Die Sorgen rund um das Spiel gegen RB Leipzig wurden nicht bestätigt - alles blieb friedlich.
Die Sorgen rund um das Spiel gegen RB Leipzig wurden nicht bestätigt – alles blieb friedlich.

Die Bedenken und die Angst der Polizei vor Fan-Ausschreitungen waren vor dem Spiel der Eintracht in Leipzig groß. Die Leipziger Polizei stufte die Partie am Samstagabend in die höchste Sicherheitsstufe ein und rief die Begegnung als Risikospiel aus. Neben der bundesligaweit fast schon üblichen Abneigung gegen das Konstrukt aus der größten Stadt Sachsens, stellte für die Staatsmacht besonders die Freundschaft zwischen den Ultras der Eintracht und den Fans von Chemie Leipzig ein besonderes Risiko dar. Die „Chemiker“ hatten sich bereits im Vorfeld der Partie als Unterstützer der SGE angekündigt. Dieser Zusammenschluss, so die Befürchtung, könnte die Fans des anderen Leipziger Traditionsvereins, des 1. FC Lokomotive Leipzig, auf den Plan rufen. Durch den größten Polizeieinsatz in dieser Saison sollte solchen Horrorszenarien von Beginn unterbunden werden.

„Wir stellen uns darauf ein, dass es im Vorfeld zu Provokationen und Reibereien kommen könnte. Wir werden alle Konfrontationen im Keim ersticken“, kündigte Alexander Bertram, der Polizeisprecher der Leipziger Polizei, bereits Tage zuvor an. Auch von Seiten der Eintracht-Verantwortlichen wurde in Person von Vorstandsmitglied Axel Hellman schon in der Woche vor der Partie zur Besonnenheit aufgerufen. „Lasst uns die Mannschaft lautstark unterstützen und das Spiel für uns entscheiden. Geschmacklose Schmähungen oder Pyrotechnik werden uns da keinen Vorteil bringen“, so der 45-Jährige im Interview mit der „Frankfurter Allgemeine Zeitung“.

Doch all diese Bedenken waren unberechtigt. Die Eintracht-Fanszene traf sich bereits mittags auf dem Marktplatz in der Innenstadt und versammelte sich dort, um ihre Mannschaft weit vor dem Anpfiff friedlich zu unterstützen. Desöfteren erklangen Gesänge und Sprechchöre, Anzeichen von Gefahr oder Gewalt waren nicht zu vernehmen. Der ungefähr zwei Kilometer lange Weg zum Stadion wurde ebenfalls ohne Komplikationen bestritten. Hellmann lobte die Anhänger nach dem Spiel: „Es wurde geschrieben, dass es überall krachen und brennen könnte. Ich war selber da und es war alles ruhig und friedlich. Ich fand auch unsere Protestkultur war ausgesprochen angemessen. Das ist mir ein Anliegen, weil wir immer sehr schnell am Pranger sind.“ Im Stadion habe er bis auf die üblichen Schmähgesänge auch Humor vernommen und sprach damit auf einen Banner im Gästeblock, auf dem „Frankfurter Weg: Heroin statt Taurin“ zu lesen war, an. „Zum Schmunzeln“ sei dies gewesen, sagte der 45-Jährige und verwies auf den Hintergrund der kontrollierten Abgabe des Heroin-Ersatzstoffes Diamorphin in Frankfurt. Auch die Sicherheitsbehörden hätten laut Hellmann nichts Gravierendes auszusetzen gehabt: „Die Polizei hat mir gesagt, dass sie überrascht war, wie es abgelaufen ist. Es gab keine größeren Vorfälle zu berichten.“ Polizeisprecher Bertram bestätigte die Aussagen des Eintracht-Vorstandsmitglieds. Insgesamt sei es ein friedliches Gastspiel der Eintracht bei RB gewesen.

Dabei hätte das Frustpotenzial bei den Frankfurter Anhängern nicht nur aufgrund der sportlichen Pleite sehr hoch sein können, auch die Bedingungen rund um das WM-Stadion von 2006 waren nicht wirklich bundesligatauglich. Ein großer Teil des Anhangs kam zeitgleich an, dennoch wurden nicht alle der sechs installierten Drehkreuze in Betrieb genommen. Die Folge: Der Druck und das Geschiebe vor dem Einlass nahm einige Male bedenkliche Züge an. Die Wege rund um das Stadion ließen ebenfalls einige Wünsche offen. Die Verletzungsgefahr war hier durch fehlenden Winterdienst äußerst hoch, die Gehwege teilweise gefroren. Auch die sanitäre Situation im Gästeblock ließ noch gehörig Spielraum nach oben, denn es gab viel zu wenige Toiletten für einen ausverkauften Gästesektor. Im Gegensatz zum Sportlichen präsentierte sich der reiche Klub aus Ostdeutschland hier noch nicht erstklassig. Aus Fankreisen war zu vernehmen, dass sich Anhänger auf offiziellen Wegen über die Bedingungen in Leipzig beschweren wollen – und auch dies auf ganz friedliche Art und Weise angehen werden.

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13 Kommentare

  1. Bin stolz auf unsere Fans, dass sie sich trotz der bewussten Provokationen der Unterabteilung Leipzig von RB Salzburg besonnen verhalten haben. Mit bewussten Provokationen seitens der Unterabteilung meine ich die mit Absicht reduzierte Anzahl an Toiletten, die mit Absicht nicht geöffneten Drehkreuze und und und …. Hoffe das der DFB auch bei einem österreichischen Verein die gleichen Maßstäbe anlegt wie bei einem deutschen Verein und diese bewussten Provokationen ahndet.

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  2. 100% Zustimmung. Ergänzen möchte ich noch: Nachdem ich vor dem Spiel noch locker-flockig vom Haupteingang zum Gästeblock gelaufen war, wurde dieser Weg nach dem Spiel von der Polizei gesperrt. Ich musste 1 x durch ganz Leipzig laufen, um meine Freunde wiederzutreffen 🙁

    Einzig positiv möchte ich anmerken: Wie beim Waldstadion ist das neue Stadion schön in das alte Zentralstadion eingebaut worden. Die alten Tribünenaufgänge waren noch gut zu erkennen – Stolperfallen inklusive 😉

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  3. Da ich selber vor Ort war ein kurzes Statemant:
    Einen offiziellen Busparkplatz für Gästefans scheint es beim Brauseclub nicht zu geben. Wir wurden alle in ca. 1,5 – 2 Kilometer vor dem Stadion auf der gegenüberliegenden Flussseite entlang der Straße aus den Bussen gelassen und mussten dann den restlichen Weg zu Fuß über einen schmalen und stellenweise total vereisten Zugangsweg/Straße zum Stadion laufen.
    Die Wegstrecke war zumutbar und nicht länger als die Wege in Frankfurt z.B. von der Mörfelder Landstr – über die Einlasskontrolle Haupteingang – durch den Wald zum „Rund“.
    Es gab mehrere Personen die ausgerutscht oder fast ausgerutscht sind.
    Dann kam der grotten schlecht organisierte Einlass mit besagten Drehkreuzen.
    Vor dem Zugang standen schätzungsweise 1000 Personen die durch das Nadelöhr mussten.
    Der Abfluss gestaltete sich zunächst gar nicht und dann sehr zähflüssig.
    Die Kartenlesegeräte zur Bedinung der Drehkreuze funktionierten wie eine „Fußgängerampel“ (geht – geht nicht), was zu erheblichen Aufstauungen geführt hat.
    Weder der Ordnungsdienst noch die Polizei hat hierauf reagiert, trotz sich steigerndem Unmut der Gästefans.
    Wir standen ca. 40 – 50 Minuten in der Traube von Menschen und zu allem Übel begannen dann noch hirnlose Fans von uns das „lustige“ Spiel: erst nach vorne – dann zurück………was natürlich besonders bei älteren Gästen und Gästen mit Kindern zu einer latenten Gefahr führte.
    Anzumerken ist auch, dass direkt vor den Zugangsdrehkreuzen noch mal zwei Reihen „Wellenbrecher“ (Stahlrohrabsperrungen) instaliert sind, die man im Gewühl nicht sehen konnte, gegen die aber die Fans, die sich kurz vor dem Ziel wähnten, gegengedrückt wurden.
    Endlich im Stadion eingelassen, war es sicher für jeden gehbehinderten Gast eine Tortour, denn es mussten viele, viele Treppen genommen werden um oben auf dem Stadionplato anzukommen.
    Die Situation um die WC-Anlagen war dann gleichfalls unangemessen.
    Im Bereich des Unterrangs befand sich erst gar keine Toilette die man hätte aufmachen können.
    Somit mussten alle Gäste, auch die evtl. Gehbehinderten, noch eine lange Treppe erklimmen um im Oberrang die sanitäre Anlage aufzusuchen.
    Letzte Kritik ist die, dass es eigentlich ab Blockzugang keinen Ordner oder andere Offizielle interessiert hat, ob der oder diejenige in den Block gemäß Eintrittskarte gehört hat oder nicht, was dazu geführt hat, dass die unteren 16 Reihen (geschätzt) durch Ultras, Nordwestkurve und Andere vermeintliche „Hardcore-Fans“ besetzt wurden ohne Rücksicht auf Platzberechtigung oder nicht.
    Dies führte auch bei älteren Gästen und Gästen mit Kindern etc. …zu Verärgernis.
    Mein Fazit: Mehr Schein als Sein….ein WM-Stadion und ein bundesligataugliches Stadion, stelle ich mir anders vor.
    Es lebe das Waldstadion……ForzaSGE

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  4. Super Beitrag zum vergangen Spiel!
    Es muss noch öfter öffentlich angesprochen werden, dass die Situation bei den Einlasskontrollen mittlerweile bei vielen Spielen (Beispiele hierfür allein diese Saison Bremen, Wolfsburg, Leipzig) katastrophal sind. Ich kann dazu nur sagen, aus der Loveparade in Duisburg nichts gelernt!!! Aber Hauptsache immer engere Eingänge und immer intensivere Kontrollen, aber am Personal dafür sparen! Es muss leider immer erst was schlimmeres passieren bis sich wieder was ändert!

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  5. Für die Probleme im Stadion kann ich mich als Leipziger nur entschuldigen. Das Stadion in seiner jetzigen Form ist als WM-Stadion und nicht als Vereins-Stadion konzipiert. Überall im Stadion gibt es die Probleme beim Einlass und die fehlenden Toiletten sowie teilweise zuwenige Imbissbuden sind eklatant.
    Da RBL das Stadion kaufen wird und sie es auf bis zu 57.000 Plätze aufstocken wollen, werden hoffentlich einige Probleme beseitigt, die, das muss man auch sagen, alle Fans im Stadion betreffen. Das Stadion ist für solch einen Dauerbetrieb, wie es jetzt genutzt wird, nicht gemacht.

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  6. Auch wieder klasse bei Sky vor, während und nach der Übertragung: Kein Wort, kein Bild, kein Kameraschwenk zu den SGE-Fans; das ist lächerlich!

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  7. Ganz ehrlich, die angesprochene Einlass Situation (vereister Gehweg und Treppen, zu wenig funktionierende Drehkreuze) waren schon mehr als eine Zumutung.

    Hier werde auch ich (wie im Artikel beschrieben) dem Gastgebenden „Verein“ eine Nachricht zukommen lassen.

    Habe vor Ort mit der Fanbetreuung gesprochen. Die meinten, sie hätten im Vorfeld mehrmals mit Leipzig Kontakt aufgenommen und um mehr Eingänge gebeten – erfolglos.
    Der Fanbetreuung sind da die Hände gebunden.

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  8. Ich war nicht da und muss mich auf Eure Eindrücke verlassen. ABER: Wir sollten mal gaaaanz still sein. Seit der WM haben die Bahn und die Ordner weder die Anreise, noch die Abreise aber eben auch die Einlasssituation auch nur irgendwie bundesligawürdig gestaltet! Regelmäßig schäme ich mich in der Traube vor der Wintersporthalle vor den Gästefans für die Situation. Wie lange ist eigentlich die halbe Leuchtreklame der Commerzbank über dem rechten Eingang der Wintersporthalle schon kaputt? Nicht dass ich sie brauche oder im Waldstadion an die Commerzbank erinnert werden will, aber dieser Zustand wirkt schon vor dem Betreten des Stadions äußerst schäbig. Toiletten bei den Stehblöcken? Auch zu wenig! Immerhin ist die Rinne vor 1,5 Jahren dazugekommen. Ach und wie wäre es mit Auslasskarten wie beim FSV? Bei uns im Stehblock sind bei Topspielen locker 30% mehr da drin. Selbst die Treppenaufgänge sind völlig zugestellt. Also wir sollten wirklich erstmal bei uns für würdige Bedingungen sorgen. Ich will ja keinen 5 min Einlass, aber obwohl ich seit einem halben Jahr extra eine Bahn früher nehme, verpasse ich regelmäßig den Anpfiff.

    Gruß SCOPE

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  9. Es gibt sicherlich noch mehr kritikfähige Stadien mit ihren individuellen Widrigkeiten.
    Jetzt jedoch, geht es um Leipzig und nicht(!) um Frankfurt.
    Dies sollte der Sachlichkeit geschuldet bleiben.

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  10. Es sind aber genau die Punkte (bis auf die Leuchtreklame) die man in Leipzig kritisiert und für nicht erstklassisch hält. Wenn man es selbst nicht besser macht ist das schon auch fragwürdige Kritik.

    Gruß SCOPE

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  11. Da wir Fans weder Stadionbetreiber, noch Besitzer sind oder auch nur in irgend anderer Funktion um Sicherheit & Logistik stehen, dürfen wir sehr wohl berechtigte Kritik äußern und in diesem Fall selbstredend nur diejenigen, die in Leipzig anwesend waren.
    Aus Deinem ersten Satz in #9 entnehme ich, dass Dich dies nicht betrifft.
    Wenn mal das Thema Waldstadion aufgemacht wird, können wir gerne auch darüber kritisieren und fachsimpeln.

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  12. Gerne, wir sollten das sogar zum Thema machen. Denn die Stadionmiete ist auch nicht bundesligatauglich, sondern spielt in der Championsleague. Die gebotene Leistung jedoch nicht.

    Gruß SCOPE

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