Nach einem langen Höhenflug und am Ende titellosen Saison unternahm die Frauenmannschaft der Frankfurter Eintracht im Sommer einen XXL-Kaderumbruch. Neun Abgängen (u. a. Sophia Kleinherne, Tanja Pawollek und Lara Prasnikar) stehen zehn Zugänge gegenüber. Dabei setzte die Vereinsführung um Katharina Kiel auf eine Mischung aus jungen Talenten wie Jarne Teulings oder Ainhoa Alguacil und aus erfahrenen etablierten Spielerinnen wie Ereleta Memeti und vor allem Amanda Ilestedt und Rebecka Blomqvist. Das schwedische Duo kennt sich bereits aus der Nationalmannschaft, zum ersten Mal schüren Ilestedt und Blomqvist auf Vereinsebene ihre Schuhe für den selben Arbeitgeber. Blomqvist ist seit 2021 in Deutschland aktiv und ging für den VfL Wolfsburg auf Torejagd, in dieser Saison steht die Mittelstürmerin bei neun Toren und fünf Vorlagen in 21 Pflichtspielen. Ilestedt spielte für die Vereine Turbine Potsdam und den FC Bayern München, ehe die Innenverteidigerin im Ausland bei den Topclubs Paris Saint-Germain und zuletzt FC Arsenal unter Vertrag stand. Mit den Gunners gewann die 33-Jährige zudem im letzten Jahr überraschend die Champions League im Finale gegen Branchenprimus FC Barcelona.
„Fühlen uns sehr wohl“
Seit Beginn der Saison 2025/26 ist Frankfurt die neue sportliche Heimat der beiden Schwedinnen, in der sich beide wohlfühlen. „Ich fühle mich sehr gut. Natürlich ist Frankfurt anders als Wolfsburg, vor allem was die Stadt angeht. Aber ich fühle mich sehr, sehr wohl und bin glücklich hier. Ich wurde super in der Mannschaft aufgenommen und auch privat passt alles. Insgesamt bin ich einfach sehr zufrieden“, gab Blomqvist im Interview bei einer neuen Ausgabe des Klubmagazins gemeinsam mit ihrer Mannschaftskollegin zu Protokoll. Ilestedt hingegen wechselte von der drittgrößten Stadt Europas in eine vergleichsweise kleinere Großstadt. „Ich bin generell kein Großstadtmensch. Trotzdem fühle ich mich sehr gut hier. Die Mannschaft ist super, coole Mädels. Frankfurt ist eine tolle Stadt und bietet viele Möglichkeiten, zum Beispiel zum Shoppen.“ Blomqvist komme aus einer Kleinstadt und habe fünf Jahre in Göteborg gelebt. „Ich bin bisher nicht oft in der Stadt unterwegs, weil ich viel zu Hause bin.“ Frankfurt ist für die Torjägerin eine große Umstellung. „Frankfurt ist schon anders – vor allem mit den Hochhäusern. Ich mag die Stadt, sie ist cool.“ Ähnlich geht es auch ihrer Mitspielerin. „Es gibt hier wirklich viele Möglichkeiten. Ich bin aber eher selten in der Stadt, weil wir viel unterwegs sind mit Spielen und Reisen und ich meine Familie habe. Am liebsten bin ich einfach zu Hause und verbringe Zeit mit meiner Tochter.“ Besonders am Main zu spazieren oder zu sitzen, ist eine beliebte Aktivität bei vielen Einwohnern, so auch bei den beiden Skandinavierinnen. „Es ist schon etwas anderes. Natürlich ist es schön, hier am Main zu sitzen, etwas zu trinken und die Zeit zu genießen“, schwärmte Blomqvist, doch das Wasser des 527 Kilometer langen Flusses kann nicht ansatzweise das Meer in ihrer Heimat ersetzen. „Aber das Gefühl vom Meer bekommt man hier nicht.“ Ihre Landsfrau pflichtet bei: „Das ist definitiv etwas, das ich aus der Heimat vermisse.“
Gute Freundinnen kann niemand trennen
Blomqvist ist sehr heimatverbunden, wie sie durchblicken lässt: „Ich merke auch, wie sehr ich es wertschätze, wenn ich dann wieder nach Hause komme. Ich war mit einer Freundin auf Santorini und es war sehr schön, aber wir haben beide realisiert, dass es das, was es dort gibt, auch in unserer Heimat gibt: Berge und Meer, beides haben wir auch. Es ist schön dort, wo wir herkommen.“ Ilestedt und Blomqvist kennen sich, wie bereits erwähnt, aus der schwedischen Nationalmannschaft. Die gemeinsame Zeit bei Eintracht Frankfurt hat das Duo endgültig zusammengeschweißt, wie der Zugang vom VfL Wolfsburg erklärt. „Wir haben natürlich beide auch andere enge Freundinnen in der Nationalmannschaft, aber durch unsere gemeinsame Zeit in Frankfurt kennen wir uns inzwischen sehr gut.“ Freundschaften halten beide für sehr wichtig. „Natürlich haben wir beide unsere Familien und Freunde, mit denen wir sprechen. Aber wir erleben im Alltag viele ähnliche Situationen. Es ist viel wert, jemanden zu haben, der ähnlich denkt, die gleichen Werte hat. Das gibt Sicherheit“, so Blomqvist. Ilestedt stimmt zu. „Ich bin sehr froh, dass Rebecka hier ist. Wir können uns immer auf Schwedisch unterhalten und uns gegenseitig helfen. Einmal wusste ich nicht, wann wir Training hatten. Da habe ich einfach Rebecka angerufen und gefragt. Rebecka ist immer positiv und glücklich. Sie strahlt und ist sehr ehrlich und offen. Das schätze ich sehr an ihr. Sie ist eine richtig gute Freundin.“ Blomqvist könne das nur zurückgeben: „Ich freue mich immer, wenn ich Amanda sehe. Ich mag ihre Ehrlichkeit und dass sie sagt, was sie denkt – als Freundin und als Teamkollegin. Und ihre Herzlichkeit und Tiefe finde ich sehr, sehr schön.“
Zwischen den beiden Sommerneuzugängen passt offensichtlich kein Blatt Papier. Blomqvist und Ilestedt scheinen aus dem gleichen Holz geschnitzt zu sein, das wird auch bei der Frage, wie sie Profifußballerinnen wurden, deutlich. „Ich habe zwei Brüder, wir haben viel Sport gemacht. Zuerst habe ich mit ihnen im Garten Fußball gespielt, später in einer Mädchenmannschaft. Ich habe auch andere Sportarten ausprobiert, wie Handball oder Eishockey“, so Ilestedt. „Bei mir war es ähnlich. Ich habe mit meinem Bruder gespielt, weil sie noch jemanden brauchten. Fußball war dann immer das, was ich machen wollte. Ich habe aber auch Handball, Gymnastik und Reiten ausprobiert.“ Auch bei der Frage, welche Sportart beide neben dem Fußball gut können, stellt sich die nächste Gemeinsamkeit heraus. „Handball“, antwortete Ilestedt. Blomqvist: „Bei mir auch.“ Schwestern im Geiste. „Ich bin außerdem bis zu meinem 14. Lebensjahr geritten. Pferde waren eine Leidenschaft, die meine Mutter und ich geteilt haben. Man weiß nie, was die Zukunft bringt“, ergänzte die Offensivakteurin.
Blomqvist: „Bin Mensch, nicht nur Fußballerin“
Heimweh ist für Ilestedt definitiv kein Problem. „Zum Glück gibt es FaceTime. Ich rede jeden Tag mit meiner Familie. Ich wohne seit neun Jahren nicht mehr in Schweden und bin das gewohnt. Umso schöner ist es, dass mein Bruder jetzt in Freiburg Eishockey spielt [in der Deutschen Eishockey-Liga 2; Anm. d. Red.]. Wir können uns besuchen, ich schaue ihm zu und er mir – das ist etwas ganz Besonderes.“ Auch sich um das Kind zu kümmern, stellt die 1,78 Meter große Defensivakteurin vor keine Schwierigkeiten, schließlich ist sie nicht alleine. „Ohne meinen Mann hätte ich nicht weiterspielen können. Er übernimmt sehr viel Verantwortung. Es braucht mehr Planung, aber das ist auch schön. Wenn ich nach Hause komme und meine Tochter sehe, ist alles andere vergessen. Für sie bin ich einfach Mama – nicht Fußballerin.“ Blomqvist hingegen musste schwierige Phasen durchleben. In solchen Momenten bekommt sie „Unterstützung von meiner Familie und meinen engsten Freunden. Ich versuche, meine Emotionen zuzulassen und mich auf Dinge zu konzentrieren, die ich selbst beeinflussen kann. Es darf hart sein, aber das Leben geht weiter. Dieses Mindset hilft mir sehr. Am Ende bin ich ein Mensch – nicht nur Fußballerin.“ In Sachen ist Ilestedt flexibel: „Ich bin schon lange im Profisport und weiß, was mir guttut und was eher nicht. Ich schreibe keinen festen Plan. Meine Tochter möchte mittlerweile auch das essen, was ich esse – und das klappt bisher ganz gut.“ Als Schwedin ist Köttbullar natürlich ein Muss. „Wenn es bei uns Köttbullar gibt, macht meine Mama die meistens selbst. Umso schöner ist es, das jetzt gemeinsam mit Amanda zu machen“, so Blomqvist.






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Frankfurt beste.
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