Mit großen Vorschusslorbeeren verpflichtete die Frankfurter Eintracht im vergangenen Sommer Ritsu Doan, die lange und intensiv um die Gunst des Japaners buhlte. Doan machte sich mit starken Leistungen in seinem ersten Bundesligajahr bei Arminia Bielefeld und anschließend beim SC Freiburg einen Namen und galt als Wunschspieler von Ex-Trainer Dino Toppmöller. Der Spieler selbst war vom Projekt Eintracht Frankfurt angetan, weshalb er über das Interesse nicht lange nachdenken musste. Doan sollte vor allem mit seinen Fähigkeiten dem Offensivspiel der Hessen mehr Kreativität, Flexibilität und Variabilität verleihen. Bereits bei der Verpflichtung waren allen Beteiligten bewusst, dass die SGE mit dem Angreifer einen ganz anderen Spielertypen gewinnt. Genau das scheint nun sowohl Doan als auch der Eintracht offenbar zum Verhängnis zu werden.
Doan kein klassischer Flügelspieler
Die Zeit des 27-Jährigen am Main ist bisher von wechselhaften Auftritten geprägt. Einzelaktionen, die zu drei Punkten gegen Augsburg und Mainz führten, zeigte der Zugang aus Freiburg zu selten. Häufig tauchte Doan ab und wirkte in vielen Spielen über weite Phasen blass. Vier Tore und fünf Vorlagen sind auf dem ersten Blick solide Zahlen, angesichts der hohen Erwartungen und der hohen Ablöse (21 Mio. Euro) allerdings zu wenig. Dabei ist es keine Qualitäts- oder Mentalitätsfrage. Es ist schlicht und ergreifend eine Frage des Systems. Doan machte bei seiner Vorstellung klar, wo seine Stärken liegen. „Meine größte Stärke ist das Schießen mit dem linken Fuß. Ich konnte das in der letzten Saison zeigen, das beweisen die Statistiken.“ Bei seiner vorherigen Station hat der Linksfuß gut funktioniert, denn „in Freiburg waren unsere Taktiken sehr auf mich ausgerichtet, obwohl erst in meiner dritten Saison. Ich erwarte nicht, dass es sofort in Frankfurt so sein wird.“ Genau da liegt der Hund begraben. Doan ist zwar in der Theorie ein rechter Flügel-bzw. ein rechter Mittelfeldspieler, unterscheidet sich aber in der Praxis von Spielern wie Ansgar Knauff oder Jean-Mattéo Bahoya. Der japanische Nationalspieler weist laut „bundesliga.de“ in dieser Saison eine Höchstgeschwindigkeit von 32,5 km/h auf, zum Vergleich: Bei Knauff und Bahoya liegt sie bei 35,65 km/h respektive bei 34,88 km/h. Doan besticht somit nicht durch Tempo. Er ist auch nicht der Spielertyp, der in den Lauf geschickt werden kann.
Rolle unklar
Der Techniker braucht den Ball am Fuß, der gerne nach innen zieht und mit seinem starken Linken robbenesk abschließt oder scharfe Bälle in die Gefahrenzone chippt. Doan zeichnet sich durch eine gute enge Ballführung aus und geht gerne ins Dribbling. Er agiert somit als verkappter Zehner, der sich in den Halbräumen positioniert. Unter Dino Toppmöller war die Spielweise aber nicht auf die Stärken des Flügeltechnikers ausgelegt, der Ex-Coach setzte vielmehr auf das Umschaltspiel und damit auf Tempo. Die Angriffe liefen meistens über die Außen. Somit fiel es dem Vorgänger von Albert Riera schwer, die richtige Position für Doan zu finden, damit seine Fähigkeiten am besten zur Geltung kommen. Zudem ließ er seinen ehemaligen Schützling in der Dreierkette als rechten Schienenspieler und damit als verkappten Rechtsverteidiger auflaufen. Auch damit konnte sich Doan zu keinem Zeitpunkt anfreunden. Die Konsequenz: Der Offensivmann hing über die gesamten Spiele in der Luft. Auch unter Interimscoach Dennis Schmitt wurde Doan für die Position des Außenverteidigers bzw. für die Schienenposition gegen Tottenham eingewechselt. Im Dezember letzten Jahres äußerte Sportvorstand Markus Krösche zudem eine indirekte Kritik an Toppmöller: „Gerade dann, wenn er nach innen zieht, hat er seine Qualitäten. Dann spielt er nicht mehr ab, sondern sucht den Abschluss. Wir müssen ihn noch öfter in diese gefährlichen Räume bekommen.“
Spieler unzufrieden: „Habe noch nie zuvor auf der Position gespielt“
Unter Neu-Trainer Albert Riera sollte sich Doans Situation verbessern. Der Nachfolger von Dino Toppmöller ist kein Fan von festen Positionen und predigt eine flexible, variable, kontrollierte und dominante Spielweise. Der Spanier steht für ein Kombinationsspiel durchs Zentrum, lange Bälle sollen vermieden werden. Also eigentlich prädestiniert für Doan. Doch auch unter Riera gelingt es dem Spieler nicht, wirklich aufzutrumpfen. Der neue Eintracht-Coach stellte bei seinem Debüt gegen Union Berlin seinen Schützling auf dem rechten Flügel auf, gegen Gladbach und den FC Bayern agierte er als hängende Spitze. Gerade beim Rekordmeister wollte Riera mit den schnellen Bahoya und Ayoube Amaimouni-Echghouyab auf den Flügeln gegen eine hochstehende Bayern-Abwehr Nadelstiche setzen. Bei der 2:3-Pleite in der Allianz Arena gab Doan vor allem in der ersten Halbzeit keine Figur ab. Zwar war er oft am Ball, verlor ihn aber immer wieder an den Gegner. Die ständigen Positionswechsel scheinen Doan allmählich zu verwirren, wie er im Anschluss an die Niederlage in München zu Protokoll gab. „Mir raucht der Kopf. Ich habe noch nie zuvor auf dieser Position gespielt“, zeigte sich der Eintracht-Profi gegenüber japanischen Medienvertretern enttäuscht, auf die sich ein Bericht der „Bild“ beruft. „Daher habe ich kein ideales Bild davon und auch kein Gefühl dafür, wie es ist, auf dieser Position gut zu spielen. Dass ich keinen Vergleich habe, macht es noch schwieriger“, führte Doan weiter aus.
„Versuche, aufgeschlossen zu bleiben“
Das ist aber für den Betroffenen kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken oder zu rebellieren. Ganz im Gegenteil: Doan ist anpassungsfähig und stellt den Erfolg der Mannschaft über seine individuellen Präferenzen. „Es ist nicht gut, egoistisch zu sein und darauf zu bestehen, auf dem Flügel zu spielen und dadurch Spielzeit zu verpassen. Ich denke, ich kann diese Erfahrung in Zukunft zu meinem Vorteil nutzen. Ich versuche, aufgeschlossen zu bleiben und neue Dinge aufzunehmen“, so Doan. Es wird seine Zeit brauchen, bis Riera die beste Position für seinen Spieler gefunden hat. Das Beispiel Nene Brown zeigt, wie der Fußballlehrer es geschafft hat, einen jungen Spieler aus einem kleinen Formtief zu befreien. Unter Riera netzte Brown zweimal in Folge. Am kommenden Sonntag gegen den SC Freiburg, ausgerechnet gegen Doans Ex-Club, wird zu erwarten sein, dass der Japaner zunächst wieder die Rolle der hängenden Spitze übernehmen wird, da Amaimouni-Echghouyab bei seinem Startelfdebüt überzeugen konnte und deshalb wieder von Beginn an ran dürfte.






8 Kommentare
Mal sehen was gegen Freiburg aufgeboten wird. Wenn Jonny und Kali fit sind könnten die auch Startelf spielen, dann wird es eng in Mittelfeld und auf dem Flügel. Bin mal gespannt ob Doan überhaupt in der Startelf steht., würde mich aber überraschen wenn nicht. Und der rauchende Kopf ist leise Kritik am alten Trainer? Oder schon am neuen?? Ich denke Riera sollte ihm klarmachen was von ihm erwartet wird und wie er das am besten umsetzten kann. Wäre schön wenn Doan mal wieder in eine super Form kommt, weil eigentlich ein toller Spieler.
Doan ist ein guter Junge, das wird schon. Vielleicht waren die Erwartungen einfach auch etwas hoch, im 2. Jahr kommt oft der Durchbruch.
Wenn unsere Stürmer zurück sind, wird es für Doan einfacher und er kann seine Stärken besser nutzen. Die letzten Wochen waren sehr wild und viel, weil man viel in der Aufstellung improvisieren musste. Das ihm bei unserem neuen Trainer der Kopf raucht kann ich mir gut vorstellen und das ist gar nicht negativ gemeint. Bei Sky musste ich lachen. Da hat Riera vor dem Spiel eine Frage gestellt bekommen und fünf Minuten geantwortet. Der Moderator musste danach selbst übersetzen und war völlig überfordert. Da sollte dringend ein Dolmetscher für die Zuschauer her.
Toll analysiert in dem Artikel, übrigens. Danke Emre!
Um ehrlich zu passt Doan weder unter DT noch jetzt bei AR so richtig rein. Ich denke er ist definitiv keiner der Stunk macht, aber man sollte sich evt wirklich mit ihm hinsetzen und für nächste Saison eine Lösung finden die beide Seiten Zufriedenheit verschafft.
Ich denke mal jeder von uns sagt das ist n top Kicker. Aber er scheint einfach n runder Klotz zu sein, welchen wir wie ein Baby in ne dreieckige Form versuchen reinpressen.
Klappt mamchmal mit schummeln. Aber so richtig gut ist anders. Schade eigentlich
Doan kam mir in München etwas verloren vor, vor allen in den ersten 45 Minuten. Das Doan nicht der Schnellste ist, war bei seiner Verpflichtung kein Geheimis. Als wir im Winter Younes Ebnoutalib verpflichtet haben, war mein erster Gedanke, das könnte das Puzzelteil sein, um Doan besser im Spiel zu integrieren. Leider fehlt uns Younes immer noch, doch für die Zukunft sehe ich das Ganze sehr positiv.
Ich habe keinerlei Bedenken was das Können von Doan anbelangt.
Schon als Ich Ihn bei Bielefeld spielen gesehen habe, dachte Ich: Das ist einer für uns.
Doans Probleme haben mit der Sicherheitstaktik von DT angefangen.
Als es Dino wichtiger war, keine Tore zu kassieren als zu erzielen.
Doan als Schienenspieler einer Fünferkette einzusetzen war Verschwendung seiner Qualitäten.
Doans Stärke ist es, wenn er den Ball mit Blick aufs Tor bekommt und eins gegen eins in Aktion kommt.
Der Blick aufs Tor sollte aber nicht am eigenen 16er sein, sondern vor dem gegnerischen.
Riera wird für Ihn eine Lösung finden, um ihn voll ins Spiel einzubinden.
Das sprachliche Pendant zum Ballbesitz. Solange AR redet, kann er keine dämlichen Fragen gestellt bekommen. 🤓
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