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Heinz Lindner und Niko Kovac arbeiteten von 2016-2017 bei der SGE zusammen. Foto: IMAGO / Schüler

Lindner: „Man hat gemerkt, dass die Richtung stimmt“

Obwohl Torhüter Heinz Lindner nur zwei Saisons bei der Frankfurter Eintracht unter Vertrag stand, waren diese doch prägend – und zwar für den Keeper und den Verein. Denn der Österreicher erlebte in Frankfur die Saison 2015/2016 und 2016/2017 und damit den Abstiegskampf, den Trainerwechsel von Armin Veh zu Niko Kovac, die anschließende Relegation und den Einzug ins DFB-Pokalfinale 2017. Diese Spielzeiten werden im Nachhinein oft als Wendepunkt der SGE in den letzten Jahren und Start der starken Entwicklung des Klubs angesehen.

Lindner erinnert sich im Gespräch mit der „Frankfurter Rundschau“ an die Zeit und betont, dass ihm vor allem der Trainerwechsel zu Niko Kovac in Erinnerung geblieben sei. Als der Kroate an den Main kam, „wehte sofort ein anderer Wind. Professionalität, Trainingsführung und die allgemeine Leitung der Mannschaft wurden konsequent umgesetzt. Genau das hatte uns in dieser Zeit mit Veh gefehlt“, erklärt der heute 35-Jährige. Durch den neuen Coach habe sich viel geändert – unter anderem die Leistungen vieler Spieler, auch von seinem damaligen Torhüterkollegen Lukas Hradecky, mit dem er noch heute „ein super Verhältnis“ habe: „Er hat uns mit wichtigen Paraden gerettet.“ Durch die gewonnene Relegation ging es danach in ruhigere Zeiten in Frankfurt. „Danach konnten wir ruhig in die neue Saison starten und man merkte,  dass es in eine komplett andere Richtung ging–nicht Richtung Klassenerhalt, sondern Richtung oberes Tabellendrittel“, erklärt Lindner, der noch heute in der Schweiz für die Young Boys Bern zwischen den Pfosten steht.

Am Ende der ersten kompletten Saison unter Niko Kovac stand die SGE in der Liga sicher im Mittelfeld und zog zum ersten Mal seit 2006 wieder ins Finale des DFB-Pokals ein, das mit 1:2 gegen Borussia Dortmund verloren ging. Aber auch hier wurde das Positive gezogen: „In einem Finalspiel kann man immer mal verlieren. Die Mannschaft hat draus gelernt und im folgenden Jahr, als ich nicht mehr da war, folgte sogar der Titel. Da war klar, dass die Richtung stimmt.“

„Wie wenn der Boden unter den Füßen weggezogen wird“

Der Weg Lindners führte dann über verschiedene Stationen, zum Beispiel Wiesbaden und Basel, zum FC Sion. Hier aber stand sehr bald nicht mehr der Fußball im Vordergrund, denn beim Österreicher wurde nur zwei Monate nach der Geburt seines ersten Kindes im Jahr 2023 Hodenkrebs festgestellt. „Das war eine Hiobsbotschaft. Du startest mit deiner Familie ein neues Kapitel und dann bekommst du so eine Nachricht – wie, wenn der Boden unter den Füßen weggerissen wird“. Aufgrund des frühen Stadiums der Erkrankung musste er keine Chemotherapie über sich ergehen lassen, trotzdem ist die Angst noch immer da: „Man spricht erst nach fünf Jahren ohne Rückfall von überwunden.“ In dieser Zeit konnte sich Lindner allerdings auf seinen engsten Kreis verlassen, wie er erklärte: Die Familie sei eine „wichtige Stütze, um da durchzukommen“. Er habe sehr viel Austausch mit seiner Frau, seinen Eltern und Freunden gesucht. Dies sei „wichtig“ gewesen. Er habe auch ganz bewusst die Öffentlichkeit informiert: „Ich wollte keine Spekulationen über meinen Gesundheitszustand aufkommen lassen, gerade weil ich Nummer eins in der österreichischen Nationalmannschaft und bei Sion war.“ Die Resonanz auf seine Erkrankung war riesig, wie er sich erinnert: „Ich konnte den ein oder anderen da zu bewegen, auch mal zum Check-Up zu gehen. Und wenn ich dadurch vielleicht jemanden helfen konnte, weiß ich: Es war richtig so.“

Dabei war seine eigene Erkrankung nicht das erste Aufeinandertreffen mit Krebs, denn auch 2016, als dieser ebenfalls bei Eintracht-Innenverteidiger Marco Russ diagnostiziert wurde, war Lindner nah dabei: „Er war mein Zimmerkollege und ich war dabei, als die Polizei ans Hotelzimmer klopfte und ihn mitnahm, weil er positiv auf Doping getestet
wurde.“ Diesen Vorwurf empfanden beide als unerklärlich: „Damals wusste er, glaube ich, auch nicht so richtig, wo oben und unten ist, er hatte nie gedopt. Da gab es dann eben zwei Möglichkeiten: entweder er hätte gedopt oder der Test wurde verfälscht durch einen Tumor“, erklärt der Österreicher. Im Nachhinein sei Russ nicht nur ein ehemaliger Mitspieler, sondern auch eine wichtige Unterstützung im gewesen: „Wir waren in Kontakt und haben viel geschrieben.“

Lindner gab außerdem an, dass seine Erkrankung ihn hat gelassener werden lassen: „Es ist egal, ob man fünf Minuten früher oder später irgendwo ankommt.“ Das Wichtigste
sei die Vorsorge, welche nie verkehrt ist, und die Unterstützung:  „Wenn einem ein Schicksalsschlag widerfährt, ist es wichtig, ihn gemeinsam mit Familie und Freunden zu meistern – Kommunikation war für mich der Schlüssel.“

4 Kommentare

Fallback Avatar 1. augustinejayjay 06. Januar 26, 15:04 Uhr

Ich würde noch weiter zurück gehen. Für mich ist der Ursprung der guten Arbeit im Verein ein Tag im Sommer 2012, als klar war das die Eintracht absteigen muss und ein gewisser Axel Hellmann zum ersten mal als Vorstandsmitglied vor die Presse getreten ist und gesagt hat: "Ein einfach weiter so wird es nicht geben!" Ich finde wirklich, dass dieser Moment der Startschuss für eine Menge richtiger Entscheidungen war, die ab dem Zeitpunkt von den Verantwortlichen getroffen wurden. Vom Absteiger zum Championsleagueteilnehmer. 2016 war finde ich eine Leistungslücke mit der Relegation, aber der Verein hatte sich bereits die Jahre davor kontinuierlich nach oben gearbeitet.

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Avatar Der User hat SGE4EVER.de mit mind. 100 € finanziell unterstützt, als es um den großen Relaunch 2024 ging. 2. Handballer85 06. Januar 26, 17:47 Uhr Zitat - augustinejayjay Ich würde noch weiter zurück gehen. Für mich ist der Ursprung der guten Arbeit im Verein ein Tag im Sommer 2012, als klar war das die Eintracht absteigen muss und ein gewisser Axel Hellmann zum ersten mal als Vorstandsmitglied vor die Presse getreten ist und gesagt hat: "Ein einfach weiter so wird es nicht geben!" Ich finde wirklich, dass dieser Moment der Startschuss für eine Menge richtiger Entscheidungen war, die ab dem Zeitpunkt von den Verantwortlichen getroffen wurden. Vom Absteiger zum Championsleagueteilnehmer. 2016 war finde ich eine Leistungslücke mit der Relegation, aber der Verein hatte sich bereits die Jahre davor kontinuierlich nach oben gearbeitet. Path

Danke für deinen Kommentar soweit hätte ich nicht zurück gedacht. Gebe dir vollkommen recht.

Axel ist auch einer von denen in der Eintrachtfmilie den ich echt gern mal treffen würde.

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Fallback Avatar Der User hat SGE4EVER.de mit mind. 25 € finanziell unterstützt, als es um den großen Relaunch 2024 ging. 3. Italo-Hesse 06. Januar 26, 19:55 Uhr Zitat - augustinejayjay Ich würde noch weiter zurück gehen. Für mich ist der Ursprung der guten Arbeit im Verein ein Tag im Sommer 2012, als klar war das die Eintracht absteigen muss und ein gewisser Axel Hellmann zum ersten mal als Vorstandsmitglied vor die Presse getreten ist und gesagt hat: "Ein einfach weiter so wird es nicht geben!" Ich finde wirklich, dass dieser Moment der Startschuss für eine Menge richtiger Entscheidungen war, die ab dem Zeitpunkt von den Verantwortlichen getroffen wurden. Vom Absteiger zum Championsleagueteilnehmer. 2016 war finde ich eine Leistungslücke mit der Relegation, aber der Verein hatte sich bereits die Jahre davor kontinuierlich nach oben gearbeitet. Path

100% Zustimmung

Allerdings würde ich sogar noch einen Schritt zurück gehen und Herry mit ins Spiel bringen...am Ende waren zwar hier auch nicht alle Entscheidungen richtig und führten dann zu einem unnötigen Abstieg, aber er war der Grund dafür, dass wir den Abstieg finanziell abfangen und gute Spieler holen konnten...der Verein war finanziell solide geführt und so konnten wir direkt wieder aufsteigen

Auch wenn ich die Abstiege gern vermieden hätte, möchte ich dennoch auch diese Zeiten in der 2. Liga nicht missen und am Ende haben auch die Misserfolge von damals einen wesentlichen Bestandteil am heutigen Erfolg/Entwicklung

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Avatar Der User hat SGE4EVER.de finanziell unterstützt, als es um den großen Relaunch 2024 ging. 4. SchobbeindeKopp 07. Januar 26, 07:30 Uhr

Allen Vorrednern vollste Zustimmung.
Meiner Meinung nach ist es wichtig, dass wir nicht vergessen wo wir herkommen. Wir können diese Entwicklung nur so sehr genießen, weil wir bereits am Rande zur dritten Liga gestanden haben.
Meine Kids sind jetzt 10 und 9 Jahre alt und glühende Eintracht Fans, was mich stolz macht. Allerdings mache ich mir immer wieder bewusst, dass sie die Eintracht ausschließlich als Erfolgsmannschaft kennen. Ich versuche ihnen so oft wie möglich mitzugeben, was wir hier mal für Zeiten hatten, dass sie es ebenfalls zu schätzen lernen und den Istzustand nicht als selbstverständlich ansehen.

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