Die Eintracht ist seit wettbewerbsübergreifend neun Spielen sieglos, noch kein Dreier und drei Remis in 2026, sowie der enttäuschende achte Platz in der Bundesliga stehen zu Buche. Das Saisonziel mindestens Europa League, besser sogar Champions League, ist durch die zurückliegenden Monate in Gefahr. Auf den sechsten Platz sind es bereits acht Punkte Abstand. Auf der „SPOBIS-Conference“, wo Axel Hellmann als Speaker geladen war, sagte der Eintracht-Vorstandssprecher in dem Zusammenhang: „Für die nächste Saison muss man zweigleisig planen.“ Und: „Ich würde mich auch über eine Teilnahme an der Conference League freuen.“ Sätze, die angesichts der aktuellen Situation logisch klingen, aber nicht das eigentliche Saisonziel der Hessen widerspiegeln dürften.
Die SGE hat mittlerweile einen der teuersten Kader in der Vereinsgeschichte. Die Ausgaben im gesamten Klub sind gestiegen. Um diese dauerhaft zu decken, ist eigentlich sogar mindestens die Teilnahme an der Europa League nötig. Zwar hatte man das Eigenkapital erhöht, um finanziell sicherer dazustehen. Dennoch wäre der finanzielle Schaden groß. Es müsste wohl vor allem am Kader gespart werden. Ohnehin besteht das Credo, dass jeden Sommer ein teurer Verkauf getätigt werden muss. Dazu müssten Spieler womöglich unter Wert verkauft werden, die sportliche Zielsetzung würde sich wohl ändern. Die Attraktivität des Klubs sinken.
So weit ist es aber noch nicht. Mit dem Trainerwechsel wollte man das Ruder herumreißen. Der neue Cheftrainer Albert Riera soll der Mannschaft nach langer Durststrecke wieder zum Siegen verhelfen. Zugegeben, durch das 1:1 bei Union Berlin in Rieras erstem Pflichtspiel hat sich auf den ersten Blick an der Situation am Main noch nicht viel verändert. Dennoch gibt es einiges, das den Fans der Frankfurter Eintracht Grund zur Hoffnung auf den Turnaround in den verbleibenden 13 Liga-Partien geben sollte.
1. Riera und Team werden sich aneinander gewöhnen
Klar, mit einem xG-Wert (statistisch erwartbare Tore) von lediglich 0,34 und nur einem einzigen Torschuss hat die Offensive der Hessen an der Alten Försterei keine Bäume ausgerissen. Auch schlichen sich, wie in dieser Saison so oft, einige individuelle Fehler ein: Robin Kochs Fehlpass (42.), Oscar Højlunds unnötiges Foul vor dem Elfmeter oder Kaua Santos‘ Fehlpass (90.). Zur Wahrheit gehört aber auch, dass der neue Coach nur wenige Trainingseinheiten hatte und rund um die Neuverpflichtung eine Menge medialer Trubel herrschte. Eine neue Idee, wie der Eintracht-Fußball aussehen soll, braucht seine Zeit. Spielidee und Mechanismen müssen erst in den Köpfen und dann in den Beinen der Spieler ankommen. Zudem waren einige Ansätze bereits zu erkennen. Die Adler hatten 70 Prozent Ballbesitz, wirkten im Kombinationsspiel selbstbewusster, hier und da blitzten gute Spielzüge hervor und die Defensive wirkte durch den vielen Ballbesitz sattelfester. Natürlich müssen Riera und Team möglichst schnell liefern, aber mit zunehmender Zeit sollte die Handschrift des 43-Jährigen noch deutlicher zu erkennen sein.
2. Wichtige Offensivkräfte kehren zurück
Die Frankfurter Eintracht besitzt eine der gefährlichsten Offensiven der Bundesliga (41 Treffer). Allerdings fielen wichtige Akteure zuletzt immer wieder aus: Toptorjäger Jonathan Burkardt, Neuzugang Younes Ebnoutalib und Durchstarter Can Uzun. Burkardt (elf Saisontore) dürfte wohl am Samstag gegen Mönchengladbach wieder eine Option für den Kader sein. Auch bei Ebnoutalib und Uzun sieht es so aus, als könnten sie schon bald wieder eine Option sein. Damit dürfte auch die Offensivgefahr wieder zunehmen, zumal dann eine Doppelspitze mit Arnaud Kalimuendo möglich wäre. Zudem ist Flügelflitzer Ayoube Amaimouni-Echghouyab (ein Tor und eine Vorlage), der im Winter aus Hoffenheim kam, bisher eine echte Überraschung und könnte den in seiner Form schwankenden Ritsu Doan entlasten.
3. Riera zieht die mediale Aufmerksamkeit auf sich
Der mediale Hype um Albert Riera könnte der verunsicherten Mannschaft zugutekommen. Viele Augen im Umfeld des Bundesligisten richten sich aktuell auf den Trainer, der immer wieder durch zitierwürdige Aussagen und bildreiche Metaphern aufmerksam macht. Im Nachgang des Union-Spiels wurde der Spanier nicht müde, seine Schützlinge zu loben: „Ich habe meinen Spielern in der Kabine gesagt, dass ich es liebe, zu sehen, wie sie das Spiel genießen. Lange Zeit hatten sie nicht das Gefühl, der Boss, der Protagonist und dominant auf dem Platz zu sein.“ Auch ihm dürfte klar gewesen sein, dass das Remis noch kein Leckerbissen war und er mehr Zeit brauchen wird. Im Schatten des Trainers könnte die Mannschaft in Ruhe arbeiten. Davon abgesehen tut der Trainer viel dafür, dem Team zu mehr Selbstvertrauen zu verhelfen.
4. Top-Sechs-Finish nicht zwingend notwendig
Vor dem Unentschieden gegen Union Berlin standen der SC Freiburg und die SGE noch punktgleich auf den Tabellenplätzen 7 und 8 in der Bundesliga. Durch einen Sieg über Werder Bremen konnte sich Freiburg zunächst mit zwei Punkten absetzen. Beide Vereine stehen dennoch auf keinem europäischen Startplatz für die nächste Saison. Um Bayer Leverkusen (Platz 6) einzuholen, fehlen den Freiburgern momentan sechs Punkte, den Frankfurtern sogar acht. Bei noch 13 zu spielenden Partien bleibt dieses Ziel rein rechnerisch möglich. Doch auch wenn die Aufholjagd nicht gelingen sollte, bleiben noch zwei Hintertürchen offen: Sollte einer der Top-Sechs-Vereine den DFB-Pokal gewinnen, würde der siebte Tabellenplatz zur Startberechtigung für die Conference League reichen. Außerdem könnten die deutschen Mannschaften mit einem erfolgreichen Abschneiden in den europäischen Wettbewerben einen weiteren Startplatz für die Champions League erobern. In diesem Fall würde Platz 7 nächste Saison in der Europa League spielen, während der Achte in die Conference League einziehen würde.
5. Gladbach-Heimspiel bietet Gelegenheit
Am kommenden Samstagnachmittag (15:30 Uhr) wird Albert Riera erstmals am Frankfurter Stadtwald an der Seitenlinie stehen. Der Valentinstag könnte dann nicht nur für viele Paare besonders werden, sondern auch für die Eintracht, ihre Fans und den neuen Cheftrainer. Mit Borussia Mönchengladbach kommt womöglich ein Gegner, der für Rieras Spielstil dankbarer sein könnte, als die galligen Unioner. Die Fohlen holten aus den letzten fünf Spielen nur drei Punkte. Außerdem versucht die Mannschaft von Cheftrainer Eugen Polanski durchaus aktiv am Spiel teilzunehmen. Gladbach kommt auf einen durchschnittlichen Ballbesitzwert von 44,7 Prozent, Union liegt in dieser Statistik derzeit mit 39 Prozent auf dem 18. Platz. Mit einem Sieg am 22. Spieltag würde sich die Tür nach Europa zumindest wieder einen Spalt öffnen. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass das Restprogramm noch schwierige Gegner bereithält: Etwa den FC Bayern München (23. Spieltag), das direkte Duell um Platz 7 mit dem SC Freiburg (24. Spieltag) oder Leipzig (30. Spieltag). An den letzten beiden Spieltagen warten zudem die Topspiele gegen Borussia Dortmund und den VfB Stuttgart. Umso wichtiger also, dass man so schnell wie möglich wieder anfängt zu gewinnen. Im besten Fall ab Samstag.






2 Kommentare
Gute Zusammenfassung. Gefühlt ist es diesmal mehr als eine zweigleisige Planung. Die Planung, die Transfers, die Gehälter und das ganze Gerüst außenrum ist so groß und teuer geworden, dass wir vielleicht ein Jahr ohne Europa überbrücken können, aber bestimmt nicht mehr. Es stellt sich die Frage, ob wir weiterhin tatsächlich Spieler so entwickeln können wie in der Vergangenheit. Das Image hat uns viele Türen geöffnet, kann aber auch schnell zu Ende sein. Wenn wir von diesen großen Einnahmen abhängig sind, ist das auch schnell eine Blase die Platzen kann. Ich hoffe, dass wir mit Riera und der aktuellen Mannschaft die Saison erfolgreich beenden, mache mir aber auch Sorgen...
Das Spiel am Samstag könnte sehr richtungsweisend sein und ist für unser neues Trainerteam sehr wichtig.
Ich glaube nicht, dass man intern als Vorgabe einen Champions League Platz ausgibt. Unter normalen Umständen stehen Bayern, Dortmund, Leverkusen und Leipzig vor uns.
Dazu hat man eine sehr junge Mannschaft wo Leistungsdellen normal sind. Dazu kommen Verletzungen von Leistungsträgern die immer möglich sind, bei Burkardt wohl eher auch zu erwarten waren.
Wir können uns auch in Breite nicht die Qualität leisten um einen Platz unter den ersten Vieren zu garantieren.
Je nachdem wie es bei uns und anderen läuft sind wir irgendwo zwischen Platz 4 und 8.
Den Kader so auszulegen das wir CL spielen müssen, wäre ökonomisch sehr verwerflich und das kann ich mir auch nicht vorstellen.
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