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SGE-Vorstandssprecher Axel Hellmann auf der SPOBIS Conference in Hamburg. Foto: IMAGO / Nico Herbertz

Hellmann prognostiziert „Renaissance der Topklubs“

Die Frankfurter Eintracht entließ Ex-Cheftrainer Dino Toppmöller am 18. Januar, nachdem die Mannschaft unter seiner Leitung weit hinter den sportlichen Erwartungen zurückblieb und anhaltend Defensiv-Probleme offenbarte. Im Rahmen des Talkformats „Missverstehen Sie mich richtig“ äußerte sich Eintracht-Vorstandssprecher Axel Hellmann gegenüber Gesprächspartner Kevin Kühnert (ehem. Generalsekretär SPD) zur Entlassung des 45-jährigen Trainers. „Ich empfinde jede Trainerentlassung als Niederlage. Weil ich auch immer sage, man hat sich einiges vorgenommen. Vor allem bei einem Trainer wie Dino Toppmöller, mit dem man sich gemeinschaftlich etwas vornehmen kann. Dino ist ein Trainer, der im Sinne des Klubs arbeitet, der den Klub versteht, der die Eintracht gefühlt hat. Wenn all diese Dinge stimmen, dann ist das schon schmerzhaft zu sagen, die Dinge passen nicht mehr“, beteuerte Hellmann beim Live-Event auf der SPOBIS Conference in Hamburg vor rund einem Monat. Normalerweise habe der Verein in sportlich schwierigen Phasen positiv bleiben wollen. Diesmal habe Sportvorstand Markus Krösche jedoch die Reißleine ziehen müssen. „Wenn wir ehrlich sind, haben wir natürlich auch schon im September gemerkt: Diese Verteidigungsfähigkeit, die haben wir nicht so“, sagte Hellmann darauf bezogen.

Dennoch erhoffe er sich, dass zwischen ihm und dem ehemaligen Cheftrainer kein böses Blut entstanden ist. Er schätze Toppmöller weiterhin: „Ich persönlich mag ihn sehr. Wir haben ein gutes Verhältnis gehabt, aber es gibt immer zwei Seiten. Eine professionelle Bewertung der Lage, die nimmt bei uns der Sport vor. Und mein persönliches Verhältnis, das wird hoffentlich darunter auch nicht leiden.“ Seit der Trennung läuft es für die Frankfurter sportlich wieder deutlich besser. Der neue Cheftrainer Albert Riera kann in der Bundesliga eine Bilanz von zwei Siegen, einem Unentschieden und nur einer Niederlage vorweisen. Unter dem Spanier verlor die SGE nur gegen den FC Bayern München.

Frankfurter DFB-Pokalsieg war ein „Jahrhundertereignis“

Toppmöller habe einen freundschaftlichen Umgang mit seinen Spielern gepflegt. Dann sei es normal, dass der Trainer bei Misserfolg nicht plötzlich auf „harten Hund“ machen könne. Zumindest habe Hellmann eine solche Entwicklung bei keinem anderen Verein von Außen beobachtet. Auch die gesamte Entwicklung der SGE sei dem Ex-Coach zum Verhängnis geworden. Das Umfeld habe sich daran gewöhnt, in jeder Saison um die europäischen Tabellenplätze mitzuspielen. Für ihn sei im Fußballgeschäft dennoch die wichtigste Währung weder Geld noch die Tabellenplatzierung. Am Ende sei die Zufriedenheit aller Menschen im Verein entscheidend. Um zu erklären, was er damit meint, erzählte der Jurist eine Anekdote: „Wenn Bayern München Pokalsieger wird, dann ist das die 95. Pokalsieger-Trophäe, die da im Pokalschrank landet. Wenn wir das werden oder es Arminia Bielefeld würde, wäre das ein Jahrhundertereignis. Und die Menschen würden das feiern und die nächsten dreißig Jahre davon erzählen. Der selbe Titel, der selbe Pokal, aber eine völlig andere Wirkung auf die Menschen. Das heißt die Währung bei uns ist die Zufriedenheit der Menschen drumherum.

Dass es in der kürzlichen Vergangenheit überhaupt solch große Erfolge wie den DFB-Pokalsieg 2018 oder den Europa-League-Sieg 2022 gab, kann Hellmann auf eine Symbiose mehrerer entscheidender Faktoren zurückführen. „Wir sind nicht nur eine Mannschaft, die über guten Fußball alles schafft. Und wir sind nicht nur ein Klub, der über die Fans begeistert. Gut werden wir nur, wenn die Dinge zusammengefügt sind“, sagte der 54-Jährige vor dem Live-Publikum.

Axel Hellmann schätzt Conference League

Momentan befindet sich die Frankfurter Eintracht durch den Sieg über den SC Freiburg auf dem siebten Tabellenplatz. In den meisten Jahren bedeutete das die Qualifikation für die Conference League. Hellmann möge den Wettbewerb sehr: „Ich habe in der Conference League Reisen nach Aberdeen und an andere wirklich wunderbare Orte sehr geschätzt.

Besonders Begegnungen mit Vereinen aus kleineren Fußballnationen findet Hellmann reizvoll. An die Auswärtsfahrt in der Europa-League-Qualifikation 2019 zum FC Vaduz erinnerte er sich gerne: „Da kamen zu deren Überraschung in ein Stadion, in dem wir, glaube ich, nur dreitausend Karten hätten haben können, irgendwie acht-, neun- oder zehntausend Eintracht-Fans. Und es gab einen Dorfstreifenwagen. Von Jungs, die waren kurzärmlig, nicht gepanzert, kein Knüppel, sondern das waren mehr oder weniger Verkehrspolizisten.“ Vor und nach dem Spiel habe es keine Ausschreitungen gegeben. Sollte Eintracht Frankfurt in der kommenden Saison tatsächlich in der Conference League spielen, würde Hellmann gerne in den Balkan, nach Transnistrien oder nach Irland reisen. Aus Irland nannte er die Shamrock Rovers als seinen Wunschgegner.

SGE als gutes Beispiel für Traditionsklubs

Als Mitglied im Präsidium der DFL hat Hellmann immer auch die Entwicklung des gesamten deutschen Fußballs im Blick. In Zeiten von RB Leipzig und der TSG Hoffenheim sieht der gebürtige Würzburger die Zukunft der Traditionsklubs dennoch nicht gefährdet. „Ganz sicher wird Deutschland die Renaissance der Topklubs erleben“, zeigte er sich optimistisch. Wer die meisten Fans hätte, könne am meisten Reichweite generieren. Das führe dazu, dass ein erhöhtes Marktinteresse entstehe, und das müssten sich die Traditionsvereine zunutze machen. „Ich habe unterschätzt, was wir aus der Region, und das ist der eigentliche Treiber, an Rückhalt in den Jahren bekommen haben. Das Wachstum war unfassbar dynamisch. Das zeigt mir die unglaubliche Kraft von Traditionsklubs“, bezog er diese Denkweise auf das Beispiel Eintracht Frankfurt. Der Hamburger SV sei seiner Meinung nach der nächste Verein, der eine solche Entwicklung hinlegen könnte.

Zum Abschluss des Gesprächs wollte Kühnert seinem Gast dessen berufliche Zukunft entlocken. In der Vergangenheit sagte Hellmann schonmal, dass er bis zum gesetzlichen Rentenalter im Amt bei Eintracht Frankfurt bleiben werde. Jetzt antwortete er zurückhaltender. Im Laufe der Jahre habe er weitere Themen gefunden, die er gerne noch angehen würde. Eins bleibt für ihn aber klar: „Ich werde ganz sicher bis an mein Lebensende irgendetwas bei Eintracht Frankfurt machen, egal in welcher größeren oder ganz kleinen Rolle. Ich bin Mitglied seit ’74 und würde nie für einen anderen Verein arbeiten.“ Erst vor Kurzem berichtete die „Bild“-Zeitung, dass der Verantwortliche vor einer Vertragsverlängerung als Vorstandssprecher stehen könnte. Für fünf weitere Jahre solle sein Kontrakt dann ab 2027 gültig sein. Würde bedeuten: Hellmann scheint kurzfristig noch nicht über eine Veränderung im beruflichen Kontext nachzudenken.

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