Die Defensive ist ein leidiges Thema, das sich über die komplette bisherige Saison der SGE zieht. In der Liga musste die Eintracht bereits 46 Tore einstecken, nur Heidenheim hat aktuell mehr Gegentore auf dem Konto (47). Zu Beginn des Jahres kassierten die Hessen in fünf Bundesliga-Spielen immer drei Gegentore und auch in der Königsklasse hagelte es an Treffern im eigenen Netz. Unter Trainer Albert Riera soll das besser werden. Bei Union Berlin war die Defensive um Robin Koch stabiler und wirkte präsenter sowie abgezockter, kassierte nur einen Treffer nach einem Strafstoß. Doch in diesem kleinen Aufschwung verkündete die Eintracht am Mittwochabend eine Hiobsbotschaft, denn Arthur Theate wird der SGE verletzt fehlen. Wie lange, ist noch unklar. Für einige Wochen, in denen sportlich entscheidende Spiele anstehen, wird der Innenverteidiger aber pausieren müssen. Der Belgier musste das Training abbrechen und erlitt nach übereinstimmenden Medienberichten eine Meniskusverletzung im Knie.
Mit Theate fällt nicht nur ein Verteidiger aus, sondern auch ein Führungsspieler und Motivator, der Verantwortung übernimmt und seinen Mitspielern klare Anweisungen gibt. Was für Optionen bieten sich nun Albert Riera?
Koch muss das Zepter noch mehr in die Hand nehmen
Klar ist, dass auf Kapitän Koch größere Aufgaben zukommen, da er, egal wer neben ihm spielt, seinen Mitspieler mehr führen und leiten muss. Zuletzt spielte sich Aurele Amenda etwas mehr ins Rampenlicht, nachdem der Schweizer die SGE im Winter eigentlich verlassen wollte. In der Hinrunde kam der 22-Jährige zu wenig Einsatzzeiten. Aber weder Dino Toppmöller noch Dennis Schmitt wirkten vollends überzeugt von ihm. Zu seinen Stärken zählen seine Größe, die ihn zu einem zweikampf- und kopfballstarken Innenverteidiger machen. Doch auch bei ihm war die Verunsicherung zu spüren. Zudem spielt er noch nicht lange auf hohem Niveau, weshalb ihm die Erfahrung fehlt. Mit der Schweizer Nationalmannschaft will Amenda zur Weltmeisterschaft im Sommer fahren. Er ist also auf Spielzeit angewiesen, die er mit guten Leistungen nutzen sollte.
Mit Nnamdi Collins gibt es eine weitere Option. Der 22-Jährige kam stark in die Saison rein und spielte sich in die Nationalmannschaft. Seit seinem Debüt für Deutschland, wo er zur Pause ausgewechselt wurde, macht er viele Fehler und steht dadurch teils heftig in der Kritik. Auch wenn er zu den schnellsten Spielern im Kader gehört, lässt sich Collins häufig zu leicht abkochen und auch seine Körpersprache lässt viel zu wünschen übrig. Als rechter Verteidiger scheint er besser aufgehoben zu sein, doch dort gibt es eigentlich kein Vorbeikommen an Rasmus Kristensen.
Setzt Riera auf einen defensiveren Kristensen?
Mit dem Dänen wären wir bei der nächsten und auch letzten realistischen Option. Kristensen kann nämlich auch in der Innenverteidigung spielen. Das hat er diese Spielzeit auch schon gemacht, allerdings situativ und als rechter Innenverteidiger in der Dreierkette. Eines ist aber klar: Kristensen bringt eine ähnliche Mentalität wie Theate mit. Es wäre also kein unkluger Move, den Dänen in eine defensivere Rolle zu bringen, als er sie normalerweise ausübt. Mit Ritsu Doan gäbe es eine Alternative, die auf der rechten Außenbahn schon zum Einsatz kam. Auch Elias Baum kann diese Position spielen. Das Nachwuchstalent ist derzeit allerdings verletzt. Aus der eigenen U21-Mannschaft gibt es mit Fousseny Doumbia eine weitere Option als Theate-Ersatz. Der 20-Jährige stand bislang viermal im Bundesliga-Kader, kam aber noch nicht zum Einsatz.
Die Personalsituation ist in der Innenverteidigung sichtlich beschränkt. Koch und Theate hätten eine Pause im September oder Oktober gut gebrauchen können. Mangels Alternativen mussten die beiden jedes Spiel bestreiten und wurden ebenfalls unsicher und wirkten, wie der Rest der Mannschaft, nicht mehr selbstbewusst und machten viele Fehler. Riera muss bereits gegen Gladbach eine Lösung finden. Gegen die offensiv schwache Borussia wird sich zeigen, ob der Spanier die Adler bereits defensiv verbessern konnte.






2 Kommentare
Wir haben glaube ich über 30(!) Spieler im Kader. Wenn dann mal einer ausfällt, muss man ihn doch aus dem riesigen Kader ersetzen können. Oder aber ich habe falsche Spieler verpflichtet und dann wohl recht viele ungeeignete.
Klar ist doch, dass ein Ersatzspieler in der Regel nicht so gut ist wie der, der aus der ersten Elf ausfällt, sonst würde er ja dort spielen.
Einfach mal die Ersatzspieler machen lassen. Wenn sie es auf Dauer nicht packen, haben sie in der Bundesliga oder diesen Team nichts verloren.
Was der Abwehr fehlt ist ein Abwehrchef, der die anderen Spieler führt.
Die Abgänge von Hinti und Hase auf dieser Position wurden nie ersetzt, mit Trapp im Tor als Führungsspieler und Abwehrorganisator hat das trotzdem noch vernünftigt funktioniert.
Erstaunlich, daß ein hochbezahlter Kaderplaner wie Krösche diese Lücke mit der lächerlichen Torwartposse zu Saisonbeginn mit Trapps Abgang erst verursacht hat. Erkennt er diese Lücke wirklich nicht, oder verzichtete er zu Saisonbeginn und in der Wintertransferphase absichtlich auf eine Neuverpflichtung, um den eigenen Fehler nicht eingestehen zu müssen? Zumal gerade auf dieser Position ein Talent von vornherein eine Fehlbesetzung wäre.
Riera muss jetzt mit den Spielern auskommen, die da sind.
Ich würde es wie zu Hasebes Zeiten mal ganz altmodisch mit einem Libero versuchen.
Kristensen ist zu offensiv ausgerichtet für diese Position, aber Dahoud oder sogar Götze würde ich das von ihrem Spielverständnis und der Erfahrung her zutrauen. Und beide wären dafür prädestiniert, bei eigenem Angriff nach vorne ins Mittelfeld als zusätzliche Anspielstation zu rücken.
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