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Offenbar soll Albert Riera die Eintracht wieder zurück in die Erfolgsspur führen. Foto: IMAGO / Gribaudi/ImagePhoto

Spanisches Temperament für die SGE? Das bringt Albert Riera mit

Im Umfeld der Frankfurter Eintracht geistert seit Tagen ein ganz bestimmter Name umher. Es ist kein Geheimnis, dass Albert Riera als der Top-Kandidat für den Cheftrainer-Posten gilt. Zwischen der SGE und dem Spanier soll bereits alles klar sein. Lediglich mit dem jetzigen Arbeitgeber des Spaniers NK Celje scheint es noch Verhandlungen zu geben. Das berichtet „Sky“-Reporter Florian Plettenberg. Klar ist bereits, dass am Samstag gegen Leverkusen nochmal das Interimsduo Dennis Schmitt und Alex Meier auf der Bank sitzen werden. „Wir sind in guten Gesprächen. Das bestehende Trainerteam wird in der Konstellation auch gegen Leverkusen an der Seitenlinie stehen“, bestätigte Sportvorstand Markus Krösche am Rande der Champions League-Partie gegen Tottenham am Mittwochabend. Trotzdem deutet aktuell alles darauf hin, dass Riera neuer Eintracht-Trainer werden soll. Daher lohnt es sich, einen genaueren Blick auf die Personalie zu werfen:

In Manacor auf der Insel Mallorca kam Albert Riera zur Welt und durchlief dort beim RCD die gesamte Jugendabteilung bis hin zur Profimannschaft. Der Spanier spielte im linken Mittelfeld sowie als Linksverteidiger und lief insgesamt drei Jahre in der Primera Division für seinen Heimatverein auf. Nach dem Gewinn der Copa del Rey wechselte er nach Frankreich zu Girondins Bordeaux. Obwohl er dort auf Anhieb Stammspieler wurde, zog es ihn schon nach zwei Jahren zurück in die Heimat zu Espanyol Barcelona. Nach anfänglichen Problemen wurde der damals 23-Jährige für ein halbes Jahr an Manchester City verliehen, die allerdings sportlich noch nicht viel mit dem heutigen englischen Schwergewicht zu tun hatten. Schließlich sollte in Barcelona aber doch noch der Durchbruch gelingen und Riera wurde in dieser Zeit erstmals Nationalspieler und empfahl sich für einen großen Wechsel.

Im Sommer 2008 verpflichtete ihn der FC Liverpool für rund zehn Millionen Euro. Auch wenn das erste Jahr noch recht erfolgreich verlief, wurde der Außenbahnspieler immer wieder durch Verletzungen zurückgeworfen. Nachdem der Spanier dann noch öffentlich seinen Trainer Rafael Benítez kritisierte, startete eine lange Reise durch die Fußball-Welt. Über Olympiakos Piräus, Galatasaray Istanbul, FC Watford, Udinese Calcio und nochmal Mallorca landete der heute 43-Jährige schließlich in Slowenien. Nach einem Jahr bei DNS Zavrec sowie dem FC Koper fand er keinen Verein mehr und beendete daraufhin seine Karriere. Riera gewann einmal den spanischen Pokal, zweimal die türkische Meisterschaft, einmal den türkischen Pokal, einmal die griechische Meisterschaft und lief insgesamt 16 Mal für die spanische Nationalmannschaft auf.

Aggressiver Offensivfußball

Die Karriere an der Seitenlinie startete der Ex-Profi als Co-Trainer bei seinem ehemaligen Verein Galatasaray Istanbul. Von dort aus ging es schließlich als Cheftrainer zurück nach Slowenien zu NK Olimpija Ljubljana. Ein Wechsel, der nicht ganz geräuschlos verlief: Die Vorstellungspressekonferenz wurde von teils vermummten Ultras überfallen, die mit dem Trainerwechsel unzufrieden waren. Riera trotzte allerdings der Kritik und gewann direkt im ersten Anlauf das Double aus Meisterschaft und Pokal. Den Spanier zog es trotzdem direkt weiter zum Ligarivalen NK Celje, wo er seit mittlerweile zweieinhalb Jahren die sportlichen Geschicke leitet. Diese Zeit wurde nur von neun Monaten bei Girondins Bordeaux unterbrochen, die im Anschluss allerdings in die vierte Liga zwangsabsteigen mussten. Mit ihm gewann Celje im letzten Jahr den Pokal und ist aktuell mit weitem Abstand Tabellenführer.

Insgesamt kommt Riera auf 185 Spiele als Cheftrainer und weist einen Punkteschnitt von 1,86 vor. Seine Herkunft ist dem Spielstil des Spaniers durchaus anzumerken: Seine Teams legen großen Wert auf Kontrolle, Ballbesitz, Dominanz und schnelle Passstafetten. In Slowenien spielt er meist mit einer Viererabwehrreihe, vereinzelt agiert Celje aber auch mit einer Dreierkette. Allgemein variiert seine Taktik aber von Spiel zu Spiel sehr und ist recht flexibel. Riera setzt auf hohes, aggressives Gegenpressing und lässt offensiven Fußball spielen, der durchaus zur Eintracht passen könnte. Zu seinen engsten Freunden zählt übrigens Arsenal-Coach Mikel Arteta, Pep Guardiola gilt als sein Mentor. Die drei sollen auch privat viel miteinander unternehmen. Riera ist verheiratet und Vater von drei Kindern. Seine Frau lernte er in seiner Heimat Mallorca in einer Diskothek kennen.

„Möchte nicht jedem gefallen“

Riera kommt als Trainer viel über seine Emotionen und packt seine Spieler bei der Ehre. In den sozialen Medien sind zahlreiche Videos von seinen Kabinenansprachen zu finden. „Wir sind nicht wie jede Mannschaft. Wir sind ein Team, das jeden schlagen kann“, motiviert der Trainer seine Mannschaft in einem der Clips. „Wenn wir Fußball spielen, spielen wir es nach unserem Stil. Denn wir haben Freude und das ist unsere Art und Weise. Und das macht uns jeden einzelnen Tag glücklich. Wir ändern uns nicht gegen irgendeinen Gegner. Das ist mir egal. Wir werden sie beißen.“ Der 43-Jährige bringt ohne Zweifel die nötige Ausstrahlung und auch das Selbstvertrauen mit. Er wird aber auch als sehr temperamentvoll, detailversessen und direkt beschrieben. Die Mannschaft hält er nah bei sich, fordert aber auch konsequent Leistung ein. „Manche werden dich mögen und andere nicht. Es entspricht meinem Charakter, dass ich nicht jedem gefallen möchte. Ich habe meine Ideen und eine klare Arbeitsweise“, sagte der Trainer in einer Vereinsdokumentation. Während seiner Zeit in Frankreich ist er damit auch durchaus angeeckt. „Er ist ein sehr arroganter Trainer, der während seiner Zeit in Bordeaux bei Pressekonferenzen eine Reihe arroganter Äußerungen gemacht hat“, wird Journalist Hanif Berkane vom Portal „Fussballtransfers.com“ zitiert. „Er hat immer die gegnerischen Trainer herabgewürdigt und seine eigenen Qualitäten hervorgehoben.“ Der gespielte Fußball habe dem Kritiker allerdings sehr gut gefallen und würde auch nach Frankfurt passen.

Seiner Anstellung bei der SGE scheint nicht mehr viel im Weg zu stehen und wird wohl in den kommenden Tagen finalisiert werden. Das berichtet Transferexperte Fabrizio Romano. Die komplette Einigung könnte allerdings noch ein paar Tage dauern. Albert Riera bringt einiges mit, was ein erfolgreicher Cheftrainer braucht und könnte mit seinem Temperament sowie den Emotionen auch gut ins Frankfurter Umfeld passen. Trotzdem ist es auch für den Spanier ein immenser Schritt aus der slowenischen ersten Liga. Dazu ist die aktuelle Herausforderung in Frankfurt nicht gerade klein und der neue Trainer muss direkt einige Probleme lösen. Riera wäre eine ebenso spannende wie ambitionierte Lösung, die Risiken mit sich bringt, Eintracht Frankfurt zugleich aber auch Chancen eröffnen könnte.

3 Kommentare

Fallback Avatar 1. PeKa 29. Januar 26, 16:29 Uhr

Vielleicht brauchen wieder so einen (positiven) Drecksack. Für ihn ist es auch eine Riesenchance.

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Mit relativ unbekannten Namen haben wir ja oft nicht die schlechtestens Erfahrungen gemacht. Als Hütter kam, war er nur Insidern bekannt. Kovac hatte, wenn ich mich nicht irre, in Frankfurt seinen erste BL-Job.

Und wenn ich mal in der ganz weiten Vergangenheit krame: 1978 wurde ein 31-jähriger unbekannter Trainer verpflichtet - und jeder sagte: Kann doch nicht klappen. Der ist ja jünger als mancher Spieler. Er kam von RW Essen und war vorher Co in Gladbach war. : Erich Ribbeck

Na gut, außer einer UEFA-Cup-Quali hat er bei uns keine Bäume ausgerissen. Aber er blieb immerhin 5 Jahre. Länger war keiner bei uns (Funkel genauso lange). Danach war er bei Leverkusen, Dortmund und Bayern, und wurde später (na gut - nicht so sehr erfolgreicher) Bundestrainer ehmmm... Teamchef

Das zeigt jedenfalls, dass man bei der Eintracht schon immer den Mut hatte, auch mal etwas unkonventionell zu denken. Mir gefällt das. Und so schaue ich einem Riera (falls er es denn wirklich wird) freudig und gespannt entgegen.

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Avatar Der User hat SGE4EVER.de mit mind. 25 € finanziell unterstützt, als es um den großen Relaunch 2024 ging. 3. Boris 29. Januar 26, 17:33 Uhr

Zumindest hat er Feuer und ist sicherlich nicht "zu nett". 😄🔥👺 Er hat also das, was man an Dino vermisst hat, der ist ja mehr so ein totaler Erklärbär, immer diplomatisch, zurückhaltend in seinen Aussagen und höchstens ein bisschen passiv-aggressiv, jedenfalls alles andere als mitreißend.

Riera traut man schon zu, das Feuer bei der Eintracht wieder zu entfachen. Zudem ist er best buddy mit den hoch anerkannten Fußbalwissenschaftlern Guardiola und Arteta. Wenn er auch so einen dominanten Fußball spielen lassen will und das auch umsetzen kann, dann wäre das eine große Freude für die in letzter Zeit oftmals geschundene Eintracht-Seele. Einer der Liga und Pokal kann und richtig ehrgeizig ist, den es richtig anpisst zu verlieren, ist mir allemal lieber als einer, der sich mit dem Minimalziel zufrieden gibt, wie man oft bei Dino den Eindruck hatte. Nach einem 4:1 hat mich bei Dino immer schon angekotzt, wenn er sowas als "fast perfektes Spiel" bezeichnet hat, selbst wenn die 4 Tore beinahe die einzigen Chancen waren und es ohne 3 Geniestreiche vom Omar, Eki & Co. nur ein Unentschieden geworden wäre. Das kann ja nicht der spielerische Anspruch sein, ein "fast perfektes Spiel" wäre ein 4:0, bei dem man von 30 eigenen Chancen eben hätte noch mehr verwandeln können, um den Sieg früher klar zu machen, um etwas für das Torverhältnis und fürs Selbstvertrauen zu tun. Bei einem Spiel, das nicht mal zu Null war, von einem "fast perfekten Spiel" zu sprechen, das empfinde ich als blasphemische Selbstüberschätzung und ich hoffe, der neue Trainer hat da andere Ansprüche.

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