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Die Entlassung von Dino Toppmöller ist dem Sportvorstand nicht leicht gefallen. Foto: Imago / Schüler

Eintracht-Boss Krösche erklärt Toppmöller-Aus: „Trainerteam und Mannschaft waren verkeilt“

Sportvorstand Markus Krösche musste, seitdem er die Geschicke bei der Frankfurter Eintracht lenkt, die für ihn persönlich bisher schwierigste Entscheidung treffen. Nach einem desolaten Start ins neue Jahr 2026 (zwei Remis, eine Niederlage), einem Negativtrend von insgesamt einem Sieg aus neun Spielen und an einer Flut an unnötigen Gegentoren entschied sich die Führungsetage um Krösche, die Reißleine zu ziehen. Dino Toppmöller, der 2023 in große Fußstapfen von Oliver Glasner trat, ist nach 2,5 Jahren nicht mehr Trainer der SGE. Wie der Verein bereits im Vorfeld öffentlich bekanntgab, trennen sich auch die Wege mit dem Assistententeam um Stefan Buck, Nélson da Silva Morgado und Xaver Zembrod. Jan Fießer bleibt hingegen weiterhin dem Bundesligisten erhalten. „Ich möchte die Gelegenheit nutzen, um mich bei Dino und seinem Trainerteam zu bedanken“, eröffnete Krösche die Pressekonferenz.

„Umgang mit Toppmöller unfair“

Dem 45-Jährigen war sichtlich anzumerken, dass ihm und der gesamten Führungsetage die Entscheidung alles andere als leicht fiel, denn: „Über 2,5 Jahre haben sie hervorragende Arbeit geleistet.“ Unvergessen bleibt vor allem die beste Ligaplatzierung seit Einführung der Drei-Punkte-Regel. „Er war letztendlich mit seinem Trainerteam das erste Trainerteam, das dafür gesorgt hat, dass wir über die Bundesliga in die Champions League gekommen sind. Unheimlich viele Spieler haben sich weiterentwickelt. Er hat sich immer in den Dienst von Eintracht Frankfurt gestellt. Es wird uns immer verbinden. Es war ein außergewöhnlicher Erfolg.“ Auch deshalb kann der Eintracht-Macher die harsche Kritik vonseiten vieler Anhänger an den scheidenden Cheftrainer nicht nachvollziehen. „Es war unfair. Wenn man die 2,5 Jahre sieht, hat Dino einen herausragenden Job gemacht mit der Krönung im letzten Jahr, dem Einzug in die Champions League“, nahm er Toppmöller in Schutz. „Er wurde in der Vergangenheit sehr kritisch gesehen, was ich teilweise nicht nachvollziehen konnte. Ich fand den Umgang mit ihm unfair.“ Toppmöller habe alles für den Club gegeben und junge Spieler entwickelt. „Wir sind im letzten Jahr die jüngste Mannschaft gewesen und sind dieses Jahr wieder mit die jüngste Mannschaft.“

Er hat alles dafür getan, dass wir mit Eintracht Frankfurt erfolgreich sein können. Deswegen fand ich den Umgang mit ihm nicht immer fair.“

Krösche selbstkritisch: „Auch ich habe meinen Anteil“

Dass die SGE momentan leistungs- und ergebnistechnisch nicht ihren Ansprüchen nicht gerecht wird, liegt nicht nur an einer Person , in dem Fall Dino Toppmöller. Es ist ein Zusammenspiel aus allen Mannschaftsbereichen. „Es geht nicht ums Fingerpointing“, betonte Krösche und nahm auch sich selbst in die Verantwortung. „Wenn du einen Trainer oder ein Trainerteam entlassen musst, hat jeder seinen Anteil. Die Spieler, das Staff und wir Verantwortlichen – und auch ich, gar keine Frage“, zeigte er sich selbstreflektiert. Dass es zu so einer Entscheidung komme, sei nie gut. „Das heißt, auf dem Weg müssen Fehler gemacht worden sein von allen Seiten. Deswegen mache auch ich mich davon nicht frei. Ich habe sicherlich auch einen Anteil daran, dass wir nicht das Maximale rausholen können. Es ist also keine einseitige Thematik, warum es nicht funktioniert hat, sondern eine gemeinschaftliche.“ Doch am Ende gehe es nicht um Einzelschicksale. Die enttäuschenden Auftritte verbunden mit der anfälligen Defensive wiegen am Ende schwer, zu schwer, sodass die Beurlaubung von Dino Toppmöller für die Chefetage alternativlos war. „Die Gründe sind vielschichtig, es hängt immer mit vielen Themen zusammen“, versuchte Krösche, einen Erklärungsansatz zu wählen. Ein Hauptgrund ist, dass „wir in den Spielen, die wir in der Liga und Champions League bisher bestritten haben, viel zu viele Gegentore bekommen haben.“

„Entwicklung stagniert“

Die Überzeugung, dass das Trainerteam um Dino Toppmöller Lösungen findet, verschwand und gab den Ausschlag, diesen Schritt zu gehen. „Weil die Entwicklung, was den defensiven Bereich angeht, leider stagniert bis rückläufig war. Das ist einer der Hauptgründe, wieso wir diese harte Entscheidung treffen mussten.“ Dabei soll es zu Unstimmigkeiten zwischen dem Trainerteam und der Mannschaft gekommen sein, wie Krösche verriet: „Wir hatten das Gefühl, dass sich manchmal Trainerteam und Mannschaft ein bisschen verkeilen, dass Entwicklungen einfach nicht mehr in eine positive Richtung gehen können. Überzeugung schwindet dann, eine gewisse Unsicherheit, auch eine gewisse Unzufriedenheit.“ Mit der kurzfristigen Neu-Besetzung aus U21-Cheftrainer Dennis Schmitt und U19-Chefcaoch Alex Meier sollen mit Blick auf das anstehende Königsklassenduell mit Qarabag Agdam neue Impulse gesetzt werden. Langfristig soll aber ein erfahrener Fußballlehrer die Nachfolge antreten, der mit seiner Spielphilosophie perfekt zur Eintracht passt. „Wir haben das Ziel, international zu spielen“, führte Krösche aus. „Wir wollen einen Trainer verpflichten, der auf der einen Seite eine gewisse Art von Fußball spielen lässt – offensiv und mutig.“ Andererseits soll er bereit sein, Spieler weiterzuentwickeln. „Das ist das, was die Kernaufgaben eines Trainers bei Eintracht Frankfurt auszeichnen muss.“ Medienberichten zufolge führt dabei eine heiße Spur zu Marco Rose, der laut der „Bild“ selbst positive Signale gesendet hat. Auf wen sich Krösche tatsächlich festgelegt hat, wollte er nicht kommentieren. Doch die eben beschriebenen Kriterien, die der neue Coach erfüllen muss, schreit sehr stark nach dem gebürtigen Leipziger. Für das Spiel am Mittwoch wird der neue Trainer jedenfalls noch nicht an der Seitenlinie stehen. Wie bereits erwähnt soll das Duo Schmitt und Meier die Verantwortung übernehmen und für ein Erfolgserlebnis sorgen.

Die SGE kämpft noch um den Einzug in die Playoffs, was ihr nur durch zwei Siege in Aserbaidschan und zuhause im letzten Ligaspiel gegen Tottenham gelingen würde. „Wir haben eine Verantwortung, unsere Ziele zu erreichen“, machte Krösche klar.

8 Kommentare

Fallback Avatar 1. adelaar 19. Januar 26, 17:22 Uhr

Dass MK sich nicht ausnimmt, ist nicht unbedingt selbstverständlich.
Imponieren würde mir gleichwohl, wenn er seine Aktien, sprich Fehleinschätzungen/Irrtümer konkret benennt - nicht weil die wohl eh jeder kennt - sondern, weil das ggü. Dino, dem Staff sowie der Truppe und da er das Wort ja mehrfach im Munde führt: einfach fair wäre.

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Fallback Avatar 2. sge-ef 19. Januar 26, 17:38 Uhr

Krösche lässt da tief blicken... wenn er sagt, dass das Trainerteam und die Mannschaft sich teilweise verkeilt haben. Seiner Erklärung diesbezüglich sagt einfach alles. Daher muss auch ich sagen, die Entlassung war unausweichlich.

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Avatar 3. 1899international 19. Januar 26, 17:47 Uhr

„Wir hatten das Gefühl, dass sich manchmal Trainerteam und Mannschaft ein bisschen verkeilen, dass Entwicklungen einfach nicht mehr in eine positive Richtung gehen können."

Für mich war dieses Verkeilen das Highlight der PK. Ich war ja wohl nicht der einzige der das bemerkenswert fand, es wurde ja später noch mal von einem Journalisten nachgefragt. Da kam dann aber nichts Erhellendes mehr. Ob sich Krösche über diesen Ausdruck wohl selbst geärgert hat?

Es könnte ein Hinweis darauf sein, dass es zwischen der Mannschaft und Dino nicht mehr gestimmt hat.
Das würde zu meinem Gefühl passen.
Auch Dinos Bemerkungen bezüglich der Ausfallhäufigkeit von Larsson kürzlich fand ich merkwürdig. Auf die Frage von Peppi Schmidt hätte man sicherlich diplomatischer reagieren können. Und das war ja nicht so, dass Peppi Dino in die Ecke gedrängt hätte.

Vielleicht war es aber auch "nur" so, dass die Nerven bei Dino nachvollziehbarerweise angegriffen waren.

Und vielleicht ist es auch wirklich so, wie Markus Krösche sagte, ein Trainer kann der tollste Typ sein und der größte Entertainer. Wenn der Erfolg nicht da ist, dann wird es schwierig.

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Avatar 4. lost in 2021 19. Januar 26, 18:09 Uhr

Ich möchte nochmal auf Beitrag 28 von lighthouse des letzten Threads eingehen.
„ Dann eben doch Alonso. Es ist doch nicht mehr die Frage, woher wir kommen, sondern wer wir sind.“

Ist natürlich erst einmal die Frage, ob Alonso nicht auf größere Klubs schielt. Vielleicht hat er aber auch gelernt, dass er in Vereinen wie Leverkusen oder vielleicht auch Frankfurt besser aufgehoben ist als in Madrid.

Hier kann er Mannschaften entwickeln, was ihm offenbar liegt. In Madrid und anderen großen Clubs hat man ein fertige Mannschaft mit Stars, die mehr moderiert als trainiert werden muss. Dies hat Zidane einige Jahre sehr gut hinbekommen.

Offenbar hat er in Madrid 6 Millionen p.a. bekommen. Ist vielleicht etwas viel, aber wenn wir uns wirklich weiterentwickeln wollen, muss man auch mal für einen Trainer, von dem man überzeugt ist, tiefer in die Tasche greifen.

Ein einzelner Trainer hat mehr Einfluss auf das Spiel als ein einzelner Spieler. Wir zahlen inzwischen für einige Spieler 3-4 Millionen im Jahr. 4 bis vielleicht auch 5 Millionen für einen Trainer könnten eine gute Investition sein.

Unter Toppmöller sind im letzten halben Jahr fast alle Spieler schlechter geworden. Wenn ein anderer Trainer einige Spieler wieder besser macht und somit deren Marktwert steigert, hat sich die Investition schnell gelohnt.

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Avatar 5. 1899international 19. Januar 26, 18:10 Uhr

„Wir sind im letzten Jahr die jüngste Mannschaft gewesen und sind es dieses Jahr wieder."

Hat er nicht gesagt, sondern "Wir sind im letzten Jahr die jüngste Mannschaft gewesen und sind dieses Jahr wieder mit die jüngste Mannschaft."

Sorry für das Erbsenzählen.😉

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Fallback Avatar 6. Frankfurter Schlappekicker 19. Januar 26, 18:13 Uhr

Wer übernimmt denn aktuell die Aufgaben von Meier und Schmitt bei den U-Mannschaften?

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Fallback Avatar 7. Muecke 69 19. Januar 26, 18:23 Uhr

Vielleicht wird ja unser neuer Trainer Jürgen Klopp 😉

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Avatar Der User hat SGE4EVER.de mit mind. 25 € finanziell unterstützt, als es um den großen Relaunch 2024 ging. 8. SGE74 19. Januar 26, 19:09 Uhr Zitat - Frankfurter Schlappekicker Wer übernimmt denn aktuell die Aufgaben von Meier und Schmitt bei den U-Mannschaften? Path

Die haben noch Spielpause, daher wird es diese Woche kein Problem darstellen.

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