Jetzt könnte alles ganz schnell gehen: Joti Chatzialexiou soll der neue Sportvorstand bei der Frankfurter Eintracht werden und damit die Nachfolge von Markus Krösche antreten. Selbst der Vertrag soll schon unterschrieben worden sein. Das berichten verschiedene Medien übereinstimmend. Eine offizielle Verkündung steht allerdings noch aus. Dennoch lohnt sich bereits jetzt ein genauer Blick auf den Werdegang des gebürtigen Frankfurters.
Panagiotis „Joti“ Chatzialexiou kam 1976 in Frankfurt zur Welt und wuchs im Stadtteil Sachsenhausen auf. Über seine aktive Spielerkarriere ist nicht allzu viel bekannt. Als Mittelfeldspieler lief er für verschiedene Klubs in seiner Heimatstadt auf. Unter anderem für den VfL Germania 1894 Frankfurt. 2001 startete er schließlich seine Trainerkarriere im Nachwuchs der SGE. Dort coachte er bis 2009 verschiedene Jugend-Mannschaften. Gleichzeitig arbeitete der UEFA-A-Lizenz-Inhaber nach seinem Studium der Sportwissenschaften aber auch ab 2003 in der Geschäftsstelle des Deutschen-Fußball-Bundes. Dort legte er eine steile Karriere hin, wenn auch nie im Rampenlicht. Von 2006 bis 2011 war er Teammanager der U21-Nationalmannschaft. Anschließend arbeitete der Deutsch-Grieche sechs Jahre als Nachwuchskoordinator. Zum Jahresbeginn 2018 folgte die Beförderung zum Sportlichen Leiter Nationalmannschaften. In dieser Funktion war Chatzialexiou unter anderem für die Ausbildung der Trainer, das Scouting und die Ausrichtung der Akademie zuständig. „Die Gier, Tore zu erzielen, diese absolute Überzeugung. Das sind Stellschrauben, die wir drehen müssen und die wir in unseren Trainingsformen bei den Nationalmannschaften einbauen“, sagte er einst in einem DFB-Interview. „Wir wollen unsere Spieler individualisiert entwickeln, sie auf die Anforderungen auf höchstem Niveau vorbereiten.“ Zum Jahresende 2023 verließ er nach 20 Jahren den DFB.
Mit Daten-Scouting zu Millionen-Verkäufen
Rund ein halbes Jahr später heuerte der zweifache Familienvater als neuer Sportvorstand beim FC Nürnberg an. „Wir werden unsere DNA behalten. Wir wollen weiter auf junge Spieler setzen, gerade auch aus dem eigenen Nachwuchs“, bemerkte Chatzialexiou bei Amtsantritt. Eine seiner ersten Amtshandlungen war die Verpflichtung von Miroslav Klose als neuen Cheftrainer. Die beiden kannten sich bereits aus gemeinsamen Tagen beim DFB. Tabellarisch entwickelte sich der Club unter seiner Führung stetig weiter. In der ersten Saison landeten die Nordbayern auf Rang zehn. Ein Jahr später beendete man die Spielzeit auf dem achten Platz. Damit brachte er den Verein in ruhiges Fahrwasser, denn in den Jahren zuvor fand sich der Traditionsklub oft eher im unteren Tabellendrittel wieder. In der aktuellen Spielzeit mischt der Verein erstmals seit Jahren wieder bei den Aufstiegsplätzen mit. Nach neun Spielen und 18 Punkten steht man aktuell auf dem zweiten Tabellenplatz.
Darüber hinaus machte der gebürtige Frankfurter mit beeindruckenden Ablösesummen für einen Zweitligisten auf sich aufmerksam. Mit Stefanos Tzimas (26,5 Millionen, Brighton), Can Uzun (13 Millionen, Eintracht Frankfurt), Caspar Jander (12 Millionen Euro, Southampton) und Finn Jeltsch (9,5 Millionen, VfB Stuttgart) fallen vier der fünf teuersten Verkäufe in der Vereinsgeschichte in seine Zeit als Funktionär beim FCN. Bei Mohamed Alì Zoma winkt auch schon der nächste Millionen-Gewinn. Der Angreifer kam vor rund einem Jahr für 1,5 Millionen Euro Ablöse aus der dritten italienischen Liga. Inzwischen ist er italienischer Nationalspieler und wird bei „transfermarkt.de“ mit 20 Millionen gelistet. Beim Zweitligisten soll Chatzialexiou laut der „hessenschau“ ein modernes, stark auf datenbasiertes Scouting-Modell eingeführt haben. Allerdings spiele bei Transfers für ihn auch immer der Charakter des Spielers eine große Rolle. Die Kabinendynamik sei sehr wichtig.
Eintracht will stärkeren Fokus auf dem deutschen Markt
Nun deutet einiges daraufhin, dass der 50-Jährige bei Eintracht Frankfurt die großen Fußspuren von Markus Krösche ausfüllen wird. Betrachtet man sich seinen bisherigen Lebenslauf und die geplante Ausrichtung der SGE, wird schnell klar, warum er der Wunschkandidat vom Vorstandsvorsitzendem Axel Hellmann und Präsident Mathias Beck sein soll. „Fertige Spieler mit europäischer Qualität werden wir uns nie bis zum 18. Kaderplatz leisten, sondern wir werden immer auf junge Kräfte setzen. Wir werden unseren Fokus stärker auf den deutschen Markt richten“, hatten beide auf der letzten Mitgliederversammlung angekündigt. Trotzdem wolle man auch weiterhin internationale Talente an den Main lotsen. Chatzialexiou ist ein echter Fachmann, was die Jugendarbeit angeht. Dazu ist er durch seine Zeit beim DFB in ganz Deutschland gut vernetzt und verfügt auch über große Erfahrung im Frauenfußball. Auch seine datenbasierte Scouting-Philosophie scheint zum Frankfurter Weg zu passen und könnte dafür sorgen, dass man internationale Talente entdeckt, die nicht bereits auf jedem Zettel der europäischen Top-Klubs stehen. Exempel dafür finden sich im Nürnberger Kader, mit beispielsweise Zoma und Markhiev, einige.
Auf der anderen Seite buhlt die SGE hier auch um die Dienste eines recht unerfahrenen Sportvorstands. So arbeitet der Funktionär erst seit zwei Jahren an vorderster Front im Vereinsfußball. Darüber hinaus darf auch der große Schritt aus der zweiten Liga von Nürnberg zur Eintracht nicht unterschätzt werden. Dennoch scheinen die Verantwortlichen der SGE von ihm überzeugt zu sein. Laut der „Bild“ soll man ihn bereits seit einigen Monaten für einen vorzeitigen Krösche-Abschied im Auge gehabt haben. Sicherlich auch aufgrund seines riesigen Frankfurt- und Eintracht-Bezugs, der auch bei den Fans für Identifikation sorgen könnte. Letztendlich scheint es nur noch um die Frage zu gehen, wann der Funktionär letztendlich am Main aufschlagen wird. So oder so wäre für Joti Chatzialexiou ein Engagement bei der Diva vom Main sicherlich ein Kreis, der sich schließen würde.






Ein Kommentar
Ich finde es nicht so leicht, seine Arbeit zu beurteilen.
Nürnberg hat in den letzten Jahren durchaus viele Spieler herausgebracht und für viel Geld verkauft. Das spricht für ein gutes Näschen und gutes Scouting.
Gleichzeitig gehört Nürnberg seit Jahren zu den Teams mit dem höchsten MW und Budget, hatten aber selten wirklich etwas mit dem Aufstieg zu tun.
Da stellt sich dann die Frage, ob der Kader eventuell nicht ideal zusammengestellt war.
Was mich aber persönlich sehr freut, ist, dass wieder mehr Menschen mit Bezug zu Frankfurt oder zumindest der Region haben.
Von einem Spieler aus dem Ausland oder auch anderen Teilen Deutschlands erwarte ich nicht, dass er plötzlich denkt - Frankfurt, das ist was ganz besonders, hier identifiziere ich mich ganz besonders mit Verein, Fans und Stadt.
Das kann über die Zeit kommen, wie bei Abraham, Meier oder Hasebe.
Aber wenn jemand seine Kindheit in Frankfurt oder Hessen verbracht hat und was mir Fußball zu tun hat, wird er von Anfang an eine andere Verbindung zum Verein haben.
Und mit Jonny, Younes und Joti haben wir jetzt in den letzten drei Jahren genau solche Personen wieder in den Verein geholt.
Und das finde ich einfach schön.
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