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Mit unkonventionellen taktischen Entscheidungen gelang Albert Rieras Eintracht der Sieg über den SC Freiburg. Foto: IMAGO / Kessler-Sportfotografie

Riera nach SGE-Sieg über SCF: „Möchte, dass meine Spieler an mich glauben“

Es war ein wichtiges Spiel für Eintracht-Cheftrainer Albert Riera. Mit einem 2:0-Erfolg über den SC Freiburg überholt Eintracht Frankfurt die Breisgauer in der Bundesliga-Tabelle und sichert sich vorerst den siebten Platz. Das Ziel, auch in der nächsten Saison in einem europäischen Wettbewerb zu stehen, erscheint somit wieder greifbar. Auf der Pressekonferenz nach dem Top-Spiel sprach der Coach noch einmal über seine Spielphilosophie: „Mein Fokus ist, dass die Spieler sich auf dem Platz wohlfühlen. Die Spieler werden sich wohlfühlen, wenn sie Lösungen an die Seite gestellt bekommen, viele Passmöglichkeiten haben und wissen, mit wem sie kombinieren können. Ich muss sie also in eine gute Positionierung bringen.“

In der zweiten Halbzeit habe er Oscar Højlund daran erinnern müssen, dass Spiele nicht gewonnen werden, wenn die Spieler viel laufen. Vielmehr müsse Rieras Mannschaft schlau laufen, so der Spanier. „Wir trainieren unser Positionsspiel jeden einzelnen Tag. Ich möchte, dass sie es immer und immer mehr verstehen, dass sie an mich glauben. Sie sollen vergessen, was sie in der Vergangenheit gemacht haben. Ich sage nicht, dass es schlecht war, was sie in der Vergangenheit gemacht haben, ich sage auch nicht, dass es besser war. Es war anders. Jetzt möchte ich, dass sie machen, was ich ihnen sage. Weil ich an das glaube, was ich sehen will“, sagte Riera.

Kauã Santos wird am heutigen Montag untersucht

Für Aufsehen sorgte gleich die erste Aktion des Spiels. Torhüter Kauã Santos verletzte sich beim Zusammenprall mit Freiburgs Igor Matanović. In der fünften Spielminute musste der Brasilianer deshalb ausgewechselt werden. Am Sonntagabend konnte Riera noch keine Entwarnung geben: „Er wird erst morgen gescannt. Ich habe mir das Video nochmal angeschaut und es sah nicht besonders gut aus. Wir drücken ihm die Daumen und wir werden morgen sehen, wie es ist„, beteuerte Riera ohne große Hoffnung. Außerdem ergänzte der 43-Jährige: „Ich habe daran gedacht, dass ich vor zehn Tagen hier meinte, ob ich in die Kirche [wegen der vielen Verletzungen; Anm. d. Red.] gehen soll. Und jetzt passiert es schon wieder in der ersten Aktion des Spiels. Wir hatten eine sehr gute Woche, viele Spieler haben sich besser gefühlt, sie wollen zurückkommen und sind sehr motiviert. Arthur Theate und Rasmus Kristensen wollen so schnell wie möglich dem Team helfen. Robin Koch ist von seiner Krankheit zurückgekommen und dann dachte ich, dass ich nicht in die Kirche gehen müsste. Direkt nach 20 Sekunden habe ich mich wieder daran erinnert.“

Mit Michael Zetterer saß aus der Sicht des Trainers zum Glück ein Torhüter mit Startelf-Potenzial auf der Bank. Ohnehin habe er seinem Ersatztorhüter in der vergangenen Woche vermittelt, dass es für den 30-Jährigen auch wieder einen Weg zur Nummer-1-Position im Tor gäbe.

Matchwinner Chaïbi: Riera fokussiert sich auf die Mannschaft

Der eingewechselte Farès Chaïbi brachte die Frankfurter Eintracht mit einem Tor (64.) und einer Vorlage maßgeblich auf die Siegerstraße. Auf mehrere Fragen zur Einwechslung des 23-jährigen Algeriers reagierte der spanische Cheftrainer ausweichend. Vielmehr wollte er die Leistung der kompletten Mannschaft in den Fokus setzen. Denn für ihn sei es bei solchen Joker-Toren wichtig einzuordnen, dass auch Vorarbeit geleistet wird, indem sich Gegenspieler müde laufen. Gegen den FC Bayern München habe Mahmoud Dahoud die Innenverteidiger der Bayern bearbeitet, damit Jonathan Burkardt profitieren konnte. Diesmal leisteten Højlund und Mario Götze die Vorarbeit für Chaïbi. „Als Chaïbi und Ritsu Doan auf den Platz gekommen sind, haben sie gemerkt, dass die beiden Sechser müde waren. Also hatten sie mehr Platz. Er hat das Tor geschossen und eine Vorlage aufbereitet, aber wir sind ein Team. Deshalb spreche ich nicht viel über individuelle Leistungen. Erst macht jemand 60 Minuten und kreiert den freien Raum und was wir wollen. Dann schnappt sich der, der reinkommt, die Trophäe, das Bonbon„, führte Riera aus.

In dem Zuge erklärte er, wie er entscheidet, wer in der Startelf steht: „Es ist schwer als Trainer 23, 24 glückliche Spieler zu haben, weil nur elf spielen. Ich trage das sehr tief in mir, dass ich gesagt habe, sollte ich jemals Trainer werden, möchte ich alle meine Spieler glücklich machen. Sie müssen sich wichtig fühlen. Manchmal sind es 30 Minuten, manchmal 60 Minuten. Ich frage immer die magische Frage. Was gibst du unserem Team mit und ohne den Ball? Chaïbi war letzte Woche nicht in der ersten Elf, dann habe ich ihn gefragt, ob er uns gibt, was wir wollen, wenn wir den Ball nicht haben. Er verneinte und ich sagte ihm, dass er es zeigen soll. Wenn du es zeigst, dann wird dich nicht der Trainer in die Startelf aufstellen, sondern du selbst. So läuft es mit allen Spielern. Wenn ein Spieler mir zeigt, dass er mit und ohne den Ball alles perfekt macht, wird er in der Startelf stehen.“ Wichtiger denn je scheint also zu werden, dass die SGE über einen großen Kader verfügt und es beim Frankfurter Neu-Coach nach dem Leistungsprinzip geht.

Wieso tauschten Brown und Collins die Seiten?

Taktikliebhabern wird es aufgefallen sein: Riera entschied sich gegen den SC Freiburg, seine Außenverteidiger unkonventionell aufzustellen. Während Nathaniel Brown auf der rechten Seite startete, musste Nnamdi Collins diesmal links ran. Normalerweise stehen die beiden Verteidiger genau umgekehrt auf dem Spielfeld. Der Fußballlehrer erklärte seine Idee: „Sie haben mit zwei Sechsern gespielt, wir mit drei Zehnern, also ist immer jemand frei. Wenn wir in der Mitte einen freien Mann haben und ich Nene rechts spielen lasse, kann er ihn besser sehen. Wenn ich Collins auf die andere Seite stelle, sieht er den freien Mann besser. Auf den Außen haben wir nämlich keinen freien Mann, da haben wir ein Eins-gegen-eins, was wir aber auch nutzen können. Kali [gemeint Arnaud Kalimuendo; Anm. d. Red.] und J.M. [gemeint Jean-Mattéo Bahoya; Anm. d. Red.] sind fantastisch im Eins-gegen-eins. Aber weil wir in der Mitte die Überzahl hatten, war das der Grund, die Seiten zu tauschen.“ Auf Brown ging der Coach genauer ein: „Nach dem Spiel hat Nene [Nathaniel Brown; Anm. d. Red.] gemeint, dass er den ganzen Platz sehe, wenn er nach innen zieht. Manchmal wird er links spielen, manchmal rechts. Er kann also drei weitere Positionen spielen. Er kann als rechter Außenverteidiger spielen, als linker Außenverteidiger, auf der Sechs auf beiden Seiten und als Flügelspieler. Er kann alles, und das ist, was ich von allen Spielern möchte, nicht nur von Nene. Wenn du ein guter Spieler bist, sei offen für Neues, dann wirst du sehr viel Gutes zeigen. Der Grund, wieso wir manchmal so spielen und manchmal nicht, ist: Es kommt auf den Gegner an. Heute gegen zwei Sechser haben wir uns dafür entschieden.“ Auf welcher Position Brown und seine Nebenleute am kommenden Sonntag im Auswärtsspiel gegen den FC St. Pauli eingesetzt werden, bleibt also spannend.

Ein Kommentar

Avatar Der User hat SGE4EVER.de finanziell unterstützt, als es um den großen Relaunch 2024 ging. 1. eagle family 02. März 26, 14:49 Uhr

Ot: Lt. HR Innenbandverletzung bei Santos. Mehrere Wochen Pause.

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