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Klare Richtungen, klare Anweisungen. Foto: IMAGO / Eibner

Bringt Riera der Eintracht das, was unter Toppmöller zuletzt fehlte?

Die Trennung von Trainer Dino Toppmöller war eine, die der Frankfurter Eintracht nicht leicht fiel. Toppmöller identifizierte sich komplett mit dem Verein, qualifizierte sich in der Vorsaison erstmals über die Liga für die Champions League und war bei Mitarbeitern wie Spielern beliebt. Doch angesichts der sportlichen Krise entschied man sich, den Trainer zu beurlauben. Übernommen hat nach einem eher dürftigen Intermezzo unter Dennis Schmitt und Alex Meier nun Albert Riera. Der Spanier hat aus seinen ersten beiden Ligaspielen vier Punkte geholt und den ersten Bundesliga-Sieg nach dem wenig überzeugenden 1:0-Erfolg gegen den FC Augsburg am 13. Dezember des vergangenen Jahres eingefahren. Es ist freilich zu früh ein Fazit zu ziehen, wie Riera in Frankfurt angekommen ist. Was aber durchaus interessant ist, ist mal auf Dinge zu schauen, die sich tatsächlich schon geändert haben.

Es ist wieder Feuer drin

Dino Toppmöller arbeitete sehr sachlich und nüchtern in Frankfurt. Seine Pressekonferenzen waren ähnlich gestaltet. Auf Fragen antwortete der ehemalige Chefcoach freundlich, gelassen und kompetent. Aber eben auch ruhig und ohne große Emotionen in die eine oder andere Richtung. Diese Art des Trainers funktionierte monatelang gut. Er erreichte die Spieler und das Umfeld und fand Mittel wie Wege, um Hindernisse zu umschiffen. In den vergangenen Monaten der aktuellen Saison schien es aber, als sei genau diese Herangehensweise nicht mehr zielführend. Die Spieler auf dem Platz wirkten fahrig, das Umfeld wurde ungeduldiger und die Journalisten kritischer. Toppmöller reagierte darauf wie immer: Ruhig und gelassen, auch wenn der Ton zuletzt etwas rauer geworden war. In der Phase der sportlichen Krise waren die Spieler vollkommen verunsichert und „Selbstbewusstsein“ war ein Fremdwort auf hessisch geworden. Unter Riera ist hier jetzt eine deutliche Veränderung zu spüren. Sportlich ist noch immer nicht alles gleich Gold was glänzt, aber das Selbstbewusstsein ist zurückgekehrt und der Trainer wirkt wie eine Verkörperung dessen. „Ihr werdet eine vollkommen andere Mannschaft sehen“, „Ich bin der absoluten Überzeugung, das mein Weg funktioniert“, „Wenn ich meinen Spielern sage, dass sie vom Balkon springen sollen, dann werden sie das tun!“ Aussagen wie diese hätte Toppmöller wohl nicht getroffen. Es wirkt aber so, als habe Riera damit die Spieler, den Staff und das Umfeld gepackt, geschüttelt und aufgeweckt. Auf einmal ist Selbstbewusstsein zurückgekehrt in die Reihen der Eintracht. Natürlich ist das Team noch nicht wieder dort, wo es einmal war. Aber es ist auch nicht so, dass man einen Haufen verängstigter Spieler mit weichen Knien über den Rasen wackeln sieht, wie es teilweise aussah zuletzt.

Noch vor wenigen Wochen biss sich die Eintracht an des Gegners Strafraum die Zähne aus und beinahe jeder Ballverlust führte zum Gegentor, mindestens aber zu einer gegnerischen Großchance. Jeder Rückschlag endete in einer mentalen Katastrophe und dem Ende des Frankfurter Spiels in jeder Partie. Auch am vergangenen Wochenende gegen Gladbach hielten viele Fans nach dem 1:0 für etwa zwei Minuten den Atem an: Zuletzt hatte die SGE immer postwendend den Ausgleich gefangen. Die Spieler wirken jetzt aber mental gefestigter. Auch der Rückschlag durch Kalimuendos Verletzung führte nicht zum Einbruch, der vermutlich noch einen Monat zuvor eingetreten wäre. Das kann und muss man dem neuen Trainer positiv ankreiden.

Taktische Veränderungen bringen frischen Wind

Das System unter Toppmöller war zuletzt vollkommen festgefahren. Die immer gleichen Spieler, versuchten die immergleichen Abläufe in der immergleichen Startformation immergleich umzusetzen. Das funktionierte nicht mehr. Spieler X muss auf Position X spielen. Variationen gab es keine mehr. Toppmöller arbeitete lange mit seinen Spielern zusammen, kannte ihre Stärken und Schwächen und setzte sie nach bestem Wissen und Gewissen ein. Doch wenn eine Einschätzung erstmal steht, ist es sehr schwer, wieder davon wegzukommen. Das ist menschlich. Riera hat sich in seinen ersten beiden Wochen in Frankfurt ein eigenes Bild von den Spielern gemacht und neue Impulse gesetzt. Nathaniel Brown war unter Toppmöller als Linksverteidiger gesetzt. Auf der linken Außenbahn sollte der Spieler auf seiner angestammten Position verteidigen und Impulse nach vorne setzen. Riera hat Brown als verkappten Spielmacher auserkoren. Der 22-Jährige genießt nun viel größere Freiheiten und seine Heatmap zeigt, dass er sich viel freier auf dem Platz bewegt und Räume bespielt, in denen man ihn vorher nicht sah. Er darf offensiver agieren als zuvor und zeigt ungekannte Box-to-Box-Qualitäten. Nicht zufällig hat Brown bislang in jedem Spiel unter Riera ins Tor getroffen: Er kommt mehr in derlei Situationen im neuen System. Im Ballbesitz wird er zum Strippenzieher im Mittelfeld. Bei eigenem Ballverlust, verschiebt er wieder auf seine angestammte Linksverteidigerposition. Er ist der Dreh- und Angelpunkt im Frankfurter Spiel.

Gegen Gladbach spielten Ayoube Amaimouni-Echghouyab, Ritsu Doan, Mario Götze und Jean-Matteo Bahoya gemeinsam hinter Stürmer Arnaud Kalimuendo. Das waren fünf nominelle Offensivkräfte gemeinsam auf dem Rasen. Auch wenn Kalimuendo sich früh verletzte und die Hessen daraufhin ohne richtigen Stürmer agieren mussten, so war die Ausrichtung klar: Offensive Power! Das hatte man unter Toppmöller  zuletzt vermisst. Er hatte konservativer und viel defensiver aufgestellt. Meist mit zwei Sechsern und nicht selten auch Fünferkette. Stichwort Sechser: Der zuletzt sehr, sehr schwache Ellyes Skhiri kommt bislang noch nicht zum Zug unter Riera. Das lag zum einen an seiner Gelb-Rot-Sperre, wodurch er gegen Union Berlin keine Option war. Aber auch gegen Gladbach durfte er nur elf Minuten spielen. Unter Toppmöller noch war der Spieler gesetzt, Riera setzt bislang eher auf offensivere Ausrichtung, als auf Skhiri.

Auch nach zwei Spielen sieht man also vor allem auf diesen Ebenen Veränderungen. Eine richtige Bilanz kann man erst in einigen Wochen ziehen, aber auch jetzt schon schlagen Rieras gesäte Samen Triebe im Frankfurter Stadtwald. Es sprießt und beginnt hier und dort vereinzelt zu blühen. Erlebt Frankfurt also doch noch einen bunten Frühling mit einem Happy End im Mai?

6 Kommentare

Fallback Avatar 1. frankfurter jung 17. Februar 26, 13:16 Uhr

Toppmöllers Zeit bei Eintracht ist vorbei.
Er wurde gelobt und kritisiert. Zuletzt fast nur noch kritisiert und folgerichtig auch beurlaubt.
Riera strahlt eine natürliche Autorität aus, wirkt überzeugend. In den ersten beiden Spielen hat er nahezu das Optimum erreicht, mit Motivation und taktischen Veränderungen. Um die Mannschaft weiterhin kontinuierlich besser zu machen, braucht es Zeit. Riera scheint den richtigen Plan zu haben, gut so.

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Fallback Avatar 2. PeKa 17. Februar 26, 13:29 Uhr

Ein Trainer ist gut, wenn er die besten Spieler aufstellt, aber die, die nicht spielen, trotzdem irgendwie mitnimmt. Ich glaube, das bekommt Albert hin.
Bei Dino war immer mehr zu spüren, dass die Angst, etwas falsch zu machen, ihn total gelähmt hat. Also hat er immer wieder die gleichen spielen lassen.
Wie nachhaltig das bei Albert ist, werden wir sehen. Fest steht, dass irgendwann auch seine Zeit hier abgelaufen sein wird und ob wir ihn dann vom Hof jagen oder als Held verabschieden. Ich hoffe, Zweiteres.

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Avatar 3. Hooliganverachter 17. Februar 26, 13:39 Uhr

Die Frage ließe sich eher beantworten, wenn man wüsste, welche Spieler dem Albert zur Verfügung stehen.

Vgl. konnte Toppmöller aus dem Vollen schöpfen.

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Fallback Avatar 4. pfalzadler11 17. Februar 26, 13:54 Uhr

Konnte er z.b. im Dezember 2025 wirklich aus dem vollen schöpfen? Welche Stürmer konnte er da wieder einsetzen? Aktuell ist tatsächlich mit dem Ausfall von Theate u. Kristensen nicht lustig...

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Fallback Avatar 5. Meintracht 17. Februar 26, 14:17 Uhr

Aus dem Titel wäre das Wort "zuletzt" zu streichen. Sehr guter Artikel, am Ende recht blumig. :-)

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Fallback Avatar 6. Block17 17. Februar 26, 14:18 Uhr

Toppmöller ist letztlich an zwei Dingen gescheitert:
Er konnte eben nicht die Eigenschaften eines Spielers richtig
einschätzen und mit den Anforderungen der Position abgleichen.
Deshalb hat er immer und immer wieder Spieler auf den falschen
Positionen spielen lassen.
Und er konnte in zwei Jahren der Mannschaft kein erfolgreiches
Spiel ohne Ball vermitteln. Deshalb konnten wir nicht kombinieren
und standen in der Defensive zu oft in Unterzahl.
Die Qualität des Kaders und besonders die zwei begnadeten
Stürmer haben das oft auffangen können, auch mit Burkardt wäre
das eine zeit lang einigermaßen gegangen.
Aber dann war Toppmöller gefordert und ohne jede Lösung.

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