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Andere Zeiten in Frankfurt. Foto: IMAGO / Shutterstock

Heute vor vier Jahren: Sie holten den Europapokal mit der SGE – und jetzt?

Mit dem Ende der Saison 2025/2026 ist eine ernüchternde Zeit für die Frankfurter Eintracht zu Ende gegangen. Dennoch wollen wir heute an den wohl größten Erfolg der jüngeren Vereinsgeschichte erinnern. Manch Einer würde wohl sogar behaupten, dass es der größte Erfolg der gesamten Vereinsgeschichte von Eintracht Frankfurt war: Der Sieg in der Europa League 2022 gegen die Glasgow Rangers im Elfmeterschießen. Am heutigen Montag jährt sich dieses Ereignis bereits zum vierten Mal. Doch was wurde eigentlich aus den Akteuren, die damals ganz Hessen auf „Wolke 7“ katapultierten? Wir blicken auf eine Auswahl an Spielern, die heute nicht mehr bei der SGE kicken und die zum Teil vollkommen aus dem Frankfurter Fokus verschwunden sind in den letzten Jahren. Überhaupt spielen nur noch drei Spieler bei der Eintracht, die 2022 den Pokal in den Nachthimmel von Sevilla stemmen konnten: Ansgar Knauff, der 120 Minuten durchspielte, Ersatztorwart Jens Grahl, der den großen Triumph von der Bank aus miterlebte genau wie Timothy Chandler, der seinen Vertrag kürzlich um ein weiteres Jahr verlängert hat.

Filip Kostic: Er war der Antreiber der Erfolgsmannschaft von 2022. Kostic war unermüdlich, zielstrebig und erfolgreich. Drei Tore und sechs Assists steuerte der schnelle Serbe damals zum Erfolg der Eintracht bei. Gleichzeitig war der Gewinn der Europa League auch der Abschied des Spielers, der 2018 zur SGE gewechselt war. Er krönte damit seine vierjährige Amtszeit als Dauerbrenner und Leistungsträger bei den Hessen mit dem größtmöglichen Erfolg. Danach verschlug es Kostic in die Serie A. Knapp 15 Millionen Euro zahlte Juventus Turin für den Frankfurter Topspieler. Doch Kostic ereilte in der Folge ein ähnliches Schicksal wie so viele andere Spieler, die bei den Hessen erfolgreich waren: Er konnte nie wirklich an seine Leistungen in Frankfurt anknüpfen. Lediglich in seiner Debüt-Saison bei der „Alten Dame“ waren seine Scorerzahlen noch ansehnlich: In 37 Ligapartien traf er dreimal ins Tor und legte acht weitere Treffer auf. Die Folgesaison wurde dann aber wirklich mager. In 29 Spielen erzielte er nur vier Assists. Auch in den anderen Wettbewerben blieb Kostic blass. In der Konsequenz wurde er dann 2024/2025 zu Fenerbahce Istanbul verliehen. In der Türkei erzielte Kostic immerhin zwei Tore und neun Assists in wettbewerbsübergreifenden 35 Partien. Aktuell spielt Kostic wieder bei Juventus. Obwohl er drei Tore erzielt hat und ein weiteres auflegte, kommt der mittlerweile 33-Jährige nicht über die Rolle als Ergänzungsspielers hinaus. Kein Spiel über die vollen 90 Minuten und viele Partien, in denen er über die volle Spielzeit auf der Bank sitzt. Die Saison in Italien läuft noch und aktuell steht Juventus auf einem enttäuschenden 6. Tabellenplatz. In Frankfurt wird Kostic dennoch unvergessen bleiben.

Rafael Santos Borré: Es war der große Moment des Abends: Borré trat zum alles entscheidenden Elfmeter an gegen die Glasgow Rangers. Die ganze Last einer gesamten, sehr erfolgreichen internationalen Saison kulminiert auf diesen einen Moment. Manch einer wäre unter dieser Last wohl zusammengebrochen. Ein anderer hätte einen Sicherheitsschuss flach halblinks oder halbrechts abgegeben. Nicht aber Borré. Der Kolumbianer fasste sich ein Herz und hämmerte den Ball unhaltbar mit einem Strahl von Schuss in den linken oberen Torwinkel: Maximales Risiko und maximales Selbstvertrauen zum maximalen Erfolg! Schon vorher hatte Borré die SGE nach zwischenzeitlichem Rückstand mit seinem Ausgleich wieder ins Spiel gebracht. Das Finale in Sevilla ist untrennbar mit dem Stürmer verbunden. Und danach? Danach ging es abwärts für den Finalhelden. Er blieb noch eine Saison in Frankfurt. Zwei Tore und zwei Assists in 32 Ligaspielen, dazu keinerlei Scorer in der Champions League oder im Pokal. Zu wenig für die Eintracht. Er wechselte in der Folgesaison zu Werder Bremen wo er in 19 Einsätzen immerhin vier Tore erzielte. Aber auch an der Weser sollte der Spieler keine Zukunft haben. Ihn zog es zurück in seinen Heimatkontinent. In der brasilianischen ersten Liga spielt er seit 2024 für Internacional Porto Alegre. Dort scheint Borré seine neue sportliche Heimat gefunden zu haben. Mittlerweile hat der inzwischen 30-Jährige 101 Partien für Porto Alegre gespielt und dabei 27 Tore und 9 Assists erzielt. In der Staatsmeisterschaft von Rio Grande dol Sul, dem „Campeonato Gaucho“ scheiterte er im Finale am Stadtrivalen Grêmio Porto Alegre.

Daichi Kamada: Der quirlige Japaner Kamada verwandelte im Europa League-Finale einen der Elfmeter und stand über 120 Minuten auf dem Rasen für Eintracht Frankfurt. In der Folgesaison spielte der Offensivakteur groß auf und traf so oft ins Tor, wie zuvor nie in Frankfurt. Neun Tore, sieben Assists in der Liga, dazu drei Tore in der Champions League und vier Treffer im DFB-Pokal. Mit diesen Werten spielte er sich schnell in den Fokus von internationalen Topklubs. In Frankfurt war er nicht mehr zu halten. Kamada wechselte in der Folgesaison zu Lazio Rom. Womöglich ein fataler Fehler. Seitdem geht es für Kamadas Karriere schrittweise bergab. Zwei Tore und zwei Assists in insgesamt 38 Spielen für Lazio war den Römern zu wenig. Er wechselte zu Crystal Palace, wo er unter dem Europa League-Gewinner-Trainer der SGE, Oliver Glasner, seit 2024 die Fußballschuhe schnürt. Seine Quote? Drei Tore und acht Assists in 87 Spielen. Kamada konnte nie wieder an seine Leistungen aus Frankfurt anknüpfen. War er 2023 noch eines der heißesten Eisen auf dem Transfermarkt, so ist es mittlerweile ganz still geworden, um den einstigen Helden aus Sevilla.

Jesper Lindström: Sogar noch dramatischer war der Karriereknick bei Lindström. Nach dem Gewinn des Europapokals blieb der junge Däne noch ein weiteres Jahr in Frankfurt. Sieben Tore und vier Assists aus der Liga, dazu das erste Champions League-Tor der Frankfurter Vereinsgeschichte (es sollte sein einziges bleiben) und ein weiterer Treffer im DFB-Pokal waren wirklich vielversprechende Werte für den damals 23-Jährigen. Dann wechselte er, genau wie Kamada, nach Italien. Es ging zur SSC Neapel. Bis heute hat Lindström seit seinem Abgang aus Frankfurt kein Tor mehr geschossen. Nicht eines. Sein letztes Tor datiert auf den 21. Januar 2023. Es war ein 3:0-Sieg der Eintracht gegen den FC Schalke 04. Nach 29 glücklosen Spielen bei Neapel (kein Scorer) ging es dann in die Premier League zum FC Everton. auch hier konnte er in ebenfalls 29 Spielen (ein Assist) keinen Eindruck hinterlassen. Mittlerweile spielt der 26-jährige Lindström wieder in der Bundesliga beim VfL Wolfsburg. Nach einer langen Verletzung steht er mittlerweile wieder zur Verfügung. Dennoch stand er in der vergangenen Saison nur dreizehn Spiele für die „Wölfe“ auf dem Rasen. Keines über 90 Minuten, kein Assist. Kein Offensivspieler in den europäischen Topligen wartet so lange auf einen Torerfolg wie Jesper Lindström.

Christopher Lenz: Für Lenz ging es nach dem Europa League-Sieg karrieretechnisch nur noch in eine Richtung: Nach unten. 2023 wechselte der Linksverteidiger zu RB Leipzig, um dort die Rolle des Ergänzungsspielers einzunehmen. Nach einem Jahr war Schluss in Sachsen und nach zweimonatiger Vertragslosigkeit, schloss er sich der TSG aus Hoffenheim an. Aber auch da kam er auf keine großen Spielanteile mehr. Somit zog es Lenz zu Fortuna Düsseldorf. Dort spielte der mittlerweile 31-Jährige regelmäßig, musste aber jetzt den überraschenden wie schockierenden Abstieg der Fortuna in die dritte Liga hinnehmen.

Djibril Sow: Der emsige Schweizer in der Zentrale sorgte immer mal wieder für Gesprächsstoff unter Frankfurt-Fans. Den einen war er zu passiv, für die anderen war er der elementare Zielspieler. Nachdem Sow noch die erste Champions League-Saison mit der Eintracht mitnahm, wechselte er im Sommer 2023 dann nach Spanien zu dem Ort, wo er bis dato seinen größten Erfolg feiern durfte: nach Sevilla. Beim FC Sevilla spielt Sow bis heute und ist regelmäßig Stammspieler im Ensemble. Aktuell hat Sevilla einen relativ enttäuschenden 14. Tabellenplatz inne. Bei noch einem verbleibenden Spiel kann Sow mit seinem Klub weder absteigen, noch irgendwie an die internationalen Startplätze herankommen. Aber das letzte Spiel wird voraussichtlich der 100. Einsatz im Sevilla-Trikot für Sow, der in seiner Zeit dort bereits acht Tore und sieben Assists vorzuweisen hat.

Ajdin Hrustic: Ja, Hrustic ist auch so ein Name, den man in Frankfurt schnell vergisst, aber der Australier sorgte mit seinem verwandelten Elfmeter maßgeblich mit dafür, dass die Hessen Glasgow im Finale besiegen konnten. Für Hrustic wurde es nach dem Europa League-Gewinn turbulent. Noch im Sommer des Erfolgs verließ er die SGE für 500.000 Euro in Richtung Hellas Verona. In der Serie A konnte er gar keinen bleibenden Eindruck hinterlassen. Nur sechs Mal stand der Mittelfeldspieler auf dem Rasen. Eine schwere Knöchelverletzung führte dazu, dass er operiert werden musste und fast die gesamte Saison 2022/2023 ausfiel. Die komplette Hinrunde der Saison 2023/2024 wurde Hrustic aus dem Kader von Verona gestrichen. Nicht ein einziges Mal wurde er in den Spieltagskader berufen. Daraufhin ging es für ihn in die zweite italienische Liga zu US Salernitana 1919. Dort konnte er immerhin 24 Spiele absolvieren, erzielte ein Tor und legte ein weiteres auf. Aber auch dort konnte er nicht so recht seine neue sportliche Heimat finden, weswegen er dann im vergangenen Sommer zu Heracles Almelo in die niederländische Eredivisie wechselte. Dort spielte er 44 Mal, gehörte zu den Leistungsträgern und erzielte fünf Tore und sieben Assists. Dennoch stieg Almelo in der aktuellen Saison ab. Für Hrustic ist jetzt Schluss in dem Verein. Im Sommer heißt es für den einstigen Helden von Sevilla erst einmal, einen neuen Verein zu finden. Stand jetzt droht die Vereinslosigkeit.

9 Kommentare

Avatar Der User hat SGE4EVER.de mit mind. 100 € finanziell unterstützt, als es um den großen Relaunch 2024 ging. Ob Stehblock, VIP-Loge, Currywurst oder Handkäs-Häppchen - Hauptsache SGE4EVER.de! Denn der User unterstützt das Onlinemagazin mit einem monatlichen oder jährlichen Betrag und genießt zudem besondere Vorteile: Werbefreiheit, Gewinnspiele etc. 1. Block42 18. Mai 26, 16:30 Uhr

Das war ein tolles Erlebnis 2022. Das nur noch zwei Spieler von damals an Bord sind spricht Bände und zeigt die Schnelllebigkeit des Fußballs heute. Der Europapokal passt einfach am Besten zur Eintracht und das muss ab dem ersten Spiel in der neuen Saison auch das Ziel sein. Wir haben dann "nur" den DFB Pokal und die Bundesliga, dazu noch einen neuen Trainer, einen mehr oder weniger neuen Kader und unser Stadion mit einer Kurve die sich hoffentlich auch wieder beruhigt hat, so dass die Saison in Eintracht erfolgreich gestartet wird. Klar ist das ein großer Wunsch, aber wir werden das schaffen und gestärkt aus dieser bescheidenen Saison hervorgehen. Eintracht!

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Der User hat SGE4EVER.de finanziell unterstützt, als es um den großen Relaunch 2024 ging. 2. Folke Müller 18. Mai 26, 16:45 Uhr Zitat - Block42 Das war ein tolles Erlebnis 2022. Das nur noch zwei Spieler von damals an Bord sind spricht Bände und zeigt die Schnelllebigkeit des Fußballs heute. Der Europapokal passt einfach am Besten zur Eintracht und das muss ab dem ersten Spiel in der neuen Saison auch das Ziel sein. Wir haben dann "nur" den DFB Pokal und die Bundesliga, dazu noch einen neuen Trainer, einen mehr oder weniger neuen Kader und unser Stadion mit einer Kurve die sich hoffentlich auch wieder beruhigt hat, so dass die Saison in Eintracht erfolgreich gestartet wird. Klar ist das ein großer Wunsch, aber wir werden das schaffen und gestärkt aus dieser bescheidenen Saison hervorgehen. Eintracht! Path

schön gesagt!

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Avatar 3. sgesince73 18. Mai 26, 17:00 Uhr

Nochmal zu Jonny B. Mit dem Interview zeigt endlich mal einer Größe und nennt das Kind beim Namen. Kein übliches BlaBla. Wurde hier auch schon mehrmals gefordert das ein Spieler endlich mal Tacheles redet. Jetzt hat endlich mal jemand den Mumm dazu und schon wird auch dagegen gleich wieder Stimmung gemacht. Jetzt wird ihm unterstellt ein Maulwurf , Stinkstiefel,Unruheherd usw. zu sein. Ich persönlich weiß nicht ob Jonny jemals irgendwem etwas gesteckt hat. Da wissen einige hier im Forum wohl mehr. Ich habe das Interview ganz anders interpretiert. Hier ist jemand mit dem Adler im Herzen stinksauer auf den Verlauf der gesamten Saison. Hier spricht jemand der mit der SGE mehr erreichen will. Genau das ist es was ich von unseren Spielern erwarte. Herzblut und Frust wenn es nicht läuft. Das darf man dann ruhig auch mal öffentlich loswerden. Mit diesem ansonsten gecasteten Fussballer gelaber kann ich persönlich nichts anfangen. Wir werden nach einer dementsprechenden Vorbereitung noch sehr viel Spaß an und mit diesem Spieler haben.

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Fallback Avatar 4. Spiderschwein 18. Mai 26, 17:26 Uhr

@3
100% Zustimmung.
Daumen hoch!

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Fallback Avatar 5. smilo 18. Mai 26, 17:40 Uhr

und was ist mit Chandler ? Dann wären es noch drei ;)

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Der User hat SGE4EVER.de finanziell unterstützt, als es um den großen Relaunch 2024 ging. 6. Folke Müller 18. Mai 26, 17:48 Uhr Zitat - smilo und was ist mit Chandler ? Dann wären es noch drei ;) Path

wie konnte ich nur Timmy vergessen? Sakrileg. Das passe ich sofort an. Dankeschön!

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Fallback Avatar 7. erz-adler 18. Mai 26, 18:09 Uhr

Ein unvergesslicher Tag, mein Sohn machte seine ersten Schritte und die SGE gewinnt den Titel.

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Avatar 8. 1899international 18. Mai 26, 18:55 Uhr

Dankeschön für die Erinnerungen.
Ich war damals mit Freunden im Waldstadion.
Der Bericht hat mich eben inspiriert, die Originalaufnahme der HR-Kommentatoren beim Elfmeterschiessen auf YouTube anzuschauen. Herrlich.

Aber mir wird schon auch schwer ums Herz um unsere Helden (nicht nur die 2022er), die nach ihrer Zeit bei uns so auffällig oft sehr wenig glücklich werden (sportlich von außen betrachtet natürlich nur, das andere können wir ja nicht beurteilen).
Ich weiß es ist total hypothetisch, aber ich ertappe mich einfach ganz oft dabei, mich zu fragen, was passiert wäre wenn wir ab und zu mal den ein oder anderen, den wir auf seinem scheinbaren Zenit verkauft haben, noch etwas gehalten hätten.
Wo wir dann wohl heute stehen würden? Es ist hypothetisch wie gesagt. Aber ich träume ab und zu davon.
Wir hätten uns vielleicht so manche schlimme Episode wie beispielsweise diese Saison erspart.

Aber ich bin auch sehr dankbar, beispielsweise für Knauff, einen meiner Lieblingsspieler. Der Mann ist 24 Jahre jung, seit Januar 2022 bei der Eintracht, das sind gerade mal gute vier Jahre, und für mich ist er gefühlt noch viel viel länger da. Und die Zahlen bestätigen das ein wenig (174 Spiele, 25 Tore, 20 Vorlagen).
Ich finde es einfach toll, dass er noch bei uns spielt. Und nicht immer, aber doch sehr oft, aus meiner Sicht sehr erfolgreich und verlässlich.

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Avatar Der User hat SGE4EVER.de mit mind. 25 € finanziell unterstützt, als es um den großen Relaunch 2024 ging. 9. SGE74 18. Mai 26, 19:51 Uhr

Immer wieder schön diese Geschichte zu lesen. Welch eine tolle Reise vor vier Jahren mit unserer Eintracht und auch der Empfang in Frankfurt. Mega! Unsere Helden werden wir nie vergessen!

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