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Stefan Aigner spielte vier Jahre im Dress der Frankfurter Eintracht. Foto: Foto Rhode / Heiko Rhode

Ex-Adler Stefan Aigner: „Sonst wäre ich nicht gegangen“

Während seiner Spielerkarriere spielte Stefan Aigner vier Jahre für Eintracht Frankfurt. Von 2012 bis 2016 absolvierte der gebürtige Münchner 136 Spiele mit dem Adler auf der Brust. Nun gab der 38-Jährige auf dem YouTube-Kanal von „Absolut Fussball“ Einblicke in die wohl erfolgreichste Zeit seiner Karriere, aber auch in die Entscheidungsfindung seines damaligen Abschieds.

Das war mein Höhepunkt der Karriere, auf alle Fälle. Es war die schönste Zeit meiner Karriere. Was du als Kind immer im Kopf hast, ist der Traum, Bundesliga-Spieler zu werden. Das dann wahr werden zu lassen und dann auch noch so erfolgreich, war für mich das Schönste“, blickte Aigner auf seine SGE-Zeit im Gespräch mit Journalist Christopher Michel zurück. Aigner wechselte im Sommer 2012 von seinem Heimatverein 1860 München an den Main und gehörte somit zur Mannschaft, die sich nach dem Wiederaufstieg direkt ins europäische Geschäft spielte. Für den Spieler, aber auch seine Mitspieler, ging damals ein Traum in Erfüllung: „Wir waren viele aus der zweiten Liga, die natürlich den Sprung in die erste Liga wie einen Traum gesehen haben. Dann hat das auch so funktioniert, dass wir gleich nach Europa eingezogen sind, was unbeschreiblich war.

Relegation 2017: SGE war „auf der Intensivstation“

Doch danach kamen auch schwierige Zeiten für Aigner und die Frankfurter Eintracht. Nach der Rückkehr 2015 von Armin Veh galt die SGE die gesamte Saison lang als abstiegsgefährdet. Dabei war Veh es doch, der die Mannschaft in Aigners erster Eintracht-Saison in den Europapokal führte. An seinen Ex-Trainer erinnerte er sich jedoch weiterhin positiv: „Ich glaube, dass Armin Veh immer noch gerne bei der Eintracht gesehen wird. Und dass wir mit ihm zusammen Sachen erreicht haben, die man nicht vergessen wird.“ Aigner habe es damals als schade empfunden, dass Veh gehen musste, wobei er auch wisse, wie das Geschäft Fußball läuft. Zu dem Zeitpunkt befanden sich die Adler auf dem 16. Tabellenplatz der Bundesliga und lagen laut Aigner „auf der Intensivstation“. Ein Trainerwechsel war also für viele unumgänglich. Obwohl die Frankfurter unter Neu-Trainer Niko Kovač einen starken Saisonendspurt mit Siegen gegen Borussia Dortmund, Darmstadt 98 und Mainz 05 hinlegten, musste das Team damals in die Relegation, nachdem es am letzten Spieltag in Bremen verloren hatte.

Dass sich Frankfurt damals in der Liga hielt, habe für Aigner neben dem erfolgreichen Trainerwechsel einen weiteren Grund gehabt. Der rechte Außenspieler habe nämlich nie wahrgenommen, dass sich das Team zerstritten hätte. Aigner erzählte: „Wir haben wirklich viel unternommen, was nicht selbstverständlich ist, wenn man Bundesliga spielt. Aber das hat uns eben ausgezeichnet. Deswegen sind wir auch nach Europa eingezogen.“ Und später habe die SGE mit dieser Energie auch den Klassenerhalt gemeistert, im Verbund. Aus der Zeit habe er mittlerweile nur noch mit Alexander Meier intensiveren Kontakt. Mit Pirmin Schwegler, Martin Lanig und Kevin Trapp verstehe er sich zwar ebenfalls gut, diese sehe er allerdings nur ganz selten.

Stefan Aigner verlor nach 1860-Abstieg Spaß am Fußball

Derzeit arbeitet der Ex-Bundesliga-Spieler für die Berateragentur Wassermann. Im Zuge dessen möchte er aktive Spieler unterstützen, die richtigen Karriereentscheidungen zu treffen, womöglich sie sogar vor Fehlern zu beschützen, die er selbst begangen habe. Aus rein sportlicher Sicht könne er seinen Wechsel im Sommer 2016 zurück zu seinem Heimatverein nach München nicht mehr nachvollziehen. Damals hätten aber auch andere Aspekte eine Rolle bei der Entscheidung gespielt. Bei nur noch zwei Jahren Vertrag habe Aigner damals nicht die absolute Rückendeckung im Frankfurter Umfeld gespürt. Gleichzeitig habe er immer den Traum gehabt, dabei zu helfen, 1860 München zurück in die Bundesliga zu führen. Besonders der zweite Punkt entschied damals überwiegend den Schritt zurück in Liga zwei. Jedoch lief der Plan nicht wie gewollt: Aigner stieg mit seinen Sechzigern ab, was ihm nach eigenen Aussagen den Spaß am Fußball raubte: „Nach dem Abstieg habe ich die Lust am Fußball total verloren. Normalerweise war es schon so, wenn ich in die Sommerpause reingehe, nach zwei, drei Wochen habe ich gemerkt, ich will wieder, dass es endlich losgeht. Aber auch nach fünf, sechs Wochen habe ich nie so richtig den Drang gespürt, dass es losgeht.

Schließlich fand Aigner bei den Colorado Rapids in der US-amerikanischen MLS seinen neuen Hafen. Später wechselte er zurück nach Deutschland und spielte in den Trikots vom KFC Uerdingen und von Wehen Wiesbaden. Parallel verfolgte er die Entwicklung der Eintracht: „Ich bin ehrlich, das hätte ich nicht gedacht. Sonst wäre ich nicht gegangen, wenn ich gewusst hätte, dass wir ein Jahr darauf DFB-Pokal-Sieger werden“, scherzte Aigner im Video-Interview. Für ihn hätten damals Heribert Bruchhagen und Axel Hellmann das Fundament gelegt, auf dem Eintracht Frankfurt in den Jahren darauf so erfolgreich wurde. „Man will immer mehr und noch schneller und noch höher, aber die anderen Vereine schlafen auch nicht. Deswegen muss man einfach wertschätzen, was die Eintracht in den letzten zehn Jahren erlebt hat und welche Erfolge sie hatten“, schätzte der Ex-Spieler, der 2023 seine Karriere an den Nagel hing, die derzeitige Situation bei den Hessen ein. Während beispielsweise Vereine wie RB Leipzig oder die TSG Hoffenheim andere finanzielle Möglichkeiten hätten, müsse das Umfeld der Eintracht aufpassen, nicht zu viel zu wollen, mahnte der Ex-Adler.

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