Es war die erste Niederlage für Albert Riera im dritten Spiel als Eintracht-Trainer – und doch fühlte sie sich anders an als viele Rückschläge in den Wochen zuvor. „Auch wenn es eine Niederlage ist, gibt sie uns einen Boost“, sagte Riera nach dem Spiel. Und tatsächlich: Die letzten 30 Minuten könnten für die Entwicklung dieser Mannschaft wichtiger sein als das Ergebnis selbst. SGE4EVER.de hat das Spiel wie immer analysiert.
Frankfurt begann wie zuletzt im flexiblen System mit wechselnder Fünfer-, Vierer- und Dreierkette. Ellyes Skhiri rückte in die zentrale Innenverteidigung, Aurèle Amenda übernahm phasenweise eine enge Manndeckung gegen Harry Kane, um dessen Kreise früh einzuengen. Davor sollten Hugo Larsson und Oscar Højlund Stabilität bringen. Offensiv agierten Ritsu Doan, Jean-Mattéo Bahoya und Ayoube Amaimouni-Echghouyab hinter Mahmoud Dahoud, der erneut als falsche Neun auflief. Nathaniel Brown rückte beim Spielaufbau wie zuletzt immer wieder auf die Sechs oder Acht, um im Zentrum Passsicherheit und eine weitere Anspielstation zu bieten.
Auf dem Papier klang das flexibel und mutig. In der Praxis war die Eintracht jedoch von Beginn an stark unter Druck. Natürlich lag das an der Qualität des FC Bayern München, doch auch die SGE machte es dem Gegner zu einfach. Die Passschärfe fehlte, die Genauigkeit ebenfalls. Bayern presste hoch, doch Frankfurt fand keine sauberen Lösungen. Längere Ballbesitzphasen blieben aus, und gerade im Offensivspiel wurden Bälle viel zu schnell verloren. Vor allem Doan und Bahoya erwischten keinen guten Tag, wirkten nicht abgestimmt mit ihren Mitspielern. Laufwege und Pässe passten nicht zusammen – entweder versandeten Kombinationen im Ansatz oder lange Bälle schickten die kleineren Offensivspieler in aussichtslose Duelle mit der robusten Bayern-Defensive. So zog der FC Bayern München zog die Eintracht eine Stunde lang „am Nasenring durch die Arena“, es entstand permanenter Druck – und die Gegentore folgten konsequent. Zwei Standardsituationen brachten Bayern 2:0 in Führung. Beim dritten Treffer – ausgerechnet in einer Phase, in der sich die SGE gerade etwas befreite – unterlief Amenda ein fataler Fehlpass, den Kane eiskalt bestrafte. 0:3. Eigentlich „Sack zu“.
Warum das Spiel plötzlich kippte
Doch dann änderte sich etwas. Und das hatte drei klare Gründe: Mario Götze, Arnaud Kalimuendo und Jonathan Burkardt. Riera brachte seine spielerisch stärksten Offensivoptionen erst nach rund einer Stunde – auf den ersten Blick überraschend. Auf den zweiten nachvollziehbar: Burkardt kam nach langer Verletzungspause zurück und war nicht bereit für 90 Minuten. Kalimuendo hatte zuletzt Probleme mit der Schulter. Die personelle Lage ist weiterhin angespannt – symptomatisch trug mit Nathaniel Brown der sechste Spieler der Kapitäns-Hierarchie die Binde.
Mit der Einwechslung des Trios bekam das Spiel eine völlig andere Dynamik. Plötzlich gab es Zielspieler, klare Tiefenläufe, Präsenz im Strafraum. Burkardt brachte genau das ein, was zuletzt fehlte: Energie, Biss, Zielstrebigkeit – und dieses schwer greifbare Torjägerinstinkt-Gefühl. Einmal traf er den Pfosten, beim Stand von 0:2 der große „Was-wäre-wenn“-Moment. Später verwandelte er den Elfmeter sicher. Auch Kalimuendo verlieh dem Pressing neue Aggressivität – so entstand das 2:3, als er Kimmich unter Druck setzte und den Ball gewann.
Bayern wurde in dieser Phase nachlässiger. „Dann sind wir eben Menschen“, sagte Münchens Trainer Vincent Kompany später. Und genau das nutzte Frankfurt. Die SGE setzte sich phasenweise in der gegnerischen Hälfte fest, brachte den Rekordmeister ins Wanken und zeigte eine Energie, die über weite Strecken der Saison gefehlt hatte. Anders als in früheren Spielen brach die Mannschaft nach Rückschlägen nicht auseinander.
Fazit
Über 60 Minuten war Bayern die klar bessere Mannschaft. Die Niederlage ist verdient. Doch die Schlussphase sendet ein wichtiges Signal. Mit klaren Zielspielern, mutigerem Pressing und mehr vertikaler Dynamik kann diese Eintracht auch Topteams vor Probleme stellen. Um gegen Bayern zu punkten, muss nahezu alles perfekt laufen – das tat es nicht. Aber: Die Mannschaft hat gezeigt, dass sie lebt. Und vielleicht ist genau das der eigentliche Gewinn dieses Abends.






3 Kommentare
Die 2.HZ hat die Mannschaft 2:1 gewonnen
Das kann man so sehen. Was mich allerdings noch mehr ermutigt und
optimistisch stimmt, ist die Art und Weise, wie wir die zweite Halbzeit angegangen sind. Und natürlich, dass wir es auch fast noch geschafft hätten, ein Unentschieden zu erreichen.
Ich denke, dass das Spiel gegen Freiburg (wie auch die nächsten Spiele danach) sehr sehr wichtig wird. Aber es wird schwer. Die Freiburger werden sich wie immer ziemlich defensiv verhalten und wir müssen das Spiel machen.
Es ist genauso, wie Kompany es gesagt hat und uns selber schon oft genug passiert ist.
Der Sack ist eigentlich zu und plötzlich wird das Spielen eingestellt und schwupp die wupp fallen Gegentore und das Spiel scheint zu kippen. „Das ist menschlich“.
Allerdings, und das haben wir beherzigt, darf man nicht den Glauben an sich verlieren und konsequent bis zum Schluss motiviert und fokussiert bleiben.
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