Bei Eintracht Frankfurt gehört Farès Chaïbi längst zu den prägenden Offensivspielern. Der Algerier wandelt zwar oft noch zwischen Genie und Wahnsinn und wird oft vor allem in Fankreisen negativ gesehen, trotzdem hat er einen großen Einfluss auf das Spiel der Hessen. In der aktuellen Bundesliga-Saison war er in zwanzig Einsätzen an zehn Treffern direkt beteiligt – eine starke Quote für einen zentralen Mittelfeldmann. Im Interview auf „eintracht.de“ sprach er jetzt über den Ramadan im Profialltag, seine Entwicklung in Frankfurt, seine Lieblingsposition – und warum er trotz starker Zahlen weiterhin kritisch mit sich selbst ist.
Der Fastenmonat Ramadan stellte auch für Chaïbi eine besondere Belastung dar – wenn auch unter etwas günstigeren Umständen als in den Vorjahren: „Ich würde nicht behaupten, dass der Ramadan wesentlich leichter war, aber ich habe schon gemerkt, dass er früher im Jahr stattfand und das Fasten tagsüber kürzer war. Daher war es etwas angenehmer als in den Jahren zuvor.“ Entscheidend sei vor allem die Unterstützung im Verein gewesen. „Der Verein ist dahingehend sehr professionell aufgestellt, ich habe viele Hilfestellungen von Expertinnen und Experten erhalten“, erklärte er und lobte das Team hinter dem Team bei den Hessen: „Sei es unsere Ernährungsberaterin Anna Lena van der Felden, unsere Sportwissenschaftlerin Laura Jablonski oder unsere Physiotherapeuten – sie konzipieren individuelle Programme. Dafür bin ich sehr dankbar.“ Dass seine Leistungen darunter nicht litten, überrascht ihn selbst nicht: „Ich faste schon seit Kindheitstagen und kann mich darauf einstellen. Wenn ich auf dem Platz stehe, denke ich nicht daran.“
Auch wenn Chaïbi zu den Topscorern der Eintracht gehört und ligaweit zu den besten Vorlagengebern zählt, bleibt er kritisch mit sich selbst. „Im Vergleich zu den ersten beiden Jahren hatte ich es zunächst schwerer, auf Einsatzzeiten zu kommen. Das hat sich in den vergangenen Wochen gebessert“, erklärte er und stellt gleich ein anspruchsvolles Ziel in den Raum: „Wir haben noch acht Spiele, in denen die Mannschaft und ich das Maximum anstreben.“ Seine eigene Mentalität beschreibt er so: „Ich bin einfach extrem ehrgeizig.“ Statistiken nimmt er zwar wahr, stellt sie aber nicht über alles: „Ich nehme das als Bestätigung dafür, dass sich harte Arbeit lohnt und ich mich steigern kann. Das ist ein zusätzlicher Ansporn.“
In dieser Saison musste Chaïbi mehrfach die Position wechseln. Eine Erfahrung, die ihm langfristig geholfen hat. „Ich habe nicht immer auf der Position gespielt, auf der ich ausgebildet wurde – das hat sich aktuell wieder geändert“, so der Rechtsfuß, der versucht, immer das Beste aus allen Situationen mitzunehmen, unter anderem seinen Einsätzen auf der Außenbahn: „Das war im Grunde eine Art fußballerische Fortbildung. Ich habe neue Räume entdeckt.“ Besonders profitiert er vom besseren Verständnis für Mitspieler: „Ich verstehe jetzt noch besser, wie Außenstürmer denken und in welchen Räumen sie sich bewegen.“ Seine Lieblingsposition definiert er dennoch ganz klar: „Vor allem im zentralen Mittelfeld – ob als Acht oder Zehn.“ Gleichzeitig bleibt er flexibel: „Wenn der Trainer mich morgen nach rechts oder links zieht, werde ich auch da alles herausholen, um der Mannschaft zu helfen.“
Unter Trainer Albert Riera spielen Standards eine zentrale Rolle – auch für Chaïbi persönlich. „Es ist kein Geheimnis, dass Standards im modernen Fußball immer mehr an Bedeutung gewinnen.“ Er kenne seine eigenen Stärken in diesem Bereich: „Ich weiß, dass ich darin meine Qualitäten habe und probiere, diese zu verfeinern.“ Der Freistoß vor dem Siegtreffer gegen Heidenheim sei kein Zufall gewesen: „Das war das Resultat gemeinsamer Übung – vom Trainerteam bis zu meinen Kollegen, die die Hereingabe veredeln.“ Trotz zuletzt stabiler Ergebnisse unter Riera sieht Chaïbi noch Verbesserungspotenzial – gerade im Offensivspiel. „In manchen Situationen können wir mehr ins Risiko gehen, um den Unterschied auszumachen“, erklärt er und nimmt sich auch selbst in die Pflicht: „Ich möchte meiner Verantwortung als Kreativspieler noch häufiger gerecht werden.“
Mit Blick auf das kommende Spiel gegen den 1. FSV Mainz 05 erwartet Chaïbi eine intensive Partie. „Mainz ist immer ein hartes Pflaster. Es geht auch ein Stück weit ums Prestige“, gab er die Marschroute vor: „Wir werden versuchen, dem Gegner unser Spiel aufzuzwingen. Wenn wir unseren Plan umsetzen, stehen die Chancen gut, mit drei Punkten zurückzukehren.“
Mit der Teilnahme an der UEFA Champions League hat sich Chaïbi bereits einen Kindheitstraum erfüllt. „Es war ein Kindheitstraum, erstmals im Konzert der Großen mitzuspielen“, erklärte und betonte, dass es trotz der Misserfolge nicht umsonst war: „Es waren tolle, wertvolle erste Erfahrungen – und hoffentlich nicht die letzten.“ Mit der algerischen Nationalmannschaft blickt er zudem Richtung FIFA World Cup. „Die Möglichkeit, innerhalb eines Jahres Champions League und vielleicht eine Weltmeisterschaft zu spielen, ist kaum zu beschreiben“, freute er sich. Klar sei aber auch: „Das geht nur mit guten Leistungen für Eintracht Frankfurt. Darauf liegt mein voller Fokus.“
Farès Chaïbi zeigt sich selbstkritisch, ehrgeizig und gereift – und macht deutlich, dass sein Weg bei der Eintracht noch lange nicht am Ende ist.






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