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Albert Riera mit Mittelfeldmann Oscar Hojlund. Foto: IMAGO / Jan Huebner

Mehr Kontrolle, weniger Chaos – aber zu wenig Gefahr

Das 1:1 der Frankfurter Eintracht beim 1. FC Union Berlin war kein spielerisches Feuerwerk, aber ein erster, wichtiger Schritt. Im ersten Spiel unter dem neuen Trainer Albert Riera präsentierte sich Eintracht Frankfurt deutlich stabiler, strukturierter und kontrollierter als zuletzt. Der ganz große Durchbruch blieb zwar aus, doch der Auftritt bot erstmals seit Wochen eine Grundlage, auf der sich aufbauen lässt.

Riera entschied sich auf dem Spielberichtsbogen für eine Viererkette – ein klares Signal der Abkehr von der zuletzt oft genutzten Fünferkette. Im Spiel mit Ball zeigte sich jedoch schnell eine flexible Auslegung: Linksverteidiger Nathaniel Brown schob sehr weit nach vorne, wodurch sich die letzte Linie situativ zu einer Dreierkette veränderte. Ziel war es, mehr Tiefe ins Spiel zu bringen und zusätzliche Anspielstationen in der Offensive zu schaffen. Bei gegnerischem Ballbesitz fiel die Eintracht konsequent in die Viererkette zurück. Diese klare Rollenverteilung wirkte insgesamt sauberer abgestimmt als in den vergangenen Wochen.

Viel Ballbesitz, aber wenig Raumgewinn

Die Eintracht hatte über weite Strecken viel Ballbesitz und ließ diesen deutlich sicherer durch die eigenen Reihen laufen. Die Passstaffetten wirkten ruhiger, überlegter und gaben der Mannschaft sichtbar Sicherheit. Der Plan war klar: Union Berlin müde spielen, Lücken provozieren, Geduld bewahren. Die Berliner, die wie erwartet extrem griffig und gallig waren, ließen sich davon jedoch kaum beeindrucken. Zwar bestimmte Frankfurt das Spieltempo, doch echter Raumgewinn blieb lange aus. Spätestens ab etwa der 35. Minute verlor die SGE etwas die Kontrolle, auch weil Bälle nun häufiger unkontrolliert in die Spitze gespielt wurden. Diese Ballverluste ermöglichten es Union, selbst besser ins Spiel zu kommen.

Positiv hervorzuheben war das zentrale Mittelfeld – zuletzt häufig die größte Baustelle der Hessen. Hugo Larsson und Oscar Højlund zeigten über weite Strecken eine ordentliche Leistung. Die Abstände stimmten, zweite Bälle wurden häufiger gewonnen, und die Defensive erhielt spürbar mehr Schutz. Die Eintracht stand kompakter, ließ sich bei gegnerischen Angriffen nicht mehr so leicht auseinanderziehen und konnte Ballverluste meist schnell wieder korrigieren. Das war ein deutlicher Fortschritt im Vergleich zu den letzten Auftritten.

Mehr Präzision nach der Pause – und der verdiente Führungstreffer

Auch nach dem Seitenwechsel hatte Frankfurt viel Ballbesitz, agierte nun aber etwas präziser. Die Außen wurden besser eingebunden, suchten konsequenter die Tiefe und schoben die Mannschaft insgesamt weiter nach vorne. Die SGE kam nun zumindest phasenweise in gefährlichere Zonen. Das 1:0 war sinnbildlich für diese Phase – und für den neuen Willen: Eine Flanke über außen wurde zunächst geklärt, doch Nathaniel Brown blieb dran und drosch den geblockten Ball mit purer Entschlossenheit in die Maschen. Kein herausgespieltes Traumtor, aber eine echte Willensaktion.

Der alte Fehler – und ein haltbarer Elfmeter

Wie so oft in dieser Saison machte sich die Eintracht den möglichen Sieg jedoch selbst kaputt. Oscar Højlund beging ein unnötiges Foul im Strafraum und sah folgerichtig die Gelb-Rote Karte. Eine bittere Szene, die der SGE nicht nur den Ausgleich, sondern auch die personelle Unterzahl einbrachte. Der fällige Elfmeter wirkte dabei absolut haltbar. Kauã Santos war in der richtigen Ecke – und muss diesen Ball auf Bundesliga-Niveau eigentlich halten. So kam Union zurück ins Spiel. In den Schlussminuten agierte die Eintracht mit einem Mann weniger erneut zu hektisch. Statt Ruhe in den Ballbesitz zu bringen, ermöglichte man Union durch unnötige Ballverluste noch einige gefährliche Angriffsansätze. Immerhin: Die Mannschaft brach nicht auseinander, verteidigte die letzten Minuten mit Einsatz und hielt das Unentschieden fest.

Fazit

Das 1:1 in Berlin war kein Befreiungsschlag, aber ein wichtiger Stabilisierungsschritt. Die Eintracht wirkte strukturierter, kompakter und mental gefestigter. Das zentrale Mittelfeld funktionierte besser, die Defensive stand solider, und die Mannschaft ließ sich nicht mehr bei jeder Aktion auseinanderziehen. Gleichzeitig bleibt viel Luft nach oben: Trotz hohem Ballbesitz fehlte der letzte Punch in der Offensive. Das Spiel nach vorne war oft zu langsam, zu umständlich und zu ungefährlich. Genau hier liegt die nächste Baustelle. Unter Albert Riera sind erste klare Ideen erkennbar. Nun geht es darum, diese Kontrolle auch in echte Torgefahr umzuwandeln – und endlich wieder Spiele über 90 Minuten konsequent zu Ende zu bringen.

Tor: K. Santos40
Abwehr: N. Brown21
Abwehr: R. Koch4
Abwehr: R. Kristensen13
Mittelfeld: F. Chaibi8
Mittelfeld: H. Larsson16
Mittelfeld: O. Hojlund6
Mittelfeld: R. Doan20
Sturm: M. Götze27
Sturm: A. Kalimuendo25
BANK
: M. Zetterer23
: A. Amenda5
: M. Dahoud18
: J. Bahoya19
: T. Chandler22
: K. Kosugi26
: A. Amaimouni-Echghouyab29
: L. Arrhov31
: N. Collins34
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12 Kommentare

Avatar Der User hat SGE4EVER.de mit mind. 25 € finanziell unterstützt, als es um den großen Relaunch 2024 ging. 1. Boris 09. Februar 26, 08:04 Uhr

Sehr treffend, gute Analyse.

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Fallback Avatar 2. Holz 09. Februar 26, 08:22 Uhr Zitat - Boris Sehr treffend, gute Analyse. Path

Schließe mich an. Alles nüchtern und sachlich aufbereitet und zusammengefasst von Florian.

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Fallback Avatar 3. Meintracht 09. Februar 26, 08:56 Uhr

Santos ist meiner Meinung nach bei weitem noch nicht bundesligageeignet. Fehler darf jeder MAL machen, aber nicht in dieser Häufigkeit und Art und Weise.

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Fallback Avatar 4. JayJayDany 09. Februar 26, 09:36 Uhr

Grundsätzlich ist die Analyse richtig und da gehe ich auch zum Großteil mit. Ein wenig fehlt mir aber auch der Hinweis, dass Union generell den wenigsten Ballbesitz in der Liga aufweist und sich aus diesem Grund auch größtenteils die Spielbeherrschung erklären lässt.
Immer noch ist allerdings das Spiel ohne Ball schlecht, sodass die Anspielstationen fehlen.
Das erklärt auch einige Risiko- oder Fehlpässe im Spiel von verschiedenen Akteuren (nicht nur der eine von Kaua), die auch ins Auge hätten gehen können. Gerade in den offensiven Halbpositionen, wird sich zu wenig angeboten.
Über den Elfer kann man diskutieren! Schön wäre gewesen, Rasmus verursacht ihn erst gar nicht, aber ich fand es maximal unglücklich für Kaua, das der Ball genau unter seiner Hüfte durchgeht. Ein wenig platzierter geschossen und ich bin sicher, er hätte ihn gehalten. Ein ähnliches Ding, hat glaube ich an diesem Spieltag der Mainzer Keeper kassiert, Neuer verursacht den SAP Ausgleich,... . Sieht alles beschissen aus, aber draufhauen hilft da niemandem.

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Fallback Avatar 5. Tony Yutani 09. Februar 26, 09:38 Uhr

Interessant fande ich auch, dass Brown nach der Einwechslung von Bahoya im Ballbesitz auf die linke 8 geschoben ist und von dieser Position aus auch das Tor erzielt hat.
Ich denke, das könnte man in Zukunft häufiger sehen und war vielversprechend.

Und Kaua Santos kann man viele Unsicherheiten etc. vorwerfen, aber ihm den Elfer als klaren Fehler anzukreiden ist doch Quatsch. Jeder der mal wirklich im Tor gespielt hat, kennt genau diesen Ball.
Den kannst du mit keinem Körperteil halten, wenn du erstmal in der Luft in Richtung Ecke bist.

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Avatar Der User hat SGE4EVER.de mit mind. 25 € finanziell unterstützt, als es um den großen Relaunch 2024 ging. 6. geripptes 09. Februar 26, 10:10 Uhr

Ich finde der Start ist durchaus positiv zu bewerten. Man hat einen Unterschied zu den vorherigen Spielen erkennen können. Weniger auf den TW gespielt, auch wenn Union auch net gerade hoch gepresst hat. Mehr sichere Passstafetten, wenn natürlich noch net mit der Wirkung nach vorne. Aber sind wir mal ehrlich, es war net zu erwarten das wir nach 5 Tagen mit neuem Trainer mit 6:0 zur Halbzeit führen. Denke auf den Start kann man aufbauen, ich bin positiv gestimmt.

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Avatar 7. Hooliganverachter 09. Februar 26, 10:17 Uhr

Ordentlich auf Gladbach vorbereiten und die auf Distanz halten. Sehr gerne mal mit weißer Weste!

Dann können wir uns darüber austauschen, ob Unterhosen verwettet oder Lederhosen ausgezogen werden.

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Fallback Avatar 8. g-block1978 09. Februar 26, 10:29 Uhr

Samstag muss ein Sieg her, ob schön oder dreckig erkämpft, wenn wir Manschaften die noch hinter uns stehen nicht schlagen, ist der Zug Europa abgefahren.
Und bitte lasst Santos aus dem Tor

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Fallback Avatar 9. dribbelgnom 09. Februar 26, 11:17 Uhr

Burkhard wäre schon enorm wichtig da vorne drin .
Kalimuendo als Alleinunterhalter kann es nicht schaffen .

Ich bin auch für einen Torwartwechsel - weniger weil Santos jetzt Böcke macht und Zetti deutlich stärker ist . Dem ist glaube ich nicht so ---
Aber die Abwehr braucht einen Torwart der auch mal Spieler richtig stellt in der Abwehr und mit sortiert. Bei aller Liebe aber Santos ist momentan mehr mit sich selbst beschäftigt und flattert zu sehr .- dadurch wird er auch im Umgang mit den Abwehrspielern sehr leise . Momentan ist es aber so das die Abwehrspieler dem Torwart nicht gut zusprechen können oder aufmuntern ... die müssen sich jetzt erst einmal selber wieder finden - daher brauchen die eher einen Keeper der auch mal mit positioniert beim Spiel ohne Ball .

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Fallback Avatar 10. pfalzadler11 09. Februar 26, 11:31 Uhr Zitat - dribbelgnom Burkhard wäre schon enorm wichtig da vorne drin . Kalimuendo als Alleinunterhalter kann es nicht schaffen . Ich bin auch für einen Torwartwechsel - weniger weil Santos jetzt Böcke macht und Zetti deutlich stärker ist . Dem ist glaube ich nicht so --- Aber die Abwehr braucht einen Torwart der auch mal Spieler richtig stellt in der Abwehr und mit sortiert. Bei aller Liebe aber Santos ist momentan mehr mit sich selbst beschäftigt und flattert zu sehr .- dadurch wird er auch im Umgang mit den Abwehrspielern sehr leise . Momentan ist es aber so das die Abwehrspieler dem Torwart nicht gut zusprechen können oder aufmuntern ... die müssen sich jetzt erst einmal selber wieder finden - daher brauchen die eher einen Keeper der auch mal mit positioniert beim Spiel ohne Ball . Path

100 % Zustimmung. AR ist der derjenige der entscheidet - lassen wir uns überraschen

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Avatar Der User hat SGE4EVER.de mit mind. 100 € finanziell unterstützt, als es um den großen Relaunch 2024 ging. 11. zueri adler 09. Februar 26, 12:35 Uhr

Ich bin aktuell überhaupt nicht von Kaua's Leistungen überzeugt. Ebenso stimme ich zu, dass der Elfer schwach geschossen und somit haltbar war. In nur einem Punkt stimme ich der, ansonsten super, Analyse von Florian nicht zu. Ich finde nicht, dass Kaua diesen Ball auf Bundesliga-Niveau eigentlich halten muss und bin der gleichen Meinung wie #5 Tony Yutani. Zudem sah Kaua auch nur deswegen unglücklich aus, weil er auf die richtige Seite sprang. Was wäre denn gewesen, wenn Kaua auf die andere Seite nach links gesprungen wäre? Dann hätte er erst gar nicht unglücklich ausgesehen, und die ganze Diskussion hätte keine Basis mehr.

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Fallback Avatar 12. pfalzadler11 09. Februar 26, 13:02 Uhr Zitat - zueri adler Ich bin aktuell überhaupt nicht von Kaua's Leistungen überzeugt. Ebenso stimme ich zu, dass der Elfer schwach geschossen und somit haltbar war. In nur einem Punkt stimme ich der, ansonsten super, Analyse von Florian nicht zu. Ich finde nicht, dass Kaua diesen Ball auf Bundesliga-Niveau eigentlich halten muss und bin der gleichen Meinung wie #5 Tony Yutani. Zudem sah Kaua auch nur deswegen unglücklich aus, weil er auf die richtige Seite sprang. Was wäre denn gewesen, wenn Kaua auf die andere Seite nach links gesprungen wäre? Dann hätte er erst gar nicht unglücklich ausgesehen, und die ganze Diskussion hätte keine Basis mehr. Path

Ja, er hat es aber getan. Wenn er ihn hält wird vermutlich der Elfmeter sogar wiederholt. Irgendwo zuletzt gelesen - Er patzt sogar beim Elfmeter was eigentlich nicht möglich ist.

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