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Markus Krösche gilt mittlerweile als einer der besten Manager der Liga. Foto: IMAGO / osnapix

„Demokratische Diktatur“: So führt Markus Krösche die Eintracht

Markus Krösche gehört mittlerweile zu den bekanntesten Sportvorständen der Bundesliga. Seine Entscheidungen bei Eintracht Frankfurt werden öffentlich vor allem an Transfers, Trainern und sportlichen Ergebnissen gemessen. Hinter der Arbeit des 46-Jährigen steckt allerdings eine Führungsphilosophie, die sich über viele Jahre entwickelt hat. Im „Leadertalk“-Podcast mit Ex-Profi Mounir Zitouni sprach Krösche über Verantwortung, den Umgang mit Fehlern und seinen ungewöhnlich bezeichneten Führungsstil der „demokratischen Diktatur“. Besonders geprägt hat ihn dabei eine Situation aus seiner Zeit beim SC Paderborn, als plötzlich nicht mehr Fußball, sondern die berufliche Existenz zahlreicher Menschen im Mittelpunkt stand.

Ein Abstieg verändert Krösches Blick auf den Fußball

Der 20. Mai 2017 ist Krösche bis heute im Gedächtnis geblieben. Paderborn war sportlich aus der 3. Liga abgestiegen und befand sich wirtschaftlich in einer dramatischen Situation. Dass der Klub aufgrund des Lizenzentzugs des TSV 1860 München schließlich doch in der Liga bleiben durfte, war zu diesem Zeitpunkt noch nicht die entscheidende Frage. Vielmehr ging es plötzlich um Menschen, deren Arbeitsplätze unmittelbar vom Schicksal des Vereins abhängig waren.

„Wir mussten in dieser Woche dann teilweise Gespräche mit Mitarbeitern führen und ihnen sagen, dass es wahrscheinlich nicht weitergeht“, erinnerte sich Krösche. Für den heutigen Frankfurter Sportvorstand war das eine völlig neue Erfahrung. Bis dahin hatte sich vieles zwangsläufig um Ergebnisse, Tabellen und sportliche Entscheidungen gedreht. Nun musste Krösche erleben, welche Konsequenzen sportlicher Misserfolg außerhalb des Platzes haben kann: „Das waren harte Gespräche, in denen du Leuten mitteilen musstest, dass sie ihre Existenz verlieren.“ Diese Tage veränderten seinen Blick auf das Fußballgeschäft nachhaltig.

„Das Geschäft ist mehr als nur Fußball“

Der Profifußball wird häufig auf 90 Minuten reduziert. Siege bringen Euphorie, Niederlagen sorgen für Kritik. Für die Verantwortlichen eines Klubs hängen an sportlichen Ergebnissen allerdings deutlich weitreichendere Konsequenzen. Genau das habe er damals verstanden, erklärte Krösche: „Da habe ich für mich gelernt, dass das Geschäft mehr ist als nur Fußball.“

Mit einer Führungsposition in einem Profiklub gehe deshalb eine Verantwortung einher, die weit über Kaderplanung und Transfers hinausreiche. „Man muss eine gewisse Demut haben, was der sportliche Erfolg für die Menschen drumherum bedeutet und was für eine Verantwortung wir eigentlich haben.“ Diese Erkenntnis begleitet den 46-Jährigen nach eigener Aussage bis heute: „Das war für mich sehr hilfreich und ist heute noch immer prägend. Diese Verantwortung muss einem immer bewusst sein.“

Dass Paderborn schließlich doch nicht abstieg, konnte damals kaum jemand vorhersehen. Für Krösche blieb unabhängig vom glücklichen Ausgang vor allem die Erfahrung aus jenen Tagen hängen.

Krösche: Aus Niederlagen lässt sich mehr lernen

Dabei passt das Erlebnis zu einer grundsätzlichen Überzeugung des Eintracht-Managers. Rückschläge sind für ihn nicht ausschließlich etwas Negatives. Im Gegenteil: Gerade schwierige Situationen können Entwicklungen anstoßen, die nach Erfolgen womöglich ausgeblieben wären. „Du kannst im Leben aus negativen Dingen deutlich mehr ziehen als aus positiven“, erklärte Krösche.

Der Sport sei dafür ein gutes Lernfeld. Niederlagen gehören zwangsläufig dazu. Selbst erfolgreiche Mannschaften verlieren Spiele, Spieler machen Fehler und Verantwortliche treffen Entscheidungen, die sich später als falsch herausstellen. Entscheidend ist für Krösche deshalb nicht das negative Ereignis selbst: „Das Wichtige ist, dass man aus diesen negativen Dingen die richtigen Schlüsse zieht.“ Diese Philosophie versucht er auch auf seine tägliche Arbeit bei der Eintracht zu übertragen.

Hohe Fehlertoleranz bei Mitarbeitern

Dabei verlangt Krösche von seinen Mitarbeitern vor allem eines: Entscheidungen zu treffen. Wer Verantwortung übertragen bekommt, soll diese auch wahrnehmen. „Gegenüber meinen Mitarbeitern habe ich generell eine sehr hohe Fehlertoleranz“, sagte der Sportvorstand. Für ihn sei es wichtiger, dass jemand eigenständig handle, als aus Angst vor einer möglichen Fehlentscheidung Verantwortung weiterzureichen. Krösche: „Für mich geht es darum, dass sie Entscheidungen treffen und Verantwortung übernehmen sollen.“ Dass dabei Fehler passieren, akzeptiert er ausdrücklich. „Wenn sie nachher einen Fehler machen, ist das für mich kein Problem.“ Wesentlich wichtiger sei der Umgang damit: „Für mich ist immer die Reaktion danach das Wichtige.“

Krösche erwartet also keine Fehlerlosigkeit. Er erwartet, dass Entscheidungen reflektiert und aus Fehlentwicklungen Konsequenzen gezogen werden. Das gilt ausdrücklich auch für ihn selbst.

Krösche beginnt die Fehleranalyse bei sich

Seine eigene Arbeit nimmt Krösche dabei nicht aus. „Ich fange immer bei mir selbst an“, sagte der 46-Jährige. Wenn sich eine Entscheidung als falsch herausstelle, versuche er zunächst zu verstehen, warum sie getroffen wurde und weshalb sie nicht funktioniert hat. Erst danach gehe es darum, die entsprechenden Konsequenzen abzuleiten. „Wenn ich Fehler mache, versuche ich herauszufinden, warum dieser Fehler passiert ist und welche Maßnahme ergriffen werden muss, dass dieser Fehler nicht nochmal passiert.“

Ein aktuelles Beispiel dafür lieferte Krösche im selben Gespräch selbst. Die Verpflichtung von Albert Riera bezeichnete der Sportvorstand rückblickend ausdrücklich als seine falsche Entscheidung. Auch daraus habe er Konsequenzen für zukünftige Trainerentscheidungen gezogen. Damit folgt Krösche genau dem Prinzip, das er von seinem Umfeld verlangt: Verantwortung übernehmen, einen Fehler anerkennen, analysieren – und anschließend versuchen, ihn nicht zu wiederholen.

Die „demokratische Diktatur“

Für seinen Führungsstil hat Krösche mittlerweile sogar einen eigenen Begriff gefunden. „Ich nenne meinen Führungsstil so ein bisschen demokratische Diktatur“, erklärte er mit Blick auf die Zusammenarbeit innerhalb des sportlichen Bereichs. Was zunächst widersprüchlich klingt, beschreibt eine klare Aufgabenverteilung. Krösche möchte möglichst viel Verantwortung delegieren und seinen Mitarbeitern die Freiheit geben, Entscheidungen selbst zu treffen. In jedem Bereich gebe es dafür einen Verantwortlichen, der wiederum für seine Gruppe zuständig sei. Der Sportvorstand möchte nicht jede einzelne Entscheidung selbst treffen oder kontrollieren. „Dabei geht es darum, dass sie das Vertrauen und die Verantwortung von mir auch spüren“, erklärte Krösche. Sollte jemand eine Entscheidung nicht treffen können oder wollen, stehe seine Tür offen. Grundsätzlich erwartet er allerdings Eigeninitiative: „In der Regel möchte ich, dass sie das in die Hand nehmen.“

Hinter diesem Ansatz steckt für Krösche die Überzeugung, dass Verantwortung nicht nur organisatorische Vorteile bringt. Sie soll auch dafür sorgen, dass sich Mitarbeiter stärker mit ihrer Aufgabe und letztlich mit dem Verein identifizieren. „Ich bin davon überzeugt, dass über Vertrauen und Verantwortung Motivation entsteht“, erklärte er. Daraus entwickelten sich wiederum weitere positive Effekte: „Darüber dann Identifikation und Weiterentwicklung. Das ist für mich sehr wichtig.“ Krösche möchte also keine Struktur schaffen, in der sämtliche Entscheidungen auf seinem Schreibtisch landen. Mitarbeiter sollen eigene Bereiche gestalten können und spüren, dass ihnen die sportliche Führung vertraut. Dass er seinen Führungsstil trotzdem als „demokratische Diktatur“ bezeichnet, hat einen einfachen Grund: Irgendwann endet jede Diskussion – und einer muss die finale Entscheidung treffen.

Krösche will starke Meinungen um sich herum

Bis zu diesem Zeitpunkt sucht Krösche allerdings ausdrücklich den Widerspruch. Mitarbeiter, die lediglich seine Meinung bestätigen, scheinen nicht seinem Idealbild einer funktionierenden Führungsebene zu entsprechen. „Ich diskutiere gerne und habe gerne starke Meinungen an meiner Seite, die diese auch vertreten“, sagte der Eintracht-Sportvorstand.

Für Krösche geht es darum, unterschiedliche Perspektiven zu hören und gegeneinander abzuwägen. Gerade bei weitreichenden sportlichen Entscheidungen können verschiedene Einschätzungen helfen, mögliche Risiken oder blinde Flecken zu erkennen. Am Ende trägt allerdings Krösche die Verantwortung: „Natürlich muss ich dann die finale Entscheidung treffen für das Große und Ganze. Aber bis dahin diskutiere ich gerne und höre mir andere Meinungen an.“ Genau hier schließt sich der Kreis zu seiner „demokratischen Diktatur“. Der Weg zur Entscheidung soll offen, kontrovers und von unterschiedlichen Meinungen geprägt sein. Die Verantwortung für das Ergebnis lässt sich am Ende jedoch nicht demokratisch verteilen.

Verantwortung endet für Krösche nicht am Spielfeldrand

Krösches Erfahrungen in Paderborn dürften erklären, weshalb er diesen letzten Punkt so stark betont. Wer eine finale Entscheidung trifft, muss schließlich auch mit ihren Konsequenzen leben. 2017 erlebte er, dass ein sportlicher Abstieg nicht nur eine Zahl in einer Tabelle ist. Hinter einem Fußballverein stehen Mitarbeiter und Familien, deren berufliche Existenz vom wirtschaftlichen und sportlichen Erfolg abhängen kann. Heute entscheidet Krösche bei der Eintracht über Transfers in Millionenhöhe, Trainer und die strategische Ausrichtung des sportlichen Bereichs. Die Dimension ist eine andere geworden, die grundsätzliche Erkenntnis aus Paderborn ist für ihn aber geblieben. Er möchte seinen Mitarbeitern Freiheiten geben, Fehler erlauben und Diskussionen ausdrücklich fördern. Am Ende weiß Krösche jedoch, wer für die wichtigsten Entscheidungen geradestehen muss.

Vielleicht beschreibt seine ungewöhnliche Bezeichnung deshalb tatsächlich ziemlich treffend, wie er seine Rolle versteht: demokratisch auf dem Weg zur Entscheidung – und ziemlich eindeutig, sobald sie getroffen werden muss.

3 Kommentare

Fallback Avatar 1. pit3157 09. Oktober 26, 12:26 Uhr

der mann steht zu seinem wort
können froh sein ihn zu haben
mann sollte sich schon seine gedanken machen um das große ganze zu realisieren
auch dann wenn es nicht so läuft
finde es gut wenn er seine erfahrungen in paderborn so gemacht hat
nur nie die menschen im umfeld des vereins vergessen sondern da ansetzen
ist nicht so einfach denke ich! aber sehr wichtig
hat er doch sehr viel für uns gemacht und natürlich wie im waren leben klappt nicht immer alles was man macht.in erster linie wollte er mit wahi zb was guten für die eintracht tun.
aber man kann nicht in jeden kopf reinschauen!!!!
wichtig für die eintracht und für ihn der klare gedanke dabei
für mich der richtige mann an der richtigen stelle

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Fallback Avatar 2. PeKa 09. Oktober 26, 15:29 Uhr

Markus Krösche ist ein unglaublich kluger und reflektierter Mensch. Insbesondere, dass er sich nicht mit Ja-Sagern umgibt, sondern ausdrücklich auch konträre Meinungen akzeptiert, zeugt davon.
Politiker könnten viel von ihm lernen, wenn sie nicht so beratungsresistent wären.
Wir können froh sein, dass wir ihn haben und diejenigen, die ihn in den Spitzengremien angehen, sollten sich seine Ansichten mal zu eigen machen.

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Fallback Avatar 3. mainesge 10. Oktober 26, 08:40 Uhr Zitat - PeKa Markus Krösche ist ein unglaublich kluger und reflektierter Mensch. Insbesondere, dass er sich nicht mit Ja-Sagern umgibt, sondern ausdrücklich auch konträre Meinungen akzeptiert, zeugt davon. Politiker könnten viel von ihm lernen, wenn sie nicht so beratungsresistent wären. Wir können froh sein, dass wir ihn haben und diejenigen, die ihn in den Spitzengremien angehen, sollten sich seine Ansichten mal zu eigen machen. Path

Politiker sind doch nicht pauschal unfähig. Ich denke man kann es auf jede Berufsgruppe beziehen, vom Handwerker über Sacharbeiter hin zum Manager. Jeder muss eigentlich reflektiert sein, andere Meinungen anhören usw.

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