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Jens Grahl ist seit 2021 bei der Frankfurter Eintracht. Foto: IMAGO / HMB-Media

„Wir haben den besten Beruf, den es gibt“: Grahl über Motivation, Mentaltraining und die jungen Adler

Seit 2021, also seit mittlerweile fünf Jahren, gehört Jens Grahl zum Torhüterteam der Frankfurter Eintracht. Auch wenn der 37-Jährige meist die Rolle des Ersatzkeepers einnimmt, ist er aus dem Mannschaftsgefüge als erfahrener Spieler kaum wegzudenken. Im Trainingslager der Hessen in Grassau sprach Grahl bei „Eintracht TV“ über die körperlichen Herausforderungen im fortgeschrittenen Fußballeralter, seine Motivation trotz Reservistenrolle, die starke Form von Younes Ebnoutalib und Can Uzun sowie seine Bedeutung für die jungen Spieler.

Dass die Vorbereitung mit zunehmendem Alter nicht leichter wird, macht Grahl kein Geheimnis. Der Routinier weiß inzwischen genau, worauf es ankommt, um seinen Körper fit zu halten. „Man merkt das Alter von Jahr zu Jahr etwas mehr“, sagte der Torhüter lachend und gibt zu: „Es wird nicht einfacher.“ Umso wichtiger sei inzwischen die Regeneration: „Die Sauna am Abend darf nicht fehlen und die Eisbäder müssen auch sein.“ Gerade bei den Eisbädern habe sich seine Einstellung im Laufe der Jahre deutlich verändert: „Früher bin ich nicht gerne in die Eisbäder gegangen, aber jetzt muss es sein, sonst wird es am nächsten Tag schwierig.“ Die Erfahrung helfe ihm dabei, den eigenen Körper besser einzuschätzen und auch im Trainingslager die Belastung zu verkraften.

Lob für Uzun und Ebnoutalib

Sportlich zeigte sich Grahl mit den ersten Trainingseinheiten zufrieden – zumindest aus Torhütersicht mit einem Augenzwinkern. „Ich habe natürlich noch gar nicht so viele Tore bekommen“, scherzte er zunächst, ehe er ernster die Angreifer der SGE lobte: „Nein, unsere Stürmer sind gut drauf.“ Einer dieser Angreifer ist Younes Ebnoutalib. Auf den Stürmer angesprochen lobte Grahl seinen Mannschaftskollegen. Er hinterlasse nach seiner Rückkehr aus der Sommerpause einen hervorragenden Eindruck: „Er ist sehr gut drauf und sehr fit aus dem Urlaub gekommen.“ Für Grahl ist klar: „Das zeigt er jetzt, er will noch einmal richtig angreifen.“ Auch Can Uzun bereitet den Torhütern im Training regelmäßig Probleme. Grahl beschrieb den Offensivspieler mit einer bemerkenswerten Formulierung: „Er ist ein Gauner vor dem Tor.“ Vor allem dessen Abschlussverhalten sei außergewöhnlich und für die Keeper schwer einzuschätzen: „Er hat eine gute Fußstellung. Bei manchen Spielern kann man etwas antizipieren, bei ihm ist das sehr schwierig.“

Mentaltraining als Erfolgsfaktor

Neben der körperlichen Vorbereitung spielt für Grahl auch der mentale Bereich eine entscheidende Rolle. Über die Jahre habe er verschiedene Routinen entwickelt, die ihm helfen, auch in Drucksituationen ruhig zu bleiben. „Es gibt verschiedene Sachen, die mir helfen“, so der 37-Jährige, der dann genauer erklärte: „Ich versuche mir vor dem Spiel positive Sachen anzuschauen, um ein gutes Gefühl zu bekommen.“ Auch feste Abläufe vor dem Anpfiff seien für ihn unverzichtbar geworden: „Beim Warm-up seine Routinen zu haben, finde ich top. Und wenn ich sehr aufgeregt bin, wende ich verschiedene Atemtechniken an, um meinen Puls runterzubringen.“

Seit Jahren nimmt Grahl die Rolle des Ersatzkeepers ein. Trotz geringer Einsatzzeiten hat sich seine Einstellung nie verändert. „Ich habe das schon oft gesagt: Wir haben den besten Beruf, den es gibt. Das ist Motivation genug“, so der ehemalige Stuttgarter und Hoffenheimer. Natürlich wolle jeder Fußballer spielen. Dennoch sei fehlende Einsatzzeit für ihn kein Grund, im Training nachzulassen: „Ich kann mir nichts davon kaufen, wenn ich kein Gas im Training gebe, wenn ich weiß, dass ich nicht spiele.“ Gerade die vergangene Saison habe gezeigt, wie schnell sich die Situation ändern könne. Im DFB-Pokal rückte Grahl in die Mannschaft und musste sofort funktionieren. Genau deshalb müsse jeder Profi jederzeit bereit sein. „Dann spiele ich vielleicht trotzdem irgendwann so wie letztes Jahr im Pokal, dann muss man bereit sein“, erklärte er. Daher sei es wichtig, immer alles zu geben: „Man muss im Training 100 Prozent geben, damit man das dann im Spiel adaptieren kann.“

Wichtiger Ansprechpartner für junge Spieler

Innerhalb der Mannschaft übernimmt Grahl längst auch eine wichtige Rolle außerhalb des Platzes. Vor allem für die zahlreichen jungen Spieler ist der erfahrene Torwart ein Ansprechpartner: „Ich bin immer da und die Jungs können immer zu mir kommen, wenn etwas ist.“ Gerade in einem jungen Kader sei Erfahrung wichtig, um den Nachwuchsspielern Orientierung zu geben. Auch Amateurtorhütern gab Grahl einen Einblick, worin aus seiner Sicht der größte Unterschied zum Profifußball besteht. Die technische Ausbildung sei zwar entscheidend, könne aber über Jahre hinweg erarbeitet werden: „Technische Sachen kann man über einen gewissen Zeitraum lernen.“ Die mentale Komponente sei dagegen wesentlich schwieriger zu trainieren: „Mental ist es natürlich so, dass man als Profi nicht vor 20 Menschen, sondern vor 50.000 oder 60.000 performen muss. Das ist dann eine andere Geschichte.“

Während sich die Mannschaft in Grassau auf die neue Saison vorbereitet, fehlt Grahl vor allem eines: seine Familie. Der Kontakt nach Hause gehört deshalb fest zu seinem Tagesablauf: „Man vermisst die Familie im Trainingslager natürlich. Ich versuche am Morgen vor dem Kindergarten und der Schule kurz zu hören, wie die Nacht war und am Abend, wie der Tag war.“ Seine Familie sei für ihn der wichtigste Kraftspender: „Die Familie gibt einem Kraft.“ Gleichzeitig nimmt er die Trennung mit Humor: „Aber sie halten es auch einmal ohne mich aus ein paar Tage.“

Auch wenn Jens Grahl sportlich meist im Schatten der ersten beiden Torhüter steht, zeigt er immer wieder, welchen Wert der Routinier für die Eintracht besitzt. Mit seiner Erfahrung, seiner Professionalität und seiner Einstellung ist der 37-Jährige weit mehr als nur ein Ersatzkeeper – und genau deshalb weiterhin ein wichtiger Bestandteil des Frankfurter Kaders.

Ein Kommentar

Fallback Avatar Der User hat SGE4EVER.de mit mind. 100 € finanziell unterstützt, als es um den großen Relaunch 2024 ging. 1. adler aus hamburg 28. Juli 26, 19:26 Uhr

Danke für den Artikel. Spannende Einblicke von jemandem, der eine wichtige Rolle besitzt, über den aber selten geschrieben wird.

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