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Foto: IMAGO / Jan Huebner

Roth über die Eintracht: „Die besten Botschafter, die wir haben“

Petra Roth und Eintracht Frankfurt – das ist eine Verbindung, die weit über ihre Zeit als Oberbürgermeisterin der Mainmetropole hinausgeht. Von 1995 bis 2012 stand die heute 82-Jährige an der Spitze der Stadt, die Eintracht begleitete sie aber bereits lange vorher. Im Interview auf „eintracht.de“ blickte Roth nun auf wilde Zeiten rund um die „Diva vom Main“, besondere Begegnungen mit ehemaligen Spielern und die enorme Entwicklung der SGE in den vergangenen Jahren zurück. Dabei machte die ehemalige Oberbürgermeisterin deutlich, welche Bedeutung die Eintracht aus ihrer Sicht längst für die gesamte Stadt besitzt.

Von Hölzenbein bis zum Tanz mit Fjørtoft

Roths Verbindung zur Eintracht entstand nicht erst während ihrer Amtszeit als Oberbürgermeisterin. Schon zuvor besuchte sie regelmäßig die Spiele der SGE und traf anschließend auch immer wieder Frankfurter Profis im Nachtleben der Stadt. Bernd Hölzenbein oder Bernd Nickel gehörten ebenso dazu wie später Uli Stein.

Roth: „Wenn man danach abends unterwegs war, traf man in der Frankfurter Szene viele Eintracht-Spieler.“ Daraus entstanden über die Jahre einige Geschichten, an die sie sich bis heute erinnert.

Einen ganz besonderen Eintracht-Moment erlebte Roth beim legendären Saisonfinale 1999. Die SGE benötigte gegen den 1. FC Kaiserslautern einen hohen Sieg, um den Abstieg noch abzuwenden. Das 5:1 und vor allem Jan Åge Fjørtofts berühmter Übersteiger vor dem letzten Treffer gehören bis heute zur Vereinsgeschichte.

Auch für Roth war dieser Nachmittag außergewöhnlich: „In diesem Moment habe ich mit der Eintracht selbst einen solchen Glücksmoment erlebt, wie ich ihn, wenn ich selbst Sport getrieben habe, nie erlebt habe.“ Das Gemeinschaftsgefühl sei überwältigend und „Faszination pur“ gewesen. Anschließend tanzte Fjørtoft sogar mit der damaligen Oberbürgermeisterin im Block.

Roth lobt heutige Eintracht-Führung

Allerdings waren längst nicht alle Jahre der Eintracht von solchen Glücksmomenten geprägt. Roth erinnert sich auch an eine Zeit, in der es keineswegs selbstverständlich oder gar angesagt gewesen sei, sich öffentlich als Eintracht-Fan zu präsentieren. Der Begriff der „Diva vom Main“ kam schließlich nicht von ungefähr.

Finanzielle Schwierigkeiten, sportliche Abstürze und der Fast-Lizenzentzug prägten zeitweise das Bild des Klubs. Diese Wahrnehmung habe sich inzwischen grundlegend verändert. Roth führt das einerseits auf einen gesellschaftlich größeren Stellenwert des Fantums zurück, andererseits aber auch auf die Entwicklung der Eintracht selbst.

Vor allem die Verantwortlichen bekommen von der ehemaligen Oberbürgermeisterin viel Lob. Roth: „Die Führung, sowohl bei der Fußball AG als auch beim Verein, macht eine sehr gute Arbeit.“

Explizit hebt sie dabei Sportvorstand Markus Krösche hervor, den sie als „sehr geschäftstüchtigen Manager“ bezeichnet. Gute Fußballer für einen Verein zu gewinnen, sei schließlich ein Wettbewerb, den Roth mit ihrer politischen Erfahrung sogar mit Kunst und Kultur vergleicht. Vereine müssten Spieler von ihrem eigenen Weg überzeugen und gleichzeitig auf dem Transfermarkt die richtigen Entscheidungen treffen. Ihr Urteil über Krösche fällt eindeutig aus: „Markus Krösche gelingt das hervorragend.“

Eintracht als Botschafterin für Frankfurt

Besonders interessant ist Roths Blick auf die Bedeutung der Eintracht für Frankfurt selbst. Während ihrer politischen Karriere habe sie gelernt, welchen Einfluss ein erfolgreicher Profiklub auf die Wahrnehmung einer ganzen Stadt haben könne.

Roth: „Wir dürfen nicht unterschätzen, welche Bedeutung ein Erstligaverein für das Image der Politik der Stadt in der Region und dann auch für Deutschland hat.“ Der Fußball wirke weit über den eigentlichen Sport hinaus. „Die besten Botschafter sind die Sportler, die wir haben.“

Entsprechend intensiv hat Roth auch nach dem Ende ihrer Amtszeit verfolgt, wie sich die Eintracht sportlich und gesellschaftlich entwickelt hat. Gerade der Aufschwung der vergangenen rund zehn Jahre beeindruckt sie. Aus einer Mannschaft, die 2016 erst in der Relegation den Bundesliga-Klassenerhalt sicherte, entwickelte sich ein regelmäßiger Europapokalteilnehmer und schließlich Europa-League-Sieger.

Für Roth ist dabei nicht allein der sportliche Erfolg entscheidend. Die Eintracht habe inzwischen einen Stellenwert erreicht, der Generationen miteinander verbinde und gerade für Kinder identitätsstiftend sein könne. Als Beispiel nennt sie ihren sechsjährigen Enkel, der schon vor dem Lesenlernen wusste, welche Spieler für die SGE auflaufen und in welchen Ländern die Mannschaft spielt.

Darin sieht Roth sogar einen gesellschaftlichen Mehrwert: „Da ist ein ganz hoher Bildungsfaktor drin.“ Gerade in einer internationalen Gesellschaft könne der Fußball Verbindungen schaffen. „Das hat der Fußball und die Eintracht in der Region erreicht in den vergangenen zehn Jahren.“

Körbel kam mit: „Frau Roth, wir müssen was machen“

Eine besondere Rolle in Roths Eintracht-Geschichte spielt Karl-Heinz „Charly“ Körbel. Den Bundesliga-Rekordspieler und heutigen Leiter der Eintracht Frankfurt Fußballschule kennt die frühere Oberbürgermeisterin bereits seit Jahrzehnten.

Schon als Roth noch Vorsitzende des Sportausschusses im Hessischen Landtag war, suchte Körbel den Kontakt. An seinen damaligen Einstieg erinnert sie sich noch genau: „Frau Roth, wir müssen was machen.“

Diese Haltung sei typisch für Körbel gewesen. Roth beschreibt ihn als kreativen Menschen, der stets versucht habe, die Eintracht mit der Stadt zu verbinden und dabei neben dem Sport auch die gesellschaftliche Verantwortung des Vereins im Blick gehabt habe. Besonders die Nachwuchsarbeit sei ihm schon immer ein Anliegen gewesen.

Roth: „Er ist sehr kreativ, möchte immer den Verein mit der Stadt Frankfurt verbinden, denkt immer an Sportförderung und soziale Möglichkeiten.“ Die seit inzwischen 25 Jahren bestehende Fußballschule sei dafür ein gutes Beispiel. Dass Körbel für sein Engagement mehrfach von der Stadt ausgezeichnet wurde und Frankfurt auch auf internationalen Reisen begleitete, sei daher kein Zufall. Für Roth steht fest: „Er ist eine ganz große Persönlichkeit.“

Inzwischen schließt sich für die Familie Roth sogar ein kleiner Kreis: Ihr sechsjähriger Enkel soll in den Herbstferien erstmals an einem Camp der Eintracht Frankfurt Fußballschule teilnehmen.

„Wir haben unheimliche Frauenpower im Fußball“

Eng verbunden ist Roth auch mit der Entwicklung des Frauenfußballs in Frankfurt. Schon früh habe sie sich für die Förderung von Mädchen im Fußball eingesetzt. Einen Höhepunkt stellte die Weltmeisterschaft 2011 dar, bei der Frankfurt zu den Austragungsorten gehörte.

Roth erinnert daran, welchen Stellenwert Frankfurt damals im deutschen Frauenfußball hatte. Zahlreiche Nationalspielerinnen kamen aus der Stadt beziehungsweise spielten hier, mit Steffi Jones stand zudem eine Frankfurterin an der Spitze des Organisationskomitees der Heim-WM.

Roth: „Dass wir 2011 eine so hervorragende Frauenfußball-WM als Stadt Frankfurt ausgerichtet haben, ist ein Beweis, was unsere Frauen können.“ Ihre Einschätzung habe sich bis heute nicht verändert: „Wir haben unheimliche Frauenpower im Fußball.“

Dass inzwischen auch der Frauenfußball unter dem Dach von Eintracht Frankfurt beheimatet ist, fügt sich für die ehemalige Oberbürgermeisterin entsprechend in die Entwicklung des Gesamtvereins ein.

Lebenslang mit der Eintracht verbunden

Auch nach dem Ende ihrer politischen Karriere ist Roth der SGE eng verbunden geblieben. Zu ihrem 80. Geburtstag schenkte ihr der Verein eine lebenslange Mitgliedschaft.

Dass diese Verbindung für sie mehr als reine Fußballbegeisterung bedeutet, wird deutlich, wenn Roth über die Werte des Vereins spricht. Sie lobt vor allem, wie die Eintracht die Grundgedanken des Sports verkörpere.

„Diese Fairness, dieses Wiederaufstehen, dieses Kämpfen und doch Rücksicht zu nehmen auf das Individuum – das praktiziert die Eintracht als Verein ganz großartig“, erklärte die ehemalige Oberbürgermeisterin. Für sie sei diese Haltung keineswegs neu. Auch während ihrer Amtszeit habe sie immer wieder erlebt, wie eng Verein und Stadt miteinander verbunden waren.

Roth sieht Frankfurt und die Eintracht deshalb bis heute als Partner. Der Klub transportiere nicht nur den Namen der Stadt weit über die Grenzen Hessens hinaus, sondern stehe gleichzeitig für sportliche und gesellschaftliche Werte. Die Eintracht sei ein „wunderbarer Werbeträger“ für Frankfurt.

Und bei aller politischen und gesellschaftlichen Einordnung bleibt Roth am Ende natürlich auch Fan. Auf die Frage nach ihrem Tipp für das kommende Heimspiel gegen den SC Freiburg musste die ehemalige Oberbürgermeisterin deshalb nicht lange überlegen.

Roth: „Mein Herz schlägt für die Eintracht, wir holen drei Punkte!“

3 Kommentare

Fallback Avatar 1. pit3157 19. September 26, 13:50 Uhr

ich hoffe das diese tolle frau recht hat
nur
die SGE

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Fallback Avatar 2. copperhead02 19. September 26, 14:13 Uhr

tolle Frau, hat sich immer extrem für uns Muslime in Frankfurt engagiert!

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Fallback Avatar 3. frankfurter jung 19. September 26, 14:27 Uhr

Stimmt, Frau Roth.
Da kann die Politik nicht mithalten.

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