Was für ein Absturz: Nach einer überzeugenden ersten Halbzeit hat Eintracht Frankfurt sein erstes Bundesliga-Heimspiel der neuen Saison mit 1:4 gegen den FC Augsburg verloren. Die SGE dominierte vor der Pause, verpasste es aber, aus ihrer Überlegenheit mehr Kapital zu schlagen. Unmittelbar nach dem Seitenwechsel kippte die Partie innerhalb weniger Minuten komplett. Rechtsverteidiger Timothy Chandler und Sportdirektor Timmo Hardung waren sich nach der Begegnung bei „Eintracht TV“ einig: Nicht nur die fehlende Effizienz, sondern vor allem der Umgang mit den ersten Rückschlägen kostete die Hessen am Ende die Punkte.
„Es war ein Spiel mit zwei unterschiedlichen Hälften“, fasste Chandler zusammen. Gerade die ersten 45 Minuten machten die deutliche Niederlage für den Routinier umso ärgerlicher: „Wir haben eine überragende erste Halbzeit gespielt, die Jungs hätten da eigentlich ein, zwei Tore mehr machen müssen. Dann wäre das Spiel viel, viel besser gewesen.“ Stattdessen ging die Eintracht lediglich mit einer knappen Führung in die Kabine.
Hardung: „Darfst du ein, zwei Tore mehr schießen“
Auch Hardung sah vor der Pause einen Auftritt, auf dem die Eintracht eigentlich hätte aufbauen können. Die SGE sei dominant gewesen und habe offensiv wie defensiv viele der vorgenommenen Dinge auf den Platz gebracht. Der Sportdirektor stellte deshalb klar: „In solch einer ersten Hälfte, in der du so dominant bist, darfst du ein, zwei Tore mehr schießen.“
Genau darin lag für beide eines der großen Probleme. Frankfurt belohnte sich nicht für eine starke Phase und ließ Augsburg dadurch im Spiel. Chandler brachte es auf eine einfache Formel: „Der Mannschaft fehlt, dass man sich belohnt, dass man das Spiel mit dem 2:0 killt.“ Die Hessen seien „top in den Zweikämpfen“ gewesen, hätten viel investiert und den Gegner konsequent angelaufen. Doch der entscheidende zweite Treffer blieb aus. Dass dies kein völlig neues Problem ist, ärgerte Chandler besonders. Schon beim 3:3 zum Bundesliga-Auftakt bei Union Berlin hatte die Eintracht eine zwischenzeitliche 3:1-Führung noch verspielt: „Das fehlt uns im Moment, auch schon gegen Union. Und deswegen stehen wir mit dem einen Punkt da.“
Ein Doppelschlag verändert alles
Nach dem Seitenwechsel benötigte Augsburg nur wenige Augenblicke, um das Spiel zu drehen. Zunächst fiel der Ausgleich durch einen abgefälschten Kopfball, kurz darauf folgte das 1:2. Für Hardung waren beide Situationen vermeidbar. Beim ersten Treffer sei viel Pech dabei gewesen, den zweiten Gegentreffer werde Noah Atubolu dagegen „sicher gerne wieder zurückhaben“.
Entscheidender als die individuellen Fehler war für den Sportdirektor jedoch die Reaktion der gesamten Mannschaft. Ein 1:2-Rückstand hätte nach der starken ersten Hälfte keineswegs das Ende bedeuten müssen. Doch plötzlich war von der Frankfurter Dominanz kaum noch etwas übrig. „Dann machen wir aber die Dinge, die wir in der ersten Halbzeit sehr gut gemacht haben, in der zweiten Zeit gar nicht mehr“, kritisierte Hardung. Das Zentrum sei nicht mehr kompakt gewesen, die Eintracht habe keinen Zugriff mehr auf die Zweikämpfe bekommen und sei zu weit von den Augsburger Spielern entfernt gewesen. Hinzu kamen große Probleme in der Absicherung eigener Angriffe. In der Konterverteidigung habe die Mannschaft „sehr, sehr viel Luft nach oben gelassen“. Auch Chandler fand deutliche Worte für den Leistungsabfall: „Die zweiten 45 Minuten waren einfach nicht gut.“
Hardung: SGE verliert „den Faden und unsere Stabilität“
Für Hardung war deshalb nicht allein die mangelnde Chancenverwertung für die Niederlage verantwortlich. Augsburg habe seine Möglichkeiten zwar deutlich konsequenter genutzt, die Eintracht den Gästen allerdings auch zu viele Einladungen ausgesprochen. Nach dem frühen Doppelschlag sei schließlich das passiert, was einer jungen Mannschaft möglichst nicht passieren dürfe.
„Wir waren dann nach den ersten paar Minuten in der zweiten Halbzeit ‚nur‘ 2:1 zurück und haben trotzdem den Faden und unsere Stabilität verloren“, bemängelte Hardung. Hätte die Mannschaft ihre Linie aus der ersten Halbzeit beibehalten, wäre aus seiner Sicht noch genügend Zeit für eine erneute Wende geblieben: „Dann hätten wir meiner Meinung nach sicher noch genug Chancen erspielt, um das Spiel hier noch gewinnen zu können.“
Auch die fehlende Effizienz müsse die Mannschaft weiter beschäftigen. Hardung wollte daraus allerdings kein grundsätzliches Abschlussproblem konstruieren. Gerade bei einer jungen Mannschaft werde es immer wieder Phasen geben, in denen Chancen konsequenter genutzt werden – und andere, in denen dies nicht gelingt. Entscheidend sei vielmehr, sich genügend Möglichkeiten herauszuspielen. Genau das habe die Eintracht vor der Pause getan, nur eben ohne den entsprechenden Ertrag: „Da müssen ein, zwei Tore mehr rauskommen. Da müssen wir uns einfach mehr belohnen.“
Chandler hadert mit eigener Großchance
Dass die Eintracht trotz der schwachen zweiten Hälfte noch einmal die Gelegenheit hatte, in die Partie zurückzukehren, zeigte sich auch bei Chandler. Der 36-Jährige wurde eingewechselt und hatte die große Möglichkeit zum zwischenzeitlichen 2:3, traf den Ball aber nicht und brachte ihn so nicht im Augsburger Tor unter. „Ich will einfach einen Impact geben, wenn ich reinkomme“, erklärte der Rechtsverteidiger. Gerade deshalb ärgerte ihn seine vergebene Möglichkeit enorm: „Ich hatte die Chance und muss den Ball treffen, dann steht es 3:2 und dann geht nochmal ein Feuerwerk los, wenn ich das mache.“ Chandler machte keinen Hehl aus seinem persönlichen Frust: „Deswegen bin ich, was das angeht, sehr, sehr sauer.“
Dass er ausgerechnet an diesem Nachmittag sein 200. Pflichtspiel für die Eintracht absolvierte, rückte angesichts des Ergebnisses komplett in den Hintergrund. „Jedes Spiel, das ich für Eintracht Frankfurt mache, macht mich stolz. Ob es das 200. ist oder das erste“, betonte der langjährige Adlerträger. Wirklich genießen konnte er sein Jubiläum allerdings nicht: „Wir wollten den Fans heute was liefern, haben es nur 45 Minuten geschafft und dann nachgelassen.“
Stabilität nach Rückschlägen als nächste Aufgabe
Genau dort sieht auch Hardung einen entscheidenden Ansatzpunkt für die kommenden Wochen. Auf die Frage, woran die Mannschaft nun arbeiten müsse, fiel seine erste Antwort entsprechend deutlich aus: „An vielen Themen.“ Eines davon stehe nach der Augsburg-Niederlage allerdings besonders im Mittelpunkt: die Widerstandsfähigkeit. „Natürlich können wir heute insbesondere die Stabilität rausnehmen, damit meine ich die Stabilität nach Widerständen“, erklärte der Sportdirektor. Die Mannschaft müsse auch nach Gegentoren oder anderen Rückschlägen ihrer eigenen Idee treu bleiben.
Dass diese Idee funktionieren kann, hatte die erste Halbzeit eindrucksvoll gezeigt. Dass 45 starke Minuten in der Bundesliga nicht reichen, die zweite ebenso deutlich. „Das müssen wir eben über 90 Minuten schaffen“, forderte Hardung. Genau darin liegt nach nur einem Punkt aus den ersten beiden Bundesligaspielen die große Aufgabe: Die Eintracht muss nicht erst lernen, guten Fußball zu spielen. Sie muss lernen, ihn auch dann weiterzuspielen, wenn eine Partie plötzlich gegen sie läuft.






Ein Kommentar
So sehr wir ihn mögen - dass wir Chandler einwechseln müssen, sagt schon alles aus. In erster Linie über Krösches Arbeit.
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