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Can Uzun: Keiner seiner Mittelfeld-Kollegen kreiert mit Ball mehr. Foto: IMAGO / Jan Huebner

Ohne Uzun: SGE-Mittelfeld nahezu ungefährlich

Seit Ende November fehlt Eintracht Frankfurts Top-Torjäger Jonathan Burkardt (8 Tore in der Bundesliga). Seither versuchen die Frankfurter, die eigene Torgefahr auf mehrere Schultern zu verteilen. Vor allem durch die anhaltende Gegentorflut ist die Mannschaft in den meisten Spielen gezwungen, mindestens zwei bis drei eigene Treffer zu erzielen. Zuletzt klappte diese Strategie nicht mehr. Besonders im Kalenderjahr 2026 ließen die offensiven Momente nach. Dass es die Mannschaft seit dem Jahreswechsel nie schaffte, öfter als der Gegner aufs Tor zu schießen und dadurch auch nie einen höheren xGoals-Wert (erwartete Tore) zu kreieren, führte in den sechs Bundesliga-Partien zu keinem Sieg. Nun wertete der „Kicker“ die Offensivstatistiken der Frankfurter Mittelfeldspieler aus – mit einem deutlichen Ergebnis: Steht Kreativspieler Can Uzun nicht auf dem Feld, ist das zentrale Mittelfeld zu wenig an entscheidenden Situationen beteiligt.

Ohne Uzun kreiert die SGE zu wenig

Der türkische Nationalspieler kreiert Chancen für sich (6 Tore) und seine Mitspieler (4 Vorlagen). Daher ist es aus Frankfurter Sicht durchaus bedauerlich, dass er bereits zum zweiten Mal in dieser Saison länger ausfällt. Bislang schoss Uzun pro 90 Minuten 3,1-mal auf das gegnerische Tor. Dabei war er sehr effektiv: Beinahe jeder fünfte Torschuss landete im Netz. Damit erzielte der 20-Jährige im Schnitt alle 143 Minuten ein Tor. Auch in Sachen Assists gehört Uzun zur Spitzengruppe. Einzig Farès Chaïbi kommt mit 1,5 Torschussvorlagen (TSV) pro 90 Minuten auf einen höheren Wert als der wichtige Uzun (1,3 TSV). Allerdings sind Chaïbis Zahlen etwas verzerrt, da der 23-jährige Algerier in dieser Saison auch im offensiven Halbraum eingesetzt wurde. Dennoch bleibt Uzun auch hier der effektivste Frankfurter: Fast jede dritte Torschussvorlage führte zu einem Tor. Der offensive Mittelfeldspieler bereitete somit im Schnitt alle 191 Minuten ein Tor vor.

Noch deutlicher wird es beim Vergleich der Mannschaftsstatistiken mit und ohne Uzun auf dem Spielfeld. Stand er auf dem Platz, erzielte die Eintracht in dieser Saison 2,2 Tore pro Spiel – ohne ihn lediglich eines. Auch bei den Torschüssen machte sich das Fehlen des talentierten Spielers bemerkbar: Mit Uzun kam die SGE auf zwölf Abschlüsse pro Partie, ohne ihn nur auf 9,4. Entsprechend überrascht es kaum, dass Eintracht Frankfurt ohne Uzun insgesamt weniger Punkte holte. Mit ihm stehen 1,29 Punkte pro Spiel zu Buche, ohne ihn ist es im Schnitt nicht einmal ein Punkt (0,9). Wann der Top-Scorer nach seiner Verletzung wieder auf dem Platz stehen kann, ist derzeit noch unklar.

Mario Götze enttäuscht in der Bundesliga

Der naheliegende Ersatz auf der Position des offensiven Mittelfeldspielers heißt Mario Götze. Der Weltmeister von 2014 kann in dieser Saison jedoch nur selten überzeugen. In 23 Pflichtspielen erzielte der 33-Jährige kein einziges Tor. Im Schnitt benötigte Götze 548 Spielminuten für eine Vorlage – insgesamt stehen somit zwei Assists auf seinem Scoring-Konto. Pro 90 Minuten kreierte der ehemalige Nationalspieler eine Torschussvorlage. Vor dem Tor war er selbst jedoch nahezu ungefährlich und suchte mit nur 0,5 Schüssen pro Spiel kaum den eigenen Abschluss.

Statistisch deutlich besser schneiden Chaïbi und Mahmoud Dahoud ab. Beide suchten wesentlich häufiger den Abschluss als Götze. Chaïbi traf im Schnitt alle 937 Minuten (ein Tor) und kommt auf 1,6 Abschlüsse pro Spiel. Dahoud war sogar alle 303 Minuten erfolgreich (2 Tore) und schoss rund zweimal pro Partie aufs Tor. Gleichzeitig bereitete Chaïbi etwa alle 234 Minuten ein Tor vor und steht damit bei sieben Assists in dieser Bundesliga-Saison. Dahoud kommt auf 0,7 Torschussvorlagen pro Spiel, woraus bislang zwei Vorlagen für den 30-jährigen Deutsch-Syrer entstanden.

Offensiv spielt Hugo Larsson keine Rolle

Dass die defensiven Mittelfeldspieler den geringsten offensiven Output liefern, erscheint logisch. Ellyes Skhiri (kein Scorerpunkt) und Oscar Højlund (eine Vorlage) hatten bislang den kleinsten direkten Einfluss auf das Frankfurter Offensivspiel. Die Werte von Hugo Larsson stechen dabei jedoch heraus. Anders als seine beiden Mitspieler ist der Schwede kein klassischer Sechser, sondern vielmehr als Verbindungsspieler zwischen Defensive und Offensive eingeplant. Der 21-Jährige schloss pro Spiel nur 0,5-mal selbst ab und lieferte 0,8 Torschussvorlagen. Das sind enttäuschende Zahlen, die sich auch in seinem Scoring-Output widerspiegeln: Lediglich ein Tor und zwei Vorlagen steuerte Larsson bei.

Der neue Frankfurter Cheftrainer Albert Riera wird sich überlegen müssen, wie er in den kommenden Bundesliga-Partien das aktuelle Offensivproblem in den Griff bekommt – beispielsweise durch angepasste Spielerrollen. Glücklicherweise dürfte Top-Torjäger Burkardt bald wieder zur Verfügung stehen. Auf Statistik-Maschine Uzun wird der 43-jährige Spanier jedoch noch eine Weile warten müssen.
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5 Kommentare

Fallback Avatar 1. JayJayDany 13. Februar 26, 10:31 Uhr

Netter Text, aber selbst ohne diese Statistiken dürfte dies jedem regelmäßigen Beobachter der SGE-Spiele aufgefallen sein. Überlagert wurde dies in den letzten Saisons immer von überdurchschnittlichen Stürmern, aber unser Mittelfeld glänzt eher mit Passstafetten und sucht sogar am gegnerischen 16er immer noch den freien Mitspieler, anstatt das Runde Richtung Eckigem zu schicken.
Für die kommende Saison muss das Mittelfeld der Hauptaufgabenbereich für MK sein, denn für mich schlägt dort das Herz jedes Spiels und jeder Mannschaft.

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Toller Artikel, neuer Autor hier, wa? Danke für dein Engagement, Tim, Willkommen.

Mir geht der Artikel nur ein bisschen zu wenig darauf ein, dass solche Zahlen auch damit zusammenhängen, wie oft ein Spieler wo eingesetzt wurde(der zugrunde liegende Kicker-Artikel wohl auch). Larsson war nicht allzu torgefährlich in dieser Saison, deswegen hat Riera ja bereits reagiert und Larsson das DM absichern lassen. Hojlund hat dafür auf der Doppel-8 gespielt und seine Sache gut gemacht, er hat zwar einen Ball zu weit vorgelegt und dann aus ziemlich spitzem Winkel versemmelt, aber seine Vorlagen waren fast die einzigen gefährlichen Situationen der Eintracht aus dem Spiel. Hojlund hatte allerdings vorher auch noch nie die Gelegenheit, weiter vorne zu spielen, das muss man bei der Bewertung beachten.

Chaibi musste immer wieder auch LM/RM spielen, anstatt auf der 8, wo er hingehört, außen ist er nicht genauso effektiv und ich hoffe, Riera stellt positionsgetreuer auf.

Bei Götze ist es ähnlich, den beraubt man auf RM oder ZM komplett seiner eigentlichen Stärken. Assists und Abschlüsse soll er machen, keine Rückpässe. Ich frage mich wirklich, ob er entweder bereits von Roger Schmidt bei Eindhoven und/oder Toppmöller die Anweisung bekommen hat, immer nur hinten rum zu spielen oder ob er ernsthaft glaubt, das habe einen Nutzen. Ein Ballverteiler wie Kroos war er nie und wird es nie sein. Man hat echt oft den Eindruck, ihn habe sämtlicher Mut verlassen. Seine Ballannahme und sein Abschluss aus jeder Position im Strafraum war und ist spitze, aus der Halbdistanz oder nah, das ist präzise, variabel, hart oder mit Effet, er kann das alles, aber er bietet sich oft nicht an und spielt dann immer komplett unnötig einfach wieder auf außen oder zurück. Als er jung war, hat er noch den Abschluss gesucht und offensiv seine besten Zeiten gehabt. Also man baut vielleicht konditionell im Alter ein wenig ab, aber deswegen verlernt man ja wohl das Schießen nicht?!? Auch seine Chipbälle und Doppelpässe waren immer super, aber er geht einfach nicht durch nach vorne und so versandet der Doppelpass. Wie oft hat man gesehen, dass er selbst mit seinem Zauberfuß in den Strafraum chippen könnte, wobei der Ball immer auf den Kopf des Mitspielers kommt, er macht es aber nicht, stattdessen gibt er den Ball an Kristensen, der alles andere als ein Flankengott ist. Wieso?!? Das macht so dermaßen keinen Sinn. Das wäre, wie wenn Pirlo oder del Piero am 16er den Ball an Gattuso geben würden, anstatt selbst zu flanken. Vielleicht hat er Angst, derjenige zu sein, der den Ball verliert? Es klappt aber nie, der zögerliche Ball auf Kristensen oder sonstwen verzögert nur den Angriff, die Abwehrspieler können sich wieder positionieren, der Ball ist weg, ohne überhaupt einen Torschuss kreiert zu haben. Die scheiße hat noch NIIIIEMALS zum Erfolg geführt, sagt dem denn niemand bach dem Spiel im Video-Studium, dass das kacke war und die Eintracht einer Chance beraubt hat?!? Oft hat der weggeköpfte Ball sogar direkt zum Konter geführt, obwohl man gerade auf der anderen Seite war, es ist also doppelt scheiße. Ich hoffe, Riera und seine Crew bringen ihn wieder in die Spur, wenn Götze Götze-Sachen macht und nicht feige den 50ten Seit- oder Rückpass spielt, kann er immer noch eine sehr gefährliche Waffe sein.

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Avatar Der User hat SGE4EVER.de mit mind. 50 € finanziell unterstützt, als es um den großen Relaunch 2024 ging. 3. keineahnungvieldavon 13. Februar 26, 10:39 Uhr

Interessanter Artikel.
Ich habe das Gefühl das Götze seit sehr langer Zeit nur noch sehr auf Sicherheit bedacht spielt. Er dreht fast nie nach vorne auf , eher immer nach hinten und zu Seite und vermeidet irgendwie das Risiko.
Vielleicht wäre Doan auf der 10 mal den Versuch wert ( kann er ja eigentlich auch spielen) und Jupp(Ayoube) übernimmt die rechte Seite.
In meinen Augen verdient er langsam mal den Startelfeinsatz , da er immer bei seinen Einsätzen ordentlich Betrieb gemacht hat mit seiner unbekümmerten Art und gute Akzente gesetzt hat.
Ist nur eine Idee, aber Albert wird schon das Richtige machen.

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Fallback Avatar 4. indiesalat 13. Februar 26, 11:40 Uhr

Ich würde hinter die Spitzen Doan auf links setzen und Knauff /Jupp auf rechts.
Wenn Johnny wieder fit ist, könnte auch Kalimuendo eine dieser Rollen übernehmen.
Dann sollte schon ein bisschen Torgefahr aufkommen

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Fallback Avatar 5. SGETotto 13. Februar 26, 11:45 Uhr

Guter Artikel!

Gebe meinen Vorrednern Recht, wir müssen da irgendwie jetzt, im wahrsten Sinne des Worts, kreativ werden.
Götze wird seine Akzente nicht mehr setzen und auch ein Chaibi finde ich auf der 10 zwar wesentlich stärker als außen, aber den tödlichen Pass bekommt er auch selten hin.

Daher fände ich persönlich auch den Versuch mit Doan oder Arrhov (der aber auch kein Scoringmonster ist) ganz interessant. Wenn Burkhardt fit ist, kann man da auch nochmal ganz anders agieren, da sowohl er als auch Kali gerne am Gesamtspiel teilnehmen.

Ich würde den großen Talenten jetzt immer mal wieder eine Chance geben, zumindest solange sich keiner als absoluter No-Brainer irgendwo festspielt.
Jupp und Dills mal einzeln auf außen reinschmeißen, Bekir Is und Arrhov mal einzeln im Zentrum reinschmeißen, Kosugi und Baum ebenfalls mal einzeln auf AV reinschmeißen. Vorne wird Younes eh seine Spielzeit bekommen. Die Jungs sind alle unbekümmert und das kann ja nur gut sein für deren Entwicklung und die unserer Eintracht ebenfalls.
Um den Gedanken zu relativieren: Man kann natürlich nicht gleichzeitig auf jeder Position eines der Talente spielen lassen. Viel mehr wünsche ich mir, jedes Spiel mal auf einer Position einen reinzubringen, der sich im Training angeboten hat und dann sieht man relativ schnell, wer das Zeug für mehr hat und wer nicht.

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