor. Der Angreifer hätte auch für Marokko auflaufen können, entschied sich aber für Deutschland. „Wenn man denen dann in die Augen schaut, da leuchten die Augen. Speziell auch bei Younes Ebnoutalib, der sich auch entschieden hat, für Deutschland zu spielen. Das ist natürlich was Besonderes“, sagte Hütter. Eine Berufung in die Nationalmannschaft sei unabhängig von vorherigen Nominierungen immer wieder „eine große Ehre“.

Atubolu vor besonderem Wiedersehen

Für Atubolu wartet bereits vor der Länderspielreise eine emotionale Partie. Der Schlussmann trifft erstmals nach seinem Wechsel auf seinen ehemaligen Verein. Noch vor wenigen Wochen teilte er sich mit den Freiburger Spielern die Kabine, nun steht er ihnen als Gegner gegenüber. Hütter ist mit der bisherigen Entwicklung seines neuen Torhüters sehr zufrieden. Zwar wusste Atubolu selbst, dass ihm beim zweiten Augsburger Treffer ein Fehler unterlaufen war, davon ließ sich der Keeper aber nicht beeindrucken. In Mainz wurde er mit seinem gehaltenen Elfmeter zu einem der entscheidenden Faktoren beim Auswärtssieg.

Der Einfluss des Schlussmanns geht für Hütter über dessen Paraden hinaus: „Er hat einfach eine positive Energie, er hat einen sehr guten Einfluss auf die Mannschaft. Es gibt Spieler, die haben eine besondere Ausstrahlung. Die bringt er mit.“ Dass Atubolu nun ausgerechnet Freiburg gegenübersteht, macht die Begegnung zusätzlich speziell. „Am Samstag ist es kein Spieler gegen einen beliebigen Verein, für ihn ist es ein ganz besonderes Spiel“, betonte der 56-Jährige. Trotz aller Emotionen werde es für den Keeper aber vor allem darum gehen, seine Leistung auf den Platz zu bringen.

Hütter warnt vor Freiburger Stabilität

Einfach dürfte das gegen den SC Freiburg nicht werden. Hütter zeigte sich beeindruckt davon, wie konstant sich der kommende Gegner auch nach der Ära Christian Streich präsentiert. Unter dessen Nachfolger Julian Schuster habe Freiburg seine klare Spielidee beibehalten und verfüge über feste Abläufe mit und gegen den Ball. „Es ist einfach eine laufstarke Mannschaft, deswegen sind sie schwer zu knacken, wenn wir zu langsam spielen“, warnte der ehemalige Monaco-Coach. Genau deshalb müsse Frankfurt das eigene Spieltempo hochhalten: „Wenn wir schnell spielen, dann haben wir auch die Qualität, dass wir dem Gegner wehtun können.“

Die Freiburger Stabilität ist für Hütter auch der Grund, warum er den kommenden Gegner erneut im Kampf um die internationalen Plätze erwartet. Für seine eigene Mannschaft will er nach gerade einmal drei Bundesligaspielen dagegen noch keine derartigen Ziele ausgeben. Ein Sieg gegen Freiburg wären zunächst schlicht drei wichtige Punkte – und gleichzeitig der erste Heimerfolg der Saison.

„Wir müssen den Fans eine Leistung zeigen“

Zusätzliche Bedeutung erhält die Begegnung dadurch, dass anschließend eine dreiwöchige Länderspielpause ansteht. Mit welchem Gefühl die Eintracht in diese Phase geht, hängt deshalb maßgeblich vom Auftritt gegen Freiburg ab. „Es ist immer sehr wichtig, wenn eine dreiwöchige Pause ansteht, dass man mit einem Erfolgserlebnis in diese Pause geht“, erklärte Hütter. Der Mainz-Sieg habe seiner Mannschaft Selbstvertrauen gegeben, Freiburg reise allerdings ebenfalls mit breiter Brust nach Frankfurt.

Hütter erwartet deshalb erneut einen Auftritt mit hoher Intensität: „Wir müssen auch den Fans eine Leistung zeigen, dass wir im Stande sind, zu gewinnen.“ Dafür müsse seine Mannschaft ihre eigenen Qualitäten abrufen und gleichzeitig über die gesamte Spielzeit konzentriert bleiben. „Wenn wir das spielen, was wir können, dann können wir auch gewinnen. Auf der anderen Seite dürfen wir keine Nachlässigkeiten und Unkonzentriertheiten haben. Dann wird uns Freiburg auch bestrafen.“

Genau darin liegt nach den ersten Wochen wohl die größte Aufgabe für Hütter und seine junge Mannschaft. Gute Phasen hatte die Eintracht in allen drei bisherigen Bundesligaspielen. In Mainz gelang es erstmals, Stabilität, Mentalität und spielerische Qualität über nahezu die gesamte Partie miteinander zu verbinden. Gegen Freiburg soll nun der Beweis folgen, dass dieser Auftritt nicht nur eine einmalige Reaktion auf die Augsburg-Pleite war, sondern der nächste Schritt in der Entwicklung einer Mannschaft, der Hütter bewusst Zeit geben möchte.

Ein Kommentar

Fallback Avatar 1. mati 17. September 26, 17:09 Uhr

Nach dem Ausfall von Maluze kann ich mir vorstellen, dass wir im 4-4-2 beginnen und Hütter in der zweiten Halbzeit (nachdem wir 2:0 führen!) Collins für Ebnoutalib bringt und dann auf Fünferkette umstellt. Soviel zum Thema Erwartungen, hihi.

Mal im Ernst: Freiburg ist ein eingespieltes Team und ich mag die. Stehen auch nicht umsonst da oben und ich glaube niemand ist böse, wenn man gegen die nicht gewinnt, auch wenns zuhause ist.

Was die Fans halt nicht sehen wollen ist eine Selbstaufgabe auf dem Platz. Die Einstellung gegen Mainz war doch super und auf der kann man doch aufbauen.

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