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Sieg am Valentinstag: Perfekter Einstand für Albert Riera bei seinem ersten Spiel vor heimischem Publikum. Foto: Imago / Kessler-Sportfotografie

Erster Sieg beim Heimdebüt am Valentinstag: Riera mit Liebeserklärung

Der 14. Februar ist definitiv einer der schönsten Tage im Kalenderjahr. Der sogenannte „Valentinstag“. Zeit, seinem/seiner Liebsten mit den schönsten Geschenken zu bescheren und die ewige treue Liebe zu manifestieren. Nun, berechtigterweise fragen Sie sich jetzt, was das mit der Frankfurter Eintracht zu tun hat? Fußball bedeutet auch Liebe, Leidenschaft und ewige Treue. Ein Tag wie der Valentinstag? Wie gemacht.

Schockverliebt in die Mannschaft

Die Frankfurter Eintracht empfing gestern im Krisenduell eine seit fünf Spielen sieglose Borussia aus Mönchengladbach. Von einer Krisenstimmung war jedoch überhaupt nichts zu sehen oder zu spüren, zumindest auf hessischer Seite. Albert Riera gab sein Heimdebüt als neuer Eintracht-Trainer, die Euphorie war bereits im Vorfeld riesengroß und sie blieb auch nach Abpfiff bestehen. „Die Eintracht ist wieder da“ sangen die Fans schon während des Spiels. Mit einem klaren 3:0 holten die Hessen nicht nur den ersten Sieg seit Beginn der erst noch jungen Riera-Ära, sondern auch den ersten im neuen Jahr. Die Erkenntnisse: Die SGE kann wieder souverän gewinnen, sie kann zu null spielen und sie kann auch ohne Stürmer Tore schießen. „Ihr werdet eine andere Mannschaft sehen“, versprach und konterte der Coach die Kampfansagen aus dem Rheinland. Magier Albert Riera, der selbstbewusste Mann mit großen Worten, hat es offenbar geschafft, die Magie auf die Mannschaft zu übertragen und hat dafür gesorgt, dass die Spieler seinen großen Worten Taten folgen ließen. Man könnte meinen, der Spanier ist in seine Mannschaft schockverliebt, wie es einst Thomas Tuchel als damaliger Bayern-Trainer nach einer bitteren Pleite über sein Team sagte. So direkt sprach es Riera nicht aus, aber liest man zwischen den Zeilen, dann könnte man meinen, über seinen Augen schweben imaginäre rote Herzen. „Ich bin stolz darauf, wie meine Mannschaft aufgetreten ist“, war der Fußballlehrer voll des Lobes. Wir erinnern uns, das Ergebnis ist das eine und resultiert vielmehr aus der Umsetzung des Konzeptes des Trainers. „Wir hatten das Gefühl, dass wir das Spiel so gestalten können, sodass der Gegner sich unwohl fühlt.“ Ein Gegner, der mehr Ballbesitz hatte und insgesamt 16 Flanken schlug. Für Riera nicht entscheidend, sondern „im Fußball geht es nicht nur um den Ball, sondern darum, was du ohne den Ball machst. Aus diesem Grund bin ich in vielen Aktionen darauf fokussiert, was wir schleunigst machen werden, wenn wir den Ball verlieren.“ Aus Rieras Sicht hat das gut geklappt: „Was das betrifft, haben die Jungs es sofort verstanden.“ 

Das Credo ist klar: „Einer der besten Dinge, die diese Mannschaft tun kann, ist, bei Ballverlust Druck auszuüben. Druck bei Ballverlust, Druck bei Ballverlust, Druck bei Ballverlust. Wenn man dominant auftreten will und der Protagonist sein will, ist es das, was man tun muss.“ Und genau darauf sei Riera, wie bereits zitiert, stolz. „Es geht nicht nur um Siege, sondern auch um das Kassieren von Gegentoren. Wenn man Spiele gewinnen will, muss man die Gegentore reduzieren. Wenn man keine Gegentore kassiert, kann man Spiele für sich entscheiden“, erklärte der gebürtige Mallorquiner. Auch die Defensive scheint Riera in den Griff zu bekommen, in zwei Spielen steht lediglich ein Gegentreffer zu Buche. „Was ich zu den Jungs gesagt habe: Wir haben zwei Dinge, die wir als ‚gut spielen‘ bezeichnen. ‚Gut spielen‘ bedeutet, viele Chancen zu kreieren. Das heißt, man muss viele gute Dinge machen, um Gelegenheiten zu kreieren. Das Zweite ist, dass man keine Chancen zulassen sollte. Ich möchte von meiner Mannschaft, nicht nur weil wir verteidigen wollen, sondern weil der Gegner dich provoziert, Situationen zu verteidigen, dass sie sich beim Verteidigen richtig gut fühlt und sich stark fühlt.“

Sonderlob für umstrittenen Santos

Und bei all der Euphorie darf dann auch der Cheftrainer selbst, der viel Wert auf Prinzipien und Disziplin legt, über seinen Schatten springen. Vor allem nach diesem gestrigen souveränen Erfolg wird man es ihm verzeihen, dass er doch über einzelne Spieler sprach, zumal es um den umstrittenen Kaua Santos ging. Der Frankfurter Schlussmann, der momentan so gar nicht vor Selbstvertrauen strotzt, sich von Spiel zu Spiel Patzer erlaubte und deshalb sowohl medial als auch von Fans arg kritisch beäugt wurde. Gestern zeigte sich der Brasilianer wieder von seiner besten Seite, hielt, was es zu halten gab und behielt seit Langem wieder die weiße Weste. Vom Trainer gab es einen wohlverdienten Sonderlob: „Eine fantastische Parade von ihm in einer Situation am Pfosten“, pickte sich Riera eine Beispielszene heraus und führte aus: „Du überprüfst die Ergebnisse, 3:0, oh du hast gut gespielt. Nein, vielleicht bin auch nach einem 3:0 mit der Leistung nicht total zufrieden. Er hatte zwei Paraden und hat gut gespielt, nein. Worauf ich mich fokussiere, sind seine fantastischen Eigenschaften.“ Dabei verlange der 43-Jährige von einem Torhüter folgende Dinge: „Das Erste ist Mut. Es ist nicht die Technik, nein das Erste ist Mut. Er ist sehr mutig. Er ist zwei Meter groß. Er geht raus. Er ist schnell. Er hat alles.“ Schließlich seien Fehler menschlich. „Manchmal macht er einen Fehler, ja und? Alle von uns machen Fehler. Aber seine Eigenschaften machen ihm zu einem Top-Torhüter. „Darauf achte ich. Wenn ich ihn sehe, sage ich: ‚Ja, er hat die Eigenschaften, Top-Eigenschaften‘. Ihr werdet es sehen, die Art und Weise, wie wir spielen wollen.“ Luft nach oben sehe Riera dennoch. „Ich erwarte von ihm, dass er noch mehr rausläuft, weil er die entsprechende Körperstatute dazu hat. Er muss den Strafraum beherrschen.“ Sollten Santos Fehler unterlaufen, dann würden diese auf die Kappe des Trainers gehen, wie Riera unmissverständlich klarstellte: Wenn er einen Fehler macht, dann ist es meine Verantwortung, weil ich das verlangt habe. Ich möchte, dass er Situationen verhindert, in der der Stürmer an den Ball kommt. Ich bin mit ihm total zufrieden und aus diesem Grund ist er die Nummer 1 im Tor.“

„Ich liebe die falsche Neun“

Damit dürfte die Torwartfrage fürs Erste ad acta gelegt werden. Ganz anders die Situation im Offensivzentrum, denn der bisher einzig verfügbare Mittelstürmer, Arnaud Kalimuendo, musste verletzt ausgewechselt werden. Da weder Younes Ebnoutalib, noch Jonny Burkardt oder Michy Batshuayi rechtzeitig fit wurden, musste Riera kreativ werden. Und er war kreativ. Da musste man sich als Zuschauer zunächst mehrmals die Augen reiben. Mo Dahoud, ein gelernter zentraler Mittelfeldspieler, soll plötzlich Kalimuendo vertreten und für Torgefahr sorgen? Richtig gesehen, Riera schien sich dabei etwas gedacht zu haben, wie er zu Protokoll gab: „Ich liebe es, mit einer falschen Neun zu spielen, weil wir mit einer falschen Neun einen weiteren Spieler im Spielgeschehen haben. Das war die Idee mit Mo Dahoud.“ Und auch wenn der kurzfristige neue Stürmer der Eintracht kein Tor erzielte, so trug diese Entscheidung Früchte. Erst erzielte Nene Brown seinen zweiten Treffer in Folge zur Führung, dann war es Ayoube Amaimouni-Echghouyab, der bei seinem Startelfdebüt mit seinem ersten Tor vor heimischem Publikum nachlegte. Da darf sich Riera getrost selbst auf die Schulter klopfen. „Was passiert ist, ist, dass wir den Gegner viel angelockt haben. Es ist wahr, dass der Gegner dich unter Druck setzt, sobald du den ersten oder zweiten Pass schlecht spielst. Aber nach zwei Pässen hatten wir Vorstöße von unseren Flügelspielern, die wie Mittelstürmer waren. Ich finde, wir haben es richtig gut gemacht. Wir haben das Spiel auf diese Weise verstanden.“ Dabei verglich Riera das Ganze mit einem Flugzeug bestehend aus Flügeln, also Flügelspielern, versteht sich. „Wir haben verstanden, dass wir die Räume, die sich in der Abwehrkette bilden, nutzen können. Also werden wir öfters mit dieser Spielweise spielen, denn, wie ich bereits gesagt habe, du provozierst den Gegnern zu Fehlern. Du lockst die Innenverteidiger an und so verstehe ich das Spiel. Es geht darum, den Gegner zu täuschen, Abwehrlöcher beim Gegner zu kreieren, selbst wenn der Gegner tiefstehend agiert. Es geht darum, die Abwehrkette zu lösen oder zu destabilisieren.“ Auch Nnamdi Collins, der zur Halbzeit für Rasmus Kristensen kam, attestierte Riera eine gute Leistung.

„Wollen in München gewinnen“

Zusammengefasst steht ein verdienter und souveräner 3:0-Erfolg zu Buche, der vor paar Wochen noch lethargische Adler wieder in die  Spur manövriert. Der Kampf um Europa ist längst nicht aufgegeben. „Die drei Punkte sind für uns sehr wichtig, um diesen Negativlauf zu beenden. Ich habe diese Spannung bei der Mannschaft gespürt. Sie verdienen wie die Fans den Sieg. Sie konnten nicht atmen, sie konnten die Spiele ihres eigenen Teams nicht genießen. Glückwunsch an beide. Sie verdienen das am Valentins Tag.“ Geht es nach Riera, kann der Sieg gerne mit dem Griff zur Weinflasche zelebriert werden. Das Ganze sollte sich aber mit nur einem Glas im Rahmen halten, denn nächste Woche wartet für die Eintracht unter Riera der erste Härtetest. Der FC Bayern München sagt „Servus“ am kommenden Samstag um 15:30 Uhr in der Allianz Arena. „Wir haben noch nichts erreicht. Es sind immer noch zwölf Spiele zu gehen“, stellte der Coach fest und schickte eine kleine nette Kampfansage in den Süden: „Wir denken schon an den nächsten Samstag, worauf wir uns vorbereiten werden, unabhängig davon, wie der Gegner heißt, wohlwissend, dass es sehr schwierig wird. Aber wir bereiten uns auf die gleiche Art und Weise vor. Wir werden versuchen, zu gewinnen. Wir kennen keinen anderen Weg, um uns vorzubereiten.“

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7 Kommentare

Avatar Der User hat SGE4EVER.de mit mind. 25 € finanziell unterstützt, als es um den großen Relaunch 2024 ging. Ob Stehblock, VIP-Loge, Currywurst oder Handkäs-Häppchen - Hauptsache SGE4EVER.de! Denn der User unterstützt das Onlinemagazin mit einem monatlichen oder jährlichen Betrag und genießt zudem besondere Vorteile: Werbefreiheit, Gewinnspiele etc. 1. sgeubin 15. Februar 26, 15:32 Uhr

Perfekt: er ist schockverliebt in uns, und "wir" in ihn.. scheint der Beginn einer "guten Ehe" zu sein.. ;-)

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Fallback Avatar 2. Werner 15. Februar 26, 15:52 Uhr

Nur zu santos ich freue mich für den jungen. Das war so wie ich es gerne hätte, bis auf die eine Szene im 5er spiele ich keinen Gegner aus. Wenn das schief geht ist er der depp der Nation und wir haben wieder die Diskussionen.
Sonst sehr erwachsen gespielt.

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Avatar Der User hat SGE4EVER.de mit mind. 100 € finanziell unterstützt, als es um den großen Relaunch 2024 ging. Ob Stehblock, VIP-Loge, Currywurst oder Handkäs-Häppchen - Hauptsache SGE4EVER.de! Denn der User unterstützt das Onlinemagazin mit einem monatlichen oder jährlichen Betrag und genießt zudem besondere Vorteile: Werbefreiheit, Gewinnspiele etc. 3. Block42 15. Februar 26, 16:12 Uhr

Unser neuer Trainer hat scheinbar viele Gesichter. Die ersten Interviews waren mir etwas zu viel Geschwätz und es war kaum vorstellbar wie er die ganzen Erwartungen und Superlative erfüllen möchte. An der Seitenlinie wirkte er gestern sehr ruhig und fokussiert und gar nicht so impulsiv wie bei den ersten Pressekonferenzen. Bei den Analysen nach dem Spiel kommen so langsam auch seine Ideen, seine Taktik und allgemein sein Fußballwissen zum Vorschein. Wenn man dann noch die lobenden Worte von Götze nach dem Spiel dazunimmt, ergibt sich langsam ein positives Gesamtbild von ihm. Mit Rose hätte man eine zu erwartende Leichte Lösung wählen können aber Krösche liebt das außergewöhnliche, hat Mut und ist bereit ein gewisses Risiko einzugehen. Neben sehr erfolgreichen Spielertransfers könnte das auch zum wiederholten Male beim Trainer gelungen sein. WEITER SO!

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Fallback Avatar 4. oberlehrer1899 15. Februar 26, 16:17 Uhr

Tolle Laudatio auf Kaua Donnarumma Santos 😁😁
Würde ich alles genau so unterschreiben.
Er erinnert mich wirklich total an Donnarumma. Ähnlicher Spielstil und auch der TW von ManCity ab und an seine Patzer.

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Fallback Avatar Der User hat SGE4EVER.de mit mind. 25 € finanziell unterstützt, als es um den großen Relaunch 2024 ging. 5. nrw4sge 15. Februar 26, 16:36 Uhr Zitat - Werner Nur zu santos ich freue mich für den jungen. Das war so wie ich es gerne hätte, bis auf die eine Szene im 5er spiele ich keinen Gegner aus. Wenn das schief geht ist er der depp der Nation und wir haben wieder die Diskussionen. Sonst sehr erwachsen gespielt. Path

Mein Fußballherz sagt was anderes, hätte Manuel Neuer das gemacht, wäre er wieder direkt der beste der Welt gewesen. Macht Santos es, ist es gefährlich und unklug.
Aber wenn Du immer daran denkst was schiefgeht, wirst Du kein guter Spieler, wirklich gut bist Du, wenn Du weißt wann du es machen kannst, du siehst es wie der Gegner anläuft und weißt das es klappen wird. Wenn Du jetzt Angst mitbringst und es dann nochmal machst, dann geht es in die Hose.
Deswegen gibt es so viele Trainings-Weltmeister..... weil die Leute da keine Angst haben Fehler zu machen und am Wochenende kommt dann halt nur die "sichere!" Mittelklasse.
Klar darf es nicht häufig schief gehen, aber dann weißt Du auch, Du bist keine Spitzenklasse ;-)

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Fallback Avatar 6. demuweseinbein 15. Februar 26, 17:23 Uhr Zitat - Werner Nur zu santos ich freue mich für den jungen. Das war so wie ich es gerne hätte, bis auf die eine Szene im 5er spiele ich keinen Gegner aus. Wenn das schief geht ist er der depp der Nation und wir haben wieder die Diskussionen. Sonst sehr erwachsen gespielt. Path

Habe zwar auch tief Luft geholt, ihn dann aber gefeiert.

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Fallback Avatar 7. adelaar 15. Februar 26, 17:34 Uhr Zitat - sgeubin Perfekt: er ist schockverliebt in uns, und "wir" in ihn.. scheint der Beginn einer "guten Ehe" zu sein.. ;-) Path

Muss das wirklich sein? Die über die Bande Thomas Tuchel (ausgerechnet) gespielte Interpretation der von wem auch immer in z.T. dubioses Deutsch übersetzten Aussagen von AR auch noch wörtlich aufzugreifen: als hätte er selbst irgendwo von "schockverliebt" geredet. Zumal seine Erwähnung des Valentinstages doch in erster Linie eine Referenz auf die "Liebesbeziehung" also das Geben und Nehmen zwischen Mannschaft und Fans zu verstehen ist.

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