Spätestens nach der heutigen Medienrunde ist man um ein weiteres Deal über die Person Aurèle Amenda schlauer geworden. Über seine Körpergröße wurden verschiedene Angaben gemacht, mal ist er 1,94 m, mal 1,96 m groß. Schluss damit. Amendas klare Antwort: „1,97 m.“ So wirklich relevant ist es nicht, eher eine Mini-Randnotiz, die aber verdeutlicht, dass der Schweizer bestrebt ist, Missverständnisse aus dem Weg zu räumen. Denn in jüngerer Vergangenheit kursierten angesichts seines schweren sportlichen Stands Gerüchte über einen Abgang, der FC Turin soll intensiv um die Gunst des Abwehrhünen gebuhlt haben. Auch dem schiebt jetzt Amenda endgültig einen Riegel vor. „Mein erster Gedanke war nie, den Verein zu verlassen.“
„Bin Krösche sehr dankbar“
Der entscheidende Impulsgeber heißt Markus Krösche. „Ich hatte immer ein gutes Verhältnis zu Markus Krösche. Er hat sehr viel mit mir gesprochen. Er hat mir sehr viel Vertrauen geschenkt. Ich bin ihm sehr dankbar. Das motiviert mich noch mehr, mich jeden Tag zu verbessern.“ Aber, und das war offenbar die Bedingung für den Treueschwur, der im Sommer 2024 aus Bern gekommene Amenda möchte mehr Spielzeit sammeln. „Ich bin 22 Jahre alt, ich möchte spielen. Das ist wichtig.“ Das Vertrauen gegenüber dem Sportvorstand zahlt der neue Trainer Albert Riera zurück. Klar, Teil der Wahrheit ist auch der Ausfall von Arthur Theate, von dem der riesengroße Abwehrspieler profitiert. Aber diese Chance muss man auch erstmal nutzen und das tut Amenda mit Bravour. „Die letzten Wochen waren sehr gut, für mich aber auch für die Mannschaft. Auch mal zu Null gespielt. Das war wichtig für das Vertrauen. Ich nehme die Spiele mit, die ich bekomme. Von Spiel zu Spiel probiere ich, der Mannschaft zu helfen. Ich freue mich auf jede Minute, die ich bekomme“, fasste Amenda treffend zusammen.
Lob an Toppmöller: Amenda mit Selbsterkenntnis
Der Fußball ist schnelllebig, plötzlich ist der Schweizer nicht mehr aus der Stammelf wegzudenken, als sei es immer so gewesen, und das, nachdem er gefühlt mehrmals auf dem Abstellgleis gewesen war. Unter Vorgänger Dino Toppmöller hatte es der 22-Jährige alles andere als leicht. Geprägt von Verletzungen und einem großen Konkurrenzkampf griff der Ex-Coach sporadisch auf die Dienste seines ehemaligen Schützlings zurück. Nachträgliches Toppmöller-Bashing? Kommt für Amenda überhaupt nicht infrage, ganz im Gegenteil. Selbstreflektiert und einsichtig kehrt er stets vor der eigenen Haustür. „Dino hat auch sehr viel mit mir gesprochen“, lobte er. „Er hat Entscheidungen getroffen, die ich akzeptieren musste. Ich hätte paar Dinge besser machen müssen. Ich hätte besser trainieren müssen. Dinge verbessern, die ich hätte verbessern müssen, aber das geht keineswegs gegen den Trainer.“ Ehrliche Worte. Fakt ist aber auch, dass ein neuer Trainer immer neue Impulse setzen kann, und Amenda ist definitiv einer der Spieler, der sich den Gewinnern unter Albert Riera anreiht. Der neue Cheftrainer hat dafür gesorgt, dass die Null deutlich häufiger steht. Das Erfolgsrezept: Der akribische und energische Fußballlehrer setzt, wie Amenda offenbart, auf Manndeckung. „Im jeden Spiel hat jeder Spieler seinen Job. Man sieht, dass die Mannschaft, vor allem die Defensive stabil geworden ist.“ Das Ergebnis: „In den letzten Spielen haben wir weniger Torchancen und Torschüsse zugelassen. Da sollen wir weitermachen. Er redet viel mit uns. Er sagt, dass die Stürmer die ersten Verteidiger sind. Da sieht man, dass alle gemeinsam verteidigen. Das ist wichtig für die Mannschaft.“
Fußball ist ein Mannschaftssport, Erfolg kann nur erzielt werden, wenn alle an einem Strang ziehen. Das hat Amenda richtig analysiert, mit seinen Fähigkeiten ist er inzwischen ein wichtiger Baustein in der Hintermannschaft der Hessen. Doch wo liegen eigentlich die Stärken des bulligen Abwehrmannes?: „Ich bin jemand, der das Spiel lesen kann. Ich bin zweikampfstark und schnell.“ Das belegen die Zahlen, 61 Prozent der Zweikämpfe hat Amenda für sich entschieden. 61 Prozent sind, wie er selbst sagt, nicht perfekt. „Ich will mich trotzdem verbessern. Man ist nie perfekt.“ Entwicklungspotenzial sieht der Profi „überall. Mit dem Ball muss ich viel mehr machen.“ Also auch mehr Mut zum Risiko. „Ich muss mir mehr zutrauen, nach vorne zu spielen. Ich bin zwar zweikampfstark, aber in Sachen Spiel lesen muss ich mich verbessern, sprich das Spiel antizipieren und offensiv möchte ich auch per Kopf Tore erzielen.“ Dafür ist das Training da, wo der hochmotivierte Amenda Vollgas geben will. Bereits am kommenden Sonntag bei Mainz 05 könnte das ein Faktor sein. „Mainz ist sehr zweikampfstark und lauert auf Konter. Bei Standards müssen wir konzentriert agieren. Es wird ein hartes Spiel mit vielen Zweikämpfen. Dafür werden wir bereit sein.“
Berufung für die Schweiz „eine große Ehre für mich“
Bereit ist Amenda auch für die WM. Wer möchte nicht für die Nationalmannschaft seines Herkunftsland spielen, etwa Nene Brown für Deutschland, Arthur Theate für Belgien oder Can Uzun für die Türkei. Genauso geht es auch Amenda, vor einigen Wochen schien eine Nominierung für die anstehende Weltmeisterschaft in den USA, Mexiko und Kanada in diesem Jahr für den Frankfurter utopisch zu sein. Und heute darf sich Amenda berechtige Hoffnungen machen. „Es ist ein großer Traum für mich. Ich habe nicht vergessen, wo ich herkomme. Aus einer kleinen Stadt in der Schweiz. Vor paar Jahren hätte ich nicht daran gedacht. Klar ist es ein Ziel. Für einen Fußballer ist es der größte Traum. Ich werde jetzt alles dafür geben, um im Sommer dabei zu sein. Schon jetzt im März dabei zu sein, macht mich zufrieden, weil es mir eine große Ehre ist, für die Schweiz zu spielen. Dafür muss ich hart trainieren.“ Trainer der Schweizer Nationalmannschaft, Murat Yakin, hat den Innenverteidiger für die anstehenden Testspiele in den Kader berufen. Am Freitag, den 27. März, trifft die „Nati“ lustigerweise auf die deutsche Nationalmannschaft, und damit auf den bereits angesprochenen Brown, auf den einzigen Frankfurter im DFB-Kader. Seinen Vereinskollegen lobte Amenda in den höchsten Tönen: „Nene ist ein super Typ. Er kann überall spielen, das hat man gesehen, ob es links, rechts oder im Zentrum ist. Er hat gezeigt, dass er defensiv, aber auch offensiv sehr stark ist. Er hilft der Mannschaft extrem viel. Wir sind sehr zufrieden, dass er bei uns ist.“
Amenda befindet sich jedenfalls auf dem aufsteigenden Ast. Um seine persönlichen Ziele zu erreichen und seinen eigenen Ansprüchen gerecht zu werden, soll die sogenannte „Mamba Mentality“ vom verstorbenen NBA-Star Kobe Bryant helfen. „Manche Mitspieler nennen mich ‚Mamba‘. Ich probiere jeden Tag, wenn ich aufstehe, mich zu verbessern, ob es auf dem Platz oder abseits des Platzes ist.“ Denn harte Arbeit zahlt sich bekanntlich aus.






2 Kommentare
Hab von Anfang an zu seinen "Groupies" gehört, da ich ihn schon bei den YBs gesehen habe.
In der ggw. Combo ist er für mich der zentrale letzte Mann; d.h. Robin könnte mit seinen "Goalgetter-Skills" (Kopfball) durchaus öfter offensiv gehen, während Aurele absichert. Fussballerisch-technisch m.E. einer der ganz starken in der Truppe, hoffe aber, dass seine enorme Passgüte, seine Spielinitiation demnächst noch viel konsequenter zum Tragen kommen.
Wenn er dann auch noch Antritt, Schnellkraft und Beweglichkeit optimiert, womöglich ein paar Kilos dabei verliert, dürfte Albert ein echtes Entscheidungsdilemma für die Startelf kriegen, sobald Artur wieder voll fit ist.
[Wenn Rasmus wieder auf der Matte steht, rückt somit wohl Nnamdi am ehesten in die 2. Reihe]
Da sieht mal wieder, dass man nicht zu viel auf derartige Gerüchte geben sollte. Nur weil ein Verein angeblich irgendwo angefragt hat, ist das noch lange kein Deal, wenn man eigentlich IV braucht, fragt man sicherlich bei 5-10 Spielern an.
Deswegen finde ich auch eine Überschrift wie "Zu geringe Spielzeit? SGE-Supertalent will weg" nicht nur irreführend, sondern faktisch falsch. Da fehlt das magische Wort "angeblich", so das man die Geschichte nicht unnötig aufbauscht und Öl ins Feuer gießt. So eine Überschrift kann man wählen, wenn es eine klare Aussage des Spielers, seiner Berater oder des Vereins gibt. Da sollte man sich eher die nüchterne Berichterstattung des Kicker, der FR oder FAZ abschauen als die von Sky, Bild, Transfermarkt TV, Bunte oder anderen Sensationsmedien, die bekannt dafür sind, verrückte Geschichten zu erfinden.
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