Für die Frankfurter Eintracht steht am kommenden Sonntag die nächste Aufgabe in der Bundesliga an. Nach dem 2:0-Heimsieg gegen den SC Freiburg geht es für die Hessen in den hohen Norden zum FC St. Pauli. Die Norddeutschen stecken bis zum Hals im Abstiegskampf und stehen aktuell auf Tabellenplatz 15. Davon wollte Cheftrainer Albert Riera aber auf der Pressekonferenz vor der Partie nichts wissen:
„Man kann verlieren, weil der Gegner besser spielt oder weil es einfach Fußball ist. Es gewinnt nicht immer die bessere Mannschaft. Das macht den Sport ja auch so wundervoll“, erklärt Albert Riera. „Aber man darf nicht verlieren, weil man nicht bereit ist. Mental. Man muss auf alles vorbereitet sein und es ernst nehmen. Ganz egal, wer der Gegner ist. Ich habe in meiner aktiven Karriere viele Spiele verloren. Daher will ich so eine Situation vorab verhindern. Ich kann mich nicht erinnern, dass eines meiner Teams mal wegen mangelnder Einstellung verloren hat. Das ist mir sehr wichtig. Wir können verlieren, aber nicht so.“ Das habe der 43-Jährige in seiner kurzen Zeit in Frankfurt den Spielern schon klar gemacht. „Sie wissen, dass ich das nicht akzeptiere.“
Das Hinspiel konnte die SGE mit 2:0 gewinnen. Damals erzielte Jonathan Burkardt einen Doppelpack. Man kann wohl davon ausgehen, dass der Stürmer auch am Sonntag starten wird. „Ich hoffe er wiederholt das, aber jedes Spiel und jeder Moment sind unterschiedlich. Das habe ich der Mannschaft auch am Anfang der Woche gesagt. Gewinner-Teams denken direkt an das nächste Spiel. Und da haben wir noch nichts gewonnen. Wir müssen mit derselben Leidenschaft und Intensität jede Partie auflaufen. Das verlange ich von den Spielern. Jetzt spielen wir gegen ein Team, das in der Tabelle hinter uns steht. Das ist egal. Wir müssen immer gleich spielen. Die Woche vor Bayern München ist für den Trainer einfach. Alle sind motiviert und wollen spielen. Gegen St. Pauli geht es um genauso viele Punkte.“
„Bahoya macht großartigen Job“
Personell wird erneut Michael Zetterer für den verletzten Kaua Santos auflaufen. Zur Ausfallzeit machte Riera keine Angaben, betonte aber wie zufrieden er mit der Besetzung auf der Torwart-Position sei. „Man will immer unterschiedliche Optionen mit unterschiedlichen Fähigkeiten auf derselben Position haben. Als ich kam, habe ich mich für Kaua entschieden. Unglücklicherweise steht er uns jetzt nicht zur Verfügung. Aber wir haben einen weiteren Torhüter, der schon bewiesen hat, dass er der Mannschaft zu Siegen verhelfen kann. Das ist wunderbar. Ich sage nicht, dass ein Profil besser ist als das andere. Er ist ein anderer Torhüter. Er ist fokussiert, motiviert und will gewinnen.“ Mit Can Uzun und Younes Ebnoutalib haben zwei Spieler von der langen Verletztenliste in der vergangenen Woche wieder leicht mittrainiert. Für Pflichtspiele sei es aber noch viel zu früh. „Sie haben ein paar Passübungen mitgemacht, um wieder in den Rhythmus zu kommen. Aber ohne Kontakt. Nächste Woche werden sie schon mehr machen und dann werden wir sehen, wann sie wieder verfügbar sind.“
Ein Spieler, der auf jeden Fall zur Verfügung steht und unter Riera wieder zu alter Stärke gefunden hat, ist Jean-Mattéo Bahoya. Nachdem der Franzose ein wenig aufs Abstellgleis geraten ist, stand er in den letzten drei Spielen über die volle Laufzeit auf dem Platz und lieferte dabei unter anderem gegen Freiburg einen Treffer. „Du hast hier einen sehr jungen Spieler. Es gibt sehr erfahrene Spieler, die wissen, was sie tun müssen und wie sie sich vorbereiten. Ich möchte meinen Spielern Selbstvertrauen geben. Und das versuche ich auch Bahoya zu geben und er zahlt es uns zurück“, lobt der Eintracht-Cheftrainer. „Die Liebe, die ich ihm gebe, gibt er der Mannschaft. Was er mit dem Ball macht, ist fantastisch, auch sein Tor. Aber ich will auch, dass ihr den Aufwand seht, den er auf dem Flügel betreibt. Ich habe an die Spieler hohe Ansprüche, wenn wir den Ball gegen uns haben. Nicht nur ‚JM‘, aber vor allem er macht da einen großartigen Job. Es zeigt, dass man auch ohne Ball ein Teamplayer sein muss. Wir haben auch Fares Chaibi, Doan, Kali – alle natürlich sehr talentiert mit dem Ball. Aber man hat als Spieler nicht über 90 Minuten selbst den Ball. Den Großteil bewegt man sich ohne.“
Lobende Worte für Toppmöller
Allgemein hat der Spanier seit seiner Ankunft die Hintermannschaft der Hessen stabilisiert. Abgesehen vom Bayern-Spiel kassierte die Mannschaft unter ihm erst ein Gegentor und blieb zweimal zu Null. Entscheidend dafür sei das Konzept: „Alle Spieler wissen, was sie ohne Ball machen müssen. Da gibt es keinen Zweifel. Wenn wir dienstags die Analyse machen, will ich, dass sie selbst Feedback geben und erkennen, was richtig und falsch ist. Das wichtigste ist, dass sie es verstehen. Man sieht, dass sie sehr schnell lernen. Es fasziniert mich, wie sie besser werden und auch welche Ideen sie selbst einbringen.“ Das sei allerdings nicht allein der Verdienst des jetzigen Trainerteams. „Daran sieht man, dass unsere Vorgänger gute Arbeit geleistet haben. Ich habe in der Vergangenheit auch schon Teams übernommen, bei denen die Spieler körperlich und auch taktisch auf keinem guten Niveau waren. Das war bei diesem Team nicht so. Diese Mannschaft hatte lange nicht mehr gewonnen und hatte eine mentale Blockade. Daher lag unser Fokus zunächst auf dem Selbstvertrauen. Aber das Team war körperlich fit und hatte eine gute Arbeitseinstellung. Ich muss dem vorherigen Trainerteam ein Kompliment machen.“
Seit seiner Ankunft hat sich der 43-Jährige in Frankfurt gut eingelebt. Viel Zeit neben dem Fußball bleibt für ihn in Frankfurt aber nicht. „Ich habe die letzten Nächte hier auf dem Trainingsgelände geschlafen. Mein Fokus liegt auf dem Fußball. Die Spieler sollen mein Spiegelbild sein. Mein Ziel als Trainer ist es, das Spiel meiner Mannschaft zu genießen. Für mich ist das keine Arbeit. Es ist ein Job, den ich sehr gerne mache. Wenn ich den ganzen Tag auf dem Trainingsgelände bin, dann ist das meine Entscheidung. Nicht weil ich es muss, sondern weil ich es will.“ Damit ist die Marschroute für den kommenden Sonntag klar. Albert Riera will von seiner Mannschaft Leidenschaft und Einsatz sehen.„St. Pauli hat eine fantastische Atmosphäre. Das weiß ich. Das hatten wir bei Union Berlin auch. Das hat man in der Bundesliga öfters. Es ist die Liga mit den meisten Fans im Stadion. Wir müssen unseren Fans eine Show liefern. Sie sind loyal und kommen für uns ins Stadion. Aber für uns müssen es dieselben Spiele sein. Natürlich spielen die Gegner anderen Fußball. Die Mentalität muss sein immer gleich vorbereitet zu sein. Jeder Gegner verdient Respekt. Ich wollte sehen, dass meine Spieler diese Woche hart trainieren. Das haben sie. Wir haben ein großes Punktedefizit. Von daher sind praktisch alle Partien bis Saisonende Finalspiele.“






4 Kommentare
M. E. spielt von den Mannschaften hinter uns St. Pauli den besten Fußball. Hätten die einen Knipser würde die eine tolle Saison spielen. Also aufgepasst!
Die ersten Tage war ich sehr skeptisch, als er hier mit sehr großen Worten angekommen ist. Ich fange an ihm zu glauben und zu schätzen. Sein Lob für das vorige Trainerteam ist sehr stark und ist selten zu hören. Danke dafür und damit sollte das Toppmöller kritisieren auch endlich mal beendet werden.
Aber mein absoluter Lieblingssatz ist:
"Ich habe die letzten Tage hier auf dem Trainingsgelände geschlafen" - genial! Das gab es glaube ich auch noch nicht. Eine Übernachtung in unserem Stadion - da wäre ich auch sofort dabei.
Gegen Pauli haben wir aus der letzten Saison immer noch eine Rechnung offen. Die haben uns das letzte Heimspiel versaut und damit eine riesen Party mit dem Einzug in sie CL! 3:0 für uns! 😉
Irgendwie gibt mir der Albert das Gefühl, dass ich mir Aussagen wie „ Wir waren nicht ready“ nicht anhören muss .
Wir werden Pauli nicht unterschätzen.
Riera gibt augenscheinlich alles für den Erfolg der Mannschaft.
Zieht das Team nach, so wie er es vorgibt , dann ist der Erfolg vorprogrammiert.
Ob das dann für die Europa oder gar Championsleague reicht?
Für die Conference League auf jeden Fall.
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