Mo Dahoud ist bei Eintracht Frankfurt ein Spieler, der sich jeder klaren Einordnung entzieht. Er ist weder klarer Stammspieler noch bloßer Ergänzungsakteur – und genau darin liegt seine derzeit so spannende wie auch frustrierende Rolle im Frankfurter Kader.
Denn immer dann, wenn Dahoud von der Bank kommt, scheint er eine besondere Wirkung zu entfalten. Bestes Beispiel: Sein Treffer zum 3:3 gegen Borussia Dortmund. In einer hochintensiven Partie, in der Präzision und Entscheidungsfindung unter Druck gefragt waren, bewies Dahoud genau jene Qualitäten, die ihn einst zu einem der spannendsten deutschen Mittelfeldspieler machten: Ruhe am Ball, sauberes Timing und die Fähigkeit, im richtigen Moment Verantwortung zu übernehmen. Er machte spät das vermeintliche Siegtor zum 3:2 – ein sehr sehenswerter Treffer ins lange Eck. Auch beim knappen 1:0-Erfolg gegen Union Berlin war sein Einfluss größer, als es die nackten Statistiken vermuten lassen. Vor dem Führungstreffer hatte er seine Füße entscheidend im Spiel – wenn er auch den Ball sicher hätte voll treffen wollen. Durch sein Abfälschen landete die Kugel aber genau bei Nathaniel Brown, der sehenswert und wuchtig zugleich abschloss. Kaum eine Szene beschreibt die Situation Dahouds bei der SGE besser. Noch bemerkenswerter war jedoch eine Szene abseits des Rampenlichts: Mit einem aufmerksamen, energischen Block in der Rückwärtsbewegung verhinderte Dahoud das mögliche 2:1 für Berlin nach einem kapitalen Fehlpass von Keeper Kaua Santos. Die Aktion zeigte deutlich, dass Dahoud auch die Bereitschaft besitzt, defensiv Verantwortung zu übernehmen.
Wird Dahoud langsam zum Stammspieler?
Diese Momente formen zunehmend das Bild eines Spielers, der für die besonderen Augenblicke steht. Dahoud kommt rein, bringt Ordnung, nimmt Hektik aus dem Spiel und setzt Akzente – offensiv wie defensiv. Gerade in engen oder emotional aufgeladenen Partien wirkt er wie ein stabilisierender Faktor, der mit seiner Erfahrung und Spielintelligenz einen echten Mehrwert liefert. Ist er damit also einer, der sich immer mehr in die Stammelf der SGE spielt und im zentralen Mittelfeld gesetzt sein müsste?
Nein, denn es gibt da auch eine andere Seite. Wenn Dahoud in der Startelf steht, bleibt sein Einfluss oft erstaunlich gering. Er taucht ab, fordert seltener Bälle, drückt dem Spiel nicht den Stempel auf, den man von einem zentralen Mittelfeldspieler seines Profils erwarten würde. Statt das Spiel zu lenken, passt er sich häufig zu sehr an – mit der Folge, dass er zwischen den Linien verschwindet. Die Gründe dafür sind vielschichtig. Dahoud ist kein klassischer Abräumer, aber auch kein reiner Spielmacher. Er lebt von Dynamik, von freien Räumen und von Spielsituationen, die sich öffnen. In strukturierten Anfangsphasen, in denen Abläufe klar definiert und Räume eng sind, kommt er deutlich weniger zur Geltung. Als Joker hingegen findet er genau jene Brüche im Spiel, die ihm liegen.
Nicht immer sichtbar, aber mit großem Wert
So entwickelt sich bei der Eintracht ein interessantes Rollenprofil: Dahoud als situativer Schlüsselspieler. Einer, der Spiele nicht über 90 Minuten dominiert, sie aber in entscheidenden Phasen prägen kann. Für einen Trainer ist das wertvoll – für den Spieler selbst bleibt es jedoch ein Balanceakt zwischen Anspruch und Realität. Mo Dahoud steht damit exemplarisch für eine Kategorie Spieler, die nicht immer sichtbar, aber oft entscheidend sind. Vielleicht wird er nie der unumstrittene Taktgeber im Frankfurter Mittelfeld. Doch wenn er weiterhin regelmäßig zeigt, dass er in großen Momenten liefern kann, dürfte sein Wert für die Eintracht größer sein, als es ein Platz in der Startelf allein ausdrücken könnte.






Ein Kommentar
Viel besser als sein Ruf, seine schüchterne Art lässt ihn unter dem Radar fliegen. Ohne ihn hätten wir übrigens letztes Spiel verloren - die Grätsche vorm einschussbereiten Unioner packen vom Timing nicht viele rechtzeitig aus. Der Block war immens wichtig.
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