Vor über 23 Jahren gründete ich das heutige Onlinemagazin SGE4EVER.de. Zeitgleich waren damals unter der Leitung von Eintracht-Trainer Felix Magath noch Spieler wie Dirk Heinen, Petar Hubchev, Horst Heldt, Thomas Sobotzik, Rolf-Christel Guié-Mien, Christoph Preuß oder Sasa Ciric für die Eintracht aktiv – und zwar am Riederwald. Zum Saisonauftakt gegen die SpVgg Unterhaching am 1. Spieltag (1. Bundesliga wohlgemerkt ;)) fanden sich nur 28.500 Zuschauer im alten Waldstadion ein. Seinerzeit nahm ich noch meine Videokamera mit ins Stadion, um die Atmosphäre und Spielszenen zu filmen. Heute unvorstellbar. Das Ding hatte ein Gewicht von gut einem Kilo und war so groß wie zwei Packungen Mehl – heute absolut unvorstellbar, so etwas mit ins Stadion zu nehmen. Wir gewannen am Ende übrigens 3:0; aber das nur am Rande.
Unglaublich also, was sich in dieser Zeit nicht nur bei der SGE sondern auch unserer Website alles getan hat. Doch wie fing es eigentlich an? Ich nehme euch mit auf eine kleine Zeitreise der Entstehungsgeschichte und warum es SGE4EVER.de fast auf einmal nicht mehr gegeben hätte und schon in den Kindesschuhen ausgerechnet wegen der Eintracht gescheitert wäre.
Wie alles begann
Es war im August 2000, als ich in meinem damaligen Jugendzimmer neben der Schulzeit viel Zeit am PC verbrachte und mich an die digitalen Möglichkeiten herantastete. Hier spielte meine Leidenschaft zur Frankfurter Eintracht natürlich eine große Rolle. Während ich als „junger Steppke“ noch alle möglichen Zeitungsartikel der SGE ausschnitt, in einen Ordner klebte und mit bunten Filzstiften verzierte, hatte ich im Alter von nunmehr 15 Jahren doch einen etwas anderen Anspruch. Ich zeichnete nicht nur alle möglichen Audiodateien der SGE auf, die im Radio liefen (sei es das tränenreiche Interview vom damaligen Schatzmeister Gaetano Patella oder die gänsehautbereitenden Aufstiegssongs von Hit Radio FFH), sondern wandelte diese in digitale Audiodateien um. Die Aufnahme erfolgte noch absolut semi-professionell mit Mikrofon am Lautsprecher auf Kassette und späterem Übertrag auf den PC. Au Backe!
In Zeiten der Kommunikation über Chat-Räume sprach sich natürlich schnell rum, dass ich diese MP3-Dateien besaß und ich wurde oft gefragt, ob ich diese verschicken könnte. Über das Urheberrecht hat man sich in den jungen Jahren noch nicht so wirklich Gedanken gemacht – denn man wollte ja eigentlich niemandem etwas Böses. Also sponn ich die Geschichte weiter: „Warum immer alles per Mail verschicken?“ Gerade, wo eine Mail mit 500-1.000 Kb damals ewig brauchte, bis diese versendet war. Heute unvorstellbar.
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Die erste Homepage wurde umgesetzt
Also baute ich eine Eintracht Fan-Seite, auf der ich die Dateien zum Download zur Verfügung stellen wollte. Aber es sollte nicht irgendeine Seite sein, nein, die Fans sollten sich auf meiner Seite wohl fühlen. Sie sollten sich „wie zu Hause fühlen“, das war meine Idee. Also war die jugendlich naive Konsequenz logisch: Dann soll meine Seite einfach so aussehen, wie die damalige offizielle Eintracht-Seite. Kurz im Eintracht-Chat die User gefragt, was sie von der Idee halten würden: Sie waren begeistert! Urheberrechts-Ignoranz die Zweite.
Gesagt, getan. Die Eintracht-Seite wurde grafisch 1:1 nachgebaut. Logischerweise nicht mit der Vielzahl an Inhalten der offiziellen Eintracht-Seite, denn inhaltlich sollten es ja meine „eigenen“ Inhalte werden, die Audio-Downloads. Weshalb die kostenfreie Domain eintracht-sounds.de.vu schnell registriert war, schließlich sollte die Website schnell erreichbar sein mit einem einprägsamen Namen. Kurze Zeit später folgte dann aber mit „SGE4EVER.de“ die eigene Top-Level-Domain – auch hierzu hatte ich damals die Chatpartner gefragt, welcher Name am besten passen würde. Die weiteren zur Auswahl stehenden Namen habe ich leider nicht mehr im Kopf. Es waren sicher auch gute Ideen dabei, aber „SGE4EVER“ war einfach am klarsten und kürzesten. Kleiner Funfact am Rande: Wir kamen nie auf die Idee, dass jemand vielleicht mal „sgeforever.de“ eingeben könnte – die Domain haben wir erst über zwei Jahrzehnte später registriert.
Die Fußball AG meldete sich – fast das Aus der Fanseite!
Es dauerte rund fünf Monate, bis man bei der Eintracht von der kopierten Seite Wind bekam. Es folgte eine nicht sehr freundliche, aber im Kern natürlich absolut nachvollziehbare E-Mail, die deutlich und unmissverständlich darauf hinwies, die Seite sofort offline zu nehmen. Gnädigerweise gestand man mir zugleich zu, dass ich eine neue Homepage erstellen könne, die aber keinesfalls annähernd wie die offizielle Vereinshomepage aussehen dürfe.
Als junger Fan war ich über die Art und den Tonfall der Nachricht natürlich nicht begeistert, ich war gar enttäuscht und wütend. Man hätte das durchaus anders formulieren können. Schließlich wollte ich zum positiven Image sowie zur Fanbindung beitragen und wirklich viele Fanseiten hatte es im Jahr 2000 noch nicht gegeben – mit eine der Bekanntesten war damals „eintracht-stats.de„. Schuldbewusstsein gab es seinerzeit für mich in dem Zusammenhang nicht. Ich hatte keinen Bock mehr und wollte den ganzen Kram einfach hinschmeißen. Die Arbeit der letzten Monate schien umsonst gewesen, mit einem Schlag bzw. einer E-Mail war die Begeisterung und Freude wie ausgelöscht. Aus einem anfänglichen „Ach, ihr könnt mich mal, ich nehm das Ding offline und das war’s dann“ wurde aber aus irgendeinem Grund relativ schnell ein „Jetzt erst Recht!“. Ich wollte es annehmen und zeigen, dass es doch klappen kann und schöpfte aus der Wut die Motivation, etwas Neues aus dem Boden zu stampfen.

Noch am gleichen Mittag begann ich damit, eine komplett neue Homepage zu bauen und alles so zu gestalten, dass es mir gefiel und zeitgleich die Bedingungen der Eintracht erfüllte. Irgendwann in der Nacht wurde ich fertig, sendete eine Mail an den Verantwortlichen der SGE und legte mich völlig KO für wenige Stunden schlafen, bevor es wieder in die Schule ging. Als ich mittags von der Schule nach Hause kam hatte ich dann die Bestätigung vorliegen, dass meine Homepage so wieder online gehen dürfte. Aber hey? Ich bin damit die erste genehmigte Fan-Homepage des Vereins! Also schickte ich eine Mail hinterher und fragte deshalb nach, ob ich meiner Website den Titel „Erste offizielle Eintracht Frankfurt Fan-Homepage“ geben dürfe. Dies wurde einige Stunde später bejaht. Jetzt hatte ich einen außergewöhnlichen Titel und wollte damit natürlich auch etwas erreichen. Die Seite sollte neben den Downloads nun vor allen Dingen aktuelle Meldungen rund um die Adlerträger beinhalten. Ich stellte einen Aufruf auf die Seite, auf der sich täglich rund 20-30 Besucher tummelten. Es dauerte nicht lang und ich erhielt die ersten Rückmeldungen von Julian und Jens. Gemeinsam sorgten wir mit einer Vielzahl an täglichen News und aktuellen Inhalten dafür, dass die Seite nun richtig an Fahrt aufnahm. Innerhalb kürzester Zeit hatten wir täglich auf einmal rund 400-600 Besucher auf SGE4EVER.de. Das war der Wahnsinn! Ich weiß noch, wie ich in meinem damaligen Spanien-Urlaub mehrfach ins Internet-Café ging, um die Besucherzahlen zu checken, weil ich es einfach nicht glauben konnte, was auf einmal bei uns los war.
Wie es weiterging, lest ihr auf der nächsten Seite:
Von SGE4EVER.de ins „Internet-Team“ der Eintracht
Rund ein halbes Jahr später meldete sich die Eintracht Frankfurt Fußball AG aus ihrer Geschäftsstelle am Grüneburgweg erneut bei mir, doch dieses Mal war es ein anderer Mitarbeiter, denn der vorherige war dort nicht mehr tätig. Er fragte an, ob ich nicht für die Eintracht arbeiten wollen würde. Sie würden eine Internet-Team aufbauen und dachten hierbei an mich. Ich sollte noch jemanden mitbringen, damit wir zu Dritt sind und brachte somit meinen SGE4EVER.de-Redakteur Jens mit.

Doch das sollte nicht das Ende für SGE4EVER.de sein, zunächst machten wir beides noch parallel, doch schnell wurde klar, dass nur „entweder oder“ funktionieren würde. Also zogen wir beide uns bei SGE4EVER.de redaktionell komplett zurück. Ich sorgte nur noch organisatorisch im Hintergrund dafür, dass SGE4EVER.de nicht stehen bleibt, sondern sich weiterentwickeln konnte: Sei dies durch die Technik im Hintergrund oder Werbepartner, die die laufenden Kosten trugen. Wir holten weitere freiwillige Redakteure mit an Board, die durch die Vielzahl an Artikel weiter am Wachstum der Seite arbeiteten und in Eigenregie weitere Redakteure einlernten. Egal ob dies in der Anfangszeit u.a. Timo oder René waren oder später Christopher. Zwischenzeitlich wichen die eigenen Website-Baukünste dann schon Programmierungen durch geschulte Informatiker, um zum einen die Arbeit für die Redakteure zu erleichtern – denn in der Anfangszeit wurden aktuelle Meldungen noch in einer Homepage-Software (Microsoft FrontPage) geschrieben und dann via FTP-Software hochgelden – und zum anderen der Anzahl der Zugriffe besser gerecht werden zu können.
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Von der Fanseite zum Onlinemagazin
Irgendwann wollten wir dann aber von diesem „Fanseiten“-Image wegkommen, denn wir schrieben nicht mehr einfach nur noch Artikel um, sondern wir verfassten immer häufiger eigene Inhalte aus eigenen Quellen und wollten vor Ort vom Trainingsplatz oder aus den Stadien berichten. So legten wir im August 2015 den Titel der „Fan-Homepage“ ab und bezeichneten uns fortan als „Das Onlinemagazin über Eintracht Frankfurt“. Fast einhergehend damit beendete ich ein Jahr später meine Nebentätigkeit bei der Fußball AG nach 15 Jahren. Ich wollte wieder auf die andere Seite wechseln und dabei helfen, SGE4EVER.de noch größer werden zu lassen. Das Redaktionsteam gewann immer weiter an Qualität. Egal ob Journalisten in Ausbildung oder ausgebildete Journalisten, die für SGE4EVER.de schrieben und den Inhalt somit immer weiter aufwerteten.
Mit mittlerweile 52 Redakteurinnen und Redakteuren sorgten wir in der ganzen Zeit dafür, dass sich alle Fans, aber auch Funktionäre, Spieler und Journalisten perfekt und nahezu lückenlos über den größten hessischen Fußballverein informieren konnten. Rund 124 Millionen Seitenaufrufe allein in den letzten neun Jahren sprechen eine klare Sprache – und das alles ohne ein Medienhaus oder einen großen Medienverlag im Hintergrund. Finanziert wurde das Onlinemagazin ausschließlich aus eigenen Mitteln, Werbeeinahmen und Werbepartnerschaften. Für die Besucher war es bislang immer kostenlos. SGE4EVER.de ist für viele nicht mehr wegzudenken. Wäre es nicht mehr da, würde definitiv etwas fehlen.
Jetzt bitten wir erstmals die Leserinnen und Leser um ihre Mithilfe, denn die Website ist in die Jahre gekommen und sorgt durch die hohen Aufrufzahlen immer häufiger für Probleme. Gerade in Hochzeiten fällt sie phasenweise minutenlang aus und ist somit nicht erreichbar. Die F5-Taste bei den Usern glüht und sorgt gleichfalls dafür, dass die Datenbank noch mehr in die Knie gezwungen wird. Daher bedarf es einer großen Neuprogrammierung, die somit nicht nur uns erneut die Arbeit erleichtern, sondern auch für die Leserinnen und Leser wieder ein besseres Erlebnis beim Besuchen des Onlinemagazins mit sich bringen soll – von zusätzlichen Features ganz abzusehen.
Unterstütze uns bei diesem Vorhaben, jeder Euro hilft – denn im Gegensatz zu diversen Zeitungsabonnements oder PayTV-Abos ziehen wir von SGE4EVER.de keine Monatsgebühr ein, sondern sind komplett kostenfrei. Alles ist freiwillig. Werde auch du zum Unterstützer: www.startnext.com/sge4ever – Vielen Dank und damit auf noch viele weitere Jahre. 🙂


8 Kommentare
Toller Artikel, Danke. Eine Zeitreise, wir müssten ähnlich alt sein
Seit einem halben Jahr hab ich mich vom Kommentieren zurückgezogen, die Leiden der Rückrunde waren zu hoch... Nun bin ich vlt wieder öfter zu lesen...
Wegen der Sammelaktion:
Habe bisher gewartet um zu schauen wie es sich entwickelt.
Aber das ist eigentlich ein dämlicher Ansatz und hab mich jetzt auch mal beteiligt.
Vielen Dank für euren Einsatz in Sachen Inhalte, Technik etc. und ich hoffe/glaube/erwarte, dass es klappt.
Ich erinnere mich gut an die Eintracht-Sounds-Seite, hatte aber vergessen, dass das der Vorläufer von sge4ever war .
Schöne Erinnerungen und eine grandiose Entwicklung in den letzten 2 Jahrzehnten, sowohl von sge4ever als auch von unserer Eintracht :-)
Ach Kutschera ist das, ich hab mich schon gefragt, wer LUTSCHEM war.
... und die Gummistiefel waren noch aus Holz! :-)
Schöner Artikel. Danke für´s Mitnehmen nach damals.
Danke für die Hintergründe, sehr spannend! Ich hoffe ja, dass es die Tage noch zu einem Ruck in der Community kommt. Ich hoffe ja auf einen oder ein paar unserer Spieler, die hier zur Not auch anonym mal bisschen Gas geben und nen Taui raushauen oder so ;-)
Danke für 23 Jahre fleißige und hochwertige Arbeit.
So ein paar weitere Retro-Screenshots der Seite wären noch klasse.
Würde gerne nochmal den Artikel aus dem Gerichtssaal, bei der es um die Lizenz für Liga 2 ging, nachlesen.
Da bin ich damals auf die Seite gekommen, wenn ich jetzt nicht alles durcheinander werfe in meiner Birne.
@1 blackforest:
Freut mich, dass dir der Artikel gefallen hat trotz dem ich dir den Spiegel unseres Alters vor Augen gehalten habe. ;p
Freut mich, dass du nun wieder aktiver werden möchtest und danke auch, dass du uns unterstützt hast. Denn ja: Abwarten bringt eigentlich nichts. Es liegt in der Hand aller Leser, den Erfolg der Kampagne voranzutreiben. :)
@2 Grumpel:
Genial, dass du dich daran sogar noch erinnern kannst. Freue mich immer, wenn noch immer welche aus der Anfangszeit bei uns unterwegs sind. Und in der Tat: Nicht nur bei uns hat sich viel entwickelt, auch bei der Eintracht.
@3 wutzespeck:
Auch Lutschem war damals ein Thema. Ein grandioser Kicker von den nordostkapplanischen Halbinseln. Ist aber wohl daran gescheitert, dass er nicht im Kicker Sonderheft aufgelistet war... ;)
@4 Hooliganverachter:
Und frage gar nicht erst, mit was wir damals gespielt haben. :D
Sehr gern, schön, dass es euch so gefällt.
@5 rob:
Toll, dass es mir gelungen ist, den Artikel spannend zu halten. Hatte schon die Befürchtungen, zu sehr auszuholen. Ja, das hoffen wir auch. Es wäre zweifelsohne ein tolles Zeichen der Spieler - für uns, die Community und die Leser.
@6 yoda:
Ich sage hier mal stellvertretend für alle Redakteure danke für das Lob. Bzgl. der Screenshots: Wir haben damals selbst keine gemacht, warum auch? Hätten nie damit gerechnet, dass wir irgendwann auf eine solche Historie zurückblicken würden. Dafür haben wir aber die "WaybackMachine" unter den Bildern verlinkt. Das ist das Archiv des Internets - je bekannter eine Seite wird, desto häufiger wird sie archiviert. Dort kannst du dir also teilweise noch die Seiten anschauen, deren Artikel hier nicht mehr im Archiv sind (seit 2010).
Das von dir beschriebene Erlebnis haben wir, wenn ich mich recht entsinne Alex und Max zu verdanken, die damals den Live-Ticker aus dem Gericht geschrieben haben - was eine Zeit.
Ich habe jetzt selbst noch mal nachgeschaut und es gefunden:
Hier die komplette Seite (News vom 17.07.2002 um 17:32 Uhr): https://web.archive.org/web/20020803020203/http://www.sge4ever.de/index2.htm
Hier der ausführliche Bericht von Alex: https://web.archive.org/web/20021121235520/http://www.sge4ever.de/aktuell_034.htm
Viel Spaß beim Eintauch in den damaligen Abgrund... :)
Sehr schöne Story, vielen Dank dafür!
Hoffentlich gehen die letzten 2 Wochen noch ordentlich Spenden rein, fehlt ja leider immer noch ein ganzer Tacken.
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