„Natürlich. Der Preis für meinen gelebten Traum von der Bundesliga ist hoch. Ich muss täglich den Schauspieler geben und mich selbst verleugnen. Am Anfang war es ein großes Spiel und kein Problem, doch mit der Zeit zehrt es sehr an mir. Ich weiß nicht, ob ich den ständigen Druck zwischen dem heterosexuellen Vorzeigespieler und der möglichen Entdeckung noch bis zum Ende meiner Karriere aushalten kann.“
Gestern erschien auf der www.fluter.de ein Interview, dass jetzt schon hohe Wellen schlägt. In diesem Gespräch äußert sich ein junger Bundesligaspieler, natürlich anonym, über seine Homosexualität. Die Worte werden mit Bedacht gewählt und die Verunsicherung ist beim Lesen der Zeilen spürbar. Es ist sozusagen ein Spieler, den es in der Welt des Fußballes, eigentlich nicht gibt. Anders als in der Medienwelt, wo ein Hape Kerkeling, oder sogar in der Politik, wo ein Guido Westerwelle akzeptiert werden, scheint dies im Profisport nicht möglich zu sein.
„Fußballer dagegen sind das männliche Stereotyp schlechthin. Sie müssen Sport lieben, aggressiv kämpfen und gleichzeitig das große Vorbild sein. Schwule sind das alles einfach nicht. Punkt. Oder soll jemand eine aufgebrachte Menge von Fans vor dem Spiel aufklären, dass „die Schwulen“ eigentlich auch nur ganz normale Männer sind und gleich mitspielen? Unvorstellbar. In der Situation im Stadion oder nach dem Spiel wird jeder kleine Anlass in der Gruppe zu einer ganz großen Angelegenheit. Ich wäre nicht mehr sicher, wenn meine Sexualität an die Öffentlichkeit käme.“
Die Angst davor, von der Öffentlichkeit zerpflückt zu werden, ist riesengroß. Es gäbe wohl keine Ruhe mehr und der Spieler würde komplett anders betrachtet werden als zuvor. Spannend ist aber der Punkt, dass die Angst vor der Öffentlichkeit größer sei als vor den Fans. In der aufgeheizten Stimmung im Stadion arbeitet nur noch das Kleinhirn des Menschen, weshalb Toleranz in diesem Moment überhaupt keine Rolle mehr spielt. Dem Fan ist es also egal, wen er da gerade beschimpft, um es platt auszudrücken. „Auch wenn ich mit den Fans klar käme, wäre die pure Öffentlichkeit schlimmer.“
Die vielen Home-Storys, die den Fußballer nur noch auf einen Homosexuellen minimieren würden, wären unerträglich. Der Gedanke daran, nicht mehr normal leben zu können, weil die ganze Nation mit über das Intimleben redet und unterrichtet werden möchte. Dazu sei auch keine Partnerschaft möglich, die „Person neben mir“ gibt es nicht. Das monatelange Versteckspiel wäre auch für keine Beziehung förderlich, so die Aussage des Profis. Und zu bestimmten Anlässen muss einfach die „Spielerfrau“ an der Seite des Mannes stehen, was aber durch Kontakte zu Freundinnen kein Problem sei. Eine Lösung für dieses Problem gibt es also immer!
Einen „Club der schwulen Fußballer“ gibt es aber nicht. Man weiß zwar, dass es schwule Kollegen gibt, jedoch kann man sich nicht treffen, was wohl zu viel Aufmerksamkeit erregen würde.
In der Mannschaft gibt es aber keine Probleme.
„Ich kenne keinen Spieler in der ganzen Liga, der damit ein Problem hat. Es gibt sogar manche, die mit großem Interesse nachfragen – aber das ist wirklich die absolute Ausnahme. Natürlich sind einige Situationen wie das Duschen am Anfang für beide Seiten unangenehm. Ich habe aber kein Interesse an den Mitspielern und irgendwann ist es für alle Seiten egal. Schließlich sind die Kollegen trotz des schlechten Rufs nicht ignorant.“
Nichtsdestotrotz ist ein Outing einfach nicht möglich, auch wenn Theo Zwanziger sich positiv dazu äußerte. Eventuell wäre es „zu verschmerzen, wenn sich mehrere Spieler äußern würden“. Aber auch da bestünde keine Hoffnung. Trotzdem hofft der Spieler, dass mit seinem Interview vielleicht auch andere schaffen sich zu diesem prekären Thema zu äußern. Nun möchte der Spieler aber erstmal weiter an seiner Fußballerkarriere arbeiten, dass sich privat etwas ändert glaubt er nicht. Es wäre zwar schön, wenn eine Welle der Outings ausbrechen würde und er irgendwann öffentlich mit seinem Freund im Restaurent sitzen könnte, aber daran glauben tut er nicht!
Kommentar zu diesem Interview:
Die erste Frage, die sich mir und auch einem Redaktionskollegen stellte, war, ob dieses Interview überhaupt ein echtes ist. Nach Bestätigung der Redaktion möchte ich diese Zweifel jetzt aber auswischen.
Dieses spannende Gespräch kann von zwei Säulen betrachtet werden, die ich nun näher beleuchten möchte.
Die Ausgangslage: Dem homosexuellen Bundesligaspieler geht es schlecht. Er kann seine Identität nicht komplett ausleben, ein wichtiger Teil fällt aufgrund seines Berufs komplett weg. Der Druck, den die Medien- und wohl auch die Fanwelt ausüben würden, erscheinen ihm viel zu groß, sodass er schweigt und hofft, dass sich irgendwann etwas an seiner Situation ändern könnte, indem vielleicht ein anderer Profi den Mut hat, sich zu outen.
1.) Die „Selbstverschuldung“: Nun aber hierzu die Gegenfrage: Ist die Medienwelt nicht deutlich offener geworden, was dies angeht? Wäre es nicht möglich, z.B. mit einem oder mehreren guten Medienberatern, hier ans Mirko zu gehen, den großen Schritt zu wagen und dann 3-4 Wochen damit eine Welle loszutreten? Auch wenn der Spieler hier differenziert und denkst, dass ein Hape Kerkeling damit anders umgehen könnte, als ein Fußballspieler, scheint die Medienwelt, wo selbst viele bekennende homosexuelle Journalisten/innen arbeiten, inzwischen hier weiter zu sein. Hier könnte man zu dem Fazit kommen, dass der Fußballer selbst an seiner Lage Schuld ist und diese durch einen strikten, klar geplanten Medienzug, ändern könnte.
2.) Die „Auswegslosigkeit“: Spieler X wieder entdeckt mit seinem Freund Y, der vielleicht auch Profi im selben Klub ist! Wie reagieren Mitspieler? Der homosexuelle Experte Z, der weiterhin anonym bleiben möchte, äußert erste Bedenken, ob es klug war, sich zu outen, da er diesen Schritt nicht wagen würde. Lebt ein homosexueller Spieler als ein heterosexueller? Was ist eventuell mit seiner Ehefrau, die er jahrelang zu allen Events mitbrachte? Der Spieler merkt auf einmal, was für eine Wucht auf ihn prallt und genau dies hat er immer befürchtet. Um dieser Wucht zu entgehen versteckt er sich weiterhin und lässt die Medien (die vielleicht sowieso schon mehr wissen…?) weiter spekulieren.
Ist dieses Versteckspiel ein Kampf von „Spieler vs. Medien“ oder auch ein Kampf von „Spieler vs. Fans“? Klar und deutlich sage ich Ersteres, da es den meisten Fans wohl ziemlich egal wäre, ob der Star auf dem Feld nun homo-, bi- oder heterosexuell ist, solange er seine Leistung auf das Feld bringt. In den 90 Minuten im Stadion wollen die Fans, dass ihre Mannschaft gewinnt und wenn jeder Spieler alles gibt, dann ist auch, nachdem man sich anfangs vielleicht an die „neue Zeitrechnung“, dass sich nun auch Spieler geoutet haben, gewöhnen musste, schnell vergessen, welchem Geschlecht ihr „Idol“ hinterherrennt.
Ich persönlich würde mir sehr wünschen, dass sich zu dieser Angelegenheit mutig geäußert und auch im Fußball damit die letzte große Blockade fällt, nachdem man jetzt schon klar und deutlich rassistische Anfeindungen bekämpft. Der Fußball verbindet, auch wenn dies sehr pathetisch, die Menschen verschiedener Nationen, Kulturen und Hautfarben und sollte nun auch diesen letzten Schritt gehen und sich auch endlich zum Thema der Homosexualität öffnen!




58 Kommentare
Was ist denn hier los? Ist das Niveau der Seite wieder angestiegen? Mann kann ja endlich mal wieder alles lesen.
Also dafür das das nicht echt sein soll, schint es gerade sehr weite Kreise zu ziehen.
http://www.bild.de/sport/fussball/angela-merkel/schwuler-profi-muss-keine-angst-vor-outing-haben-26180360.bild.html
Wiese!!!! ;)
jaja die schwulis.... sollen die doch einfach dazu stehen.... gibts bestimmt paar lustige Überraschungen....
bisschen humor werden die wohl vertragen....
wird ja dann richtiges charakter und sozialkompetenz outing werden sobald ma paar schwuggeles sich geoutet haben outen sich dann bei den fans paar wie sozialkompetent se sind.....
hat maischberger , jauch und co wieder viel zu tun....
dauert ne gewisse zeit der hype und dann is gut, wird schon zu keiner revolution deswegen kommen.
Ich denke, heute ist ein guter Tag sich zu outen:
1. Ich bin hetero
2. Ich gehöre zu der Gruppe von Menschen, die der Meinung sind, dass Sport/Arbeit und sexuelle Ausrichtung aber auch gar nichts miteinander zu tun haben.
Und deshalb rate ich nur jedem schwulen Kicker ab
sich zu outen (siehe 2). Der wird nicht glücklich (maximal wie Rex Guildo in der verlogenen Zeit)
Tut mir leid; ist aber so.
@luxsge:
"Aber mir kann keiner erzählen, daß jemand heiratet und Kinder zeugt, nur um nach aussen heile Welt zu verkörpern"
ich würde sagen, da liegst mal vollkommen daneben.
es gibt letztlich nur drei möglichkeiten.
1. der mann ist schwul, will das aber selbst nicht wahrhaben, was aber irgendwann nicht mehr geht.
2. der mann ist schwul und will das nicht nach außen hin zugeben, was für ihn irgendwann auch nicht mehr geht.
3. der mann ist bi und hat sich zuerst in ne frau verliebt, die er heiratet und mit der er ein kind hat und verliebt sich danach in einen mann.
ich bin mir sicher, dass der mit abstand größte teil, der männer, die verheiratet waren und kinder haben, die aber irgendwann für einen gleichgeschlechtlichen partner verlassen haben in der 2. gruppe liegt.
da gibt es 100% auch studien zu, muss man nur ein bisschen suchen.
warum glaubst du denn, dass homosexuelle männer eine frau heiraten und mit ihr schlafen, obwohl sie garnicht auf sie stehen?
sexuelle neigung ist ja nicht etwas, das man grad mal nach tagesform ändert bzw. sich entscheidet, wie diese sein soll.
@a_l_p_i:
Ich wollte damit sagen, daß es eine sehr komplexe Sache ist, den besten Trainer der BL auszumachen.
Da spielen 100.000 Komponenten aus Trainingswissenschaft, Sportpädagogik, Rolle.
Um das zu verstehen reicht dein Horizont leider nicht aus. Schade. Und Tipps nimmst Du auch nicht an. Von daher ist jeder weitere Kommentar zwecklos.
Obwohl es mir andersherum lieber wäre. Naja, kann man leider nix machen. Armer a_l_p_i...
Ach so, lieber a_l_p_i:
Tastatuir hat grad gestreikt! Es fehlt "Psychologie, usw. eine".
Finde selbst heraus, wo man es einsetzen könnte.
-=|8-D
=|:-)=
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