Die Frankfurter Eintracht ist denkbar schwach ins neue Bundesligajahr 2026 gestartet. Dem spektakulären 3:3 gegen den BVB vor sechs Tagen ließen die sonst so hochfliegenden Adler ein ebenfalls dramatisches, am Ende enttäuschendes 2:3 beim VfB Stuttgart folgen. Bemerkenswert (im negativen Sinne) ist die fragile Defensive, die Cheftrainer Dino Toppmöller scheinbar auch nach dem Jahreswechsel nicht in den Griff bekommt. Sechs Gegentore insgesamt, drei pro Spiel. Vor allem in der Schlussphase musste Kaua Santos jeweils zweimal hinter sich greifen, sodass sich seine Mannschaft in beiden Partien um den Lohn brachte. Statt starke vier Punkte steht lediglich ein magerer Zähler zu Buche.
Glücklicherweise muss die SGE nicht lange warten, um den Fehlstart ins neue Jahr wiedergutzumachen. Im zweiten Freitagabendspiel in Folge gastieren die Hessen beim SV Werder Bremen. Beim Krisenduell mit den Grün-Weißen steht sowohl der Coach als auch seine Mannschaft unter Zugzwang. Drei Punkte sind und müssen das Ziel sein gegen einen Gegner, der nicht nur zwei Punkte aus den letzten fünf Bundesligaspielen holte, sondern auch zuletzt dreimal in Folge kein eigenes Tor erzielte. „Gar nicht“, lautete Toppmöllers selbstbewusste Antwort auf die Frage, wie sehr er sich als Trainer von Eintracht Frankfurt unter Druck fühle. „Ich freue mich einfach auf das Spiel morgen.“ Schließlich ist das Vertrauen in die Qualitäten seiner Mannschaft weiterhin groß, aber „es gibt Dinge, die wir besser machen müssen, die wir auch angesprochen haben.“ Gemeint ist vor allem die Flut an Gegentoren, die die Spieler auch im Jahr 2026 nicht zu bremsen wissen. „Es ist im Moment ein sehr komplexes Thema“, versuchte der Fußballlehrer, eine Erklärung zu finden.
Die ersten 25 Minuten in Stuttgart habe die Abwehrkette um Arthur Theate, Aurele Amenda, Robin Koch und Rasmus Kristensen gut verteidigt. „Dann machen wir einen individuellen Fehler, und dann hast du das Gefühl, dass eine Angriffswelle nach der anderen rollt.“ Das hänge auch damit zusammen, dass die SGE mit dem Ball nach der Auswechslung von Younes Ebnoutalib kaum Präsenz ausgestrahlt hat. Zu oft wurden die Bälle verloren. „Was in der zweiten Hälfte auffällig war und was wir überhaupt nicht gut gemacht haben, war, dass wir die Tiefe nullkommanull im Griff hatten“, monierte Topmöller rückblickend auf die Stuttgart-Schlappe. Doch es gebe auch Hoffnung. „Wenn wir die Leistungen über die 90 Minuten einfach bringen, diese offensive Wucht, die wir entwickeln können, können wir Spiele gewinnen und uns für den Aufwand, den wir betreiben, belohnen.“ Auf dem Papier wartet mit Werder Bremen ein vermeintlich dankbarer Gegner, dessen Offensivmotor zuletzt ins Stocken geriet, doch davor darf sich weder Toppmöller noch die gesamte Truppe blenden lassen. „Werder Bremen ist eine Mannschaft, die offensiv sehr guten Fußball spielen kann und dafür gestanden ist, sehr viele Tore schießen zu können.“ Gegen die Norddeutschen taten sich die Hessen in der Vergangenheit des Öfteren schwer. Am morgigen Abend in einem Flutlichtspiel mit toller Kulisse im Weserstadion zu bestehen, wird daher alles andere als leicht. „Wir sollten sie nicht daran messen, dass sie in den letzten Wochen wenig Tore geschossen haben“, mahnte Toppmöller zurecht, aber Gleiches gelte auch für die Mannschaft von Horst Steffen: „Genauso sollten sie nicht davon ausgehen, dass sie auf eine schwache Abwehr treffen.“
Leistungsträger zurück – Update zu Sturmdou
Schließlich erwies sich die Eintracht oft als Aufbaugegner für Clubs, die sportlich tief in der Krise steckten. Das soll morgen logischerweise vermieden werden. Umso wichtiger ist es, dass nach den bitteren Ausfällen am vergangenen Dienstag mit Can Uzun, Nene Brown und Africa-Cup-Rückkehrer Fares Chaibi drei Schlüsselspieler zumindest wieder teil des Kaders sein werden. Dagegen fällt Mario Götze weiterhin krankheitsbedingt aus. Arnaud Kalimuendo, der bereits gegen den VfB in der Startelf stand, ist fit genug, um morgen an der Weser 90 Minuten lang für Torgefahr zu sorgen, zumal er für das Champions League-Spiel bei Qarabag Agdam nicht spielberechtigt ist. Der Franzose muss vor allem seinen kongenialen Partner, Younes Ebnoutalib nach der bitteren Diagnose vertreten. „Younes geht es beschissen“, gab Toppmöller Einblicke in die Gefühlslage seines Schützlings. „Er kommt hierhin, legt einen Traumstart hin, war im Umfeld gefühlt eine Art Hoffnungsträger mit dieser Identifikation, mit der Art und Weise, wie er aufgetreten ist, schießt ein Tor. Das ist irgendwie bezeichnend für die gesamte Saison.“ Mit dem langen Ausfall von Ebnoutalib vergrößert sich das Frankfurter Lazarett, erst Jonny Burkardt, dann Michy Batshuayi und jetzt der gebürtige Frankfurter. Bei Burkardt herrscht jedoch Zuversicht, dass er Anfang Februar zurückkehrt. „Wir müssen eins, zwei Untersuchungen abwarten. Er fühlt sich sehr gut. Er ist nach wie vor im Plan, genau das, was uns die Ärzte und die Rehatrainer mit auf dem Weg gegeben haben. Er ist im Soll.“
Toppmöller nominiert Staff
Um dem Engpass im Sturmzentrum vorzubeugen, verkündete Toppmöller, dass der heiß gehandelte Alexander Staff die Reise nach Bremen mit antreten wird. „Alex Staff ist bei uns nach wie vor im Training, war auch beim Abschlusstraining dabei. Wir haben jetzt noch einen Spieler zusätzlich mitgenommen, weil der ein oder andere krank ist. Bevor jetzt noch einer krank wird, es ist schon eine gewisse Distanz bis nach Bremen“, erklärte der gebürtige Saarländer. „Staffi ist auf jeden Fall bei uns im erweiterten Kreis und natürlich haben wir ihn auf dem Schirm.“ Allerdings hat Toppmöller mit Hugo Larsson einen weiteren Ausfall eines wichtigen Spielers im zentralen Mittelfeld zu beklagen. Bereits vor zwei Tagen stand der Schwede nicht zur Verfügung. Es ist schon das siebte Spiel in der Saison, wo der Coach auf Larssons Dienste verzichten muss. „Es ist nicht nur für ihn, sondern auch für uns frustrierend“, machte Toppmöller seinem Ärger Luft. „Es ist in der Häufigkeit und in der Form für mich nicht zu akzeptieren, weil er ein sehr sehr guter Spieler ist, der uns in der Form zum wiederholten Male nicht zur Verfügung steht.“ In erster Linie sei der Spieler selbst in der Pflicht. „Da müssen wir die Gründe herausfinden, weil das nicht normal ist, dass es so in der Häufigkeit passiert.“ Dabei wäre Larsson mit seinen Qualitäten und seiner umtriebigen Spielweise für das morgige Duell immens wichtig, zumal die Nerven bei den Spieler nach den enttäuschenden Resultaten ein wenig blank liegen.
„Das ist Profisport, das gehört dazu“
Sinnbildlich war eine Situation, in der Arthur Theate und Kaua Santos nach einer Unsicherheit des Brasilianers aneinandergerieten. Zwar konnten die Wogen in der Halbzeitpause geglättet werden, wie Toppmöller verriet, doch für den Coach ist die Aktion beispielhaft, dass es den Spielern nicht egal ist, wenn der Erfolg ausbleibt und dass sich Wut, Frust und Ärger anstauen. „Gegenfrage: Wenn Arthur gar keine Reaktion zeigt, heißt es dann, sie zeigen gar keine Emotionen, die Gruppe lebt nicht?“, fragte Toppmöller provokant und verteidigte das Handeln des Belgiers. Wenn jemand einen groben Fehler begehe, dann dürfe er auch mal von einem Führungsspieler gerügt werden. „Jeder Spieler, der hier auf dem Feld für Eintracht Frankfurt steht, hat die Ambition für einen Topverein in Deutschland oder vielleicht bei einem noch größeren Topverein zu spielen. Das ist Profisport, das gehört dazu, damit muss ich umgehen können.“ Toppmöller, der ebenfalls viel Kritik einstecken muss, geht es nicht darum, dass sich die Spieler gegenseitig zerfleischen oder er seine Spieler an den Pranger stellt, sondern dass jeder gemeinsam für den sportlichen Erfolg an einem Strang zieht. „Ich mache das nicht, um meine Spieler zu kritisieren, sondern ich will gewinnen“, wurde der 45-Jährige deutlich, der „der Erste ist, der anfängt, sich zu hinterfragen: ‚Was hättest du besser machen können‘? Es ist immer ein Zusammenspiel.“ Es gebe aber auch Dinge, die die Spieler auf dem Platz besser regeln müssen. Es komme auf die Situation an. „Die war eben so, dass ich in Stuttgart extrem sauer war und das auch gezeigt habe. Am Ende wollen wir Fußballspiele gewinnen. Da geht es auch nicht immer, dass wir jeden mit Samthandschuhen anpacken. Wir sind im Profifußball, wir wollen erfolgreich sein und dafür müssen wir alles tun. Ich muss auch Kritik aushalten, dann muss ein Spieler auch aushalten, wenn der Trainer mal laut wird.“
Aus Adler-Sicht bleibt zu hoffen, dass Toppmöller nicht erneut auf den Tisch hauen muss, wenn es der SGE gelingt, mit einer stabileren Abwehr und einer guten Effizienz vorne den ersten Dreier im Jahr 2026 einzufahren.






9 Kommentare
Man darf gespannt sein was den Worten am Freitag für Taten folgen. Es müssen sehr dringend drei Punkte her. Wer da am Ende auf dem Platz steht ist mir egal. Da muss jetzt einfach ein Ruck durch die Mannschaft gehen und egal welche Stellung wer im Team hat, wer seine Leistung nicht bringt braucht eine Pause. Besonders nach hinten kann es kaum noch schlechter Laufen! Vor einem halben Jahr hat unsere Abwehr noch bei den Nationalmannschaft gespielt und heute? Das ist mir echt ein Rätsel.
Drei Punkte und gut in die Rückrunde starten! Eintracht!
Ich habe die PK gesehen. Ich weiß, dass uns eine gute PK keine Punkte bringt, noch eine schlechte PK uns reinreißt.
Aber trotzdem fand ich den Ton und die Art von Dino gut. Auch dass er so direkt auf die Fragen eingegangen ist. Und ich hatte den Eindruck, er bezieht sich diesmal mehr in die Kritik mit ein. Ich hoffe, das ist kein reines Wunschdenken von mir.
Bei aller Kritik an ihm, muss man auch das Positive ansprechen.
Zum Beispiel, dass er Ayoube gebracht hat.
Und ich hab mir noch mal die zweite Halbzeit im re-live angeschaut. Wenn Kalimuendo noch einen von seinen zwei sehr guten Chancen reinmacht, kann sich Stuttgart auch nicht beschweren.
Wie gesagt, eine noch so gute PK bringt uns gar nichts.
Aber wenn er etwas von dieser Art auch gegenüber der Mannschaft rüberbringt, dann ist das für mich ein kleiner Hofnungsschimmer.
Uzun und Brown sind wieder dabei.
Auf geht's SGE!!! 🖤🤍❤️
Hoffentlich wird das morgen Abend was mit den 3 Punkten, egal wie, aber es müssen Punkte her….danach kommt Hoffenheim, eigentlich ein gutes Omen, die haben in den letzten Jahren kein Land gegen uns gesehen, weder zu Hause noch in Frankfurt, da sind wir ein bisschen der Angstgegner, vielleicht hilft es ja…
Sollte aus den nächsten beiden Spielen keine oder nur 1 Punkt rauskommen wird‘s richtig bitter, dann kommt Leverkusen und spätestens wenn das nicht gewonnen wird (was natürlich äußerst schwierig wird), brennt hier nicht nur der Baum sondern wohl eher der gesamte Stadtwald…
Hoffen wir das Kalimuendo sich gut macht, was er bisher gezeigt hat ist vielversprechend, aber als alleinige Spitze wird auch er es schwer haben, das Verletztungspech bleibt uns dieses Jahr genauso treu wie die chaotische Defensive, wobei in der Defensive keiner wirklich länger verletzt war oder ist….
Schuld sind die anderen....
"Die Wahrheit liegt auf dem Platz" oder so ähnlich....
Freitag Abend um 22:30 Uhr wissen wir, ob er die Spieler noch "erreicht". Würde mich aber wundern, wenn er nur alleine mit Poltern all die vorhandenen und unübersehbaren Defizite beheben kann. Wir werden sehen...
Diese PK von DT , war die Beste die ich seit Monaten von ihm gehört habe.Ich bin mir sicher das er weiß das er jetzt punkten muss und Ich hoffe das die Mannschaft es umsetzen kann .
Auf geht´s Eintracht!
Wie wär’s denn anstatt zu labbern, mal an der defensive zu arbeiten???
Ich erinnere mich gut dran wie Kovac damals bei Amtsantritt bei uns gesagt hat, dass es das einfachste sei einer Mannschaft die Defensiv-Arbeit beizubringen - die Kunst liegt in der Offensive. Vielleicht kann das mal jemand dem Azubi DT sagen
Mit 17 mal 0:0 kommt man auch nicht in die Euro League. Merkst was?
ned viel Gebabbel, Frankfurt makes trouble.
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